Daniel Zeller Neurologie: Fortschritte in Diagnostik und Therapie neurologischer Erkrankungen

Einleitung

Die Neurologie ist ein sich ständig weiterentwickelndes Feld, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Dieser Artikel beleuchtet aktuelle Entwicklungen und Schwerpunkte in der neurologischen Forschung und Versorgung, insbesondere am Beispiel der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Dabei werden sowohl innovative Technologien wie die Computer Vision Algorithmik als auch etablierte Bereiche wie die Behandlung von Epilepsie und neuromuskulären Erkrankungen betrachtet.

Computer Vision in der Parkinson-Diagnostik: Ein Innovationspreis für Würzburger Forschung

Die Computer Vision Algorithmik, eine Technologie, die es Computern ermöglicht, visuelle Informationen zu "sehen" und zu verstehen, revolutioniert zunehmend verschiedene Bereiche, von der Automobilindustrie bis zur medizinischen Bildanalyse. Ein vielversprechendes Anwendungsgebiet ist die Diagnose und Verlaufsbeurteilung der Parkinson-Krankheit.

Dr. Maximilian U. Friedrich, Assistenzarzt und Wissenschaftler an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des UKW, wurde für sein Forschungsprojekt zur Nutzung von Computer Vision Algorithmik zur präzisen Charakterisierung der Schwere der Parkinsonerkrankung sowie ihres Ansprechens auf die medikamentöse und Hirnstimulationstherapie mit dem "NeuroTech-Innovationspreis" der Manfred und Ursula Müller-Stiftung und der DGN ausgezeichnet. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin verliehen.

Präzisere Zustandsbeschreibung durch objektive Messung

Bisher basierte die Beurteilung von Parkinson-Symptomen wie Zittern und verlangsamten Bewegungen hauptsächlich auf subjektiven Beobachtungen von Neurologen. Die Computer Vision Algorithmik ermöglicht es nun, Bewegungsmuster in Videoaufnahmen automatisch zu erkennen, die sich manchmal auch der gewöhnlichen Beobachtung durch Experten entziehen können.

Zur Erfassung der motorischen Bewegungen werden lediglich handelsübliche Geräte wie Smartphones benötigt. Durch die genauere Zustandsbeschreibung lässt sich nicht nur der Schweregrad der Erkrankung besser messen, sondern auch der Erfolg von medikamentösen Therapien und der Tiefen Hirnstimulation genauer beurteilen, was insbesondere für personalisierte Behandlungsansätze wegweisend sein könnte.

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Potenzial für die klinische Praxis und Forschung

"Ein KI-gestütztes System hat das Potenzial, die klinische Praxis zu verbessern, Diagnosen zu präzisieren und die Erforschung neurologischer Erkrankungen entscheidend voranzubringen", resümiert Friedrich, der die Methode in den nächsten Schritten bis zur Erprobung im klinischen Alltag weiterentwickeln will.

Das multidisziplinäre Projekt wird eng in das rasch wachsende Forschungsumfeld der Neurologischen Klinik des UKW unter der Leitung von Professor Dr. Jens Volkmann eingebettet und vereint lokale Partner aus der Würzburger Universitätsmedizin (u. a. die Arbeitsgruppen von Dr. Robert Peach, Prof. Dr. Daniel Zeller, Prof. Dr. Rüdiger Pryss) mit internationalen Kollaborationen. Zu diesen zählen Experten aus der angewandten Mathematik und Computerwissenschaft (Profs. David Wong und Samuel Relton, University of Leeds), der klinischen Softwareentwicklung (u. a. Prof. Dr. Jane Alty, University of Tasmania, Australien, und Prof. Ryan Roemmich, Johns Hopkins University, USA) sowie der Neurodegenerationsforschung.

Neuromuskuläre Erkrankungen: Diagnostik und Therapie am UKW

Ein weiterer Schwerpunkt der Neurologischen Klinik des UKW liegt in der Diagnostik und Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen. Diagnostik und Behandlung dieser seltenen Erkrankungen stellen mitunter eine erhebliche Herausforderung dar. Innerhalb des Universitätsklinikums und der Universität Würzburg steht ein umfassendes diagnostisches Spektrum zur Verfügung, das laufend ausgebaut wird. Die Behandlung erfolgt interdisziplinär und ganzheitlich.

Die Versorgung der Patientinnen und Patienten erfolgt im Rahmen des Neuromuskulären Zentrums der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM). Die Klinik versteht sich als überregionaler Partner für niedergelassene Neurologinnen und Neurologen sowie neurologische Kliniken und kann Patientinnen und Patienten auf Wunsch auch langfristig mitbetreuen. Durch klinische und grundlagenwissenschaftliche Forschung werden Beiträge zur besseren Diagnostik und Therapie neuromuskulärer Erkrankungen geleistet.

Behandlungsspektrum

Die Neurologische Klinik behandelt alle Formen von neuromuskulären Erkrankungen. Zu den häufigsten gehören:

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  • unklare Erhöhungen des Muskelenzyms Creatinkinase (CK)
  • mögliche Veranlagung zu maligner Hyperthermie
  • Myopathien (Muskelerkrankungen)
  • Small-fiber-Neuropathien (Erkrankungen der feinen, schmerzleitenden Nervenfasern in der Haut)
  • Polyneuropathien (Erkrankungen der peripheren Nerven)
  • Neuromuskuläre Übertragungsstörungen
  • Motoneuron-Erkrankungen

Diagnostische Möglichkeiten

Die Klinik kann auf ein breites diagnostisches Spektrum zurückgreifen. Innerhalb der Neurologischen Klinik werden angeboten:

  • eine große Bandbreite neurophysiologischer Untersuchungen an modernen Geräten, einschließlich quantitativ-sensorischer Testung (QST), schmerzassoziierter evozierter Potenziale (PREP), quantitativer Schweiß-Sekretionsprüfung (QSART) und Stanzbiopsien zur Beurteilung der Nervenversorgung der Haut
  • die Untersuchung von Nerven und Muskeln mittels hochauflösendem Ultraschall
  • umfangreiche Untersuchungsmöglichkeiten bei entzündlichen Erkrankungen der Nerven im Liquorlabor
  • ein histologisches Labor zur Beurteilung von Nerven-, Haut- und Muskelbiopsien

In den kooperierenden Abteilungen werden zudem angeboten:

  • diagnostische Eingriffe durch spezialisierte Ärztinnen und Ärzte der Neurochirurgischen Klinik
  • kernspintomographische Darstellung von Muskeln und peripheren Nerven (Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark) im Institut für Neuroradiologie
  • genetische Diagnostik erblicher Nerven- und Muskelerkrankungen im Humangenetischen Institut der Universität Würzburg

Therapie und Anlaufstellen

Die Klinik informiert über den aktuellen Stand der Therapiemöglichkeiten bei der jeweiligen Erkrankung. Bei weniger schweren oder nur langsam fortschreitenden Erkrankungen erfolgt die Überweisung zunächst in eine der ambulanten Spezialsprechstunden.

Epilepsie: Spezialsprechstunde für Betroffene

Epilepsien zählen zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Für die Betroffenen ergeben sich nicht nur körperliche, sondern auch seelische und erhebliche soziale Auswirkungen. Mit dem Angebot einer Epilepsie-Spezialsprechstunde möchte die Neurologische Klinik ein verlässlicher Partner zur Unterstützung der niedergelassenen neurologischen Kolleginnen und Kollegen sein.

Was ist Epilepsie?

Krampfanfälle sind ein vergleichsweise häufiges Phänomen. Sie sind Folge einer Funktionsstörung Nervenzell-Gruppen im Gehirn. Bei einem Anfall senden diese gleichzeitig Signale, was zu ganz unterschiedlichen Symptomen führen kann - etwa plötzliche unwillkürliche Bewegungen, Zuckungen oder Krämpfe mit oder ohne Bewusstseinsverlust. Nicht jeder Krampfanfall bedingt automatisch die Diagnose einer Epilepsie. Entscheidend hierfür ist vielmehr das Wiederholungsrisiko für weitere Anfälle, das sich mithilfe von Untersuchungen wie einem MRT des Gehirns oder einem EEG abschätzen lässt.

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Diagnostik, Therapie und Beratung

Durch eine präzise Erhebung der Vorgeschichte, eine neurologische Untersuchung sowie geeignete Zusatzdiagnostik hilft die Klinik bei der Einordnung der Epilepsie und der Abgrenzung zu anderen anfallsartig auftretenden Störungen. In der Regel lassen sich mithilfe einer geeigneten Behandlung Häufigkeit und Schwere der Anfälle mindestens reduzieren. Bringt die Behandlung mit Medikamenten kein befriedigendes Ergebnis, wird geprüft, ob eine Überweisung an ein epilepsiechirurgisches Zentrum sinnvoll ist und gegebenenfalls der Kontakt vermittelt.

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