Viele Menschen mit Parkinson stellen fest, dass Medikamente zwar stabilisieren, aber keine verlorene Funktion zurückbringen. Die Frage, ob im Gehirn dennoch reaktivierbare Reserven bestehen, rückt zunehmend in den Fokus der Forschung. Die High-Dose-Thiamin-Therapie (HDT) berührt genau diesen Punkt - sie betrachtet Parkinson nicht nur als Verlust, sondern auch als Funktionsblockade, die sich unter bestimmten Bedingungen lösen lässt. Wenn sich diese funktionelle Reaktivierbarkeit bestätigt, entsteht ein neuer Weg in Richtung Wiederherstellung und langfristig vielleicht auch in Richtung Heilung.
Was ist High-Dose-Thiamin-Therapie?
Die High-Dose-Thiamin-Therapie (HDT) ist ein therapeutischer Ansatz, bei dem Vitamin B1 in pharmakologischer Dosierung eingesetzt wird, um den zellulären Energiestoffwechsel zu stabilisieren. Anders als bei der üblichen Nahrungsergänzung steht nicht die Deckung eines Mangels im Vordergrund, sondern die funktionelle Aktivierung mitochondrialer Prozesse.
Bei Parkinson ist dieser Mechanismus relevant, weil die neuronalen Netzwerke der Substantia nigra nicht vollständig zerstört, sondern energetisch unterversorgt sein können. In diesem Zustand arbeiten sie nicht auf voller Leistung - sie sind funktionell "heruntergefahren". Die HDT zielt darauf ab, diese Blockade zu lösen und die Funktionsfähigkeit solcher Netzwerke wieder zugänglich zu machen. Erste Erfahrungen zeigen, dass sich damit nahezu alle Symptome bessern können, die bislang als rein degenerativ interpretiert wurden.
Verbindung zur aktuellen Forschung
Die Idee, dass im Parkinson-Gehirn noch funktionell reaktivierbare Netzwerke existieren, spiegelt sich bereits in aktuellen Forschungsansätzen wider. Ein prominentes Beispiel ist die von Prof. Wolfgang Oertel mitgeleitete Forschung zu Acetyl-DL-Leucin. Diese Substanz wirkt nicht dopaminerg und zielt nicht auf Ersatz, sondern auf die Stabilisierung gestörter neuronaler Funktionen. Dass sich dadurch Symptome bessern können, legt nahe, dass betroffene Netzwerke strukturell weiterhin vorhanden und funktionell beeinflussbar sind.
High-Dose-Thiamin greift denselben Mechanismus von einer anderen Seite auf - nicht über Ionenhomöostase, sondern über den Energiestoffwechsel. So entsteht keine Gegenthese, sondern eine inhaltliche Erweiterung innerhalb desselben funktionellen Verständnisses. In wissenschaftlicher Sprache bedeutet das: Es handelt sich nicht um irreversible Degeneration, sondern um eine funktionelle Störung - also genau jene Konstellation, die im erweiterten Verständnis als Dormanz / Weckbarkeit beschrieben wird.
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Die Patientenperspektive und der Bedarf an neuen Therapieansätzen
Die Patientenperspektive und der Bedarf an neuen therapeutischen Perspektiven zeigen sich daran, dass viele Betroffene Forschungsprojekte wie Acetyl-DL-Leucin sogar aus eigener Tasche unterstützen - oft ohne Aussicht, selbst noch davon zu profitieren. Die Hochdosis-Thiamin-Therapie steht stellvertretend für viele patientengetragene Entwicklungen. Ihre sichtbaren Erfolge sind bislang kaum wissenschaftlich untersucht - nicht aus Mangel an Wirkung, sondern aus Mangel an wirtschaftlichem Interesse. Thiamin lässt sich nicht patentieren, und was sich nicht patentieren lässt, wird selten erforscht. Darum braucht es Erfahrungsevidenz: dokumentierte Realität statt bloßer Theorie.
Die Beobachtungen werden als Einladung zur weiteren wissenschaftlichen Prüfung verstanden. Dieses Verhalten ist kein Ausdruck von Hoffnung, sondern von Versorgungsbedarf: Betroffene signalisieren damit, dass das bestehende therapeutische Modell allein nicht ausreicht. Die High-Dose-Thiamin-Therapie steht bereits heute als funktioneller Ansatz zur Verfügung und wird seit Jahren erfolgreich angewendet - sie wartet nicht auf eine zukünftige Möglichkeit, sondern auf systemische Anerkennung. Die High-Dose-Thiamin-Therapie nach Costantini zeigt bereits heute, dass funktionelle Wiederherstellung prinzipiell möglich ist.
Die Rolle von Thiamin im Energiestoffwechsel und seine Bedeutung bei Parkinson
Bei der Parkinson-Krankheit betrifft die Erkrankung bestimmte Nervenzellen im Gehirn, vor allem in der sogenannten Substantia nigra im Hirnstamm. Dort kommt es zur Störung der Energiesysteme der Mitochondrien, zu oxidativem Stress und nachfolgend zu Ablagerungen von fehlgefalteten Proteinen (alpha-Synuklein) in den Nervenzellen. Die Folge: Die Nervenzellen verlieren zunehmend ihre Funktion und sterben ab. Dadurch fehlt es auch immer mehr an Botenstoffen wie Dopamin. Dopamin spielt eine wichtige Rolle für die Bewegung.
Thiamin spielt eine entscheidende Rolle im Energiestoffwechsel der Zellen, insbesondere in den Mitochondrien, den "Kraftwerken" der Zellen. Es ist ein wichtiger Kofaktor für verschiedene Enzyme, die an der Umwandlung von Kohlenhydraten in Energie beteiligt sind. Bei Parkinson-Patienten kann es zu einer Störung des Energiestoffwechsels in den Nervenzellen kommen, was zu einer Beeinträchtigung ihrer Funktion und letztendlich zum Zelltod führen kann. Die High-Dose-Thiamin-Therapie zielt darauf ab, den Energiestoffwechsel in den Nervenzellen zu verbessern und so ihre Funktion zu unterstützen.
Erfahrungen aus der Selbsthilfe und die Bedeutung des Austauschs
In Parkinson-Selbsthilfegruppen sprechen Gleichgesinnte über ihre Erfahrungen, Stärken, Defizite, Hoffnungen und Ängste. Es werden Erfahrungen mit der Krankheit, Wirkung verschiedener Medikamente, sowie der Umgang mit der Krankheit besprochen. Das Hauptziel der Gruppenarbeit ist dem Parkinsonerkrankten zu helfen nicht in die Isolation zu geraten, beziehungsweise zu helfen aus dieser wieder herauszukommen. Es werden Vorträge von erfahrenen Ärzten stattfinden, uns es können Tipps und Hinweise, auch beim gemütlichen Gespräch, weitergegeben werden.
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In unserer Parkinson-Selbsthilfegruppe verstehen wir ‚Der Krankheit den Frieden erklären‘ als Einladung zu einem neuen Verständnis: Anstatt uns in inneren Kämpfen aufzureiben und wertvolle Lebenszeit und Energie zu verlieren, bündeln wir unser Wissen um ein Verständnis für die Erkrankung zu entwickeln und gezielte Schritte in Richtung Schmerzfreiheit, Linderung von Symptomen, mehr Beweglichkeit und Wohlbefinden zu unternehmen. Mit innovativen Ansätzen wie z.B. der High-Dose-Thiamin-Therapie, gezielter Aminosäuren-Supplementierung, Entgiftung, Ernährung, Sport und Bewegung und dem bewussten Lösen negativer Narrativen eröffnen sich neue Perspektiven auf den Krankheitsverlauf - in sinnvoller Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung, bis die Forschung Wege zur Heilung gefunden hat.
Alternative Ansätze und Buchempfehlungen
Es gibt auch alternative Ansätze bei Parkinson, wie sie in den Buchempfehlungen "Parkinson und die B1 Therapie" und "Mitochondrientherapie - die Alternative" beschrieben werden. Das rund 80 Seiten starke Büchlein stellt die High-Dose-Thiamin-Therapie vor - eine wissenschaftlich begleitete und vielfach angewendete Behandlungsmethode mit hochdosiertem Vitamin B1 (Thiamin). Kern des Protokolls ist die Einnahme von täglich 2 × 2 Gramm Vitamin B1 über 90 Tage. Studien und Erfahrungsberichte zeigen, dass dadurch 50-80 % der Parkinson-Symptome gelindert werden können. Auch L-Dopa-induzierte Dyskinesien sollen deutlich reduziert werden. Manche sprechen sogar davon, dass sich das Fortschreiten der Erkrankung stoppen lässt.
Das 224 Seiten starke Buch von 2014 geht deutlich tiefer. Es beschreibt, wie Mitochondrien - die „Kraftwerke der Zellen“ - gezielt gestärkt werden können. Die Therapie arbeitet mit Vitaminen, Mineralstoffen und Mikronährstoffen, um den Zellstoffwechsel zu verbessern. Dieser Ansatz gilt als komplexer, aber auch nachhaltiger. Die Mitochondrientherapie soll nicht nur bei Parkinson, sondern auch bei anderen chronischen Erkrankungen positive Effekte erzielen.
Die Bedeutung der Forschung und die Anerkennung als Berufskrankheit
Dass Umweltgifte wie Pestizide und organische Lösungsmittel schädlich für die Nerven sein können, ist mittlerweile nicht nur wissenschaftlich, sondern auch behördlich anerkannt: Seit dem Frühjahr ist Parkinson für Pestizid-Einsetzende Personen in Deutschland auch als Berufserkrankung anerkannt. Besonders gefährdet sind Landwirte, Winzer und andere Anwender. Wer unzureichend geschützt mindestens 100 Anwendungstage mit einem dieser Pestizide im Berufsleben hatte, kann die Parkinson-Erkrankung als Berufskrankheit anerkennen lassen.
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