Das gierige Gehirn: Eine Zusammenfassung

Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, das von Verlangen und Belohnung gesteuert wird. Es strebt nach Befriedigung von Bedürfnissen und sucht nach Wegen, Glücksgefühle zu erlangen. Dieser Artikel fasst die Erkenntnisse verschiedener Studien und Vorträge zusammen, um die Funktionsweise des Belohnungssystems im Gehirn und dessen Auswirkungen auf unser Verhalten zu beleuchten.

Das Belohnungssystem im Gehirn

Das Belohnungssystem ist ein weit verzweigtes Netzwerk aus Hirnarealen und Neuronen, das unser Verhalten motiviert. Es funktioniert wie ein Schaltkreis: Ein Auslöser von außen, wie der Anblick eines Stücks Schokoladentorte, aktiviert das limbische System. Dieses generiert einen Drang, den die Großhirnrinde als bewusstes Verlangen erfasst. Die Großhirnrinde gibt dem Körper daraufhin die Anweisung, dieses Verlangen zu stillen. Ist der erste Happen im Mund, treten das Tegmentum und die Substantia nigra im ventralen Teil des Mittelhirns in Aktion. Die Neuronen projizieren zum Striatum und zum limbischen System, insbesondere zum Nucleus accumbens, in dem das Glücksgefühl entsteht, und zur Amygdala, die Erregung verarbeitet. Sie schütten dort Dopamin aus. Außerdem gelangt der Botenstoff in den Hippocampus, der für das Gedächtnis und das Lernen wichtig ist.

Die Rolle von Dopamin: Lange Zeit wurde angenommen, dass die Ausschüttung von Dopamin den Lustgewinn verursacht. Neuere Studien haben jedoch gezeigt, dass Dopamin eher der Neurotransmitter der Belohnungserwartung ist. Es kurbelt das Dopaminsystem an und generiert ein tiefes Verlangen. Es geht also nicht um die Freude des Essens selbst, sondern um die Antizipation dessen, was Freude bereiten könnte.

Gier und riskantes Verhalten

Eine Studie von Johannes Hewig und seinem Team untersuchte den Zusammenhang zwischen Gier und riskantem Verhalten. Die Ergebnisse zeigten, dass gierige Menschen zu besonders riskantem Verhalten neigen und oft nicht aus ihren Fehlern lernen.

Die Studie: Die Psychologen filterten zunächst mittels Fragebogen die Gierigen unter ihren Probanden heraus. Im Anschluss mussten die Probanden an einem Bildschirm einen virtuellen Ballon möglichst weit aufpumpen. Je praller dieser wurde, desto größer war die Chance auf den Gewinn - platzte der Ballon, verloren sie alles. Es zeigte sich, dass Personen, die besonders gierig waren, den Ballon weiter aufpumpten als Personen mit niedrigeren Werten auf Gier.

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Fehlendes Feedback: Die neuronalen Prozesse der Probanden wurden mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) verfolgt. Dabei zeigte sich, dass Personen mit hohen Werten an Gier keinen Feedback-Impuls zeigten, nachdem der Ballon geplatzt war oder sie gewonnen hatten. Das bedeutet, dass gierige Versuchspersonen nahezu die gleiche Hirnaktivität zeigten, egal, ob sie Erfolg hatten oder nicht.

Schlussfolgerung: Diese Ergebnisse legen nahe, dass riskantes Verhalten durch Gier beeinflusst wird. Der Effekt ist besonders stark, wenn die Gier zuvor aktiviert wurde.

Das Gehirn im Wandel: Pubertät und Alter

Das Belohnungssystem im Gehirn wandelt sich im Laufe des Lebens. Besonders eindrücklich zeigt sich dies in der Pubertät und im Alter.

Pubertät: Eine Studie von Jessica R. Cohen zeigte, dass junge Menschen in der Pubertät besonders viel Dopamin in ihrem Striatum ausschütten, wenn sie riskante Handlungen erfolgreich abschließen. Dies motiviert sie dazu, ähnliche Situationen erneut zu suchen. Ursache der hohen Dopamin-Ausschüttung im Gehirn der Jugendlichen ist der massive Umbau des Gehirns in der Pubertät.

Alter: Studien von Jean-Claude Dreher und Karen Berman zeigten, dass zwar in beiden Altersgruppen (25 und 65 Jahre) je nach Belohnung etwa gleich viel Dopamin ausgeschüttet wurde, das Gehirn der älteren Teilnehmer aber weniger intensiv darauf reagierte. Vor allem der präfrontale Cortex antwortete auf das Dopamin in sehr unterschiedlicher Weise. Bei den jüngeren Probanden nahm die Aktivität in diesem Bereich mit steigender Dopamin-Ausschüttung zu, während bei den älteren der gegenteilige Effekt beobachtet wurde.

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Gewohnheiten und ihre Veränderung

Gewohnheiten spielen eine große Rolle in unserem Leben. 43 Prozent der Dinge, die wir am Tag tun, sind Gewohnheiten und geschehen unbewusst. Um negative Muster zu durchbrechen, müssen wir sie an der Wurzel packen und unser Gehirn neu programmieren.

Der Kreislauf der Gewohnheit: Judson Brewer erklärt, dass Gewohnheiten durch einen Kreislauf aus Auslösereiz, Verhalten und Belohnung entstehen. Ein Trigger (z.B. ein Meeting) führt zu einem Verhalten (z.B. Trinken eines Softdrinks), das eine Belohnung (z.B. Zucker-Flash) auslöst. Dieser Kreislauf wiederholt sich und verfestigt die Gewohnheit.

Achtsamkeit als Lösung: Viele Entwöhnungsprogramme unterbrechen diesen Kreislauf nicht. Mit Achtsamkeit soll das besser gelingen. Indem wir uns bewusst machen, welche Auslösereize uns zu bestimmten Verhaltensweisen verleiten, können wir den Kreislauf unterbrechen und neue Gewohnheiten entwickeln.

Soziale Kompetenzen und das Gehirn

Nikolaus Steinbeis und seine Kollegen untersuchen am Max-Planck-Institut in Leipzig die Entwicklung sozialer Kompetenzen bei Kindern. Sie verwenden dabei Spiele wie das „Diktatorspiel“ und das „Ultimatumspiel“, um Altruismus und Egoismus zu untersuchen.

Die Spiele: Beim Diktatorspiel bekommt der Versuchsteilnehmer eine Reihe von Münzen und wird gefragt, ob er einer anderen, nicht im Raum anwesenden Person etwas abgibt. Beim Ultimatumspiel darf der Empfänger reagieren. Falls er das Angebot des Gebers zurückweist, bekommen beide nichts.

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Die Ergebnisse: Die Forscher haben herausgefunden, dass das Gehirn komplizierte Zusammenhänge in einer speziellen Region der Großhirnrinde abwägt, im sogenannten dorsolateralen präfrontalen Kortex. Dieser Bereich ist vor allem bei sehr komplexen Operationen aktiv, bei Lüge und Vorausschau, bei abwägender Taktik und langfristiger Planung. Ältere Kinder kalkulieren in ihre Angebote die Möglichkeit einer Ablehnung ein und sind in ihren Überzeugungen und Reaktionen gefestigter.

Intelligenz und Neugier

Steve Jobs sagte einst: „Stay hungry, stay foolish“. Dieser Hunger und diese Neugier sind nicht nur größte Treiber von Innovation und Fortschritt, sie eröffnen den Menschen, die sie mitbringen, neue Türen und Horizonte.

Fluide und kristalline Intelligenz: Grundsätzlich lässt sich die menschliche Intelligenz in eine fluide und eine kristalline Komponente unterteilen. Während die kristalline Intelligenz das Fakten- und Sozialwissen beschreibt, bezieht sich die fluide Intelligenz auf Denkprozesse, die wir für das Lernen und Lösen von Problemen benötigen.

Steigerung der Intelligenz: Die kristalline Intelligenz lässt sich ein Leben lang steigern. Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass wir auch unsere fluide Intelligenz im Alter mit einem kognitiv aktiven Lebensstil und bestimmten Techniken steigern können. Insbesondere konnten Forscher der Universität Bern zeigen, dass Menschen, die häufiger kognitiv anspruchsvollen Tätigkeiten nachgehen, auch im höheren Alter noch mental fit und aktiv sind.

Dopamin und Lernen: Nach einer kognitiven Leistung wird das Hormon Dopamin ausgeschüttet. Dopamin ist ein sogenanntes Glückshormon. Durch die Ausschüttung belohnt uns unser Gehirn mit positiven Emotionen für neues Wissen und motiviert die Weiterentwicklung.

Meditation und ihre Wirkung

Forschungsarbeiten zur Wirkung von Meditation gibt es schon seit langer Zeit. Peter Sedlmeier erläutert in seinem Vortrag, was man unter Meditation versteht und warum Menschen meditieren. Er erklärt das Prinzip der Metaanalyse und fasst den aktuellen Forschungsstand zu den Wirkungen des Meditierens anhand der Ergebnisse aus mehreren Metaanalysen zusammen. Die globale Schlussfolgerung ist: "Meditation wirkt!".

Spezifische Wirkungen: Neben einem umfassenden Überblick werden auch einige interessante spezifische Wirkungen von Meditation illustriert, insbesondere der Zusammenhang zwischen Meditation und Alterungsprozess.

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