Fango-Anwendung bei Epilepsie: Nutzen, Risiken und Alternativen

Seit der Antike wird Fango, ein Mineralschlamm vulkanischen Ursprungs, als natürlicher Heilungsfaktor eingesetzt. Bereits römischen Legionären waren seine heilenden Eigenschaften bekannt. Der Begriff „Fango“ selbst stammt aus dem Italienischen und bedeutet „Schmutz“. Die Fangotherapie ist ein hochwirksames Behandlungsverfahren, das bei zahlreichen Erkrankungen zur Anwendung kommt. Obwohl Fango viele positive Effekte hat, ist es wichtig, die Kontraindikationen zu beachten, insbesondere im Zusammenhang mit Epilepsie.

Was ist Fango?

Fango ist ein mineralstoffreicher Heilschlamm, dessen wesentliche Bestandteile Kieselsäure, Eisenoxid, Tonerde und Magnesium sind. Die Masse wird mindestens ein Jahr lang dem Sonnenlicht und der Luft ausgesetzt. Die Argilla, eine fein gemahlene Tonerde, wird zusammen mit Thermalwasser in großen Wannen für sechs Monate aufbewahrt, wodurch sie sich mit chemischen Bestandteilen des Thermalwassers anreichert und zu Fango wird. Dieser Schlamm wird auf 40 bis 45 °C erwärmt und für 10 bis 15 Minuten auf eine Körperpartie aufgelegt.

Anwendung und Ablauf der Fangotherapie

Die klassische Fangotherapie beinhaltet das Auftragen von therapeutischem Schlamm auf die Haut, ein Thermalbad, Entspannung und schließlich eine Massage. Eine Fangopackung auf Ischia besteht typischerweise aus vier Gängen:

  1. Der Schlamm wird direkt auf die Haut des entsprechenden Körperteils aufgetragen und mit Laken bedeckt. Die Temperatur des Fango erreicht 39-42° C. Die Packung bleibt für ca. 15-20 Minuten auf der Haut.
  2. Nach dieser Zeit folgt eine warme Thermaldusche, um den Schlamm zu entfernen. Schließlich erfolgt je nach ärztlicher Verordnung ein Bad in Thermalwasser für ca. 8-10 Minuten. Die Temperatur des Wassers beträgt ca. 36/37°C
  3. Nach dem Bad erfolgt die Ruhephase auf einer Liege, damit der Kreislauf sich langsam beruhigt. Während dieser Phase schwitzt der Körper viele Giftstoffe aus.
  4. Schließlich folgt eine therapeutische Massage von kurzer Dauer.

In der Regel besteht eine Fangokur aus 12 Anwendungen verteilt auf 21 Tage. In seltenen Fällen erscheint nach 5-6 Tagen die sogenannte "Thermalkrise". Der Patient fühlt sich müde, kann unter Schlaflosigkeit leiden und in selten Fällen kann leichtes Fieber auftreten. Diese Reaktion kann 1-2 Tage anhalten und weist auf die Wirkung der Therapie hin. Es empfiehlt sich, viel Wasser zu trinken und sich viel auszuruhen.

Positive Wirkungen von Fango

Die Wärmeanwendung mit Fango ist besonders in der Physiotherapie seit langer Zeit bekannt. Die Wirkung ist unbestritten, und viele Patienten hoffen, dass der heilende Schlamm ihre Befindlichkeit verbessert. Die Anwendung der vulkanischen Heilerde ist sowohl eigenständig als auch in Kombination mit anderen Behandlungen möglich.

Lesen Sie auch: Autofahren bei Demenz: Regeln und Empfehlungen

Verbesserte Durchblutung und Muskelentspannung

Durch die intensive Wärme dringt die Behandlung tief ins Gewebe ein, fördert die Durchblutung und entspannt verspannte Muskulatur. Die Wärmezufuhr führt dazu, dass sich die Blutgefäße weiten, was die Durchblutung fördert. Dies entspannt die Muskeln und entlastet die Nervenbahnen.

Entzündungshemmende Wirkung

Die in dem Schlamm enthaltenen Stoffe dringen über die Haut einige Zentimeter tief ein. Durch die enthaltenen Bestandteile, etwa diverse Mineralien, tritt eine entzündungshemmende Wirkung ein.

Unterstützung der Regeneration

Die Wärmetherapie regt die Durchblutung und den Stoffwechsel an, was die Regeneration von Muskeln, Bändern und Gelenken verbessert. Die Wärmeanwendung mit Fango unterstützt die Schmerztherapie, und Beschwerden der Muskeln oder in Gelenken kann die Fango Therapie auch ohne folgende Massagen kurieren helfen.

Anwendungsgebiete

Die Wärmetherapie wird häufig verordnet bei degenerativen Erkrankungen wie Arthrose, rheumatischen Beschwerden und Osteoporose. Aber auch Schmerzen im Rücken, der Schulter, bei Nackenschmerzen, insbesondere Nackenverspannungen, sogar der Hexenschuss oder eine LWS-Blockade sind für diese Therapie geeignet. Sportverletzungen in allen Stadien des Heilungsverlaufs werden oft mit der Fango Wärmetherapie behandelt.

Fango bei Epilepsie: Kontraindikationen und Risiken

Die Fangotherapie wird bei bestimmten Leiden abgeraten, darunter Epilepsie. Gegen eine Wärmetherapie sprechen zum Beispiel Erkrankungen wie Entzündungen der inneren Organe, Krebserkrankungen oder Epilepsie.

Lesen Sie auch: Medikamentenliste für Myasthenia Gravis – Achtung!

Warum Fango bei Epilepsie problematisch sein kann

Wärmetherapien können in bestimmten Fällen das Risiko von Anfällen erhöhen. Es ist wichtig, dass Patienten mit Epilepsie vor der Anwendung von Fango oder anderen Wärmetherapien ihren Arzt konsultieren.

Alternativen zur Fangotherapie bei Epilepsie

Für Patienten mit Epilepsie, die von den potenziellen Vorteilen der Wärmetherapie profitieren möchten, gibt es alternative Behandlungen, die möglicherweise sicherer sind. Dazu gehören:

  • Rotlichtbestrahlungen: Bei Patienten mit eingeschränkter Kreislaufbelastbarkeit kann ein ähnlicher Effekt wie bei Fangopackungen auch mit Rotlichtbestrahlungen erreicht werden.
  • Passive Maßnahmen: Passive Maßnahmen sind unterstützende Therapieformen, die gezielt zur Vorbereitung aktiver Behandlungen, zur Schmerzlinderung oder zur Entspannung eingesetzt werden.
  • Kneipp-Therapie: Eine Methode, die Wärme und Kälte einsetzt.
  • Manuelle Therapie: Eine manuelle Therapie mit Fango wird häufig verordnet, wobei der Therapeut besonders auf die entspannende Wirkung als Vorbereitung der Behandlung setzt.

Weitere Kontraindikationen für die Fangotherapie

Neben Epilepsie gibt es weitere Zustände, bei denen von einer Fangotherapie abgeraten wird:

  • Herzinsuffizienz
  • Schwere Nieren- oder Leberinsuffizienz
  • Schwere Vaskulopathien
  • TBC
  • Akute Entzündungen
  • Hyperfunktion der Schilddrüse
  • Krebserkrankungen
  • Aktuelle Infektionen oder Entzündungen
  • Störungen der Blutzirkulation oder Ödeme
  • Blutdruck- und Thrombose-Patienten

In diesen Fällen kann eine Fangotherapie lediglich an einzelnen Körperpartien vorgenommen werden.

Kosten und Ablauf einer Fango-Behandlung

Die Kosten für eine Fango Behandlung sind nicht immer sofort ersichtlich, da Therapeuten oft eine Physiotherapie oder manuelle Therapie einschließlich Fango Anwendung berechnen. Die Preise für Selbstzahler können jedoch einen Hinweis auf die separaten Kosten für die Anwendung geben. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen einen Teil der Kosten, wobei der Patient einen Eigenanteil von etwa 10 Prozent zahlt.

Lesen Sie auch: Schwimmen trotz Epilepsie: Was Sie beachten müssen

Ablauf

  1. Vorbereitung: Der Patient sollte in einem Bademantel und mit einem Handtuch erscheinen. Es ist ratsam, Kleidung zu tragen, die verschmutzen kann.
  2. Anwendung: Die erwärmte Fango Packung wird auf die zu behandelnde Körperregion aufgelegt. Der Patient sollte darauf achten, dass die Packung nicht zu heiß ist, aber der Wärmeanstieg muss deutlich spürbar sein.
  3. Wirkzeit: Die Anwendung soll etwa 30 Minuten oder länger wirken.
  4. Nachbereitung: Nach der Wirkzeit wird der Schlamm mit klarem Wasser abgespült.

Ergänzende und alternative Behandlungsmethoden

Fango kann sowohl eigenständig als auch in Kombination mit anderen Behandlungen angewendet werden. Soll die Beweglichkeit verbessert werden, geht meist die Fango Packung der Physiotherapie voraus. Auch eine manuelle Therapie mit Fango wird häufig verordnet.

Passive Maßnahmen

Passive Maßnahmen sind unterstützende Therapieformen, die gezielt zur Vorbereitung aktiver Behandlungen, zur Schmerzlinderung oder zur Entspannung eingesetzt werden.

Aktive Therapieformen

Passive Maßnahmen können gezielt mit aktiven Therapieformen kombiniert werden, um Beschwerden ganzheitlich zu behandeln.

Kälte- und Wärmetherapie

Im Kontrast zur Wärmetherapie steht die Kältetherapie, die bei akuten und schmerzhaften Erkrankungen durchgeführt wird. Die Wechselanwendung von Wärme und Kälte, wie sie im asiatischen Raum als Schwitzhütte und im Norden Europas als Sauna bekannt ist, stellt eine weitere Therapiemöglichkeit dar.

tags: #darf #man #bei #epilepsie #fango #hws