Inkontinenz bei Menschen mit Demenz: Ursachen, Umgang und Hilfestellungen

Demenz ist eine Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinflusst. Neben Gedächtnisverlust und kognitiven Einschränkungen kann Demenz auch zu körperlichen Problemen wie Inkontinenz führen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft setzt sich dafür ein, Menschen mit Demenz und ihre Familien umfassend zu unterstützen. Dieser Artikel beleuchtet das Thema Inkontinenz im Zusammenhang mit Demenz, erklärt die Ursachen, gibt praktische Tipps zum Umgang und stellt Hilfsangebote vor.

Demenz und ihre vielfältigen Auswirkungen

Demenz ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen des Gehirns, die mit einem Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit einhergehen. Demenz kann das Gedächtnis und andere kognitive Funktionen beeinträchtigen und sich auf die Mobilität und Geschicklichkeit auswirken. Zu den häufigsten Demenzformen gehören die Alzheimer-Krankheit, vaskuläre Demenz, Lewy-Body-Demenz (LBD), Parkinson-Demenz und frontotemporale Demenz. Alter, Diabetes, Herzerkrankungen und Gene können allesamt Risikofaktoren sein.

Die Symptome der Demenz variieren je nach Demenztyp, Individuum und betroffener Gehirnregion. Möglich sind Probleme in den Bereichen kognitive Funktionen, Orientierung, Verstehen, Rechenfähigkeit, Lernfähigkeit, Sprache oder Urteilsvermögen. Unter Demenz leidenden Personen fällt es zunehmend schwerer, ihre Bedürfnisse zu äußern und ihr Umfeld zu verstehen. Dies kann bis zu einem Widerstand gegen jegliche Betreuung oder Pflege führen. Tatsächlich weisen 90 % aller unter Demenz leidender Personen BPSD auf. Dazu gehören Angst, Apathie, Ruhelosigkeit, Paranoia, Halluzinationen und Verhaltensauffälligkeiten. Es gibt viele Dinge, die BPSD auslösen können, wie z. B. Schmerzen, Verstopfung, Juckreiz, Schlafmangel, Mangel an Privatsphäre und eine stressreiche Umgebung. Da BPSD die Lebensqualität stark beeinträchtigt, ist es wichtig, diese Auslöser durch Person-zentrierte Pflege zu identifizieren und zu minimieren.

Der Zusammenhang zwischen Demenz und Inkontinenz

Inkontinenz ist bei Menschen mit Demenz ein häufiges Problem. Unter demenzkranken Menschen ist die Inkontinenzrate mindestens doppelt so hoch wie bei altersentsprechenden nichtdementen Personen. So sind 50 bis 60 Prozent der 85-jährigen Männer und Frauen mit Demenz auch harninkontinent.

Die Ursachen dieser beiden auf den ersten Blick ganz unterschiedlichen Krankheitsbilder sind im Grunde dieselben: Zerebrale Läsionen, die die Gedächtnisleistung beeinträchtigen, wirken auch auf die Steuerungsmechanismen der Blasenentleerung ein. So ist es zwar möglich, dass zunächst nur eine von beiden Erkrankungen auftritt. Doch bei fortschreitendem Verlust von Nervenzellen im Gehirn treten häufig Dauerbeschwerden aus beiden Bereichen auf. Demenz kann das Gedächtnis und andere kognitive Funktionen beeinträchtigen und sich auf die Mobilität und Geschicklichkeit auswirken. All diese Symptome können zu Inkontinenz beitragen. Demenz-Kranke können plötzlich orientierungslos werden und vergessen, wo sie sich befinden und warum sie an diesem Ort sind.

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Person-zentrierte Pflege als Schlüssel zur Verbesserung der Lebensqualität

Was ist Person-zentrierte Pflege? Die Person-zentrierte Pflege bedeutet, Bewohner als gleichberechtigte Partner zu betrachten und ihnen zu helfen, sich selbst zu helfen, damit sie ihre Unabhängigkeit, die Lebensqualität und ihr Wohlbefinden steigern können. Zudem ist es wichtig, ihnen das Wissen, die Mittel und das Selbstvertrauen zu vermitteln, damit sie dies selbstständig tun können. Bei der Pflege von Demenzkranken ist es sehr wichtig, sie mit Respekt und Würde zu behandeln, ihnen mit Mitgefühl zu begegnen und sie bei der Entwicklung ihrer Stärken und Fähigkeiten zu unterstützen, damit sie ein möglichst unabhängiges Leben führen und ihre Identität so lange wie möglich bewahren können. Machen Sie sich also unbedingt die Mühe, die Bewohner kennenzulernen, sprechen Sie mit deren Familien und binden Sie sie so weit wie möglich in die pflegerischen Maßnahmen ein. Die Teilnahme an Aktivitäten kann Frustration und problematischem Verhalten von Bewohnern vorbeugen. Bekämpfen Sie die Symptome mit Musik, Massagen, einem aktiven Lebensstil und Zeit im Freien. Vermeiden Sie außerdem, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun oder anzusprechen, seien Sie geduldig und geben Sie den Bewohnern ausreichend Zeit, sich aktiv am Gespräch zu beteiligen.

Wie kann Person-zentrierte Pflege die Symptome von Demenz verbessern? Die Ermutigung der Bewohner zu einem gesunden und aktiven Lebensstil, die Pflege sozialer Kontakte und eine gute, konsequente Schlafroutine können die Symptome der Demenz verbessern. Person-zentrierte Pflege verbessert die Symptome von Demenz.

Individuelle Inkontinenzversorgung: Würde und Unabhängigkeit bewahren

Individuelle Inkontinenzversorgung trägt in großem Maße zur Unabhängigkeit von Bewohnern bei. Hier sind einige Möglichkeiten, Bewohner zu unterstützen, und dabei ihre Würde zu bewahren sowie Komfort und Sicherheit der Bewohner zu gewährleisten. Ermitteln Sie die Bedürfnisse der Bewohner und legen Sie individuelle Zeiten für den Toilettengang fest (TENA Identifi oder ein Blasentagebuch sind dabei hilfreich). Achten Sie auf Anzeichen eines bevorstehenden Toilettengangs und helfen Sie, wenn nötig. Helfen Sie Bewohnern, unabhängig zu bleiben, indem Sie dafür sorgen, dass sich Kleidung und Inkontinenzprodukte leicht an- und ausziehen lassen wie z. B. TENA Pants. Stellen Sie sicher, dass Bewohner den Weg zur Toilette kennen. Markieren Sie die Toilette, Lichtschalter und den Toilettensitz deutlich. Lassen Sie die Toilettentür offen und das Licht nachts an, damit die Toilette leicht zu finden ist. TENA bietet ein großes Sortiment an Produkten und Hilfen für die Inkontinenz-Behandlung. Von TENA Pants, die Unabhängigkeit und selbstständige Toilettengänge fördern, bis zu Produkten mit Nässeindikator, die dafür sorgen, dass ein Wechsel nur dann erfolgt, wenn er auch tatsächlich notwendig ist. Manche Alzheimer-Patienten oder Demenz-Kranken haben Angst vor Wasser. Hier helfen Produkte wie die TENA Wet Wash Gloves oder TENA Shampoo Cap, die die Hautgesundheit und gleichzeitig die Unabhängigkeit bewahren, da man kein zusätzliches Wasser für ihre Verwendung benötigt.

Kompetente Hilfe und kreative Lösungen

Obwohl Menschen mit Demenz keine homogene Gruppe darstellen und nicht notwendigerweise die gleichen Symptome im Hinblick auf Inkontinenz zeigen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, ihnen kompetent zu helfen. Beim Sammeln von Daten im Zuge der Inkontinenzbeurteilung ist es wichtig, Anzeichen zu beobachten und zuzuhören - da der Betroffene eventuell nicht mehr in der Lage ist, zu kommunizieren oder keinen Harndrang verspürt. Der Pflegeplan sollte Maßnahmen enthalten, die an die Bedürfnisse und Stärken des Bewohners angepasst sind. Wenn sich die Situation des Bewohners ändert, muss die Pflege angepasst und neue Lösungen gefunden werden.

Es gibt einige bewährte Methoden, um Demenzkranke vor dem Einnässen zu bewahren. Oft haben Betroffenen Probleme, die Toilette zu finden, sie rechtzeitig zu erreichen, sie vergessen, vor dem Hinsetzen die Kleider herunterzuziehen oder sie verwechseln andere Plätze mit dem Örtchen. Daher sollte der Weg zur Toilette immer frei geräumt und gut beleuchtet ist. Um dem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen, lässt sich außerdem Folgendes ausprobieren: Die Toilettentür so gestalten, wie sie der Betroffenen von früher in Erinnerung hat. Den WC-Sitz in einer Farbe wählen, die sofort ins Auge fällt. Denn Menschen mit Demenz fühlten sich oft von Farbimpulsen angezogen und wissen dann intuitiv den Weg. Weiter hilft es, wenn Demenzkranke Kleidung tragen, die sie selbst einfach ausziehen können. Gut sind zum Beispiel Klettverschlüsse anstelle von Reißverschlüssen oder Knöpfen.

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Kontinenzprodukte: Die richtige Wahl für individuelle Bedürfnisse

TENA bietet ein breites Sortiment an Kontinenzprodukten für individuelle Bedürfnisse. Wichtig ist, dass das Produkt an den Bewohner mit Demenz und seine Situation angepasst wird. Bei aktiven Bewohnern können TENA Pants zum Beispiel einen selbstständigen Toilettengang erleichtern und die Würde des Bewohners erhalten. Bei der Produktauswahl kommt es zuallererst darauf an, dass Sie die passende Saugstärke finden. Unser Attends Nummersystem hilft Ihnen dabei: Je höher die Zahl bzw. Dabei gilt die Regel: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Wenn Sei ei der Saugstärke unsicher sind, probieren Sie zunächst ein Produkt mit einehr geringeren Saugstärke. Bei Inkontinenzhosen sollten Sie zuerst den Bauch- bzw. Den Weg zum Badezimmer freizumachen und ein Bild der Toilette an der Tür anzubringen, kann das Gedächtnis fördern. Und vergessen Sie nicht: Sie sind nicht alleine.

Informationen und Unterstützung durch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet vielfältige Informationen und Unterstützung für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und Fachkräfte. Dazu gehören Broschüren, Ratgeber, Seminare und ein bundesweites Alzheimer-Telefon.

Broschüren und Ratgeber

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (Hrsg.) bietet die Broschüre „Inkontinenz in der häuslichen Versorgung Demenzkranker“ an. Die Autorinnen, die Pflegewissenschaftlerinnen Dr. Daniela Hayder und Erika Sirsch, erklären verständlich und praxisorientiert die verschiedenen Formen und Ursachen einer Inkontinenz und geben Tipps zur Förderung der Kontinenz, z.B. durch Ernährung und Toilettentraining. Sie erläutern die Nutzung von Toilettenhilfen, aufsaugenden Hilfsmitteln, Kathetern und die Kostenübernahme für Hilfsmittel durch Kranken- und Pflegekassen. Ihre Empfehlung ist, immer eine ärztliche Diagnose stellen zu lassen und sich von spezialisierten Pflegefachkräften beraten zu lassen.

Weitere Broschüren und Ratgeber der Deutschen Alzheimer Gesellschaft umfassen:

  • Allgemeine Informationen über Demenz
  • Informationen für Jugendliche und junge Erwachsene, deren Eltern an Demenz erkrankt sind
  • Anregungen zur Alltagsgestaltung für Menschen mit Demenz
  • Informationen zur sicheren Verkehrsteilnahme und Risikominimierung bei Rechtsgeschäften
  • Hinweise zum Abbau von Barrieren im Wohnumfeld
  • Informationen für Angehörige und rechtliche Vertreter von Menschen mit fortgeschrittener Demenz
  • Informationen zur Frontotemporalen Demenz (FTD)
  • Informationen zu medizinischen Besonderheiten bei Demenzen im jüngeren Lebensalter
  • Praktische Anleitungen für die Gestaltung des Tages und für Gehirn- und Gedächtnisaktivierung

Seminare und Schulungen

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet das interaktive Seminarprogramm „Hilfe beim Helfen“ an, das dem großen Informationsbedürfnis pflegender Angehöriger nachkommt und Raum für Austausch lässt. In unserem kostenlosen E-Learning-Kurs „Demenz und Inkontinenz“ geben wir Ihnen Best-Practice-Tipps für die Pflege von Bewohnern mit Demenz und Inkontinenz.

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Das Alzheimer-Telefon

Das Alzheimer-Telefon ist ein bundesweites Beratungsangebot für Menschen mit Demenz, für Angehörige sowie für alle, die sich beruflich oder ehrenamtlich engagieren.

Umgang mit Inkontinenz: Praktische Tipps für den Alltag

Viele Demenzkranke leiden unter Inkontinenz (Blasen-und Darmschwäche) und können ihre Ausscheidungen nicht mehr kontrollieren. Dies ist für die Betroffenen unangenehm und kann pflegende Angehörige vor große Probleme stellen. Einfühlsamer Umgang mit Personen mit Alzheimer und InkontinenzWenn eine Person an Alzheimer leidet, kann eine zusätzliche Inkontinenz einen hohen emotionalen Tribut fordern, die die Lebensqualität und Wohlbefinen beieinträchtigen, wenn nicht sensibel damit umgegangen wird. Es ist wichtig zu wissen, dass Inkontinenz kein unvermeidlicher Teil der Erkrankung ist, wenn sie richtig behandelt wird.

Hier einige praktische Tipps für den Alltag:

  • Ärztliche Diagnose: Inkontinenz kann ganz verschiedene Ursachen haben. Deshalb ist eine ärztliche Diagnose notwendig, um eine angemessene Behandlung einleiten zu können.
  • Beobachtung und Dokumentation: Notieren Sie Verhaltensmuster - Lernen Sie die Gewohnheiten der betroffenen Person kennen und erkennen Sie, wann er die Toilette aufsuchen muss, z. B. Achten Sie auf besondere Ausdrucksweisen wie "Ich muss mal raus" oder "Ich kann den Lichtschalter nicht finden". Achten Sie auf Anzeichen, die darauf hinweisen können, dass die Person auf die Toilette muss. Diese können auch nonverbal sein, wie z.B.
  • Angemessene Sprache: Nutzen Sie eine angemessene Sprache (keine Babysprache), um die Person nicht zu verunsichern oder zu kränken.
  • Hautpflege: Achten Sie auf den Hautzustand - Stellen Sie sicher, dass die Haut sauber und trocken gehalten wird.
  • Ernährung: Ernährung - Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (etwa acht Gläser pro Tag) beugt Dehydrierung und Verstopfung bei Menschen mit Demenz vor.
  • Barrierefreie Umgebung: Altersbedingte Probleme - Das Durchschnittsalter von Menschen mit Demenz in Europa liegt bei 65 Jahren oder älter. Sie sind möglicherweise nicht in der Lage, ihr Bedürfnis auf die Toilette gehen zu müssen, auszudrücken, was sehr frustrierend sein kann. ● Ist die betreffende Person mobil? Kann sie alleine auf die Toilette gehen? Weiß sie, wie eine Toilette aussieht? ● Außerdem: Achten Sie darauf, dass die Person ausreichend trinkt, da eine eingeschränkte Flüssigkeitszufuhr zu Dehydrierung führen kann, was wiederum eine Harnwegsinfektion und eine verstärkte Inkontinenz zur Folge haben kann. ● Achten Sie auch auf die Umgebung, z. B. Den Weg zum Badezimmer freizumachen und ein Bild der Toilette an der Tür anzubringen, kann das Gedächtnis fördern.

Hilfsmittel und Produkte

  • Aufsaugende Hilfsmittel: Zum einen können ältere Frauen und Männer aufsaugende Hilfsmittel nutzen bzw. Angehörigen können diese respektvoll in das Alltagsleben versuchen zu integrieren. Solche Hilfsmittel fangen Harn und Stuhl wirksam auf und reduzieren damit das Infektionsrisiko.
  • Toilettenhilfen: Weiteres wichtiges Utensil für mehr Lebensqualität Ihres Angehörigen kann die Nutzung einer Toilettenhilfe sein. Diese Hilfsmittel erleichtert das Hinsetzen und Aufstehen und kann als Stuhl z. B.
  • Pflegehilfsmittel: Eine weitere Unterstützung bieten so genannte Pflegehilfsmittel, die vor allem dann eine gute Option für die Angehörigen bzw. Pflegenden sind, wenn Betroffene der Harn- und Stuhlinkontinenz den Gang zur Toilette nicht mehr allein schaffen.
  • Ableitende Hilfsmittel: Eine zusätzliche Möglichkeit sind ableitende Hilfsmittel, die das Abfließen des Urins in einen Beutel ermöglichen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

  • Beckenbodentraining: Macht der Allgemeinzustand eine Behandlung des Betroffenen möglich, kann neben Beckenbodentraining bei einem spezialisierten Physiotherapeuten auch Toilettentraining hilfreich sein.
  • Toilettentraining: Hier wird der Gang zur Toilette geplant und trainiert, sich an feste Zeiten bzw. Zyklen zu halten. Auch kann geübt werden, weniger zu pressen. Diese Möglichkeit sollten Sie als Angehöriger erst nach vorheriger Rücksprache mit dem behandelnden Arzt auf die Umsetzbarkeit hin prüfen.
  • Medikamente: Eine weitere Option, die ebenfalls die ärztliche Konsultation erfordert, ist die Einnahme von Medikamenten. Sprechen Sie hier vertrauensvoll mit dem behandelnden Arzt oder einem als Beratungsstelle anerkannten Arzt und holen Sie sich Rat und Hilfe.

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