Trigeminusneuralgie und ihre mögliche Verbindung zu COVID-19

Die Trigeminusneuralgie ist eine äußerst schmerzhafte Erkrankung, die durch blitzartige, stechende Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. In den letzten Jahren hat die Forschung begonnen, die möglichen neurologischen Folgen von COVID-19 zu untersuchen, einschließlich der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen COVID-19 und dem Auftreten oder der Verschlimmerung der Trigeminusneuralgie gibt.

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie ist durch sehr intensive, plötzlich einschießende Schmerzen gekennzeichnet, die als „brennend“, „stromstoßartig“ oder „elektrisierend“ beschrieben werden. Diese Schmerzen dauern meist nur wenige Sekunden, können aber bis zu 100-mal täglich auftreten, was die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränkt. In Deutschland leiden etwa zehn von 100.000 Menschen an dieser Erkrankung, wobei Frauen fast doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Häufig tritt der Gesichtsschmerz einseitig und nach dem 50. Lebensjahr auf.

Typischerweise wird die Trigeminusneuralgie durch bestimmte Auslöser (Trigger) hervorgerufen, wie z. B. Berührung, Zugluft, Kauen oder Sprechen. Medikamente, die ursprünglich gegen Epilepsie eingesetzt wurden (z. B. Carbamazepin), können ebenfalls zur Behandlung eingesetzt werden.

Der Nervus trigeminus

Der Trigeminusnerv, auch „Drillingsnerv“ genannt (lateinisch: Nervus trigeminus), ist der fünfte Hirnnerv. Er verzweigt sich in drei Hauptäste:

  • Augenast (1. Trigeminusast)
  • Oberkieferast (2. Trigeminusast)
  • Unterkieferast (3. Trigeminusast)

Die Aufgabe des Nervus trigeminus ist es, sensible Informationen aus dem gesamten Gesicht an das Gehirn zu leiten. Er wird umgangssprachlich auch als „Fühlnerv“ bezeichnet, da er für das Riechen, Schmecken und Fühlen von Berührungen im Gesicht benötigt wird. Er ist auch wichtig für die Benetzung der Hornhaut des Auges und leitet Reize an die Kaumuskeln weiter.

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Meist sind die Bereiche des zweiten und dritten Trigeminusastes von den Schmerzen betroffen, wobei der Unterkieferast am häufigsten betroffen ist, gefolgt vom Oberkieferast. Der Augenast ist fast nie betroffen.

Formen der Trigeminusneuralgie

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen der klassischen Trigeminusneuralgie und der symptomatischen Trigeminusneuralgie.

  • Klassische Trigeminusneuralgie: Ursache ist ein Konflikt zwischen einem kleinen Gefäß und dem Trigeminusnerv („mikrovaskulärer Konflikt“). Der genaue Mechanismus der Schmerzentstehung ist noch nicht vollständig geklärt.
  • Symptomatische Trigeminusneuralgie: Die Auslöser sind vielfältig und gut erforscht, die Behandlung ist jedoch oft schwieriger als bei der klassischen Form.

Ursachen der Trigeminusneuralgie

Im Gegensatz zur symptomatischen Trigeminusneuralgie, deren Auslöser beispielsweise Multiple Sklerose oder eine Tumorerkrankung sein können, ist die Ursache für die klassische Form der Neuralgie ein Gefäß-Nerven-Kontakt zwischen dem Nervus trigeminus und einem Blutgefäß, meist der Arteria cerebelli superior. Dieser Kontakt führt wahrscheinlich zu einer Art elektrischem „Kurzschluss“ und löst im Zusammenhang mit weiteren Faktoren die Fehlfunktion aus.

Dauer und Behandelbarkeit

Circa 30 Prozent der Betroffenen leiden nur einmalig an einer Trigeminusneuralgie, meist tritt sie jedoch wiederholt auf. In einigen Fällen ist die Neuralgie durch Medikamente dauerhaft gut beherrschbar, wobei diese jedoch Nebenwirkungen haben können. Die Behandlung der Ursache durch einen operativen Eingriff oder eine gezielte Bestrahlung sollte in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Die symptomatische Trigeminusneuralgie wird anders behandelt, entweder durch die Beseitigung der Ursache, mit Medikamenten oder mit stimulierenden beziehungsweise zerstörenden Verfahren im Bereich des Nervens selbst.

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COVID-19 und neurologische Komplikationen

Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 nicht nur die Atemwege befällt, sondern auch neurologische Erkrankungen auslösen kann. Studien haben ergeben, dass viele COVID-19-Patienten neurologische Beschwerden entwickeln, die unter dem Begriff "Neuro-COVID" zusammengefasst werden.

Häufige neurologische Symptome bei COVID-19

Zu den häufigsten neurologischen Symptomen bei COVID-19 gehören:

  • Anhaltende Erschöpfung (Fatigue)
  • Schmerzen
  • Konzentrationsstörungen
  • Gedächtnisprobleme
  • Schlafstörungen
  • Riechstörungen
  • Geschmacksstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel

In extremen Fällen kann es sogar zu demenzähnlichen Symptomen oder Psychosen kommen.

Mögliche Mechanismen neurologischer Schäden durch COVID-19

Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie SARS-CoV-2 neurologische Schäden verursachen kann:

  • Direkte Virusinfektion des Nervensystems: Das Virus kann über die Hirnnerven (insbesondere den Riechnerv) oder über das Blut ins Gehirn gelangen.
  • Indirekte Schäden durch die Immunreaktion: Die starke Immunreaktion des Körpers auf das Virus kann zu Entzündungen im Gehirn führen, die Nervenzellen schädigen können.
  • Blutgerinnungsstörungen: COVID-19 kann zu Blutgerinnseln führen, die Schlaganfälle oder Embolien auslösen können.

Studien zu COVID-19 und dem Gehirn

Eine Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin analysierte verschiedene Bereiche des Gehirns von Menschen, die aufgrund einer schweren Corona-Infektion verstorben waren. Die Forscher konnten zwar das Erbgut des Coronavirus im Gehirn nachweisen, fanden aber keine SARS-CoV-2-infizierten Nervenzellen. Sie vermuten, dass Immunzellen das Virus im Körper aufgenommen haben und dann ins Gehirn gewandert sind. Die Studie zeigte auch, dass bei den COVID-19-Betroffenen die molekularen Vorgänge in manchen Zellen des Gehirns auffällig verändert waren, was auf eine Reaktion auf die Entzündung im Rest des Körpers hindeutet.

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Möglicher Zusammenhang zwischen COVID-19 und Trigeminusneuralgie

Obwohl die Forschung noch nicht abgeschlossen ist, gibt es Hinweise darauf, dass COVID-19 möglicherweise einen Zusammenhang mit der Trigeminusneuralgie haben könnte:

  • Virusinfektion des Trigeminusnervs: Einige Studien haben das Coronavirus im Trigeminusnerv nachgewiesen, was darauf hindeutet, dass das Virus den Nerv direkt infizieren und Entzündungen verursachen könnte.
  • Immunvermittelte Schädigung des Nervs: Die durch COVID-19 ausgelöste Immunreaktion könnte zu einer Entzündung und Schädigung des Trigeminusnervs führen, was die Symptome der Trigeminusneuralgie auslösen oder verschlimmern könnte.
  • Vaskuläre Veränderungen: COVID-19 kann zu Veränderungen in den Blutgefäßen führen, die den Trigeminusnerv versorgen, was zu einer Kompression des Nervs und zur Auslösung von Schmerzen führen könnte.

Fallberichte und Beobachtungen

Es gibt Fallberichte und Beobachtungen von Ärzten, die zeigen, dass einige Patienten nach einer COVID-19-Erkrankung eine Trigeminusneuralgie entwickelt haben oder dass sich ihre bestehende Trigeminusneuralgie verschlimmert hat. Diese Berichte deuten darauf hin, dass COVID-19 möglicherweise ein Auslöser oder ein verstärkender Faktor für die Trigeminusneuralgie sein könnte.

Weitere Forschung erforderlich

Es ist wichtig zu betonen, dass weitere Forschung erforderlich ist, um den genauen Zusammenhang zwischen COVID-19 und der Trigeminusneuralgie zu verstehen. Zukünftige Studien sollten sich darauf konzentrieren, die Mechanismen zu identifizieren, durch die COVID-19 den Trigeminusnerv beeinflussen kann, und die Risikofaktoren für die Entwicklung einer Trigeminusneuralgie nach einer COVID-19-Erkrankung zu bestimmen.

Behandlung von Trigeminusneuralgie bei COVID-19-Patienten

Die Behandlung der Trigeminusneuralgie bei COVID-19-Patienten ähnelt im Allgemeinen der Behandlung bei Patienten ohne COVID-19. Zu den gängigen Behandlungsoptionen gehören:

  • Medikamente: Antikonvulsiva (z. B. Carbamazepin, Oxcarbazepin) sind oft die erste Wahl zur Behandlung der Trigeminusneuralgie. Andere Medikamente wie Muskelrelaxantien oder trizyklische Antidepressiva können ebenfalls eingesetzt werden.
  • Nervenblockaden: Lokale Betäubungsmittel oder Kortikosteroide können in den Trigeminusnerv injiziert werden, um die Schmerzen vorübergehend zu lindern.
  • Chirurgische Eingriffe: In schweren Fällen, die nicht auf Medikamente ansprechen, können chirurgische Eingriffe wie die mikrovaskuläre Dekompression oder die Radiofrequenzablation in Betracht gezogen werden.

Es ist wichtig, dass COVID-19-Patienten mit Trigeminusneuralgie eng mit ihrem Arzt zusammenarbeiten, um einen individuellen Behandlungsplan zu entwickeln, der ihre spezifischen Bedürfnisse und Umstände berücksichtigt.

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