Innovative Schmerzlinderung in der Neurologie: Der Einsatz von Impulspflastern

Neuropathische Schmerzen, die durch Schädigungen oder Erkrankungen des peripheren oder zentralen Nervensystems entstehen, stellen eine große Herausforderung in der neurologischen Behandlung dar. Eine neue Therapieform, die am Universitätsklinikum Münster (UKM) etabliert wurde, bietet hier eine vielversprechende Alternative: das Impulspflaster. Dieses Pflaster enthält einen hochdosierten Chili-Extrakt (Capsaicin 8%) und führt zu einer effektiven Schmerzlinderung bei gleichzeitiger Reduzierung von Nebenwirkungen.

Die Herausforderung neuropathischer Schmerzen

Neuropathische Schmerzen können sich in vielfältiger Weise äußern, von brennenden Dauerschmerzen bis hin zu einschießenden Schmerzattacken. Oftmals werden bereits leichte Berührungen als heftige, brennende Schmerzen wahrgenommen. Diese Schmerzen können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und herkömmliche Schmerzmittel oft nur unzureichend lindern.

Bisherige Therapieansätze und ihre Grenzen

In der Vergangenheit wurden zur Behandlung neuropathischer Schmerzen häufig Medikamente eingesetzt, die eine Vielzahl von Nebenwirkungen verursachen können, wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Schwindel. Diese Nebenwirkungen können die Lebensqualität der Patienten zusätzlich belasten und die Therapietreue beeinträchtigen.

Das Impulspflaster: Eine neue Hoffnung für Schmerzpatienten

Das Impulspflaster stellt eine innovative Therapieoption dar, die auf der Wirkung von hochdosiertem Chili-Extrakt basiert. Der Wirkstoff Capsaicin sorgt nach dem Auftragen auf die schmerzhaften Areale dafür, dass sich die Nervenenden verändern und eine Dysfunktionalisierung eintritt.

Die Wirkweise von Capsaicin

Capsaicin ist in der Therapie nicht neu, da die Wirkung von Chili-Extrakt bereits seit langem bekannt ist. Schon die indigenen Völker Amerikas nutzten Chili-Extrakt zur Schmerztherapie, allerdings in wesentlich geringerer Konzentration. Das Neue an der aktuellen Therapie ist die hohe Dosierung und die lange Wirkdauer.

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Vorteile des Impulspflasters

  • Effektive Schmerzlinderung: Das Impulspflaster führt zu einer deutlichen Reduktion der neuropathischen Schmerzen.
  • Weniger Nebenwirkungen: Im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten sind die Nebenwirkungen des Impulspflasters deutlich geringer.
  • Seltene Anwendung: Das Pflaster muss nur alle drei Monate appliziert werden, was die Therapie für die Patienten vereinfacht.
  • Langfristige Anwendung: Da bislang keine Obergrenze bekannt ist, können Betroffene langfristig von der Therapie profitieren.

Anwendungsbereiche des Impulspflasters

Das Impulspflaster eignet sich besonders für Patienten, die unter neuropathischen Schmerzen leiden, beispielsweise durch eine Schädigung peripherer Nerven nach einem Unfall oder einer Infektion. Es kann auch bei anderen Formen neuropathischer Schmerzen eingesetzt werden.

Fallbeispiel: Michael Seja und seine Erfahrungen mit dem Impulspflaster

Michael Seja litt seit mehreren Jahren an einer schmerzhaften Polyneuropathie, die sich an beiden Fußsohlen und -rücken bemerkbar machte. Er wachte oft nachts auf, weil seine Füße sich warm anfühlten, brannten und ihm starke Schmerzen verursachten. Tagsüber musste er viele Pausen machen, um selbst kleine Strecken zu bewältigen.

Seit Beginn der Studie 2012 wird er am UKM mit dem neuen Medikament behandelt - und ist beschwerdefrei: „Ich kann nachts durchschlafen und tagsüber ohne Probleme gehen, das Brennen ist verschwunden“, freut sich Seja.

Anwendung und mögliche Nebenwirkungen

Das Impulspflaster wird von medizinischem Fachpersonal auf die betroffenen Hautareale aufgeklebt. Nach der Anwendung kann es in den ersten zwei bis drei Stunden zu einem Brennen an der Anwendungsstelle kommen. Dieses Brennen kann jedoch durch Kühlen leicht behandelt werden.

Wichtige Hinweise zur Anwendung

  • Das Pflaster darf ausschließlich auf der Haut der Person zur Anwendung kommen, für die es ärztlich verordnet wurde.
  • Das Haften eines Pflasters auf einer anderen Person (insbesondere einem Kind) kann zu schweren Nebenwirkungen führen.
  • Während der Anwendung des Pflasters sollten direkte Wärmequellen vermieden werden.

Polyneuropathie: Ursachen, Diagnose und Therapie

Die Polyneuropathie ist eine häufige neurologische Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven geschädigt sind. Typische Symptome sind Kribbeln, Brennen und Taubheit, die anfangs an beiden Füßen und Beinen auftreten. Die Ursachen können vielfältig sein, wie Diabetes, Alkoholmissbrauch, Medikamente oder Infektionen.

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Diagnostische Verfahren

Zur Diagnose einer Polyneuropathie werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, wie die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, die Quantitative Sensorische Testung und die Untersuchung einer Gewebeprobe (Nerv-Muskel-Biopsie).

Therapieansätze

Die Therapie der Polyneuropathie umfasst kausale Ansätze zur Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung und symptomatische Ansätze zur Therapie der Beschwerden. Zur Schmerzbekämpfung haben sich Antidepressiva, Antikonvulsiva und Capsaicin-Pflaster bewährt.

Weitere Therapieoptionen bei neuropathischen Schmerzen

Neben dem Impulspflaster und den oben genannten Medikamenten gibt es weitere Therapieoptionen zur Behandlung neuropathischer Schmerzen:

  • Lidocainpflaster: Wirken als Lokalanästhetika und können bei lokalisierten Schmerzen eingesetzt werden.
  • Botulinumtoxin-Injektionen: Können die Schmerzen reduzieren, indem sie die Freisetzung proinflammatorischer Substanzen vermindern.
  • Opioide: Wirken als Agonisten an Opioidrezeptoren im zentralen Nervensystem, sollten aber aufgrund des Risikos von Nebenwirkungen und Abhängigkeit nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden.
  • Elektrotherapie (TENS): Stimuliert die Nerven durch Impulse und kann so die Schmerzwahrnehmung beeinflussen.
  • Physiotherapie: Kann die motorischen Fähigkeiten verbessern und die Gangunsicherheit reduzieren.

Die Bedeutung einer frühzeitigen Behandlung

Um die Entwicklung chronischer neuropathischer Schmerzen zu verhindern, ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung entscheidend. Durch eine Kombination aus kausalen und symptomatischen Therapieansätzen können die Schmerzen gelindert und die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden.

Forschung und zukünftige Entwicklungen

Aufgrund der unzureichenden Schmerzlinderung und häufiger Nebenwirkungen unter den derzeit verfügbaren Medikamenten werden in aktuellen Studien neue Therapeutika zur Behandlung neuropathischer Schmerzen untersucht. Ein vielversprechender Ansatz ist das "gene silencing" mutierter Gene.

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