Die Redewendung "drei Viertel meiner Nerven" beschreibt oft einen Zustand der starken Belastung oder Erschöpfung. Im übertragenen Sinne lässt sich diese Metapher auch auf die Situation von Frauen ab 50 anwenden, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft unsichtbar werden. Dieses Phänomen betrifft nicht nur die Film- und Fernsehindustrie, sondern die gesamte Gesellschaft.
Das Verschwinden in der Wahrnehmung
Stellen Sie sich vor, ein Viertel der Bevölkerung verschwindet plötzlich. Dieses Szenario erinnert an Science-Fiction, spiegelt aber die Realität für viele Frauen ab 50 wider. Sie werden in der Gesellschaft weniger wahrgenommen, als ob sie nicht mehr relevant wären. In der Bühnensprache würde man sagen: Sie wechseln das Fach - allerdings nicht freiwillig.
Unsichtbarkeit im Film und Fernsehen
Eine Studie des Instituts für Medienforschung an der Universität Rostock belegt, dass ältere Frauen in Filmen und Serien unterrepräsentiert sind. Auf sieben Männer ab 50 kommen nur drei Frauen, die sich meist um Männer, Enkel und Blumen kümmern. Sie werden als betrogen, verlassen, asexuell und ohne eigene Wünsche dargestellt. Die Journalistin Silke Burmester kritisiert, dass das Bild der reifen Frau im Film in den 90er Jahren "zwischen ‚Derrick‘ und ‚Die Camper‘ hängengeblieben" sei. Für die Filmschaffenden sei diese Altersgruppe offenbar schlicht uninteressant. „Wir werden nicht einmal ermordet“, stellt die Journalistin sarkastisch fest.
"Let's Change the Picture!": Eine Initiative für mehr Diversität
Silke Burmester (57) und die Schauspielerin Gesine Cukrowski (54) haben die Initiative "Let’s Change the Picture!" ins Leben gerufen. Ziel ist es, ein neues Altersbild von Frauen in Film und Fernsehen zu etablieren und die Geschichten der 21 Millionen deutschen Frauen über 47 zu erzählen, wie sie wirklich sind: unabhängig, eigenwillig, im Aufbruch, verwirrt, wild und schön.
Burmester, Betreiberin des Online-Magazins „Palais F*luxx“ (Motto: „Für Rausch, Revolte, Wechseljahre“), beklagt jedoch, dass das Thema Alter und insbesondere die geringe Präsenz älterer Frauen bei den Diskussionen über Diversität regelmäßig ignoriert werde.
Lesen Sie auch: Das Triune-Gehirn im Detail
Unterstützung aus der Schauspielbranche
Die Initiative wird von zahlreichen prominenten Schauspielerinnen unterstützt, darunter Andrea Sawatzki (59), Jasmin Tabatabai (55) und Sophie von Kessel (54). Sawatzki, die durch die Verfilmungen ihrer Romane über die Familie Bundschuh bekannt ist, stellt fest: "Eine Mediengesellschaft, die gezielt Altersdiskriminierung betreibt, verspielt ihre Glaubwürdigkeit."
Realistische Frauenfiguren statt Klischees
Burmester betont, dass es nicht um die einzelne Schauspielerin geht, die statt der heißen Geliebten heute die sanfte Oma spielt. Es geht darum, auf den Missstand aufmerksam zu machen, dass Frauen ab 47 nicht adäquat abgebildet werden. Birge Schade (58) fordert "mehr komplexe und realistische Frauenfiguren über 50". Tabatabai ergänzt, dass einige der interessantesten Frauen aus ihrem Bekanntenkreis 47 und älter sind: "Sie stehen mitten im Leben, sind auf der Höhe ihres Schaffens und haben der Welt viel mitzuteilen. Es wird höchste Zeit, dass diese Lebensrealität in unseren Filmen widergespiegelt wird."
Die Vernachlässigung junger Leute und der Kampf der Generationen
Ausgerechnet ARD und ZDF, deren Publikum im Schnitt um die 60 ist, investieren derzeit nicht zuletzt aus Gründen der eigenen Existenzsicherung mehr Geld in Produktionen für eine jüngere Zielgruppe. Diese Serien erzählen naturgemäß keine Geschichten über Ältere. Burmester kann das nachvollziehen, schließlich hätten die öffentlich-rechtlichen Sender die Jungen viel zu lange sträflich vernachlässigt. Die unvermeidliche Umschichtung von Produktionsmitteln eröffne jedoch „einen Kampf zwischen Jung und Alt, den wir uns als Gesellschaft nicht leisten können. Es muss um das Miteinander gehen, nicht um die Frage ‚Die oder wir?‘.“ In diesem Sinn fordert auch die Schauspielerin Eleonore Weisgerber (75), dass sich das Bild, das Film und Fernsehen von älteren Frauen vermittelten, an der Realität orientiere: „weil sie der nächsten Generation als Vorbild dienen können“.
Prominente Unterstützung und Erfahrungsberichte
Die Liste der Schauspielerinnen, die die Initiative unterstützen, ist gespickt mit Prominenz. Zu den ersten Unterzeichnerinnen des Aufrufs gehören unter anderem Barbara Auer (64), Maria Furtwängler (56), Nina Kunzendorf (51), Jutta Speidel (68), Gisela Schneeberger (74), Esther Schweins (52), Valerie Niehaus (48) und Stefanie Stappenbeck (48). „Fröhlich vor sich hin alternde Schauspieler“ wie August Zirner (67), Axel Milberg (66) und Heino Ferch (59), heißt es dort, dürften rüstige Ehemänner spielen, aber die Frauen an ihrer Seite seien regelmäßig 20 Jahre jünger.
Neben der Unterstützung aus der Film- und Fernsehindustrie gibt es auch zahlreiche Erfahrungsberichte von Frauen, die sich in der Gesellschaft unsichtbar fühlen. Diese Berichte zeigen, dass das Problem real ist und viele Frauen betrifft.
Lesen Sie auch: Verjüngung des Gehirns um drei Jahre – So geht's
Depressionen und psychische Gesundheit im mittleren Alter
Ein Erfahrungsbericht schildert den Kampf mit Depressionen im mittleren Alter. Die Betroffene beschreibt Schlaflosigkeit, Schmerzen und den Verlust der Denkfähigkeit. Sie suchte nach einem Ausweg und fand ihn in Bewegung, Arbeit und dem Austausch mit anderen Betroffenen. Die Diagnose "Gemütskrankheit" und die Erkenntnis, dass ein Stoffwechselproblem vorlag, halfen ihr, den Weg zur Besserung zu finden.
Ein weiterer Bericht handelt von einem Mann, der seit seinem 12. Lebensjahr mit Depressionen lebt. Die Diagnose erfolgte erst im Alter von 22 Jahren. Er beschreibt Gefühle von Trauer, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit. Leistungssport als Strategie, der Depression aus dem Weg zu gehen, führte zu einem Zusammenbruch. Die Erkenntnis, dass seine Depression genetisch bedingt ist, half ihm, die Krankheit anzunehmen und sich helfen zu lassen. Durch Therapie und Medikamente fand er einen Weg, mit der Depression zu leben und seine Lebensqualität zu verbessern.
Toxische Beziehungen und ihre Auswirkungen
Toxische Beziehungen können in jedem Alter auftreten, aber sie können besonders belastend sein, wenn man älter wird. Sie rauben Energie, kosten Kraft und hinterlassen Spuren. Sechs Frauen berichten, wie sie sich aus toxischen Beziehungen gelöst haben und was sie bis heute beschäftigt.
Eine Frau berichtet, dass sie erst Jahre später erkannte, dass ihre Beziehung toxisch war. Ihr Ex-Freund betrog sie zweimal und hatte Jähzorn. Sie erinnert sich an Momente, in denen er sie fast geschlagen hat. Bis heute hat sie wenig Vertrauen und Angst, dass ihre jetzige Beziehung in eine toxische abrutschen könnte.
Eine andere Frau beschreibt die toxische Beziehung zu ihrem Vater. Er kritisierte alles, was sie tat, und gab ihr das Gefühl, für alles schuld zu sein. Seitdem sie ausgezogen ist, darf sie nicht mehr nach Hause und ihre Mutter darf sie nicht besuchen.
Lesen Sie auch: Die Vielfalt der Nervenzellen
Die Berichte zeigen, dass toxische Beziehungen viele Gesichter haben können und dass es wichtig ist, sich aus solchen Beziehungen zu lösen und sich Hilfe zu suchen.
Chronische Schmerzen und ihre Behandlung
Chronische Schmerzen können das Leben schwer machen und die Lebensqualität beeinträchtigen. Sie können durch verschiedene Ursachen entstehen, wie z.B. Arthrose, Rückenprobleme, rheumatoide Arthritis, Fibromyalgie oder Diabetes mellitus. Die Behandlung chronischer Schmerzen setzt auf mehreren Ebenen an und berücksichtigt neben den körperlichen Faktoren auch die individuelle psychische und soziale Situation.
Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung chronischer Schmerzen sind die wirksame Behandlung akuter Schmerzen und ein offener Umgang mit Schmerzen. Es gibt verschiedene nicht-medikamentöse und medikamentöse Therapien, die helfen können, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Das Gehirn im Wandel des Lebens
Unser Gehirn ist die Schaltzentrale unseres Körpers und steuert alle Funktionen. Es entwickelt sich bereits in der dritten Schwangerschaftswoche und verändert sich im Laufe unseres Lebens unaufhörlich weiter. Krankheiten, die unser Gehirn betreffen, sind so vielfältig wie das Organ selbst. Dazu gehören Demenz, Multiple Sklerose, Epilepsie, Depressionen, Bipolare Störungen und Schizophrenie.
Die Bedeutung von Selbstwertgefühl und Akzeptanz
Viele der genannten Probleme, wie Unsichtbarkeit, Depressionen, toxische Beziehungen und chronische Schmerzen, können das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Es ist wichtig, den eigenen Wert zu erkennen und sich selbst zu akzeptieren, wie man ist. Selbstliebe ist ein wichtiger Schritt, um ein erfülltes Leben zu führen.
Tipps für ein erfülltes Leben im mittleren Alter
- Pflegen Sie soziale Kontakte: Verbringen Sie Zeit mit Freunden und Familie.
- Bleiben Sie aktiv: Treiben Sie Sport oder gehen Sie spazieren.
- Engagieren Sie sich: Helfen Sie anderen oder engagieren Sie sich in einem Verein.
- Lernen Sie etwas Neues: Besuchen Sie einen Kurs oder lesen Sie ein Buch.
- Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst: Entspannen Sie sich, lesen Sie ein Buch oder machen Sie etwas, das Ihnen Freude bereitet.
- Suchen Sie sich Hilfe, wenn Sie sie brauchen: Sprechen Sie mit einem Arzt, Therapeuten oder einer Beratungsstelle.