Neurologische Funktionsdiagnostik: Definition, Methoden und Bedeutung

Die neurologische Funktionsdiagnostik ist ein zentraler Bestandteil der modernen Medizin, um Störungen des Nervensystems präzise zu erkennen und einzuordnen. Sie umfasst eine Reihe von Untersuchungen, mit denen die Funktionsfähigkeit von Gehirn, Rückenmark, Nerven und Muskulatur überprüft wird. Ziel ist es, mögliche Ursachen von Beschwerden wie Bewegungsstörungen, Empfindungsstörungen oder Koordinationsprobleme zu identifizieren.

Historischer Kontext und heutige Bedeutung

Schon im alten Griechenland wurden Anamnese und klinische Untersuchung zur Diagnosestellung genutzt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Allerdings stehen heute in der Medizin für die Diagnosestellung zusätzlich zu den anamnestischen Angaben des Patienten und der ausführlichen klinischen Untersuchung hochspezialisierte technische Zusatzuntersuchungen zur Verfügung. Die Vermessung und bildliche Darstellung des Nervensystems bzw. der Hirngefäße ermöglicht eine rasche und genaue Diagnosestellung bei Krankheiten des zentralen und peripheren Nervensystems.

Methoden der neurologischen Funktionsdiagnostik

Die neurologische Funktionsdiagnostik bedient sich verschiedener Methoden, die im Folgenden detailliert beschrieben werden.

Elektroenzephalographie (EEG)

Das EEG ist ein basaler Bestandteil der neurologischen Funktionsdiagnostik und zeichnet die elektrische Aktivität des Gehirns auf, die von Messpunkten auf der Kopfhaut abgeleitet wird. Das daraus resultierende Hirnstrombild wird genau analysiert. Während der Untersuchung werden kleine Elektroden auf die Kopfhaut geklebt, die die Hirnströme aufzeichnen. Die EEG-Ableitung wird mit modernen 24 Kanalgeräten digital aufgezeichnet, die auch eine Bearbeitung nach der Ableitung mit speziellen Fragestellungen ermöglicht. Eine EEG-Messung dauert meist 10 bis 20 Minuten, ist gefahrlos und schmerzlos durchführbar und deshalb beliebig oft wiederholbar.

Diese Untersuchung wird häufig verwendet, um Funktionsstörungen im Gehirn zu erkennen, wie zum Beispiel bei Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit. Insbesondere bei Anfallserkrankungen („Krampfanfälle“, Epilepsie, Status epilepticus) lassen sich anhand der Veränderungen der „Hirnströme“ Erkrankungstypen einordnen, Verläufe beurteilen und Rückschlüsse über die Ursache der Erkrankung und therapeutische Konsequenzen ziehen. Bei manchen Krankheitsbildern (z. B. der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit) finden sich charakteristische EEG-Veränderungen, die dabei helfen, die richtige Diagnose zu stellen. Bei speziellen Fragestellungen im Rahmen der Abklärung von Anfallsleiden werden zudem Untersuchungen des Schlaf-EEG nach Schlafentzug, mit Photostimulation oder Hyperventilation durchgeführt.

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Elektroneurographie (ENG) und Elektromyographie (EMG)

Diese Verfahren messen die elektrische Aktivität in Nerven und Muskeln. Bei einer Elektroneurographie (ENG) wird über eine Hautelektrode die Leitgeschwindigkeit der Nerven gemessen, um die Funktion der motorischen und sensiblen Nerven zu überprüfen. Die Nerven werden mit einzelnen Mini-Stromimpulsen (mA) stimuliert, um die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) und somit die Leitfähigkeit von Nerven zu messen. Auffälligkeiten finden sich hier insbesondere bei vererbten, metabolisch-toxisch oder entzündlich bedingten Nervenschädigungen. Diese können entweder einzelne Nerven betreffen oder viele Nerven zugleich (etwa bei Polyneuropathien).

Bei der Elektromyographie (EMG) wird mit einer feinen Nadelelektrode die elektrische Aktivität im Muskel untersucht, um die Funktion von Muskel, Nerv und motorischer Endplatte zu bewerten. Hierdurch lässt sich eine normale von einer krankhaften Aktivität der Muskulatur unterscheiden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung helfen uns, zu unterscheiden, ob z.B. eine Muskelschwäche durch eine Schädigung der Nerven des Muskels (z.B. bei Neuropathie), eine Funktionsstörung der Signalübertragung auf den Muskel (z.B. bei Myasthenie) oder durch eine Erkrankung des Muskels selbst (z.B. Bei Patienten mit blutverdünnenden Medikamenten wie Marcumar®, Xarelto®, Apixaban® und Eliquis® ist ein EMG ohne Pausierung der Therapie in der Regel nicht möglich.

Die ENG misst, wie schnell Nerven elektrische Impulse weiterleiten, indem kleine Elektroden auf die Haut geklebt und leichte elektrische Reize gesetzt werden. Bei der EMG wird eine feine Nadel-Elektrode direkt in einen Muskel eingeführt, um dessen elektrische Aktivität zu messen. Dies kann ein leichtes Pieksen verursachen, ist aber gut verträglich. So können Funktionsstörungen der peripheren Nerven wie z.B. bei Polyneuropathie oder Karpaltunnel-Syndrom festgestellt werden. Hierzu ist es zur Differenzierung und exakten Diagnosestellung u. a. wichtig, z. B. zwischen Schädigungen der Nervenscheide (Demyelinisierung) und Schädigungen der Nervenfasern (axonale Läsion) zu unterscheiden.

Indikationen für ENG:

  • Mono- und Polyneuropathien
  • Guillain Barre`Syndrom
  • Myasthenia gravis
  • Engpass- bzw.

Sonderfall Repetitive Stimulation:

Bei Erkrankungen, die mit einer raschen Ermüdbarkeit der Muskulatur einhergehen. Dabei wird der untersuchte Muskel mit mehreren kurz aufeinander folgenden Stromimpulsen stimuliert und die Muskelantwort auf jeden Impuls aufgezeichnet.

Evozierte Potentiale (EP)

Evozierte Potentiale sind messbare Veränderungen der elektrischen Aktivität. Dazu wird die Reaktion von Nerven, Rückenmark oder Gehirn auf sensorische Reize gemessen. Diese Methode misst die Reaktion des Nervensystems auf Sinnesreize wie visuelle, akustische oder sensorische Stimuli. Sie hilft, die Funktionsfähigkeit von Sinnesbahnen zu überprüfen. Die evozierten Potentiale dienen zur Messung längerer bzw. funktionell zusammen-hängender Nervenbahnen. Ähnlich wie bei der Elektroneurographie (ENG) wird ein Impuls an einem Nerven abgegeben. Dann misst man wie lange es dauert, bis dieser Impuls in bestimmten Bereichen des Gehirns ankommt. Es erfolgt also eine Messung der zentralen sowie peripheren Nervenleitfähigkeit vom Gehirn bis zum Zielmuskel (Efferenz) bzw. von einem stimulierten Nerv bis zum Gehirn (Afferenz). Die Verfahren von SEP und MEP ermöglichen die Unterscheidung zwischen peripheren (Nerven) und zentralen (Rückenmark und Gehirn) Störungen der Reizleitung. Anwendung finden die Verfahren bei chronisch-entzündlichen ZNS-Erkrankungen, Tumoren und Erkrankungen der Wirbelsäulen und des Rückenmarks. Bei bekannter Epilepsie und Herzschrittmacher ist eine MEP-Untersuchung nicht möglich.

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Im Einzelnen werden unterschieden:

  • Akustisch evozierte Potentiale (AEP): Es erfolgt eine Reizung der Hörbahn durch Klicktöne über Kopfhörer und Ableitung der Reaktion des Gehirns auf diesen Hörreiz über an der Kopfhaut angebrachte Elektroden. Hierbei können Ausfälle z. B. durch ein Akustikusneurinom verursacht werden. Aber auch bei Schädigungen im Hirnstamm kann diese Methode zur genaueren Lokalisation der Läsion herangezogen werden.
  • Visuell evozierte Potentiale (VEP): Stimulation des visuellen Kortex durch bewegte Schachbrettmuster standardisierter Größe und Überprüfung der Sehbahn, die z. B. bei einer Entzündung des Sehnerven (Optikusneuritis) auffällig wäre. Hierzu werden Elektroden an der Kopfhaut am Hinterkopf angebracht, um die Antwort der Sehrinde des Gehirns (visueller Kortex) zu messen. So lässt sich die Integrität des gesamten visuellen Systems von der Netzhaut des Auges bis zur Sehrinde untersuchen.
  • Somatosensibel evozierte Potentiale (SSEP): Hier wird mit Hilfe von an der Kopfhaut angebrachten Elektroden die Reizantwort der Großhirnrinde auf eine elektrische Stimulation eines peripheren Nerven an Arm oder Bein über die Weiterleitung dieses Impulses über das Rückenmark zu den kortikal reizverarbeitenden Strukturen im Gehirn gemessen. So lässt sich die funktionelle Integrität des gesamten sensiblen Systems vom peripheren Nerven bis zur Hirnrinde untersuchen. Der Methode kommt insbesondere bei der Untersuchung des zentralen Anteils des sensiblen Systems (Hirnrinde/Kortex und Rückenmark) eine wichtige und auch prognostische Bedeutung zu.
  • Motorisch evozierte Potentiale (MEP): Über eine Stimulation des Kortex (Hirnrinde) mittels eines Magnetfeldes und einer so ausgelösten Muskelkontraktion erfolgt die Prüfung der Erregungsleitung über die motorische Bahn bis zum definierten Zielmuskel. So lässt sich die gesamte motorische Leitungsbahn von der Hirnrinde (motorischer Kortex) bis zum Muskel untersuchen. Der Methode kommt bei der Untersuchung und Beurteilung des zentralen Anteils des motorischen Systems eine wichtige Bedeutung zu.
  • Blinkreflex (BlinkR): Der Blinkreflex testet den Weg, den ein Reiz vom Auslöser zum reagierenden Organ nimmt (Reflexbogen). Durch eine elektrische Stimulation nacheinander rechts und links im Bereich der Augenbraue (am Foramen supraorbitale / M. orbicularis-oculi-Reflex) wird ein unwillkürliches Blinzeln ausgelöst. Die Reaktion gibt Aufschluss über den Reflexbogen zwischen den Hirnnerven N. Trigeminus und N. Fazialis, die beide für Wahrnehmung und Bewegung im Gesichtsbereich zuständig sind.

Doppler- und Duplex-Sonographie der hirnversorgenden Gefäße

Die Gefäß-Sonographie ist ein modernes, schmerzfreies Verfahren zur Untersuchung der Blutgefäße, insbesondere der Arterien, die das Gehirn mit Blut versorgen. Bei dieser Untersuchung wird ein Ultraschallkopf über den Hals oder die Schläfen geführt, um die hirnversorgenden Arterien zu untersuchen. Der behandelnde Arzt kann damit den Zustand der Gefäßwände sichtbar machen und den Blutfluss analysieren. Mit dieser Technik werden die Blutgefäße, die das Gehirn versorgen, auf Verengungen oder Ablagerungen untersucht. Die Farbduplex-Sonographie ist eine hochmoderne Technik, die es ermöglicht, den Zustand der Gefäßwände und den farblich codierten Blutfluss in Echtzeit gemeinsam (Duplex) darzustellen. Sie ist besonders hilfreich, um das Ausmaß und die Bedeutung von Verengungen in den Arterien zu beurteilen.

Mit modernsten Ultraschallgeräten werden bei der Dopplersonographie und der Farbduplexsonographie die Halsschlagadern sowie bei der transkraniellen Untersuchung die großen hirnversorgenden Arterien im Bereich der Schädelbasis dargestellt. Wie bei anderen Ultraschalluntersuchungen auch werden bei der Duplexsonographie über einen Schallkopf, der über dem Hals - oder bei der transkraniellen Untersuchung über den Schläfen - aufgesetzt wird, Ultraschallwellen in den Körper gesandt und die von den verschiedenen Strukturen im Körper reflektierten Schallwellen wiederaufgenommen und vom Gerät zu Bildern umgewandelt. Zusätzlich wird der Blutstrom in den Adern sicht- und hörbar gemacht. Diese Gefäßuntersuchungen sind bei der Ursachenabklärung von Schlaganfällen unverzichtbar. Sie leisten aber auch einen wichtigen Beitrag bei der Abklärung vorübergehender Hirndurchblutungsstörungen, etwa bei unklaren Bewusstlosigkeitszuständen, Schwindel oder Kopfschmerzen.

Nervensonographie und Muskelsonographie

Die Nervensonografie ist eine Ultraschalluntersuchung der peripheren Nerven, die eingesetzt wird, um Nervenschädigungen oder Einengungen wie das Karpaltunnelsyndrom sichtbar zu machen. Während der Untersuchung wird ein kleiner Ultraschallkopf auf die Haut gesetzt, um den betroffenen Nerv darzustellen. Die Muskelsonografie ist eine bildgebende Untersuchung, die Veränderungen im Muskelgewebe sichtbar macht. Sie wird eingesetzt, um Muskelerkrankungen, Muskelschwäche oder Verletzungen zu diagnostizieren. Ähnlich wie bei anderen Ultraschalluntersuchungen wird ein Gel auf die Haut aufgetragen, bevor der Muskel mit einem Ultraschallkopf untersucht wird.

Während sich mit den vorhergehend beschriebenen elektrophysiologischen Untersuchungen (ENG und EMG) Hinweise auf Funktionsstörungen der peripheren Nerven und Muskeln finden, können die peripheren Nerven mittels der Ultraschalluntersuchung in ihrem Verlauf dargestellt werden. Damit finden sich oft Hinweise auf die Ursache der Funktionsstörung, wie z. B. eine Kompression oder eine entzündliche Verdickung von Nerven.

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Liquordiagnostik

Die Liquordiagnostik ist eine Untersuchung der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor), die das Gehirn und das Rückenmark umgibt. Diese Flüssigkeit enthält wichtige diagnostische Hinweise auf verschiedene Erkrankungen des Nervensystems. Die Untersuchung erfolgt mittels Lumbalpunktion, bei der eine feine Nadel in den unteren Rücken eingeführt wird, um eine kleine Menge der Flüssigkeit zu entnehmen. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten und wird unter sterilen Bedingungen durchgeführt.

Neuropsychologische Testung

Die neuropsychologische Testung dient der Beurteilung kognitiver Fähigkeiten und wird eingesetzt bei Gedächtnisstörungen, Verdacht auf Demenz, nach einem Schlaganfall oder bei kognitiven Einschränkungen. Der Patient absolviert verschiedene Aufgaben, die Gedächtnis, Sprache, Aufmerksamkeit und logisches Denken testen.

Die Neuropsychologie befasst sich mit den geistigen und psychischen Funktionen, die zur Bewältigung alltäglicher, beruflicher und sozialer Anforderungen notwendig sind. Hierzu gehören z. B.Aufmerksamkeit und Gedächtnis,visuelle Wahrnehmung,Orientierung,Planen und Problemlösen, aber auchvorausschauendes Denken undflexibles Handeln,Sprachvermögen,Lesen,Schreiben undRechnen.Im klinischen Bereich konzentriert sich die Neuropsychologie u. a. auf die Untersuchung von Leistungs- und Verhaltensänderungen nach Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Hierzu gehören z. B. Schlaganfälle, Hirntumore, entzündliche oder demenzielle Prozesse. Kognitive Leistungseinbußen können aber auch im Rahmen einer Depression auftreten.Die neuropsychologische Untersuchung oder Testung beinhaltet ein ausführliches Gespräch, um Symptome, Verlauf, kognitive und psychiatrische Auffälligkeiten und deren Auswirkungen auf die Alltagsfunktionen zu erfassen, sowie den Einsatz standardisierter Testverfahren einschließlich Verhaltensbeobachtung. Die Auswahl der Tests wird individuell an die Situation, Bedürfnisse und Belastbarkeit der Patient*innen angepasst. Die Untersuchung dauert ca.

Schluckdiagnostik (Flexible Endoskopische Evaluation des Schluckens - FEES)

Die Schluckdiagnostik wird durchgeführt, wenn Patienten Probleme beim Schlucken haben, insbesondere nach einem Schlaganfall oder bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson oder Motoneuronenerkrankungen. Während der Untersuchung nimmt der Patient verschiedene Konsistenzen (Wasser, Brei, feste Nahrung) zu sich, während der Arzt die Schluckfunktion überprüft.

Viele neurologische Erkrankungen verursachen im Verlauf Schluckstörungen. Die flexible endoskopische Evaluation des Schluckaktes (FEES) ist die in Deutschland am häufigsten eingesetzte Methode zur Beurteilung des Schluckaktes. Mit Hilfe der FEES kann der Schluckakt objektiv beurteilt werden und therapeutische Interventionen sowie Anpassung der Kostformen festgelegt werden. Die Untersuchung ist eine gut verträgliche und sichere Untersuchung. So wird diese Untersuchung routinemäßig bei Parkinson- und Schlaganfallpatientinnen, aber auch bei Muskelerkrankten eingesetzt. Um einen hohen diagnostischen Standard bei der Diagnostik sicherzustellen, wurde durch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) ein Ausbildungscurriculum etabliert. In der Klinik für Neurologie sind sowohl Kolleginnen der Logopädie, als auch ärztliche Mitarbeitende gemäß der DGN/DGG zertifiziert. Darüber hinaus besteht die Ausbildungsberechtigung für dieses Verfahren.

Video-Kopfimpulstest (vKIT)

Der Video-Kopfimpulstest (vKIT) ist eine moderne Untersuchung zur Beurteilung der Funktion des Gleichgewichtssystems im Innenohr. Während der Untersuchung trägt der Patient eine spezielle Hochgeschwindigkeitskamera-Brille, die kleinste Augenbewegungen misst, während der Kopf in schnellen, kurzen Bewegungen bewegt wird. Anhand der Reflexbewegungen der Augen kann beurteilt werden, ob das Gleichgewichtssystem normal funktioniert oder eine Störung des Vestibularorgans vorliegt.

Autonome Funktionsdiagnostik

Autonome Funktionsdiagnostik ist ein medizinisches Verfahren zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Autonomen Nervensystems (ANS). Es umfasst Tests wie Herzfrequenzvariabilität, Blutdruck und Atemrate, thermische Stimulation und aufrechte Haltung. Diese Tests können Funktionsstörungen des ANS aufdecken und helfen, gesundheitliche Probleme wie Stress, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkennen.

Vor der Untersuchung sollten Sie keine Medikamente einnehmen, die sich auf das Herzkreislaufsystem auswirken können. Bitte besprechen Sie mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin, welche Medikamente dies sind. Außerdem sollten Sie mindestens 6 Stunden vor der Untersuchung nichts mehr essen. Verzichten Sie bitte am Morgen der Untersuchung auf koffeinhaltige Getränke wie Tee, Kaffee und Cola sowie auf Alkohol und Rauchen. Tragen Sie zur Untersuchung bequeme Kleidung und feste Schuhe. Ziehen Sie morgens bitte keine Stützstrümpfe oder Korsagen an, falls Sie diese im Alltag tragen.

Wie ist der Untersuchungsablauf?

  1. Zunächst liegen Sie in entspannter Atmosphäre auf dem Kipptisch. Wir registrieren die Kreislaufwerte durch ein automatisches Blutdruckmessgerät und ein EKG. Nachdem sich der Körper an die Ruhebedingungen gewöhnt hat, werden wir Sie bitten, in einem vorgegebenen Rhythmus zu atmen. Hierzu werden Ihnen genaue Anweisungen gegeben.
  2. Im letzten Teil der Untersuchung werden wir Sie zusammen mit dem Kipptisch in die 70° Position aufrichten. Dies geschieht sehr langsam. Währenddessen werden Sie komplett durch Haltegurte gesichert sein. Während der gesamten Untersuchung sollten Sie entspannen und Gespräche auf ein Minimum reduzieren. Natürlich aber möchten wir Sie bitten uns sämtliche Änderungen Ihres Befindens (Bspw. Schwindel, Hitzegefühl) mitzuteilen. Die Untersuchungsdauer hängt einerseits von der bei Ihnen vermuteten Kreislaufstörung ab. Zum anderen richtet sich die Untersuchungszeit nach den von Ihnen geäußerten Beschwerden bzw. den Veränderungen von Blutdruck und Puls. Einige Kreislaufstörungen weisen Veränderungen des Plasma-Noradrenalins zwischen Liegen und Stehen auf. Ein leichtgradiger Anstieg des Stresshormonspiegels im Stehen ist normal. Bei besonderen Fragestellungen wird der Plasma-Noradrenalin-Spiegel im Liegen und Stehen untersucht. Diese Information hilft beispielsweise bei der Ursachen-Diagnostik und Behandlung der Kreislaufstörung. Gelegentlich kommt es im Rahmen von Kreislaufstörungen zu einem sehr starken Puls- und Noradrenalin-Anstieg im Stehen. Im Gegensatz dazu aber weisen bestimmte Formen der Parkinsonerkrankung einen besonders niedrigen Noradrenalin-Spiegel auf. Die Blutabnahme erfolgt unter standardisierten Bedingungen (nüchtern ohne Medikation oder vorherigen Alkohol/Koffeinkonsum). Die Untersuchung dauert ca.
  3. Der Sudoscan gibt uns eine wichtige Kurzinformation über die Schweißdrüsenfunktion (Sudomotorische Funktion). Der Test dauert nur etwa 5 min und ermöglicht ein Screening der Funktion von sogenannten Small Fibres in der Haut. Small Fibres ist dabei die Bezeichnung, welche alle unmyelinisierten und myelinarmen Nervenfasern zusammenfasst. Mit dem Sudoscan werden die sudomotorischen Nervenfasern elektrisch stimuliert, welche Signale an die Schweißdrüsen übertragen. Dafür werden Hände und Füße auf den Kontaktflächen des Gerätes platziert. In Antwort auf einen einzigen kaum spürbaren elektrischen Reiz an der Hautoberfläche erhalten die Schweißdrüsen das Signal zur Schweißausschüttung. Die entstehende geringfügige Änderung der Hautfeuchtigkeit wird als Hautwiderstandsänderung vom Gerät registriert. Mit einer Weiterentwicklung der Stimulationsmethode, dem EzScan kann eine Vorhersage getroffen werden, wie hoch das Risiko ist, in den kommenden Jahren an einer stoffwechselbedingten bspw.
  4. Mit diesem Test wird die Funktion der langsam leitendenden, nicht-myelinisierten Nervenfasern (Small Fibres) untersucht. Diese vermitteln Vibrations-, Schmerz- und Temperatur-Reize und steuern die Funktionen vegetativer Organe (bspw. Kreislauf, Blase, Magen-Darm-Trakt, Schweißdrüsen). Durch Bestimmung der unteren Empfindungsschwelle verschiedener Reizqualitäten, das heißt, wann ein Reiz gerade noch wahrgenommen wird, lässt sich beurteilen, ob eine Funktionsstörung der Small Fibres vorliegt. Der Vergleich der Ergebnisse für verschiedene Reize hilft bei der Lokalisation der Schädigung im Gewebe, Rückenmark oder Gehirn. Die Untersuchung erfolgt standardisiert, dauert ca.
  5. Mit diesem Test wird die Funktion der langsam leitendenden, nicht-myelinisierten Nervenfasern (Small Fibres) untersucht, welche die Schweißdrüsen-Funktion steuern. Da der Test die Änderung der Hautfeuchtigkeit misst, gibt er zusätzlich Auskunft über die Leistung der Schweißdrüsen an der untersuchten Körperstelle. Es lassen sich Unter- und Überfunktionen das heißt Hypohidrosis und Hyperhidrosis (wie beim übermäßigen Schwitzen) erfassen. Da die Schweißdrüsen-Funktion mit dem QSART an bis zu vier Körperregionen gleichzeitig erfasst werden kann, ist der Vergleich zwischen Armen und Beinen oder auch der Vergleich zwischen rechter und linker Körperseite problemlos möglich. Im Unterschied zu den galvanischen Untersuchungsmethoden wird die Testantwort beim Quantitativen Sudomotorischen Axonreflex-Test durch den natürlichen Botenstoff Acetylcholin ausgelöst. Dieser wird an bis zu vier Hautarealen aufgetragen.
  6. Bei der Untersuchung sympathischen bzw. auch der galvanischen Hautantwort kommt es nach Applikation bspw. eines elektrischen Hautreizes nicht zu Reizantworten nicht nur entlang der Nervenbahnen im entsprechenden Hautareal sondern auch zu elektrischen Hautwiderstandsänderungen in nahezu allen anderen Körperregionen. Diese elektrischen Spannungsänderungen sind insbesondere in Regionen mit hoher Schweißdrüsendichte wie bspw. an Handflächen und Fußsohlen gut messbar.

Geriatrische Funktionsdiagnostik

In der geriatrischen Funktionsdiagnostik werden umfassende Untersuchungen eingesetzt, um altersbedingte Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln. Ein wichtiger Bestandteil ist die Sonographie des Abdomens und der Schilddrüse sowie die transthorakale Echokardiographie, mit der innere Organe und das Herz auf Funktionsstörungen untersucht werden. Zur Beurteilung der Durchblutung dienen die Duplex-Sonographie der Beinvenen und Beinarterien, während die Lungenfunktionsdiagnostik (Spirometrie) Atemwegserkrankungen wie COPD oder Lungenfibrose erkennt. Um das Herz-Kreislauf-System umfassend zu analysieren, kommen die 24-Stunden-Blutdruckmessung und das 24-Stunden-EKG zum Einsatz, die dabei helfen, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen frühzeitig zu diagnostizieren.

Speziell für ältere Patienten sind die Frailty-Diagnostik (Short-Physical-Performance-Battery) zur Einschätzung der Gebrechlichkeit und die Sarkopenie-Diagnostik von Bedeutung, die durch die Messung der appendikulären Muskelmasse (Bioimpedanzanalyse), Handkraftmessung und den Chair-Rise-Test den altersbedingten Muskelabbau erfasst.

Bildgebende Verfahren (CT und MRT)

In Zusammenarbeit mit der Klinik für Radiologie werden umfassende bildgebende Verfahren zur Diagnostik neurologischer und geriatrischer Erkrankungen angeboten. Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglichen eine präzise Darstellung des Gehirns und Rückenmarks, um Erkrankungen wie Schlaganfälle, Tumore, entzündliche Prozesse oder neurodegenerative Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.

Bedeutung der neurologischen Funktionsdiagnostik

Diagnostische Verfahren sind essenziell zur Erkennung und Beurteilung neurologischer Erkrankungen. Sie ermöglichen eine gezielte Therapieplanung und tragen maßgeblich zur Verbesserung der Patientenversorgung bei.

Anwendungsbereiche und medizinische Schwerpunkte

  • Untersuchung von Schlaganfallpatient*innen: Erfassen von Risikofaktoren, Patientenaufklärung und Beratung zwecks Minimierung des Risikoprofils
  • Regelmäßige Betreuung und Monitoring: von Patient*innen mit Gefäßsstenosen und Kontrollen nach Operation oder Stenting von hirnversorgenden Gefäßen
  • Betreuung von Patient*innen mit chronischen zerebrovaskulären Erkrankungen: und deren Spätfolgen (z.B. Vaskulitis) in Kooperation mit der Neurovaskulären Ambulanz.
  • Muskel- und Nervensonographie: zur differentialdiagnostischen Abklärung von Muskel und Nervenerkrankungen sowohl im ambulanten, als auch stationären Umfeld in Zusammenarbeit mit der Neuromuskulären Ambulanz.

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