Dekompression des Spinalkanals: ICD-10-Code, Ursachen, Symptome und Behandlungen

Einführung

Die Spinalkanalstenose, erkennbar am ICD-10-Code M48.0, beschreibt eine Verengung des Wirbelkanals. Diese Verengung kann Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln ausüben, was zu einer Vielzahl von Symptomen führen kann. Die Dekompression des Spinalkanals ist ein chirurgischer Eingriff, der darauf abzielt, diesen Druck zu entlasten und die Symptome zu lindern. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Spinalkanalstenose, wobei der Fokus auf der Dekompression des Spinalkanals liegt.

Anatomie der Wirbelsäule und des Spinalkanals

Um die Spinalkanalstenose und ihre Behandlung zu verstehen, ist ein grundlegendes Verständnis der Anatomie der Wirbelsäule unerlässlich. Die Wirbelsäule besteht aus mehreren Abschnitten:

  • Halswirbelsäule (Zervikalbereich): Beginnt unter dem Kopf und ist sehr beweglich.
  • Brustwirbelsäule (Thorakalbereich): An ihr sind die Rippen befestigt.
  • Lendenwirbelsäule (Lumbalbereich): Sie ist ebenfalls sehr beweglich und trägt einen Großteil der Körperlast.
  • Kreuzbein (Sakrum) und Steißbein (Kokzyx): Bilden den Abschluss der Wirbelsäule.

Hinten an der Wirbelsäule bilden die Wirbel den Wirbelkanal (Spinalkanal). Im Wirbelkanal verläuft das Rückenmark, über das Nervenfasern vom Gehirn in den Körper ziehen und dort Nerven bilden. Jeder Nerv ist für einen bestimmten Abschnitt der Haut und für bestimmte Muskeln verantwortlich, wodurch Empfindungen und Bewegungen ermöglicht werden. Zwischen den Wirbeln liegen Bandscheiben, die aus Knorpel und Bindegewebe bestehen. Sie verbinden die Wirbel miteinander und wirken als Stoßdämpfer. Ein Bereich aus zwei benachbarten Wirbeln wird als Segment bezeichnet.

Ursachen der Spinalkanalstenose

Der Wirbelkanal kann aus verschiedenen Gründen verengt sein. Dazu gehören:

  • Verschleiß: Im Laufe des Lebens können degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule auftreten, wie z.B. Arthrose, Bandscheibenvorfälle oder Verdickung der Bänder. Diese Veränderungen können den Spinalkanal einengen.
  • Verletzungen: Verletzungen der Wirbelsäule, wie z.B. Frakturen oder Luxationen, können ebenfalls zu einer Spinalkanalstenose führen.
  • Gelenkzysten: Spinalkanaleinengende Gelenkzysten können ebenfalls zu einer Verengung des Wirbelkanals führen.
  • Andere Erkrankungen: In seltenen Fällen können auch andere Erkrankungen, wie z.B. Tumore oder Entzündungen, eine Spinalkanalstenose verursachen.
  • Bandscheibenschäden: Geschädigte Bandscheiben können auf Nerven drücken und so eine Spinalkanalstenose verursachen.

Symptome der Spinalkanalstenose

Die Symptome einer Spinalkanalstenose können vielfältig sein und hängen von der Lokalisation und dem Ausmaß der Verengung ab. Häufige Symptome sind:

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  • Schmerzen: Schmerzen im Rücken, Gesäß oder in den Beinen, die sich beim Gehen oder Stehen verstärken und beim Sitzen oder Liegen bessern.
  • Gefühlsstörungen: Kribbeln, Taubheit oder Schwäche in den Beinen oder Füßen.
  • Muskelschwäche: Schwierigkeiten beim Gehen oder Stehen, Stolpern oder ein Gefühl der Instabilität.
  • Inkontinenz: In schweren Fällen kann es zu Blasen- oder Darmfunktionsstörungen kommen.

Diagnose der Spinalkanalstenose

Die Diagnose einer Spinalkanalstenose basiert in der Regel auf einer Kombination aus:

  • Klinischer Untersuchung: Der Arzt wird die Symptome erfragen und eine körperliche Untersuchung durchführen, um die neurologische Funktion zu überprüfen.
  • Bildgebenden Verfahren: Röntgenaufnahmen, CT-Scans oder MRT-Scans können verwendet werden, um die Wirbelsäule darzustellen und die Verengung des Spinalkanals zu beurteilen.

Dekompression des Spinalkanals: Operationsmethoden (OPS-Code 5-839.6)

Die Dekompression des Spinalkanals ist ein chirurgischer Eingriff, der darauf abzielt, den Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln zu entlasten. Es gibt verschiedene chirurgische Techniken, die zur Dekompression des Spinalkanals eingesetzt werden können. Die Wahl der Technik hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Stenose sowie von der Lokalisation ab.

Knöcherne Dekompression (Laminektomie, Laminotomie):

Bei der knöchernen Dekompression wird Knochenmaterial entfernt, um den Spinalkanal zu erweitern. Dies kann durch eine Laminektomie (Entfernung des gesamten Wirbelbogens) oder eine Laminotomie (Entfernung eines Teils des Wirbelbogens) erfolgen. Inklusive Unterschneidende Dekompression.

Flavektomie:

Die Flavektomie ist die Entfernung des Ligamentum flavum, eines Bandes, das sich an der Rückseite des Wirbelkanals befindet. Eine Flavektomie (5-032.10) kann durchgeführt werden, um den Druck auf die Nervenwurzeln zu reduzieren.

Foraminotomie:

Die Foraminotomie ist die Erweiterung der Nervenaustrittslöcher (Foramina intervertebralia), durch die die Nervenwurzeln aus dem Spinalkanal austreten.

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Weitere Operationen an der Wirbelsäule (OPS-Code 5-839):

  • Entfernung von Osteosynthesematerial (5-839.0)
  • Implantation einer Bandscheibenendoprothese (5-839.1):
    • 1 Segment (5-839.10)
    • 2 Segmente (5-839.11)
    • 3 Segmente (5-839.12)
    • 4 oder mehr Segmente (5-839.13)
  • Revision einer Bandscheibenendoprothese (ohne Wechsel) (5-839.2)
  • Wechsel einer Bandscheibenendoprothese (5-839.3)
  • Entfernung einer Bandscheibenendoprothese (5-839.4)
  • Revision einer Wirbelsäulenoperation (5-839.5)
  • Ventrales Release bei einer Korrektur von Deformitäten (5-839.7): Inklusive bei Skoliose. Exklusive: Dorsales knöchernes Release (5-832 ff.)
  • Implantation von Material in einen Wirbelkörper ohne Verwendung eines Systems zur intravertebralen, instrumentellen Wirbelkörperaufrichtung (5-839.9): Inklusive: Vertebroplastie, Spongioplastie. Exklusive: Kyphoplastie (5-839.a ff.). Der Zugang ist hier nicht gesondert zu kodieren.
    • 1 Wirbelkörper (5-839.90)
    • 2 Wirbelkörper (5-839.91)
    • 3 Wirbelkörper (5-839.92)
    • 4 oder mehr Wirbelkörper (5-839.93)
  • Implantation von Material in einen Wirbelkörper mit Verwendung eines Systems zur intravertebralen, instrumentellen Wirbelkörperaufrichtung (5-839.a): Inklusive: Kyphoplastie. Exklusive: Vertebroplastie, Spongioplastie (5-839.9 ff.). Der Zugang ist hier nicht gesondert zu kodieren.
    • 1 Wirbelkörper (5-839.a0)
    • 2 Wirbelkörper (5-839.a1)
    • 3 Wirbelkörper (5-839.a2)
    • 4 oder mehr Wirbelkörper (5-839.a3)
  • Implantation eines interspinösen Spreizers (5-839.b):
    • 1 Segment (5-839.b0)
    • 2 Segmente (5-839.b2)
    • 3 oder mehr Segmente (5-839.b3)
  • Wechsel eines interspinösen Spreizers (5-839.c):
    • 1 Segment (5-839.c0)
    • 2 Segmente (5-839.c2)
    • 3 oder mehr Segmente (5-839.c3)
  • Entfernung eines interspinösen Spreizers (5-839.d):
    • 1 Segment (5-839.d0)
    • 2 Segmente (5-839.d2)
    • 3 oder mehr Segmente (5-839.d3)
  • Entnahme von Bandscheibenzellen zur Anzüchtung als selbständiger Eingriff (5-839.e): Dieser Kode ist nur anzugeben, wenn die Operation speziell zur Entnahme von Bandscheibenzellen erfolgte.

Minimalinvasive Techniken:

In einigen Fällen kann die Dekompression des Spinalkanals auch minimalinvasiv durchgeführt werden. Diese Techniken verwenden kleinere Einschnitte und spezielle Instrumente, um das Knochenmaterial zu entfernen.

ICD-10-Code für Spinalkanalstenose

Der ICD-10-Code für Spinalkanalstenose ist M48.0. Dieser Code kann durch weitere Spezifikationen ergänzt werden, um die Lokalisation der Stenose genauer zu beschreiben:

  • M48.00: Spinal(kanal)stenose: Mehrere Lokalisationen der Wirbelsäule
  • M48.01: Spinal(kanal)stenose: Okzipito-Atlanto-Axialbereich
  • M48.02: Spinal(kanal)stenose: Zervikalbereich
  • M48.03: Spinal(kanal)stenose: Zervikothorakalbereich
  • M48.04: Spinal(kanal)stenose: Thorakalbereich
  • M48.05: Spinal(kanal)stenose: Thorakolumbalbereich
  • M48.06: Spinal(kanal)stenose: Lumbalbereich
  • M48.07: Spinal(kanal)stenose: Lumbosakralbereich
  • M48.08: Spinal(kanal)stenose: Sakral- und Sakrokokzygealbereich
  • M48.09: Spinal(kanal)stenose: Nicht näher bezeichnete Lokalisation

Postoperative Behandlung und Rehabilitation

Nach der Dekompression des Spinalkanals ist eine angemessene postoperative Behandlung und Rehabilitation wichtig, um den Heilungsprozess zu fördern und die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Dazu gehören:

  • Schmerzkontrolle: Medikamente zur Schmerzlinderung.
  • Physiotherapie: Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur und zur Verbesserung der Beweglichkeit.
  • Ergotherapie: Anpassung des Alltags, um den Rücken zu schonen.

Risiken und Komplikationen

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff birgt auch die Dekompression des Spinalkanals Risiken und Komplikationen. Dazu gehören:

  • Infektionen
  • Blutungen
  • Nervenverletzungen
  • Duraverletzungen (Verletzung der harten Hirnhaut)
  • Instabilität der Wirbelsäule
  • Rezidiv der Stenose

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