Einführung
Der Begriff "C-Promi" ist oft abwertend gemeint, doch diese Persönlichkeiten sind ein fester Bestandteil der deutschen Medienlandschaft. Sie bevölkern Reality-Formate, Klatschspalten und Party-Veranstaltungen. Dieser Artikel beleuchtet das Phänomen C-Promi, ihre Strategien und die Mechanismen, die ihren Erfolg ermöglichen.
Definition und Abgrenzung
Der Begriff "C-Promi" ist keine offizielle Kategorie, sondern eher eine abfällige Bezeichnung für Personen, die durch ihre Teilnahme an Castingshows, Reality-Formaten oder durch andere mediale Auftritte eine gewisse Bekanntheit erlangt haben, ohne dabei ein besonderes Talent oder eine Leistung vorzuweisen. Ihnen wird oft vorgeworfen, "Stars ohne Grund" zu sein.
Paul Janke: Der "Bachelor" als Beruf
Paul Janke wurde durch die RTL-Show "Der Bachelor" bekannt. Seitdem verdient er sein Geld damit, als "Bachelor" aufzutreten. Er wird für Discotheken und Messen gebucht, wo er das Publikum anlockt, für gute Stimmung sorgt, Autogramme schreibt und sich fotografieren lässt. Für seine Auftritte soll er bis zu 3000 Euro am Abend bekommen. Janke selbst ist sich der Problematik seiner Berufsbezeichnung bewusst, da sie schwer in ein Business-Netzwerk wie Xing einzutragen ist. Er hat zwar einen Abschluss als Diplomkaufmann und arbeitete bereits für einen Spirituosenhersteller, entschied sich aber auf seinem Xing-Profil für eine andere Lösung. Inzwischen arbeitet er auch als DJ und betont, dass seine Arbeit unterschätzt werde. Er müsse die neuesten Lieder kennen und wissen, wann der Gesang einsetzt. Er sei in einem Jahr bereits 200-mal geflogen, was sehr anstrengend sei.
Micaela Schäfer: Die Inszenierung der Nacktheit
Micaela Schäfer, die sich selbst als "A-Promi unter den C-Promis" bezeichnet, hat ein Konzept für ihren Erfolg entwickelt. Sie arbeitet als Model, Moderatorin, DJane und Partygast, meistens nackt. Sie sieht die Boulevardwelt als geordnete Sache: Verona Pooth ist das Dummchen mit der nervigen Stimme, Gina-Lisa Lohfink ist prollig, Georgina Fleur blöd, und sie selbst ist gern nackt. Schäfer hat in zahlreichen TV-Formaten wie "Big Brother", "Dschungelcamp", "Supertalent", "Perfektes Dinner", "Promiboxen", "Frauentausch" und "Reality Queens auf Safari" mitgewirkt. Sie behauptet, sich die Sendungen im Nachhinein nicht anzusehen und ihren Namen nicht bei Google einzugeben. "Man braucht viel Selbstironie", sagt sie. Schäfer hat verstanden, dass sie unterhalten muss, um gebucht zu werden. "Ich werde nur gebucht, wenn ich aktuell bin. Deshalb muss ich in die Medien. Mein Produkt ist Micaela Schäfer mit den Brüsten. Das muss ich vermarkten." Sie sieht sich selbst als lebende Fotostrecke und macht sich keine Sorgen um ihr Image. "Ist ja eh egal", sagt sie.
Strategien der C-Promis
C-Promis nutzen verschiedene Strategien, um in der Öffentlichkeit präsent zu bleiben:
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- Teilnahme an Reality-Formaten: Diese Formate bieten eine Plattform, um sich einem breiten Publikum zu präsentieren und im Gespräch zu bleiben.
- Inszenierung von Skandalen: Durch provokante Aktionen und Äußerungen erregen C-Promis Aufmerksamkeit und sorgen für Schlagzeilen.
- Nutzung von Social Media: C-Promis nutzen Social Media, um ihre Fans auf dem Laufenden zu halten, sich selbst zu vermarkten und mit anderen Prominenten zu interagieren.
- Kooperationen mit Unternehmen: C-Promis arbeiten mit Unternehmen zusammen, um ihre Bekanntheit zu nutzen und Geld zu verdienen.
Die Rolle der Medien
Die Medien spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung des Phänomens C-Promi. Boulevardmagazine und TV-Formate berichten ausführlich über ihr Leben, ihre Skandale und ihre Auftritte. Dadurch werden C-Promis einem breiten Publikum bekannt gemacht und ihre Bekanntheit wird weiter gesteigert.
C-Promis und die Wiesn: Ein Schaulaufen der Eitelkeiten
Das Oktoberfest ist ein beliebter Ort für C-Promis, um sich zu präsentieren und von den Fotografen ablichten zu lassen. Unternehmen veranstalten Oktoberfest-PR-Events und laden mehr oder weniger bekannte Promis ein, um Aufmerksamkeit zu erregen. Cathy Hummels gelingt beispielsweise der Spagat aus Feiern und Werben in Perfektion, indem sie mit einer Horde Influencerinnen über das Festgelände zieht. Auf der Wiesn gibt es auch Veranstaltungen, die zum Kopfschütteln anregen, wie zum Beispiel eine Party, zu der eine Starfriseurin ausschließlich Blondinen einlädt.
C-Promis als Teil des deutschen Fernsehens
C-Promis sind ein wichtiger Bestandteil des deutschen Fernsehens. Sie bevölkern Reality-Formate, Talkshows und andere Unterhaltungssendungen. Ohne sie würde es im deutschen Fernsehen deutlich weniger zu sehen geben. Es liegt daran, dass die Shows vor allem von den Stargästen leben. Und davon gibt es in den USA, dem Mutterland der Late-Night-Shows, sehr viele, und in Deutschland sehr wenige. Mit diesem Überhang an Irgendwie-Prominenten muss das deutsche Fernsehen leben. Und es ist nur konsequent, dass es Shows rund um diese nach Aufmerksamkeit gierenden Gestalten entwickelt. Sie eignen sich zwar nicht zum Bewundern wie ein locker und klug drauflos plaudernder Tom Hanks bei David Letterman, aber wenigstens zum Auslachen. Mitleid ist allerdings nicht angebracht, weil die C-Promis wissen, worauf sie sich einlassen. Sie nehmen den Spott in Kauf, um präsent zu sein. Das ist ihr einziges Ziel, ihr einziges Kapital. Es gibt drei Kategorien von C-Prominenten: Die Ex-Stars, die gezüchteten Stars und die Star-Begleiter, wobei bei diesen auch häufig die Vorsilbe "Ex" zutrifft. Alle drei Typen finden sich in der neuen Staffel der erfolgreichen RTL-Show "Let's Dance", die am 12. März beginnt. Model Rebecca Mir zum Beispiel ist ein gezüchteter Star, hochgezogen in der letzten Staffel von "Germany's Next Topmodel", bei der sie Platz zwei belegte. Die Moderatorin Sylvie van der Vaart ist ein klarer Fall von Star-Begleiter. Erst wurde ihr Mann, der niederländische Fußballnationalspieler Raphael van der Vaart, in Deutschland bekannt, weil er für den Hamburger Sportverein spielte, dann sie. Dank Modelmaßen, knapper Kleidchen und zuckersüßem Frau-Antje-Charme ist sie bei RTL nicht mehr wegzudenken. Zur dritten Kategorie zählen Schauspieler Patrick Bach oder Ex-Sportler Lars Riedel. Bach war in den 80er- und 90er-Jahren mal ein gefragter Schauspieler ("Anna", "Nicht von schlechten Eltern"), Riedel war Olympiasieger und fünffacher Weltmeister im Diskuswerfen. Immerhin gibt es C-Promis, die seit etlichen Jahren im Geschäft sind. Die Mutter aller C-Promis ist natürlich Verona Pooth, ehemals Feldbusch, die ihre Karriere darauf aufbaute, vier Wochen mit Dieter Bohlen verheiratet gewesen zu sein. Sie hörte einfach nicht mehr auf, überall zu sein, wo Kameras waren. Am Anfang wurde sie verlacht, doch allmählich mussten selbst die schärfsten Kritiker entgeistert feststellen, dass sie richtig Geld damit machte, die dümmliche Verona zu sein. Werbeverträge, TV-Shows, Modekollektionen - die Frau machte aus einem Sprachfehler, einer guten Figur und überbordendem Geltungsdrang Millionen. Lediglich die Pleite ihres Gatten Franjo warf sie im Society-Ranking etwas zurück. Andere zehren bis heute davon, mal in einer erfolgreichen Band mitgespielt zu haben. Joey Kelly, Ex-Sänger der "Kelly Family", ist gefühlte 20 Mal pro Jahr bei "Markus Lanz" eingeladen, um von seinen Marathonläufen zu berichten, und macht bei jeder, wirklich jeder Show von Stefan Raab mit, von Wok-WM bis Turmspringen. Seine Schwester Maite Kelly gewann im vergangenen Jahr "Let's Dance" und darf nun dort in der Jury sitzen.
C-Promis und Verschwörungsmythen
In der Corona-Pandemie haben einige C-Promis Verschwörungsmythen verbreitet. Xavier Naidoo glaubt, dass Kinder unterirdisch als Sklaven gefangen und kannibalistisch getötet werden für den Handel mit dem körpereigenen Stoff Adrenochrom und Organen. Attila Hildmann marschiert regelmäßig mit einem Milieu aus Reichsbürgerinnen, NPD-Resten und Impfgegnerinnen vor dem Bundestag auf und verkündet, Microsoft-Chef Bill Gates wolle 7,5 Milliarden Menschen töten und die Maßnahmen gegen Corona seien schlimmer als der Nationalsozialismus. Ken Jebsen verbreitet über seinen Online-Kanal »KenFM« Verschwörungsmythen über Bill Gates, die Weltgesundheitsorganisation und eine jüdische Weltverschwörung. Eva Herman sieht die Corona-Pandemie als von geheimen Eliten erfunden, um eine »Neue Weltordnung« zu errichten und die Macht an sich zu reißen. Diese Prominenten nutzen die Online-Bühne, um sich gegen Kritik zu immunisieren und Schützenhilfe von anderen Prominenten zu erhalten.
Kritik und Kontroversen
Das Phänomen C-Promi ist nicht unumstritten. Kritiker werfen ihnen vor, keine echten Talente zu haben und nur aufmerksamkeitssüchtig zu sein. Sie würden die Medienlandschaft mit irrelevanten Inhalten füllen und ein falsches Bild von Erfolg vermitteln. Andererseits argumentieren Befürworter, dass C-Promis ein wichtiger Teil der Unterhaltungsindustrie sind und für Abwechslung und Unterhaltung sorgen. Sie würden die Medienlandschaft bunter machen und den Zuschauern die Möglichkeit geben, sich mit ihnen zu identifizieren.
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