Corona-Impfung und Meningeom-Risiko: Ein umfassender Überblick

Die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen der Corona-Impfung und dem Risiko, ein Meningeom zu entwickeln, besteht, ist ein Thema, das in der Öffentlichkeit und in wissenschaftlichen Kreisen diskutiert wird. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Studienlage, Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten von Meningeomen und geht auf die Behauptungen über einen Zusammenhang mit der Corona-Impfung ein.

Was ist ein Meningeom?

Meningeome sind Tumoren, die von den Hirnhäuten ausgehen, den Membranen, die Gehirn und Rückenmark umgeben. Sie machen etwa 25 Prozent aller Hirntumoren aus und treten meist bei Erwachsenen im fünften Lebensjahrzehnt auf. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. In den meisten Fällen (etwa 90 Prozent) sind Meningeome gutartig und wachsen langsam. Bösartige Meningeome sind seltener.

Einteilung nach WHO-Grad

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt Meningeome in drei Grade ein:

  • WHO-Grad 1: Gutartiges Meningeom (über 85 Prozent der Fälle)
  • WHO-Grad 2: Atypisches Meningeom (etwa zehn Prozent der Fälle)
  • WHO-Grad 3: Anaplastisches Meningeom (zwei bis drei Prozent der Fälle, bösartig)

Die Einteilung beeinflusst sowohl die Behandlung als auch die Prognose.

Symptome und Diagnose

Meningeome verursachen oft erst nach Jahren Symptome, da sie langsam wachsen. Die Symptome sind vielfältig und hängen von der Lage des Tumors ab. Mögliche Symptome sind:

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  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Neurologische Störungen (z.B. Lähmungen, Seh-, Sprach- oder Riechstörungen)
  • Krampfanfälle
  • Psychische Veränderungen

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT).

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Meningeomen sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige bekannte Risikofaktoren:

  • Strahleneinwirkung: Eine vorangegangene Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich erhöht das Risiko.
  • Erbkrankheiten: Die Neurofibromatose Typ 2 (NF2) ist mit einem erhöhten Risiko verbunden.
  • Hormone: Weibliche Geschlechtshormone wie Progesteron und Östrogen können das Wachstum von Meningeomzellen beeinflussen. Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen hoch dosiertem Cyproteronacetat (CPA) und der Entstehung von Meningeomen.
  • Medikamente: Studien haben einen Zusammenhang zwischen hochdosiertem Medroxyprogesteronacetat (MPA) und einem erhöhten Risiko für Meningeome gezeigt. Patientinnen, die langfristig hochdosiert mit MPA behandelt werden, sollten regelmäßig auf Anzeichen eines Meningeoms überwacht werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines Meningeoms hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors sowie der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten. Folgende Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

  • Beobachtung: Kleine, asymptomatische Meningeome können zunächst beobachtet werden.
  • Operation: Die operative Entfernung des Tumors ist die Standardtherapie bei symptomatischen Meningeomen.
  • Strahlentherapie: Eine Strahlentherapie kann eingesetzt werden, wenn der Tumor nicht vollständig operativ entfernt werden kann oder bösartig ist.
  • Radiochirurgie: Eine stereotaktische Radiochirurgie kann eine Alternative zur Operation oder Strahlentherapie sein.

Behauptungen über einen Zusammenhang zwischen Corona-Impfung und Meningeomen

In sozialen Netzwerken kursieren Behauptungen, dass die Corona-Impfung, insbesondere mRNA-Impfstoffe, das Risiko für Krebserkrankungen, einschließlich Meningeomen, erhöht. Diese Behauptungen basieren oft auf fehlerhaften Interpretationen von Studien oder auf Desinformation.

Analyse der Behauptungen

Einige Behauptungen beziehen sich auf eine japanische Studie, die eine erhöhte altersbereinigte Krebssterblichkeit nach der dritten mRNA-Impfstoffdosis während der COVID-19-Pandemie in Japan festgestellt haben soll. Es wird behauptet, dass Japan deswegen den nationalen Notstand ausgerufen habe.

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Fakt ist:

  • Japan hat keinen nationalen Notstand wegen eines Anstiegs von Krebserkrankungen ausgerufen.
  • Die zitierte Studie hat die Aussagekraft ihrer eigenen Untersuchung stark eingeschränkt und betont, dass mit den öffentlich verfügbaren Daten keine Korrelation, geschweige denn eine Kausalität nachgewiesen werden kann.
  • Die Studie enthält nicht einmal den Impfstatus der Personen, die bei der Studie berücksichtigt wurden.
  • Andere Wissenschaftler kritisieren den Ansatz der Untersuchung und weisen darauf hin, dass die Studie nichts Nützliches zur medizinischen Literatur beiträgt.

Aktuelle Studienlage

Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für einen kausalen Zusammenhang zwischen der Corona-Impfung und einem erhöhten Risiko für Meningeome. Im Gegenteil, es gibt Hinweise darauf, dass mRNA-Impfstoffe die Anreicherung des Spike-Proteins im Gehirn reduzieren können, was möglicherweise das Risiko langfristiger neurologischer Folgen von COVID-19 verringert.

Eine Studie von Forschenden von Helmholtz Munich und der LMU hat gezeigt, dass das SARS-CoV-2-Spike-Protein in den Hirnhäuten und im Knochenmark des Schädels bis zu vier Jahre nach der Infektion verbleiben kann und chronische Entzündungen auslösen könnte. Die Studie fand jedoch auch heraus, dass mRNA-COVID-19-Impfstoffe die Anreicherung des Spike-Proteins im Gehirn deutlich reduzieren.

Wichtige Aspekte für Betroffene

Zufallsbefund Meningeom

Meningeome werden heute oft zufällig bei bildgebenden Untersuchungen entdeckt. Dies stellt Betroffene und Ärzte vor die Frage, wie mit dem Befund umgegangen werden soll.

  • Beobachten oder operieren? Die Entscheidung hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors sowie der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten.
  • Individuelle Abwägung: Das Vorgehen muss immer die Vorteile einer Behandlung gegen die möglichen Einschränkungen abwägen.
  • Erfahrenes Team: Betroffene sollten sich an ein in der Behandlung von Hirntumoren erfahrenes Team wenden.

Meningeom und Hormontherapie

Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen bestimmten Hormontherapien und dem Meningeom-Risiko. Insbesondere hoch dosiertes Cyproteronacetat (CPA) und Medroxyprogesteronacetat (MPA) wurden mit einem erhöhten Risiko in Verbindung gebracht.

  • Vorsicht bei Nomegestrol und Chlormadinon: Der Pharmakovigilanzausschuss PRAC der Europäischen Arzneimittelagentur EMA rät zur Vorsicht bei nomegestrol- und chlormadinonhaltigen Arzneimitteln.
  • Regelmäßige Überwachung: Patientinnen, die langfristig hochdosiert mit MPA behandelt werden, sollten regelmäßig auf Anzeichen eines Meningeoms überwacht werden.

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