Einführung
Die demografische Entwicklung in Deutschland, insbesondere die steigende Lebenserwartung und der wachsende Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung, führt zu einer Zunahme altersbedingter Erkrankungen, darunter Demenz. Die Zahl der Menschen mit Demenz in Deutschland wird Schätzungen zufolge bis 2050 erheblich steigen. Dieser Artikel beleuchtet die demografischen Faktoren, die zu dieser Entwicklung beitragen, und diskutiert die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem und die Gesellschaft.
Aktuelle Situation und Prognosen
Nach neuesten Berechnungen leben in Deutschland derzeit rund 1,84 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Die meisten von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Im Laufe eines Jahres erkranken in Deutschland zwischen 364.000 und 445.000 Menschen neu an einer Demenz.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) aktualisiert alle zwei Jahre ihr Informationsblatt zur Häufigkeit von Demenzerkrankungen in Deutschland. Prof. Dr. René Thyrian und Dr. Iris Blotenberg vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) haben auf der Basis aktueller Bevölkerungsdaten die wichtigsten Zahlen zu Demenzerkrankungen berechnet.
Die Zahl der Menschen mit Demenz in Deutschland wird neuen Schätzungen zufolge bis 2050 erheblich steigen. Während 2018 knapp 1,6 Millionen Menschen in der Bundesrepublik mit einer Demenzerkrankung lebten (1,9 Prozent der Bevölkerung), gehen die Experten von Alzheimer Europe von einem Anstieg auf 2,7 Millionen im Jahr 2050 aus (3,4 Prozent). Das geht aus einem neuen Bericht hervor, den der Dachverband nationaler Alzheimer-Gesellschaften am Dienstag in Brüssel vorstellte. Deutschland liegt mit dieser erwarteten Entwicklung im europaweiten Trend.
Laut einer Prognose der Deutschen Alzheimer Gesellschaft könnte die Anzahl demenzkranker Menschen in Deutschland bis zum Jahr 2050 auf rund 2,3 bis 2,7 Millionen ansteigen.
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Die Lebenserwartung steigt in Deutschland - damit sind Herausforderungen verbunden, die angegangen werden. 2050 werden fast dreimal so viele Menschen an einer Demenz leiden wie heute. Der Anstieg wird in den USA und Europa schwächer ausfallen, aber in Afrika und im Nahen Osten dramatisch sein.
Demografische Faktoren
Der erwartete Anstieg bei den Demenzerkrankungen ist vor allem dem Bevölkerungswachstum und demografischen Wandel geschuldet. Speziell für Deutschland sei der steigende Anteil von Menschen über 65 Jahren an der Bevölkerung ein Schlüsselfaktor, dabei insbesondere der Anteil von Menschen, die über 85 Jahre alt sind: Bis 2050 werden dies den Schätzungen zufolge mehr als doppelt so viele sein wie 2018.
Der bedeutendste Faktor für Demenz ist das Alter. Lediglich * Prozent der Demenzerkrankten sind unter 65 Jahre alt. Vor dem Hintergrund eines steigenden Durchschnittsalters im Zuge der demografischen Entwicklung in Deutschland - die Anzahl der über 65-Jährigen könnte bis 2050 auf **** Millionen ansteigen - kommt es zu mehr Neuerkrankungen als Sterbefällen unter bereits Erkrankten.
Die demografischen Entwicklungen in Deutschland führen zu einer immer älter werdenden Gesellschaft. Dies geht einher mit einer Zunahme von altersbedingten Erkrankungen, wie z. B. Demenzerkrankungen.
Die Lebenserwartung in Deutschland steigt erfreulicherweise immer weiter an. Infolge dieser demografischen Veränderungen kommt es aber auch zu weitaus mehr Neuerkrankungen als zu Sterbefällen unter den bereits an einer Demenz Erkrankten. Aus diesem Grund nimmt die Zahl der Demenzerkrankten auch in den kommenden Jahrzehnten kontinuierlich zu. Je nachdem, wie sich die Altersstruktur der Bevölkerung insgesamt entwickelt, wird sich die Zahl der Menschen mit Demenz über 65 Jahren bis zum Jahr 2050 auf 2,3 bis 2,7 Millionen erhöhen.
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Derzeit leben in Deutschland etwa 8 Millionen über 80-Jährige (2,2 Mio. Männer und 6 Mio. Frauen). 2050 werden es nach den Daten des Statistischen Bundesamtes etwa 10 Mio. sein. Durch den demographischen Wandel, der unter anderem die Zunahme des Anteils älterer Menschen in unserer Gesellschaft mit sich bringt, steigt auch die Zahl der Erkrankungen.
Regionale Unterschiede
Der Anteil von Menschen mit Demenz an der Bevölkerung unterscheidet sich zwischen den Bundesländern deutlich. Dies liegt an den Unterschieden in der Altersstruktur der Länder. Während in Hamburg und Berlin, die bundesweit den niedrigsten Altersdurchschnitt haben, weniger als 1,8 Prozent der Bevölkerung eine Demenz haben, ist der Anteil in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen prozentual mit mehr als 2,4 Prozent am höchsten.
Nach unseren Berechnungen ist im Norden und Osten Deutschlands der Anteil von Menschen mit Demenz an der Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich hoch. Diese Unterschiede sind auf die regionale Bevölkerungsstruktur zurückführen und bilden den demografischen Wandel ab. Man erkennt, dass die verschiedenen Regionen verschiedene Entwicklungen durchmachen beziehungsweise durchgemacht haben. Informationen darüber sind relevant für unser Gesundheitssystem, denn die Versorgung von Menschen mit Demenz erfordert passgenaue Lösungen, die den regionalen Bedürfnissen gerecht werden. Nur so lassen sich Versorgungsstrukturen aufbauen, die die Betroffenen vor Ort erreichen. Die Regionen stehen dabei vor individuellen Herausforderungen. Deshalb untersuchen wir die Verbreitung von Demenz sogar auf Kreisebene.
Risikofaktoren und Prävention
Alter ist der größte Risikofaktor für die Entstehung von Demenzen. In der Studie wird die demographische Entwicklung für 204 Länder und Regionen der Welt für 2050 hochgerechnet. Darüber hinaus haben die Autorinnen den Einfluss bekannter Risikofaktoren für Demenzen abgeschätzt. Ein höherer Bildungsabschluss geht zum Beispiel mit einer geringeren Alzheimerwahrscheinlichkeit einher. Umgekehrt schädigt Rauchen die Gefäße, das spürt ganz besonders das Gehirn. Auch Übergewicht und hohe Blutzuckerspiegel sind schlecht für die Nerven.
Trotz einer steigenden Zahl von Demenzkranken scheint das Erkrankungsrisiko in westlichen Ländern nicht zu steigen. Die steigende Krankheitslast lässt sich vor allem mit der Alterung der Gesellschaften erklären. Aktuelle Studien prognostizieren für die nächsten 10 Jahre eine Verminderung der Inzidenzraten von bis zu ** Prozent, sodass sich die Krankenzahlen möglicherweise von der demografischen Entwicklung entkoppeln könnten. Die Zahl an neu aufgetretenen Demenzfällen (Inzidenz) bei Personen > 65 Jahre ist 2022 im Vergleich zu 2015 um 25,7 % gesunken. Zusätzlich ging die relative Häufigkeit (Prävalenz) um 18,4 % zurück. So lautet das Ergebnis einer in diesem Heft vorgestellen Analyse von Michalowsky et al. zur Häufigkeit von Demenzdiagnosen im vertragsärztlichen Bereich, die auf Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen - mit einer Abdeckung von 88 % der Bevölkerung - basiert (1).
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Ein Artikel des Alzheimer-Kohorten-Konsortiums aus dem Jahr 2020 kommt sogar zu einer optimistischen Einschätzung. Die Gründe dafür sind vielfältig: Es wird weniger geraucht, Blutzucker und Blutdruck sind besser unter Kontrolle. Dazu kommt eine Entwicklung zu höheren Bildungsabschlüssen. Letztere gibt es inzwischen übrigens auch global. Leider geht weltweit der Trend eher zu mehr Rauchern und wegen einer besseren Ernährungslage auch zu mehr Übergewicht und höheren Blutzuckerspiegeln. Diese Risikofaktoren werden zu zusätzlich fast sieben Millionen Demenzen führen.
Generell gesund leben, sich viel bewegen. Im Alter lieber frühe als später ein Hörgerät nutzen, Kontakt zu Freunden halten. Kopfverletzungen sind problematisch, deshalb gibt es für Jugendliche in den USA kein Kopfballtraining mehr. Schwieriger ist es schon, einer Depression vorzubeugen. Der Faktor Luftverschmutzung ist dann ein gesellschaftliches Problem. Genauso wie die soziale Ungleichheit. Ärmere Menschen sind mehr Risikofaktoren ausgesetzt. Hier ist die Politik gefordert.
Auswirkungen auf das Gesundheitssystem und die Gesellschaft
Die erwartete Zahl demenzkranker Menschen werde die Gesundheitssysteme weiter unter Druck setzen, sagte Georges. Schon heute gelangt unser Pflegesystem an seine Grenzen. Nach aktuellen Schätzungen leben hierzulande rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz.
Da Symptomatik und Schweregrad von Demenzerkrankungen sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können, besteht ein Bedarf an Versorgungsansätzen, welche die individuellen Bedürfnisse der Erkrankten selbst aber auch die Bedürfnisse ihrer pflegenden Angehörigen oder des Pflegepersonals berücksichtigen. Eine Übersicht zu innovativen Versorgungsansätzen für Menschen mit Demenz existierte bisher nicht.
Die Stärken und positiven Effekte neuartiger Versorgungsansätze zeigen sich vor allem bei den untersuchten Outcomes in Bezug auf Menschen mit Demenz wie beispielsweise ihre Lebensqualität. Insbesondere eine personenzentrierte Pflege, die auf die Bedürfnisse der einzelnen Erkrankten eingeht, sowie Ansätze, die einen normalen Tagesablauf mit Unterstützung durch Angehörige oder Pflegepersonal ermöglichen, können die Lebensqualität von Menschen mit Demenz positiv beeinflussen. Positive Effekte bei den untersuchten Outcomes in Bezug auf pflegende Angehörige zeigen sich für das sogenannte Dementia Care Management.
Demenz bei Menschen mit Migrationshintergrund
Im aktualisierten Infoblatt werden Zahlen zur Demenzprävalenz bei Menschen mit Migrationshintergrund aufgeführt. Auch wenn dies statistisch herausfordernd ist bei einer heterogenen Gruppe von Menschen, war die explizite Nennung dieser Bevölkerungsgruppe den Beteiligten ein Anliegen. Denn leider ist ein Migrationshintergrund immer noch ein Risikofaktor für eine schlechtere Gesundheitsversorgung.
Wir haben diese Schätzung explizit aufgenommen, weil diese Bevölkerungsgruppe häufig nicht ausreichend wahrgenommen wird. Sie ist äußerst heterogen, weshalb es uns eigentlich widerstrebt, diese so vereinfacht darzustellen wie im aktuellen Infoblatt. An anderer Stelle haben wir daher viel differenziertere Analysen, sogar auf europäischer Ebene, vorgenommen. Aber die explizite Nennung im Infoblatt war uns ein Anliegen, da allein ein Migrationshintergrund ein Risikofaktor für eine schlechtere Gesundheitsversorgung ist - auch unabhängig vom Vorliegen einer Demenz. Der Zugang und die Verfügbarkeit von Gesundheitsleitungen ist bei vielen Menschen mit Migrationshintergrund schlechter.
Nach den aktuellen Erhebungen leben derzeit in Deutschland knapp 2,4 Millionen Menschen im Alter von über 65 Jahren mit Migrationshintergrund. Davon sind nach Hochrechnungen etwa 158.000 Menschen an Demenz erkrankt.
Todesursache Demenz
Die Zahl der an Demenz verstorbenen Menschen in Deutschland ist weiter gestiegen. So wurden im Jahr 2024 nach den Ergebnissen der Todesursachenstatistik 61 927 Sterbefälle durch eine Demenzerkrankung verursacht. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das 4,4 % mehr als im Vorjahr und 23,2 % mehr als im zehnjährigen Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2024. Demenz in ihren verschiedenen Ausprägungen ist seit Jahren eine der häufigsten Todesursachen bei Frauen und nimmt auch bei Männern stetig zu. So war die Zahl der an Demenz verstorbenen Männer im Jahr 2024 mit 21 247 Verstorbenen um 27,9 % höher als im Zehnjahresdurchschnitt. Rund 89,1 % der im Jahr 2024 an Demenz Verstorbenen waren 80 Jahre und älter.
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