Tadalafil, ein Wirkstoff aus der Gruppe der Phosphodiesterase-5 (PDE-5)-Inhibitoren, wird hauptsächlich zur Behandlung von Erektionsstörungen und pulmonaler Hypertonie eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung, den Wirkmechanismus, die Pharmakokinetik, Dosierung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Tadalafil, insbesondere im Hinblick auf Epilepsie.
Anwendungsgebiete von Tadalafil
Der PDE-5-Hemmer Tadalafil findet hauptsächlich Anwendung bei der symptomatischen Therapie von Erektionsstörungen. Darüber hinaus wird er bei pulmonaler Hypertonie (Lungenhochdruck) und gutartigen Vergrößerungen der Prostata eingesetzt.
Wirkmechanismus von Tadalafil
Tadalafil gehört zur Wirkstoffgruppe der Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (PDE-5-Hemmer), zu denen auch Sildenafil oder Vardenafil zählen. Im Unterschied zu verwandten Wirkstoffen zeichnet sich Tadalafil durch eine besonders lange Wirkdauer von bis zu 36 Stunden aus.
Seine Wirkung entfaltet Tadalafil durch die Blockade der Phosphodiesterase-5, die wiederum den Abbau von zyklischem Guanin-Monophosphat (cGMP) verzögert - die Blutgefäße weiten sich. Dadurch kann Blut leichter in den Schwellkörper des Penis fließen und eine Erektion ermöglichen. In Kombination mit sexueller Erregung bewirkt der erhöhte cGMP-Spiegel eine festere und anhaltendere Erektion. Es ist wichtig zu betonen, dass Tadalafil keine luststeigernde Wirkung hat.
Der positive Effekt von Tadalafil auf Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) beruht ebenfalls auf der gefäßerweiternden Wirkung.
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Pharmakokinetik von Tadalafil
Resorption
Tadalafil wird nach oraler Einnahme gut resorbiert, wobei die durchschnittliche maximale Plasmakonzentration (Cmax) etwa 2 Stunden nach Einnahme erreicht wird. Die Resorption wird nicht durch Nahrung beeinflusst, daher kann Tadalafil unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Der Zeitpunkt der Einnahme (morgens oder abends) hat keinen signifikanten Einfluss auf die Resorptionsgeschwindigkeit und das Ausmaß.
Verteilung
Das mittlere Verteilungsvolumen beträgt etwa 63 Liter, was darauf hindeutet, dass Tadalafil im Körpergewebe verteilt wird. In therapeutischen Konzentrationen beträgt die Plasmaproteinbindung 94 %, und diese wird durch Nierenfunktionsstörungen nicht beeinflusst. Weniger als 0,0005% der eingenommenen Dosis wird im Samen gesunder Probanden gefunden.
Biotransformation
Tadalafil wird hauptsächlich durch das Enzym Cytochrom P450 3A4 (CYP3A4) metabolisiert. Der Hauptmetabolit, Methylcatecholglucuronid, ist auf die Zielstruktur PDE5 mindestens 13.000-fach weniger wirksam als Tadalafil und hat keine klinisch relevante Wirkung.
Elimination
Bei gesunden Probanden beträgt die durchschnittliche Clearance nach oraler Gabe 2,5 l/h und die Halbwertszeit 17,5 Stunden. Tadalafil wird hauptsächlich als inaktive Metaboliten ausgeschieden, zu 61 % über den Stuhl und zu 36 % über den Urin.
Linearität/Nicht-Linearität
Die Pharmakokinetik ist bei gesunden Probanden im Hinblick auf Zeit und Dosis linear. Die Exposition steigt im Dosisbereich von 2,5 bis 20 mg proportional zur Dosis. Eine Steady-State-Plasmakonzentration wird bei einmal täglicher Gabe innerhalb von 5 Tagen erreicht, mit einer Exposition, die ca. 1,5-fach höher ist als nach einer Einzeldosis.
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Dosierung von Tadalafil
Tadalafil wird in Tablettenform in den Dosierungen 5 mg, 10 mg und 20 mg angeboten. Eingenommen wird es zwischen 30 und 60 Minuten, bevor die erwünschte Wirkung eintreten soll. Gleichzeitige Nahrungsaufnahme kann die Aufnahme und Wirkung verzögern. Die empfohlene Dosis beträgt 10 bis 20 mg bei Einzeleinnahme und darf nur einmal am Tag genommen werden. Soll eine häufigere Anwendung erfolgen, werden tägliche Dosen von 2,5 bis 5 mg empfohlen, abhängig von der Verträglichkeit.
Wird Tadalafil eingesetzt, um eine pulmonale arterielle Hypertonie zu behandeln, beträgt die Tagesdosis einmal täglich 40 mg. Bei benignem Prostatasyndrom liegt die tägliche Dosis bei 5 mg.
Bei schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung liegt die Tageshöchstdosis bei 10 mg.
Nebenwirkungen von Tadalafil
Phosphodiesterase-5-Inhibitoren wie Tadalafil haben ein großes Spektrum an Nebenwirkungen. Insbesondere bei bestehenden Herz-Kreislauferkrankungen besteht das Risiko eines Herzversagens. Tadalafil ist für eine Selbstbehandlung nicht geeignet und sollte nur nach einer gründlichen ärztlichen Untersuchung angewendet werden.
Zu den typischen, weniger gefährlichen Nebenwirkungen von Tadalafil zählen Magen-Darm-Beschwerden, Sehstörungen und grippeähnliche Symptome. Bronchitis, Husten, Kopfschmerzen (Migräne), Schwindel und psychische Symptome wie Unruhe oder Angst sind weitere mögliche Nebenwirkungen.
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Im Folgenden sind mögliche Nebenwirkungen nach ihrer Häufigkeit aufgelistet:
- Häufig: Kopfschmerzen, Hautrötung, verstopfte Nase, Dyspepsie, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen, Schmerzen in den Extremitäten.
- Gelegentlich: Überempfindlichkeitsreaktionen, Schwindel, verschwommenes Sehen, Empfindungen, die als Augenschmerzen beschrieben werden, Tinnitus, Tachykardie und Palpitationen, Hypotonie, Hypertonie, Atemnot, Nasenbluten, abdominale Schmerzen, Erbrechen, Übelkeit, gastroösophagealer Reflux, Ausschlag, Hämaturie, lang andauernde Erektionen, Brustschmerz, periphere Ödeme, Müdigkeit.
- Selten: Angioödem, Schlaganfall, Synkope, vorübergehende ischämische Attacken, Migräne, Krampfanfälle, vorübergehende Gedächtnisstörung, Gesichtsfeldausfall, Schwellung der Augenlider, Bindehautrötung, nicht arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie, retinaler Gefäßverschluss, Hörsturz, Myokardinfarkt, instabile Angina pectoris, ventrikuläre Arrhythmien, Urtikaria (Nesselsucht), Stevens-Johnson-Syndrom, exfoliative Dermatitis, starkes Schwitzen, Priapismus, Penishämorrhagie, Hämatospermie, Gesichtsödem, plötzlicher Herztod.
Wechselwirkungen von Tadalafil mit anderen Arzneimitteln
Verschiedene Arzneimittel können sich auf Tadalafil auswirken:
- CYP3A4-Inhibitoren (wie Ketoconazol, Ritonavir): erhöhte AUC und Cmax von Tadalafil
- Saquinavir, Erythromycin, Clarithromycin, Itraconazol, Grapefruitsaft: erhöhte Tadalafil-Plasmaspiegel möglich
- CYP3A4-Induktoren (wie Rifampicin, Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin): verringerte Tadalafilplasmakonzentration
- Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln, die Transportproteine beeinflussen
Ebenso wirkt sich Tadalafil auf andere Arzneimittel aus:
- Nitrate: verstärkte Blutdrucksenkung
- Antihypertensiva, einschließlich Calciumkanal-Blocker wie Doxazosin: deutlich erhöhte blutdrucksenkende Wirkung und Synkopen bei einzelnen Präparaten möglich. Die Mehrzahl der Wirkstoffe hat jedoch in Studien keine deutlichen Wechselwirkungen gezeigt.
- Riociguat: verstärkte Blutdrucksenkung
- Ethinylestradiol, Terbutalin: erhöhte orale Bioverfügbarkeit der Wirkstoffe.
Kontraindikationen für die Anwendung von Tadalafil
Patienten mit einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff dürfen Tadalafil nicht anwenden. Ebenso ist es bei Patienten kontraindiziert, die organische Nitrate in jeglicher Form bekommen oder aufgrund einer kardialen Erkrankung keine sexuellen Aktivitäten ausüben sollten. Auch eine Behandlung mit Riociguat schließt eine gleichzeitige Therapie mit Tadalafil aus.
Da zu Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt innerhalb der letzten 90 Tage, instabiler Angina pectoris oder durch sexuelle Aktivitäten ausgelöste Angina pectoris, Herzinsuffizienz Grad II oder höher in den letzten sechs Monaten, unkontrollierten Arrhythmien und Hypotonie oder unkontrollierter Hypertonie oder Schlaganfall in den letzten sechs Monaten keine Daten vorliegen, wird auch bei diesen von Tadalafil abgeraten. Auch Patienten, die aufgrund einer nicht arteriitischen anterioren ischämischen Optikusneuropathie auf einem Auge erblindet sind, wird von Tadalfil abgeraten. Eine Begleittherapie von PDE-5-Hemmern mit Guanylatcyclase-Stimulatoren ist ebenfalls kontraiindziert.
Besteht eine anatomische Deformation am Penis, darf Tadalafil nur mit Vorsicht angewendet werden.
Tadalafil und Epilepsie: Mögliche Wechselwirkungen
Die Frage nach Wechselwirkungen zwischen Tadalafil und Antiepileptika ist von besonderer Bedeutung. Einige Antiepileptika, insbesondere solche, die als CYP3A4-Induktoren wirken (wie Phenytoin, Carbamazepin und Phenobarbital), können die Plasmakonzentration von Tadalafil verringern und somit dessen Wirksamkeit beeinträchtigen. Dies bedeutet, dass bei gleichzeitiger Einnahme von Tadalafil und diesen Antiepileptika möglicherweise eine höhere Dosis Tadalafil erforderlich ist, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.
Auf der anderen Seite können CYP3A4-Inhibitoren (wie Ketoconazol, Erythromycin) die Plasmakonzentration von Tadalafil erhöhen, was das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen kann. In solchen Fällen kann eine Dosisanpassung von Tadalafil erforderlich sein.
Es ist wichtig zu beachten, dass die neueren Antiepileptika (wie Gabapentin, Levetiracetam oder Topiramat) ein geringeres Interaktionspotenzial mit anderen Medikamenten aufweisen. Dennoch sollte die gleichzeitige Anwendung von Tadalafil und Antiepileptika immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, um mögliche Wechselwirkungen zu erkennen und entsprechend zu handeln.
Verkehrstüchtigkeit
Der Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit ist vernachlässigbar. Patienten sollten jedoch darauf hingewiesen werden, dass aufgrund von Nebenwirkungen eine Beeinträchtigung entstehen kann und sie nach den ersten Gaben nicht Auto fahren oder Maschinen bedienen sollten.
Alternativen zu Tadalafil
Weitere PDE-5-Hemmer sind:
- Avanafil (neuester Vertreter)
- Sildenafil (erster Vertreter der Substanzklasse)
- Vardenafil
Weitere Wirkstoffe zur Behandlung der erektilen Dysfunktion sind:
- Alprostadil
- Aviptadil in Kombination mit Phentolamin (Invicorp)
- Apomorphin
- Papaverin
- Yohimbin
Wichtige Hinweise zur Anwendung von Tadalafil
Kardiovaskulärer Status
Vor Beginn einer Behandlung der erektilen Dysfunktion sollte der Arzt den kardiovaskulären Status seines Patienten prüfen, da sexuelle Aktivität mit einem gewissen Risiko für das Herz verbunden ist.
Priapismus
Hält die Erektion nach Einnahme von Tadalafil vier Stunden oder länger an (Priapismus), sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Falls der Priapismus nicht umgehend behandelt wird, kann dies zur Schädigung des Penisgewebes und zu dauerhaftem Potenzverlust führen.
Sehstörungen
Bei der Einnahme von PDE-5-Inhibitoren kann es zu Sehstörungen und Fällen von nicht arteriitischer anteriorer ischämischer Optikusneuropathie (NAION) kommen. Bei Auswirkungen auf das Sehvermögen sollte die Einnahme von PDE-5-Inhibitoren abgebrochen und ein Arzt aufgesucht werden.
Auswirkung auf die Blutung
PDE-5-Inhibitoren selbst haben keine Wirkung auf die Aggregation von Thrombozyten, bei supratherapeutischen Dosen können sie jedoch in vitro die aggregationshemmende Wirkung des Stickstoffmonoxid-Donators Natriumnitroprussid verstärken.
Zusammenfassung
Tadalafil ist ein wirksames Medikament zur Behandlung von Erektionsstörungen und pulmonaler Hypertonie. Es wirkt durch die Hemmung des PDE-5-Enzyms, was zu einer Erhöhung des cGMP-Spiegels und einer Erweiterung der Blutgefäße führt. Die Pharmakokinetik von Tadalafil ist gut untersucht, und es wird hauptsächlich über den Stuhl und Urin ausgeschieden.
Bei der Anwendung von Tadalafil sind jedoch einige wichtige Punkte zu beachten. Erstens sollten Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor der Einnahme von Tadalafil ihren Arzt konsultieren, da sexuelle Aktivität ein Risiko für das Herz darstellen kann. Zweitens kann Tadalafil Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben, insbesondere mit CYP3A4-Inhibitoren und -Induktoren. Daher ist es wichtig, den Arzt über alle eingenommenen Medikamente zu informieren. Drittens können bei der Einnahme von Tadalafil Nebenwirkungen auftreten, wie z. B. Kopfschmerzen, Hautrötung und Magen-Darm-Beschwerden. Bei schwerwiegenden Nebenwirkungen sollte ein Arzt aufgesucht werden.