Meningeome sind überwiegend gutartige Hirntumoren, die von den Hirnhäuten ausgehen. In den letzten Jahren werden diese Tumoren immer häufiger zufällig bei bildgebenden Untersuchungen entdeckt. Diese Zunahme an inzidentellen Meningeomen stellt Betroffene und Ärzte vor Herausforderungen bei der Therapieentscheidung. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Meningeomen, insbesondere im Zusammenhang mit Blasenproblemen, und gibt einen Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist ein Meningeom?
Ein Meningeom ist ein meist gutartiger, langsam wachsender Tumor, der von den Hirnhäuten (Meningen) des zentralen Nervensystems (ZNS) ausgeht. Die Hirnhäute überziehen wie Schutzhüllen das Gehirn (weiche Hirnhaut) und kleiden die Schädelhöhle aus (harte Hirnhaut). Im Wirbelkanal bilden sie eine Art Schlauch, der das Rückenmark einschneidet.
Meist liegen Meningeome innen am Schädel an, sie können aber auch im Rückenmarkskanal wachsen. Umgeben von einer Kapsel verdrängen sie durch ihr Wachstum langsam das benachbarte Gewebe, ohne in dieses einzudringen. Nur sehr selten bilden diese Hirntumore Metastasen (Tochtergeschwülste).
Da Meningeome in der Regel gutartig sind und langsam wachsen, entwickeln nur wenige Erkrankte Beschwerden. Oft handelt es sich dann um einen Zufallsbefund, der im Rahmen anderer Untersuchungen auffällt.
Meningeome machen rund 24 bis 30 Prozent aller Hirntumore aus. Frauen erkranken etwa viermal häufiger als Männer. Im Durchschnitt sind Betroffene zwischen 50 und 60 Jahre alt.
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Ursachen und Risikofaktoren
Ein Meningeom kann entstehen, wenn ein bestimmter Zelltyp in der weichen Hirnhaut, die das Gehirn umzieht, entartet und wuchert. Warum es dazu kommt, ist bislang nicht erforscht.
Ein bekannter Risikofaktor für die Entstehung eines Meningeoms ist eine vorangegangene Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich. Die Tumoren können Jahrzehnte nach einer Bestrahlung auftreten. Auch seltene Krebs-Syndrome wie die Neurofibromatose Typ 2 (NF2) sind mit einem erhöhten Risiko für Meningeome verbunden.
Weibliche Geschlechtshormone wie Progesteron (Gestagen) und Östrogen beeinflussen das Wachstum von Meningeomzellen - darauf deuten sowohl wissenschaftliche Daten aus Laborversuchen als auch Fallberichte hin. Klare Hinweise gibt es beispielsweise zum Zusammenhang von hoch dosiertem Cyproteronacetat (CPA) und der Entstehung von Meningeomen. Für andere hormonelle Kontrazeptiva, beziehungsweise eine Hormonersatztherapie, gibt es bislang keine einheitlichen Studienergebnisse. Ein erhöhtes Risiko für Hirntumoren wie das Meningeom durch die Nutzung von Mobilfunkgeräten gilt heute als unwahrscheinlich - das legen auch aktuelle Daten einer großen internationalen Kohortenstudie aus Schweden nahe.
Meningeom und Blasenprobleme: Ein möglicher Zusammenhang
Obwohl Meningeome primär Hirntumoren sind, können sie indirekt Blasenprobleme verursachen, insbesondere wenn sie in bestimmten Regionen des Gehirns oder Rückenmarks lokalisiert sind. Hier sind einige Mechanismen, durch die ein Meningeom zu Blasenfunktionsstörungen führen kann:
- Druck auf das Gehirn oder Rückenmark: Ein Meningeom, das auf Bereiche des Gehirns oder Rückenmarks drückt, die für die Blasenkontrolle zuständig sind, kann die normale Funktion dieser Bereiche stören. Dies kann zu einer überaktiven Blase, Dranginkontinenz oder Schwierigkeiten beim Entleeren der Blase führen. Der Hirndruck kann auch steigen, wenn der Tumor die Liquorwege (die Kanäle, in denen die Hirnflüssigkeit zirkuliert) blockiert, sodass die Hirnflüssigkeit nicht abfließen kann.
- Beeinträchtigung der Nervenbahnen: Meningeome können Nervenbahnen beeinträchtigen, die Signale zwischen dem Gehirn und der Blase übertragen. Diese Störung kann die Koordination der Blasenmuskulatur beeinträchtigen und zu Inkontinenz oder Harnverhalt führen.
- Auswirkungen auf die Mobilität und Kognition: Meningeome können neurologische Defizite wie Lähmungen, Koordinationsstörungen oder kognitive Beeinträchtigungen verursachen. Diese Defizite können es Betroffenen erschweren, rechtzeitig die Toilette zu erreichen oder die Blasenentleerung adäquat zu kontrollieren, was zu Inkontinenz führen kann.
Es ist wichtig zu beachten, dass Blasenprobleme viele Ursachen haben können und nicht immer direkt mit einem Meningeom in Verbindung stehen. Eine umfassende medizinische Untersuchung ist erforderlich, um die genaue Ursache der Blasenfunktionsstörung zu ermitteln.
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Symptome eines Meningeoms
Meningeome verursachen oft lange Zeit keine Symptome, da sie langsam wachsen. Wenn Symptome auftreten, sind diese oft unspezifisch und hängen von der Lage, Größe und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Typische Symptome können sein:
- Kopfschmerzen
- Epileptische Anfälle
- Neurologische Defizite (z.B. Schwäche, Taubheit, Sehstörungen, Sprachstörungen)
- Psychische Veränderungen
- Übelkeit und Erbrechen (insbesondere bei erhöhtem Hirndruck)
- Blasen- und/oder Darmfunktionsstörungen
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Bei Verdacht auf ein Meningeom sollte eine gründliche medizinische Untersuchung erfolgen.
Diagnose
Die Diagnose eines Meningeoms erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder die Computertomographie (CT). Eine MRT ist der Goldstandard für die Diagnostik von Meningeomen. In einigen Fällen kann eine Angiographie (Röntgenuntersuchung der Blutgefäße) erforderlich sein, um die Blutversorgung des Tumors zu beurteilen.
Um die Art des Tumors zu bestimmen, kann eine Biopsie durchgeführt werden. Dabei wird eine Gewebeprobe entnommen und histologisch untersucht. Bei eindeutigen Hinweisen auf einen gutartigen Tumor kann auf eine Biopsie verzichtet werden.
Zunehmend spielen auch molekulare Veränderungen in den Tumorzellen eine Rolle bei der Diagnose und Prognose von Meningeomen. Molekulare Analysen wie die DNA-Methylierungsanalyse und die Panel-Gensequenzierung können helfen, das Rezidivrisiko besser einzuschätzen und aggressive Tumoren zu identifizieren.
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Behandlung
Die Behandlung eines Meningeoms hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors, das Vorhandensein von Symptomen und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten.
Beobachtung
Kleine, asymptomatische Meningeome, die keine Beschwerden verursachen und keine Nachbarstrukturen gefährden, können zunächst beobachtet werden (Watch and Wait). Regelmäßige MRT-Kontrollen sind erforderlich, um das Wachstum des Tumors zu überwachen.
Operation
Die Standardtherapie für symptomatische Meningeome ist die vollständige operative Entfernung des Tumors samt der mitbetroffenen Strukturen wie Hirnhaut oder Schädelknochen. Ziel ist es, den Tumor vollständig zu entfernen und die Symptome zu lindern. Die Prognose ist bei einem gutartigen, vollständig operativ entfernten Meningeom in der Regel gut. Die Lebenserwartung ist dann nicht eingeschränkt.
Strahlentherapie
Alternativ zur Operation kann eine Strahlentherapie eingesetzt werden, insbesondere wenn der Tumor nicht vollständig operativ entfernt werden kann oder an einer ungünstigen Stelle liegt. Je nach Größe und Lage kann eine stereotaktische Strahlentherapie oder Radiochirurgie (SRS) erfolgen. Der Nachteil der Strahlentherapie ist, dass eine endgültige histologische Untersuchung nicht möglich ist.
Medikamentöse Therapie
In seltenen Fällen, insbesondere bei aggressiven Meningeomen (WHO-Grad 2 oder 3), kann eine Chemotherapie oder zielgerichtete Medikamente infrage kommen.
Urogynäkologische Behandlung bei Blasenproblemen
Wenn ein Meningeom zu Blasenproblemen führt, ist eine urogynäkologische Behandlung erforderlich. Diese kann folgende Maßnahmen umfassen:
- Konservative Therapie: Beckenbodentraining, Blasentraining, Elektrostimulation, Medikamente
- Operative Therapie: Verschiedene operative Verfahren zur Korrektur von Blasenfunktionsstörungen, z.B. spannungsfreies Vaginalband (TVT) bei Belastungsinkontinenz, Botulinumtoxin-Injektionen in die Blasenwand bei überaktiver Blase, Blasenschrittmacher-Implantation bei schwerer Dranginkontinenz
Die Wahl der geeigneten Therapie hängt von der Art und Schwere der Blasenfunktionsstörung ab.
Meningeom-Einteilung nach WHO
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt Meningeome in drei Formen ein, die wesentlich für Prognose und Behandlung sind:
- WHO-Grad I: In 85 Prozent der Fälle handelt es sich um langsam wachsende, gutartige Meningeome.
- WHO-Grad II: Bei etwa 8 bis 10 Prozent liegt ein atypisches Meningeom vor, das ein erhöhtes Wachstumspotenzial hat und öfter erneut auftritt (Rezidiv).
- WHO-Grad III: Anaplastische Meningeome machen rund 2 bis 5 Prozent der Fälle aus.
Verlauf, Prognose und Lebenserwartung
In den meisten Fällen sind Verlauf und Prognose bei einem Meningeom gut. Oft reicht eine langfristige Beobachtung aus. Auch wenn eine Operation nötig wird, ist die Prognose in der Regel günstig. Eine vollständige Tumorentfernung gilt dann als Heilung der Krankheit. Lediglich bei den seltenen atypischen und bösartigen, anaplastischen Meningeomen ist die Prognose ungünstiger, was sich negativ auf die Lebenserwartung auswirken kann.
Tumoren können mitunter nach einer kompletten Entfernung wieder auftreten. Um ein solches Rezidiv frühzeitig zu erkennen, sind langfristige Verlaufskontrollen wichtig. Die erste Kontrolle nach der Operation findet in der Regel nach sechs Monaten statt.
Fazit
Meningeome sind Hirntumoren, die in seltenen Fällen Blasenprobleme verursachen können. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie MRT und CT. Die Behandlung hängt von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab und kann Beobachtung, Operation, Strahlentherapie oder Medikamente umfassen. Bei Blasenproblemen ist eine urogynäkologische Behandlung erforderlich.
Es ist wichtig, bei Verdacht auf ein Meningeom oder bei Auftreten von Blasenproblemen einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und eine geeignete Behandlung einzuleiten.