Demenz: Sprüche und Zitate als Schlüssel zur Erinnerung

Menschen mit Demenz benötigen Erfolgserlebnisse und Bestätigung, um ihr Selbstwertgefühl zu erhalten. Das Raten oder Vervollständigen von Sprichwörtern, Redensarten und Lebensweisheiten kann dabei eine wertvolle und freudvolle Aktivität sein.

Die Bedeutung von Sprichwörtern bei Demenz

Sprichwörter sind tief im Langzeitgedächtnis verankert und können bei Menschen mit Demenz oft noch abgerufen werden, selbst wenn andere kognitive Fähigkeiten bereits nachgelassen haben. Sie sind allgemein bekannt und drücken Lebensregeln oder Weisheiten in prägnanter Form aus. Das Vervollständigen von Sprichwörtern kann nicht nur Spaß machen, sondern auch Erinnerungen wecken und Gespräche anregen.

Wie funktioniert das Sprichwörter-Raten?

Der Betreuer oder Angehörige beginnt ein Sprichwort, und die Person mit Demenz vervollständigt es. Zum Beispiel: "Aller guten Dinge…" - die Antwort wäre "… sind drei". Der Schwierigkeitsgrad kann an den Zustand der Person angepasst werden. Bei leichterer Demenz können schwerere Rätsel gewählt werden, während bei fortgeschrittener Demenz einfachere Sprichwörter oder das Nennen der letzten Worte des Sprichwortes hilfreich sein können.

Diese Beschäftigungsrunden können sowohl für die Betroffenen als auch für die Betreuer sehr unterhaltsam sein. Oftmals kommen die Antworten sogar im Chor, was die Freude und das Gemeinschaftsgefühl verstärkt.

Liste bekannter Sprichwörter

Hier eine Auswahl bekannter Sprichwörter, die sich gut für das Sprichwörter-Raten eignen:

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  • Aller Anfang ist schwer.
  • Aller guten Dinge sind drei.
  • Alles hat seine Zeit.
  • Alle Wege führen nach Rom.
  • Alte Liebe rostet nicht.
  • Alter schützt vor Torheit nicht.
  • Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
  • Auge um Auge, Zahn um Zahn.
  • Aus den Augen, aus dem Sinn.
  • Besser eine Stunde zu früh als eine Minute zu spät.
  • Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach.
  • Besser etwas als nichts.
  • Besser spät als nie.
  • Bier auf Wein, lass das sein; Wein auf Bier, das rat ich Dir.
  • Borgen macht Sorgen.
  • Das Ei will klüger sein als die Henne.
  • Das Ende krönt das Werk.
  • Dem Glücklichen schlägt keine Stunde.
  • Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
  • Der Appetit kommt beim Essen.
  • Der erste Schritt ist der schwerste.
  • Der Klügere gibt nach.
  • Der Mensch denkt und Gott lenkt.
  • Der Schein trügt.
  • Der Teufel ist nicht so schwarz, wie man ihn malt.
  • Die Ausnahme bestätigt die Regel.
  • Die Furcht hat große Augen.
  • Dienst ist Dienst (und Schnaps ist Schnaps).
  • Die Wände haben Ohren.
  • Durch Schaden wird man klug.
  • Eile mit Weile.
  • Eine Hand wäscht die andere.
  • Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
  • Ende gut, alles gut.
  • Es ist nicht alles Gold, was glänzt.
  • Freunde erkennt man in der Not.
  • Friede ernährt, Unfriede verzehrt.
  • Gegensätze ziehen sich an.
  • Geist ist gut, aber Verstand besser.
  • Geld regiert die Welt.
  • Geld stinkt nicht.
  • Hunde, die bellen, beißen nicht.
  • In der Kürze liegt die Würze.
  • Jeder ist Herr in seinem Hause.
  • Jeder ist seines Glückes Schmied.
  • Jeder Topf findet seinen Deckel.
  • Keine Flamme ohne Rauch.
  • Keine Regel ohne Ausnahme.
  • Kleider machen Leute.
  • Lachen ist gesund.
  • Langsam, aber sicher.
  • Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist.
  • Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute.
  • Morgenstunde hat Gold im Munde.
  • Nach dem Essen sollst du ruhen oder tausend Schritte tun.
  • Nach dem Essen sollst du stehen oder tausend Schritte gehen.
  • Ohne Fleiß kein Preis.
  • Ordnung ist das halbe Leben.
  • Ordnung muss sein.
  • Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige.
  • Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz.
  • Rache ist süß.
  • Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
  • Scherben bringen Glück.
  • Schönheit vergeht, Tugend besteht.
  • Spare in der Zeit, so hast du in der Not.
  • Steter Tropfen höhlt den Stein.
  • Stille Wasser sind tief.
  • Strafe muss sein.
  • Übung macht den Meister.
  • Viele Köche verderben den Brei.
  • Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
  • Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
  • Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen / Füßen haben.
  • Was sich liebt, das neckt sich.
  • Wenn keiner weiß, worum es geht, dann geht es hundertprozentig um Geld.
  • Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
  • Wer A sagt, muss auch B sagen.
  • Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Thalers nicht wert.
  • Wer die Wahl hat, hat die Qual.
  • Wer schläft, (der) sündigt nicht.
  • Wer sich zuletzt freut, freut sich am besten.
  • Wer zuletzt lacht, lacht am Besten.
  • Wie die Arbeit, so der Lohn.
  • Wie Du mir, so ich Dir.
  • Wie gewonnen, so zerronnen.
  • Zeit ist Geld.

Weitere Zitate und Denkanstöße für den Alltag mit Demenz

Neben Sprichwörtern können auch andere Zitate und Denkanstöße im Alltag mit Demenz eine positive Wirkung haben. Sie können helfen, den Moment zu genießen, Dankbarkeit zu fördern und negative Gefühle abzubauen.

  • Carpe diem - Jeder Tag ist ein Geschenk. Versuche, in jedem einzelnen Tag deines Lebens etwas Wertvolles zu entdecken.
  • Schätze dein Leben. Überlege dir, welchen Menschen es noch schlechter geht als dir.
  • Bewahre dir deine Träume.
  • Heute ist dein Tag.
  • Verzeihe anderen und lege negative Erinnerungen ab.
  • Gib auf deine Art dein Bestes.

Umgang mit schwierigen Situationen und Emotionen

Der Umgang mit Demenz kann sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen sehr herausfordernd sein. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass bestimmte Verhaltensweisen und Äußerungen der Krankheit geschuldet sind und nicht persönlich gemeint sind. Humor und eine positive Grundeinstellung können helfen, schwierige Situationen zu meistern.

Einige Beispiele aus dem Pflegealltag zeigen, wie mit unerwarteten oder ungewöhnlichen Aussagen umgegangen werden kann:

  • Auf die Frage, wie es einem Herrn geht, antwortet dieser: "Das hat aber eine sehr lange Länge…."
  • Eine Dame sagt: "Ich fühle mich wie eine Henne, die überfahren worden ist…"
  • Ein Herr im Pflegeheim meint: "Ach, ist doch egal, wo ich bin. Ob hier oder daheim…"
  • Eine Dame möchte erklären: "Das haben wir durch Hitze erwärmt…. ne halt…. durch Wärme erhitzt…"

In solchen Momenten ist es wichtig, mitfühlend zu reagieren und die Aussage nicht zu bewerten oder zu korrigieren. Manchmal kann ein humorvoller Kommentar oder eine Ablenkung helfen, die Situation zu entspannen.

Prominente Beispiele und der öffentliche Umgang mit Demenz

Die Alzheimerkrankheit und andere Formen von Demenz haben auch viele prominente Menschen betroffen. Der öffentliche Umgang mit diesen Fällen hat dazu beigetragen, das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen und Vorurteile abzubauen.

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  • Ronald Reagan: Der ehemalige US-Präsident machte seine Alzheimer-Erkrankung 1994 öffentlich und trug damit maßgeblich zur öffentlichen Aufmerksamkeit und Forschung bei.
  • Iris Murdoch: Die britische Schriftstellerin beschrieb ihren Zustand mit den Worten: "Ich segele in die Dunkelheit." Ihr Mann John Bayley verarbeitete ihre Krankheit in dem Buch "Elegie für Iris".
  • Margaret Thatcher: Die ehemalige britische Premierministerin litt an fortgeschrittener Demenz. Ihre Tochter Carol ging 2008 mit der Erkrankung an die Öffentlichkeit.
  • Walter Jens: Der Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Rhetorik-Professor sagte kurz vor seinem Verlust der Sprache: "Mir ist die Sprache gestorben."
  • Rudi Assauer: Der ehemalige Fußballprofi machte seine Alzheimer-Erkrankung 2012 öffentlich und beschrieb seine Ängste und Sorgen in dem Buch "Wie ausgewechselt".

Rudi Assauer und sein Kampf gegen Alzheimer

Der Fall Rudi Assauer ist besonders bewegend, da er einen Einblick in die persönlichen Erfahrungen und Ängste eines Menschen mit Alzheimer gibt. Assauer, der als Spieler und Manager den deutschen Fußball über Jahrzehnte geprägt hat, wurde im Alter von 68 Jahren mit der Diagnose Alzheimer konfrontiert.

In seinem Buch "Wie ausgewechselt" beschreibt er seine anfängliche Verdrängung, die zunehmenden Vergesslichkeiten und die Angst vor dem Verlust seiner Identität. Er thematisiert auch die Reaktionen seiner Umwelt und die Stigmatisierung, die mit der Krankheit einhergehen kann.

Assauers Offenheit hat dazu beigetragen, die Krankheit in der Öffentlichkeit stärker zu thematisieren und das Verständnis für die Betroffenen zu fördern.

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