Geruchsstörung nach Meningeom-OP: Ursachen und Behandlungsansätze

Eine Geruchsstörung nach einer Meningeom-Operation kann für Betroffene eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Riechstörungen, ihre Ursachen, Diagnosemethoden und Therapiemöglichkeiten, insbesondere im Zusammenhang mit Meningeom-Operationen.

Anatomie und Physiologie der Chemorezeptiven Systeme

Um die Ursachen und Auswirkungen von Riechstörungen zu verstehen, ist ein Einblick in die Anatomie und Physiologie der verschiedenen chemorezeptiven Systeme im Nasen-Rachen-Raum unerlässlich. Dazu gehören das olfaktorische, trigeminale, gustatorische und vomeronasale System.

Das Olfaktorische System

Das olfaktorische System unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten von anderen sensorischen Systemen. So projizieren die meisten olfaktorischen Fasern ungekreuzt auf ipsilaterale Hirnareale und umgehen den Thalamus, um direkt zu Cortex, Amygdala und entorhinalem Cortex zu gelangen. Diese Hirnareale sind an der Verarbeitung von Emotionen und Erinnerungen beteiligt, was den emotionalen Charakter vieler olfaktorischer Gedächtnisinhalte erklärt.

Es gibt keinen klar definierten "olfaktorischen Cortex" beim Menschen, aber orbitofrontale Rindenareale spielen eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung olfaktorischer Informationen.

Das Trigeminale System

Das trigeminale System innerviert die Mund- und Nasenschleimhaut somatosensorisch und ist für die Wahrnehmung von Temperatur, Schmerz und Berührung zuständig. Es ist auch an der Wahrnehmung von Gerüchen beteiligt, da die meisten Duftstoffe neben der olfaktorischen Aktivierung auch eine trigeminal vermittelte Empfindung verursachen.

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Die psychophysische Testung des trigeminalen Systems ist komplexer als die olfaktorische Messung, da die olfaktorische Schwelle einer Substanz niedriger ist als die trigeminale. Die Fähigkeit zur Lateralisierung von Gerüchen kann jedoch als Maß für die intranasale chemosensorische Sensibilität dienen, die über den N. trigeminus vermittelt wird.

Olfaktorisches und trigeminales System sind eng miteinander verknüpft.

Das Gustatorische System

Das gustatorische System vermittelt die fünf Geschmacksqualitäten süß, sauer, salzig, bitter und Umami. Die gustatorischen Rezeptorzellen befinden sich in Geschmacksknospen, die in den Zungenpapillen liegen. Die nervale Versorgung der Schmeckrezeptoren erfolgt durch die Nn. lingualis, glossopharyngeus und vagus. Geschmacksfasern projizieren zu ipsilateralen Hirnarealen, wobei der Nucleus tractus solitarii eine wichtige Relais-Station darstellt.

Das Vomeronasale System

Das vomeronasale Organ (VNO) ist eine Schleimhauttasche am unteren Nasenseptum, die bei vielen Spezies Pheromon-Effekte vermittelt. Pheromone sind chemische Substanzen, die von einem Individuum einer Spezies sezerniert werden und bei anderen Individuen derselben Spezies spezifische physiologische, verhaltensbezogene und endokrinologische Effekte auslösen. Die funktionelle Bedeutung des VNO beim Menschen ist noch umstritten, obwohl pheromon-ähnliche Effekte beschrieben wurden und vomeronasal-ähnliche Rezeptorgene im menschlichen Genom gefunden wurden.

Kodierung olfaktorischer Information

Olfaktorische Rezeptoren (OR) werden beim Menschen in ca. 1 % des Genoms verschlüsselt. Jeder olfaktorische Rezeptorneuron (ORN) exprimiert nur einen OR. ORN, die denselben Rezeptor exprimieren, projizieren auf symmetrisch angeordnete Glomeruli in den Bulbi olfactorii. Es existiert eine glomeruläre "Landkarte" im Bulbus, die zu sämtlichen im olfaktorischen Sinnesepithel exprimierten OR korrespondierende Glomeruli enthält. Ein Duftstoff wird in der Regel von mehreren OR erkannt, was auf der Ebene der Glomeruli zu einem speziellen Aktivierungsmuster für jeden einzelnen Duftstoff führt. Dieses geruchsspezifische Aktivierungsmuster gilt als die Grundlage der Qualitätskodierung von Gerüchen.

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Erfassung der Riechfunktion

Die Testung des Riechvermögens kann mithilfe psychophysischer ("subjektiver") Verfahren oder "objektiver" Verfahren erfolgen. Zusätzlich sind die endoskopische Untersuchung der Nase und bildgebende Verfahren (MRT, CT) von Bedeutung.

Psychophysische Methoden zur olfaktorischen Testung

Psychophysische Tests basieren auf der Interpretation von Reaktionen auf einen olfaktorischen Reiz. Ihr Vorteil ist die schnelle Durchführbarkeit, was sie als Screeningmethoden für olfaktorische Störungen auszeichnet. Umfangreichere Testbatterien ermöglichen eine differenzierte Beurteilung der Riechstörung.

Ein guter Riechtest sollte reliabel zwischen Anosmikern, Hyposmikern und Normosmikern unterscheiden und auf normativen Daten beruhen. Validität und Reproduzierbarkeit sind weitere wichtige Kriterien. Zu den am besten validierten Tests gehören der UPSIT, der CCCRC-Test und die "Sniffin' Sticks".

Die meisten Tests basieren auf der "forced-choice"-Methode, bei der ein Duftstoff in überschwelliger Konzentration dargeboten wird und die Testperson sich für eine mögliche Antwort aus einer vorgegebenen Antwortauswahl entscheiden muss. Geruchsidentifikationstests sind die am weitesten verbreitete Untersuchungsmethode. Daneben werden häufig Tests zur Bestimmung der Wahrnehmungsschwelle und der Geruchsdiskrimination eingesetzt.

Die Ergebnisse von Identifikations- und Diskriminationsuntersuchungen werden im Allgemeinen als Ausdruck der zentralen olfaktorischen Verarbeitung angesehen, während Schwellentestungen eher die periphere olfaktorische Funktion widerspiegeln. Eine niedrige Riechschwelle bei gleichzeitig normaler Identifikations- und Diskriminationsleistung kann auf chronische sinunasale Probleme hinweisen.

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Ein Nachteil der psychophysischen Tests ist, dass die Interpretation des Testergebnisses bei ungenügender Mitarbeit des Patienten schwierig oder unmöglich ist.

Definition von Riechstörungen

Eine Riechstörung bezeichnet die Verminderung oder den Verlust des Riechvermögens. Dies bezieht sich auf jegliche Form der verminderten Wahrnehmung von Duftstoffen, einschließlich der retronasalen Wahrnehmung. Wer eine Riechstörung hat, hat oft auch eine Geschmacksstörung, da Geruchssinn und Geschmackssinn eng miteinander verbunden sind.

Quantitative Riechstörungen

  • Anosmie: Vollständiger Verlust des Riechvermögens.
  • Hyposmie: Verminderung des Riechvermögens.

Qualitative Riechstörungen

  • Parosmie: Veränderte Geruchswahrnehmung; ein Geruch wird anders wahrgenommen als er tatsächlich ist.
  • Phantosmie: Wahrnehmung eines Geruchs ohne Vorhandensein einer entsprechenden Geruchsquelle (Geruchshalluzination).

Symptome und Ursachen von Riechstörungen nach Meningeom-OP

Nach einer Meningeom-Operation können verschiedene Faktoren zu Riechstörungen führen. Es ist wichtig, die spezifische Ursache zu identifizieren, um die geeignete Behandlungsmethode zu wählen.

Inzidenz von Riechstörungen

Riechstörungen sind häufiger als man annehmen würde. Studien haben gezeigt, dass etwa 5 Prozent der Bevölkerung gar nicht riechen können und etwa 15 Prozent einen eingeschränkten Geruchssinn haben.

Ursachen

Die Ursachen für Riechstörungen sind vielfältig. Nach einer Meningeom-OP können folgende Faktoren eine Rolle spielen:

  • Direkte Schädigung der Riechbahn: Der Tumor selbst oder die Operation können die Riechfasern oder zentrale Bereiche der Geruchsverarbeitung im Gehirn schädigen. Insbesondere Meningeome im Bereich der vorderen Schädelbasis können die Fila olfactoria verletzen oder abdrücken.

  • Postoperative Entzündung und Schwellung: Entzündliche Prozesse im Bereich der Nase und der Nasennebenhöhlen können die Riechfunktion beeinträchtigen.

  • Medikamenteneinnahme: Einige Medikamente, wie z.B. Antibiotika, können das Riech- und/oder Schmeckvermögen beeinträchtigen. Kortison macht nur sehr selten eine Geschmacksstörung.

  • Veränderter Schwellungszustand der Nasenschleimhäute: Hormonelle Umstellungen, insbesondere bei Frauen in den Wechseljahren, können den Schwellungszustand der Nasenschleimhäute verändern und zu Riechstörungen führen.

  • Weitere Ursachen:

    • Sinunasale Ursachen: Chronische Sinusitis, Nasenpolypen oder andere Erkrankungen der Nase und der Nasennebenhöhlen können die Riechfunktion beeinträchtigen.
    • Postviraler Riechverlust: Virale Infektionen der oberen Atemwege können die Riechnervenzellen schädigen und zu einem dauerhaften Riechverlust führen.
    • Posttraumatische Riechstörung: Schädel-Hirn-Traumata können die Riechfäden zwischen Riechschleimhaut und Riechkolben zerreißen oder zerren.
    • Neurodegenerative Ursachen: Riechstörungen können ein Frühsymptom von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson sein.
    • Idiopathische Genese: In einigen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache für die Riechstörung finden.
    • Allergien: Allergische Rhinitis kann sowohl durch Schleimhautschwellung (konduktive Riechstörung) als auch durch entzündliche Prozesse in der Riechschleimhaut selbst (sensori-neurale Riechstörung) zu Riechstörungen führen.
    • Tumoren: Selten können Tumoren, wie das Olfaktorius-Meningeom, zu einer progredienten Riechstörung führen.

Riechen und Lebensqualität

Das Riechvermögen spielt eine wichtige Rolle für die Lebensqualität. Es dient der Warnfunktion vor Gefahren, der Körperhygiene, dem sozialen Bereich und der unbewussten Wahrnehmung des Partners. Ein Verlust des Riechvermögens kann zu Problemen in verschiedenen Lebensbereichen führen.

Der Geruchssinn ist für viele Berufe enorm wichtig, z.B. für Köche, Lebensmitteltester, Feuerwehrleute und Polizisten. Die Lebensqualität leidet vor allem über die verminderte Wahrnehmung beim Essen. Hinzu kommen Gewichtsprobleme, da manche Patienten mit Riechstörungen versuchen, den fehlenden Geschmackssinn durch Süßigkeiten zu kompensieren.

Diagnose von Riechstörungen

Die Diagnose von Riechstörungen umfasst in der Regel folgende Schritte:

  1. Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, einschließlich Symptome, Beginn, mögliche Ursachen und Medikamenteneinnahme.
  2. HNO-ärztliche Untersuchung: Endoskopische Untersuchung der Nase und der Nasennebenhöhlen.
  3. Riechtest: Durchführung eines standardisierten Riechtests, z.B. mit den "Sniffin' Sticks", zur Quantifizierung der Riechfunktion.
  4. Bildgebung: Bei Verdacht auf eine chronische Sinusitis oder andere strukturelle Veränderungen kann eine Computertomographie (CT) durchgeführt werden. Zum Ausschluss von zentralen Ursachen ist eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich.

Prognose von Riechstörungen

Die Prognose von Riechstörungen hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Schädigung ab. Postvirale und posttraumatische Riechstörungen haben oft eine schlechtere Prognose als Riechstörungen aufgrund von sinunasalen Ursachen. Die Regeneration der Riechnervenzellen kann lange dauern, und in einigen Fällen ist eine vollständige Wiederherstellung des Riechvermögens nicht möglich.

Therapie von Riechstörungen

Die Therapie von Riechstörungen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Chirurgische Therapie

  • Sinunasale Riechstörungen: Bei chronischer Sinusitis oder Nasenpolypen kann eine Operation zur Verbesserung der Belüftung der Nase und zur Entfernung von Hindernissen erforderlich sein.
  • Mechanisch-konduktives Problem: In einigen Fällen kann eine Operation zur Beseitigung von mechanischen Hindernissen, die die Zuleitung der Duftstoffe zur Riechspalte behindern, in Betracht gezogen werden.

Weitere Therapieansätze

  • Entzündungshemmende Therapie: Bei Entzündungen der Nase und der Nasennebenhöhlen können Kortikosteroide oder andere entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden.
  • Allergiebehandlung: Bei allergisch bedingten Riechstörungen kann eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie, SIT) oder die Vermeidung von Allergenen helfen.
  • Riechtraining: Ein strukturiertes und regelmäßig durchgeführtes Riechtraining kann die Regeneration des Riechvermögens beschleunigen. Dabei sollte 2 x täglich für jeweils 2 Minuten an 4 Duftölen gerochen werden. Das Riechtraining sollte über einen längeren Zeitraum, das heißt Monate bis Jahre, durchgeführt werden.
  • Weitere Therapieansätze: In einigen Fällen können Medikamente, die die Nervenfunktion unterstützen, oder alternative Therapien wie Akupunktur in Betracht gezogen werden.

Postvirale und posttraumatische Riechstörungen

Die Behandlung von postviralen und posttraumatischen Riechstörungen ist oft schwierig. Riechtraining ist eine wichtige Therapieoption. In einigen Fällen können Kortikosteroide oder andere Medikamente eingesetzt werden, um die Entzündung zu reduzieren und die Regeneration der Riechnervenzellen zu fördern.

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