Die Drehende Tänzerin und andere Optische Täuschungen: Eine Erklärung

Optische Täuschungen faszinieren und verwirren uns zugleich. Sie zeigen, wie unsere Wahrnehmung durch das Gehirn konstruiert wird und wie leicht wir uns täuschen lassen können. Seit der viralen "Kleid-Illusion", bei der Menschen unterschiedliche Farben wahrnahmen, ist das Interesse an optischen Täuschungen noch weiter gestiegen. Dieser Artikel beleuchtet einige spannende Beispiele und erklärt die zugrundeliegenden Mechanismen.

Das Phänomen der Optischen Täuschung

Optische Täuschungen sind Wahrnehmungserfahrungen, bei denen das, was wir sehen, nicht mit der objektiven Realität übereinstimmt. Dies kann verschiedene Ursachen haben, von der Art und Weise, wie unser Gehirn visuelle Informationen verarbeitet, bis hin zu spezifischen Mustern und Anordnungen von Elementen in einem Bild. Interessanterweise scheinen Menschen, die eine Brille tragen, weniger anfällig für bestimmte optische Täuschungen zu sein, obwohl dies nicht immer zutrifft.

Bekannte Beispiele für Optische Täuschungen

1. Der Schizophrene Zug

Hier stellt sich die Frage: Fährt der Zug vorwärts oder rückwärts? Dieser Effekt ähnelt dem, der bei Autoreifen beobachtet werden kann, wenn es so aussieht, als würden sie sich rückwärts drehen.

2. Die Drehende Tänzerin

Diese Illusion, bei der eine Silhouette einer Tänzerin sich entweder im oder gegen den Uhrzeigersinn zu drehen scheint, ist besonders faszinierend. Das Geheimnis liegt in der Doppeldeutigkeit der Silhouette.

Erklärung: Unser Gehirn versucht automatisch, die zweidimensionale Darstellung in eine räumliche umzuwandeln, auch wenn diese räumliche Information in der Animation gar nicht enthalten ist. Das Sehzentrum des Gehirns fügt Informationen hinzu, die einer möglichen Realität entsprechen, selbst wenn sie in der objektiven Darstellung nicht vorhanden sind. Daher gibt es immer zwei Interpretationsmöglichkeiten, wobei empirisch betrachtet häufiger die Drehung im Uhrzeigersinn wahrgenommen wird. Ein Zwinkern oder die Visualisierung von Augen in der Figur können helfen, die Drehrichtung zu beeinflussen.

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3. "Schräge" Linien

Obwohl die Linien auf dem Bild geschwungen erscheinen, verlaufen sie tatsächlich parallel zueinander. Kleine Kontraste in den Ecken des Musters erzeugen eine Verzerrung, die unser Gehirn in die Irre führt.

4. Wellen

Hier scheint es, als würden lila-grüne Wellen durch das Bild tanzen.

5. Ein Loch aus dem Nichts

Diese Täuschung basiert auf geometrischen Prinzipien. Je nachdem, wie die einzelnen Teilflächen angeordnet sind, erscheint die Fläche des Dreiecks unterschiedlich groß.

6. Kreise

Was wie verschlungene Spiralen aussieht, sind in Wirklichkeit konzentrische Kreise mit demselben Mittelpunkt, aber unterschiedlichen Radien.

7. Welche Linie ist länger?

Obwohl die Linien zwischen den Pfeilenden gleich lang sind, wirkt die obere durch die geöffneten Pfeile länger, während die untere optisch gestaucht wird.

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8. McCollough-Effekt

Nachdem man sich bestimmte Muster im Video angesehen hat, scheinen schwarz-weiße Muster Farben zu haben. Dies liegt daran, dass unser Gehirn die waagerechten Streifen mit der Farbe Rot und die senkrechten mit Grün assoziiert. Es entsteht eine Art "Gehirn-Ohrwurm".

9. T-Rex-Illusion

Der Kopf dieses T-Rex scheint sich mitzudrehen, wenn man sich um ihn herum bewegt. Dies wird durch eine spezielle Basteltechnik erreicht, bei der alles, was eigentlich weit vorne ist, hinten angebracht ist.

Weitere Interessante Optische Phänomene

Rotating Snakes

Diese vom japanischen Psychologie-Professor Akiyoshi Kitaoka entwickelte Illusion erzeugt den Eindruck von Bewegung, obwohl das Bild statisch ist. Die sich wiederholenden Muster mit unterschiedlich starken Kontrasten führen zu einer visuellen Falschverarbeitung im Gehirn.

Hinter grauen Linien

In diesem Bild erscheint plötzlich eine lächelnde Frau, wenn man sich etwas entfernt.

Dancing Dots

In diesem Gitter tauchen immer wieder schwarze, tanzende Punkte auf, die jedoch verschwinden, sobald man versucht, sie zu fixieren. Dieses Phänomen wird als Hermann-Gitter bezeichnet.

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Die unroten Erdbeeren

Obwohl die Erdbeeren auf diesem Foto nicht rot sind, nimmt unser Gehirn sie als rot wahr. Dies liegt an der Farbkonstanz, die sicherstellt, dass die wahrgenommene Farbe von Objekten unter verschiedenen Lichtbedingungen einheitlich bleibt.

Pinna Illusion

Wenn man den Punkt in der Mitte fokussiert und den Kopf vor und zurück bewegt, scheinen sich die Kreise in verschiedene Richtungen zu drehen.

Camera Obscura: Ein Vorläufer der Fotografie

Die Camera obscura (lateinisch für "dunkle Kammer") ist ein abgedunkelter Raum, in den durch ein kleines Loch Licht einfällt und ein Bild der Außenwelt auf die gegenüberliegende Wand projiziert. Dieses Prinzip war bereits in der Antike bekannt und wurde im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Im 17. Jahrhundert wurden tragbare, kastenförmige Apparate mit Linsen und Spiegeln konstruiert, die als Zeichenhilfe dienten. Die Camera obscura kann als ein Vorläufer der modernen Fotografie betrachtet werden.

Vexierbilder: Versteckte Botschaften

Vexierbilder sind Suchbilder, die versteckte Bildinformationen enthalten. Umrisse, die verschiedene Objekte simultan konturieren, müssen entschlüsselt werden. Es gibt verschiedene Formen von Vexierbildern, darunter Wendebilder, Kippbilder und Klappbilder.

Anamorphosen: Verzerrte Darstellungen

Anamorphosen sind perspektivisch verformte oder verzerrte Bilder, deren Darstellung von der gewöhnlichen Wahrnehmungsweise abweicht. Erst durch die Einnahme eines seitlichen Blickwinkels oder die Zuhilfenahme eines Spiegels wird das dargestellte Motiv erkennbar. Anamorphosen nutzen die Prinzipien der Perspektive, um die Mechanismen der perspektivischen Konstruktion als optische Täuschung offenzulegen.

Daumenkino: Bewegung zum Blättern

Das Daumenkino ist eine Technik, bei der eine Reihe von Bildern für einen kurzen Moment in Bewegung versetzt wird, so dass der Eindruck einer filmischen Bewegung entsteht. Die ersten Daumenkinos waren bereits Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt und können als Vorläufer für Videokassetten betrachtet werden.

Riefelbilder: Wechselnde Perspektiven

Riefelbilder bestehen aus zwei bildlichen Darstellungen, deren Betrachtung den Perspektivwechsel der Betrachter voraussetzt. Die Entwicklung der Riefel- und Lamellenbilder geht bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Laterna Magica: Der Zauber der Projektion

Die Laterna Magica ist ein Projektionsapparat, mit dessen Erfindung häufig die Geburtsstunde des heutigen Kinos assoziiert wird. Ab dem 17. Jahrhundert wurde die Laterna Magica zur Unterhaltung wie auch im Rahmen wissenschaftlicher Vorträge eingesetzt.

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