Der Hexenschuss, auch Lumbago oder akutes Lumbalsyndrom genannt, ist ein plötzlich auftretender, stechender Schmerz im unteren Rückenbereich. Der Begriff „Hexenschuss“ stammt aus dem Mittelalter, als man glaubte, übernatürliche Wesen hätten unsichtbare Pfeile in den Rücken der Betroffenen geschossen. Obwohl die medizinische Erklärung heute anders lautet, hat sich die Bezeichnung bis heute gehalten. Rückenschmerzen gelten als Volkskrankheit.
Was passiert bei einem Hexenschuss?
Ein Hexenschuss tritt oft unerwartet auf, beispielsweise beim Bücken, Heben, Strecken oder Aufstehen. Typische Symptome sind:
- Akute, stechende oder brennende Schmerzen: Sie treten plötzlich im unteren Rücken auf.
- Steifer Rücken: Bewegungen im unteren Rücken sind schmerzhaft und eingeschränkt. Bücken und Strecken sind kaum möglich.
- Verhärtete Rückenmuskeln: Die Muskeln im Lendenbereich verspannen sich.
- Druckschmerz: Leichter Druck auf die Dornfortsätze der Wirbel kann schmerzhaft sein.
- Schonhaltung: Betroffene nehmen eine Schonhaltung ein, um weitere Schmerzen zu vermeiden.
Hexenschuss: Auslöser und Ursachen
Die Auslöser für einen Hexenschuss sind vielfältig. Eine alltägliche Bewegung, zum Beispiel das Bücken, Heben, Strecken, das Aufstehen aus dem Bett oder eine Verdrehung beim Sport, kann zu plötzlich einschießenden starken Schmerzen im unteren Rücken führen. Auch Zugluft kann einen Hexenschuss verursachen.
Typischerweise tritt beim Hexenschuss eine plötzliche Verspannung der starken Rückenmuskeln auf, was die akuten Schmerzen verursacht. Diese Verspannung kann zur Blockade der kleinen Wirbelgelenke und Nervenreizungen führen, was die Rückenschmerzen weiter verstärkt - ein Teufelskreis, der durchbrochen werden muss. Daher ist es bei einem Hexenschuss wichtig, gewohnte körperliche Aktivitäten, so gut es geht, beizubehalten. Bandscheibenvorfälle sind als Ursache eines Hexenschusses eher selten.
Weitere Ursachen für einen Hexenschuss können sein:
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- Eine vorübergehende oder chronische Überlastung beziehungsweise Fehlbelastung des Rückens.
- Eine erzwungene Körperhaltung über längere Zeit.
- Vibrationsbelastungen.
- Muskelverspannungen im Bereich der Lendenwirbelsäule.
- Verschleißerscheinungen an den Bandscheiben.
- Funktionelle Ursachen.
Fest steht: Eine starke Rückenmuskulatur schützt vor Rückenschmerzen wie Hexenschuss. Wer sich hingegen wenig bewegt und selten Sport treibt, läuft eher Gefahr, Rückenschmerzen zu entwickeln.
Hexenschuss vorbeugen: Risikofaktoren vermeiden
Sie können selbst einiges tun, um einem Hexenschuss vorzubeugen. Achten Sie auf sich selbst und vermeiden Sie möglichst folgende Risikofaktoren:
- Stress
- Schlafmangel
- Übergewicht
- Fehlhaltungen
- Bewegungsmangel
- Langes Sitzen
- Schweres Heben
- Kälte und Nässe
Was kann man gegen einen Hexenschuss tun?
Akute Rückenschmerzen wie beim Hexenschuss klingen glücklicherweise meist von selbst wieder ab. Studien haben gezeigt, dass dies schneller geht, wenn man in Bewegung bleibt. Schweres Heben sollte man jedoch vermeiden und beim Bücken vorsichtig sein. Ärzte und Ärztinnen raten bei Rückenschmerzen von dauerhafter Bettruhe ab und dazu, sich möglichst bald wieder zu bewegen.
Der Arzt oder die Ärztin kann erkennen, ob sich hinter den Rückenschmerzen eine behandlungsbedürftige Erkrankung verbirgt. Warnhinweise hierfür sind zum Beispiel ein Kribbeln, Taubheits- oder Schwächegefühl in den Beinen, Fieber oder Probleme bei der Stuhlentleerung. Diese Warnzeichen werden auch als „red flags“ (englisch für „rote Fahnen“) bezeichnet und können Hinweise auf eine konkrete behandlungsbedürftige Ursache der Beschwerden, wie einen Bandscheibenvorfall, Wirbelkörperbrüche oder Entzündungen sein.
Solange jedoch kein konkreter Verdacht auf eine spezifische Ursache besteht - was zum Glück meistens der Fall ist - werden Hausarzt und Hausärztin oder Orthopäde und Orthopädin in der Regel zunächst keine Röntgenbilder oder andere bildgebende Verfahren veranlassen und stattdessen Bewegungsübungen empfehlen. Sollten die Rückenschmerzen doch länger anhalten, kann es hilfreich sein, Entspannungstechniken anzuwenden, wie die Progressive Muskelrelaxation.
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Erste Hilfe bei Hexenschuss
Eine gute erste Hilfe bei den Kreuzschmerzen des Hexenschusses bietet Wärme und eine entlastende Körperhaltung. Auch können Schmerzmittel helfen, wenn die Bewegungsfreiheit sehr eingeschränkt ist. Sie sollten sich bei einem Hexenschuss natürlich schonen, aber verzichten Sie nicht komplett auf Bewegung.
Schmerzlinderung
- Viele Patienten und Patientinnen schätzen Wärmflaschen oder Wärmekissen bei Verspannungsschmerzen im Rücken. Auch ein entspannendes Bad oder eine heiße Dusche können die Muskeln etwas lockern.
- Eine spezielle Liegeposition, die sogenannte Stufenlage, sorgt für eine Entlastung des unteren Rückens: Legen Sie sich dazu auf den Boden. Ein Kissen und eine Yoga-Matte machen dies angenehmer. Im nächsten Schritt legen Sie die Unterschenkel auf eine Ablage, die etwa so hoch ist, dass Ober- und Unterschenkel einen 90-Grad-Winkel bilden.
- Empfohlen werden hier vor allem Ibuprofen oder Diclofenac. Diese können in Form von Tabletten eingenommen werden. Allerdings ist auch hier auf die Nebenwirkungen zu achten. So sollten Betroffene, die eine Herzschwäche haben, sich von einer Ärztin oder einem Arzt ein anderes Schmerzmittel wie z. B. Metamizol verschreiben lassen.
Entlastende Körperhaltung
Eine lindernde Wirkung bei einem Hexenschuss bringt die Stufenlagerung. Durch diese Schonhaltung wird der Körper entlastet und die Muskeln im Rücken entspannt. Legen Sie sich dazu auf den Rücken. Nehmen Sie ein Kissen, um Ihren Nacken zu stützen. Danach winkeln Sie die Beine an und legen sie z. B. auf einen Stuhl. Achten Sie darauf, dass sowohl Unterschenkel und Oberschenkel sowie Oberschenkel und Hüfte einen 90 Grad Winkel bilden.
Auch die Seitenlagerung kann helfen: Dadurch wird der gesamte Rücken gedehnt. Dazu legen Sie sich entspannt auf die Seite. Stützen Sie Ihren Kopf mit den Händen. Das untere Bein ist entspannt ausgestreckt und das darüber liegende leicht angewinkelt. Das angewinkelte Knie sollte den Boden berühren. Nach einiger Zeit können Sie dann die Seite wechseln.
Bewegung trotz Schmerzen
Obwohl bei einem akuten Hexenschuss oder Lumbago der Körper vor allem geschont werden soll, ist es trotzdem wichtig sich zu bewegen. Komplette Bettruhe und Inaktivität können dem Heilungsprozess sogar schaden und die Schmerzen verstärken.
Wärmeanwendungen
Was ebenfalls bei einem Hexenschuss oder Lumbago hilft, ist die Behandlung mit Wärme dort, wo die Schmerzen auftreten. Nehmen sie bei einem Hexenschuss eine warme Dusche oder nutzen Sie Hilfsmittel wie z. B. Wärmflaschen oder Wärmepflaster. Führen Sie den warmen Wasserstrahl über die schmerzenden Stellen, wie z. B. den unteren Rücken und die Lendenwirbelsäule. Die Wärme hilft dabei die Muskeln zu entspannen.
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Physiotherapie
Im Fokus der Physiotherapie steht immer, Menschen zu Schmerzfreiheit und mehr Beweglichkeit zu verhelfen. Durch das engagierte Team der Wirbelsäulentherapie und modernste Technologie bietet die St. Augustinus Gruppe eine optimale Behandlung Ihres Hexenschusses.
Übungen für einen starken Rücken
Regelmäßiges Dehnen kann dabei helfen, Verspannungen und Verkürzungen des unteren Rückens vorzubeugen. Hier sind fünf einfache Übungen für den unteren Rücken:
- Katzenbuckel: Durch die Katzenbuckel-Position im Vierfüßlerstand wird der untere Rücken sanft gedehnt. Wirbelkörper, Bandscheiben, Muskeln und sehnige Strukturen werden entlastet, die Durchblutung wird verbessert.
- Dehnung der Hüftbeuger: In der Rückenlage ziehen Sie ein Bein in Richtung Bauch und umgreifen das Knie. Das andere Bein wird mit der Ferse am Boden langsam abgesenkt. Durch diese Übung werden die Hüftbeuger sanft gedehnt.
- Dreh-Dehn-Lagerung: In der Rückenlage winkeln Sie die Knie an und legen sie zur rechten und dann zu linken Seite ab. Muskeln und Sehnen werden dabei leicht gedehnt.
- Das Päckchen: Der Körper wird auf den Unterschenkeln abgelegt, das Gesäß ruht auf den Fersen und die Stirn auf der Gymnastikmatte, die Arme liegen eng neben dem Körper. So kann die Rückenmuskulatur entspannen und der untere Rücken wird sanft gedehnt.
- Mobilisation im Sitzen: Sie sitzen stabil auf dem vorderen Teil eines Stuhles und kippen das Becken nach vorne und zurück. Bei dieser Übung wird die Muskulatur sanft unter An- und Entspannung gebracht und die Wirbelkörper werden mobilisiert.
Weitere Übungen zur Mobilisierung und Lockerung
- Beine an der Wand abstellen: Stellen Sie in der Rückenlage die Beine an der Wand ab. Die Fußsohlen zeigen zur Decke. Rutschen Sie mit dem Gesäß bis zur Wand. Strecken Sie nun die Beine Richtung Decke.
- Kleine Schritte an der Wand: Ausgangsstellung: Rückenlage; die Beine sind angestellt. Durchführung: Versuchen Sie nun langsam mit sehr kleinen Schritten nach vorne zu wandern. Atmen Sie dabei ruhig und gleichmäßig. Versuchen Sie so weit zu kommen, bis die Beine ganz ausgestreckt sind. Gehen Sie jedoch nur so weit, wie es die Schmerzen zulassen.
- Massage des M. quadratus lumborum: Der Muskel M. quadratus lumborum zieht von der Hüfte über die Lendenwirbel zur untersten Rippe und ist bei einem Hexenschuss stark verspannt. Sie können diesen Muskel jedoch gut selber massieren. Üben Sie dazu mit Ihrem Daumen oder Ihren Fingerknöcheln gezielt Druck auf die festen Stellen im Muskel aus. Sie können diese Druckmassage auch mit leichten Bewegungen nach vorne und zur Seite sowie einfachem Gehen kombinieren.
- Massage der Gesäßmuskeln: Die Gesäßmuskeln spielen bei der starken Bewegungseinschränkung im Rahmen eines akuten Lumbago eine wichtige Rolle. Das Lösen von Verspannungen in den Gesäßmuskeln ist deshalb zur Wiederherstellung der Beweglichkeit äußerst sinnvoll. Legen Sie sich dazu auf den Rücken und stellen Sie die Beine an. Den Massageball platzieren Sie unter dem Gesäß und suchen durch kleine Rollbewegungen den Bereich nach schmerzhaften und verspannten Punkten ab. Diese Punkte können Sie entweder mit statischem Druck oder mit kleinen Rollbewegungen behandeln.
- Beckenkreisen in Rückenlage: Ausgangsstellung: Rückenlage, die Beine sind angestellt. Das Kreuzbein ist auf einer weichen Unterlage, optimalerweise einem kleinen weichen Ball, aufgelegt. Durchführung: Führen Sie nun abwechselnd mit Ihren Beckenhälften eine sanfte Kreisbewegungen nach hinten unten Richtung Boden durch. Dabei verlängert sich jeweils Ihre Taille Richtung Fuß. Wiederholung: Führen Sie die Bewegung ca. 20 Sekunden lang durch. Dies entspricht einem Satz. Beschreiben Sie mit Ihrem Becken eine liegende Acht, indem Sie die Beckenhälften abwechselnd nach hinten führen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In der Regel erfordert ein Hexenschuss nicht zwingend einen Arztbesuch, da er von allein wieder verschwindet. Trotzdem sollte man in einigen Fällen eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, z. B. wenn:
- Die Schmerzen des Hexenschusses sich nicht durch Wärme oder eine entlastende Körperhaltung lindern lassen.
- Die Schmerzen anhalten oder sich verschlimmern.
- Weitere Symptome wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Lähmungserscheinungen auftreten.
- Fieber oder Probleme bei der Stuhlentleerung hinzukommen.
Sie können sich in der Regel zunächst an Ihren Hausarzt oder -ärztin wenden. Falls Ihnen bekannt ist, dass Sie unter einer Wirbelsäulenerkrankung leiden, wäre der direkte Gang zu einem Orthopäden mit der Spezialisierung auf Rücken und Wirbelsäule sinnvoll.
Dauer und Verlauf eines Hexenschusses
Bei einem normalen Hexenschuss oder Lumbago klingen die akuten Schmerzen ungefähr nach zwei bis fünf Tagen ab. Wie lange der Hexenschuss insgesamt dauert, kann variieren. In der Regel sollten die Beschwerden eines Hexenschusses nach sieben bis 14 Tagen vollständig weg sein. Kommt es allerdings zu Problemen während des akuten Hexenschusses oder Lumbago können die Symptome bis zu sechs Wochen auftreten. Etwa die Hälfte der Patienten mit Hexenschuss erholt sich nach 2 bis 3 Wochen.
Differenzierung von anderen Rückenerkrankungen
Es ist wichtig, einen Hexenschuss von anderen Rückenerkrankungen zu unterscheiden, da diese unterschiedliche Behandlungen erfordern können.
- Bandscheibenvorfall: Typisch für einen Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule sind ausstrahlende Rückenschmerzen, die bis in die Beine und Füße ausstrahlen können. Manche Patienten berichten von Taubheitsgefühlen oder einem Kribbeln in den Beinen. Erschütterungen wie beim Husten und Niesen verstärken die Schmerzen.
- Ischialgie: Strahlen die Schmerzen bis ins Bein aus, handelt es sich möglicherweise um eine Ischialgie (auch „Ischias“ genannt). Der Ischiasnerv verläuft von der Lendenwirbelsäule bis zu den Füßen und ist der längste Nerv im Körper.
- Skoliose: Skoliose ist eine Erkrankung, bei der die Wirbelsäule eine seitliche Krümmung aufweist.
- Morbus Bechterew: Morbus Bechterew zählt zu den rheumatischen Erkrankungen. Es handelt sich um eine chronische Entzündung der Wirbelsäule.
- Osteoporose (Knochenschwund): Bei einer Osteoporose wird der Knochen porös. Dadurch entsteht eine höhere Bruchgefahr des Knochens. Durch den Knochenschwund kann es in den Wirbeln zu kleinsten Brüchen kommen, die zu einer Verformung der Wirbelsäule führen können.