Varikozele: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Hodenkrampfadern

Eine Varikozele, auch Krampfaderbruch genannt, ist eine häufige Erkrankung bei Männern, die durch die Bildung von Krampfadern im Hodensack gekennzeichnet ist. Diese Erweiterung der Venen im Plexus pampiniformis, einem Venengeflecht, das den Hoden umgibt, kann verschiedene Ursachen haben und unterschiedliche Symptome verursachen. Obwohl viele Männer mit einer Varikozele keine Beschwerden haben, kann sie in einigen Fällen zu Schmerzen, Unbehagen und sogar zu Fruchtbarkeitsproblemen führen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Varikozele, einschließlich ihrer Definition, Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist eine Varikozele?

Als Varikozele wird die Bildung von Krampfadern in einem Geflecht kleiner Venen im Hodensack bzw. die Erweiterung einer größeren, von den Hoden ausgehenden Vene bezeichnet. Genauer gesagt handelt es sich um eine krampfaderartige Erweiterung des Venengeflechts (Plexus pampiniformis) des Hodens. Dabei staut sich das Blut in den Venen und weitet sie dauerhaft.

Symptome einer Varikozele

Viele Männer bemerken eine Hodenkrampfader nicht. Eine Varikozele verursacht meist keine Beschwerden. Im Anfangsstadium sind Varikozelen in der Regel nicht sichtbar. Es gibt Fälle, in denen Betroffene Symptome verspüren, die von leichten Beschwerden bis hin zu deutlichen Schmerzen reichen können. Die Varikozele zeigt häufig kaum Symptome. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schwellung des Hodensacks: Betroffene bemerken möglicherweise beim Stehen oder aufrechten Sitzen eine Schwellung des Hodensacks.
  • Schweregefühl: Ein Schweregefühl im Hodensack kann auftreten, insbesondere nach längerem Stehen oder körperlicher Anstrengung.
  • Hautreizung oder Juckreiz: In manchen Fällen kann es zu Hautreizungen oder Juckreiz im Bereich des Hodensacks kommen.
  • Schmerzen: Leichte Druckschmerzen im Hodensack sind möglich, aber Schmerzen treten dabei selten auf. Die Schmerzen können ziehend, dumpf oder stechend sein und sich im Laufe des Tages oder bei körperlicher Belastung verstärken.
  • Sichtbare Krampfadern: Die gefüllten Krampfadern können sichtbar sein und ähneln einem "Sack aus Würmern".
  • Rückbildung im Liegen: Die Varikozele nimmt typischerweise im Liegen ab, da das Blut leichter zum Herzen hin zurückfließen kann. Die betroffene Vene wird dadurch entleert, was tast- oder sichtbar sein kann.
  • Beeinträchtigung der Fertilität: Eine Varikozele kann die Fertilität beeinflussen. Allerdings sind 80 % der Varikozelen nicht mit Infertilität verbunden. Bei Kinderwunsch kann eine Spermien- und Hormonanalyse sinnvoll sein.
  • Verkleinerung des Hodens: In einigen Fällen kann es zu einer Verkleinerung des betroffenen Hodens kommen, insbesondere bei Jugendlichen.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch durch andere Erkrankungen verursacht werden können. Bei Unsicherheiten der Diagnosestellung kann eine urologische Ultraschallmessung sinnvoll sein.

Ursachen und Risikofaktoren

Ursache für den Krampfaderbruch ist immer ein behinderter Abfluss des Blutes aus dem Hoden. Die genauen Ursachen für die Entstehung einer Varikozele sind nicht vollständig geklärt, aber es gibt mehrere Faktoren, die eine Rolle spielen können:

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  • Anatomische Besonderheiten: Bei manchen Männern mündet die Hodenvene im Becken fast im rechten Winkel in die Nierenvene. Dadurch fließt das Blut langsamer, kann sich in den Hodensack zurückstauen und eine Varikozele entstehen lassen. Wenn der Einmündungswinkel ungünstig ist, dann meist auf der linken Seite - deshalb kommt es links auch häufiger zu einer Varikozele. Die linke Hodenvene mündet in ungefähr rechtem Winkel in die linke Nierenvene, während die rechte Hodenvene schräg in die untere Hohlvene (V. cava inferior) mündet. Dadurch ist der Abfluss auf der rechten Seite leichter, und die Krampfadern treten somit wahrscheinlicher auf der linken Seite auf.
  • Defekte Venenklappen: In den Venen befinden sich Klappen, die verhindern, dass das Blut zurückfließt. Wenn diese Klappen defekt sind oder fehlen, kann es zu einem Blutstau und zur Bildung einer Varikozele kommen. In den meisten Fällen sind die Venenklappen der linken Hodenvene in ihrer Funktion beeinträchtigt, oder fehlen.
  • Angeborene Gefäßwandschwäche: Eine angeborene Schwäche der Gefäßwand kann ebenfalls zu einer Varikozele führen.
  • Erhöhter Druck in den Bauchorganen: Ein Tumor im Becken oder Bauchraum ist nur selten die Ursache: Er kann auf die Venen drücken und den Blutabfluss stören.
  • Nussknacker-Phänomen: Der Druck steigt, weil die linke Nierenvene zwischen zwei großen Arterien eingeklemmt wird (Nussknacker-Phänomen). Der Blut-Rückstau schädigt dann die Hodenvenen.

Diagnose einer Varikozele

Die Diagnose wird vor allem durch die körperliche Untersuchung gestellt. Generell empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung, wenn sichtbare oder tastbare Veränderungen (wie Knoten oder Schwellungen) am Hoden auftreten oder Schmerzen im Becken- oder Bauchbereich bestehen. Eine erste Anlaufstelle ist die hausärztliche Praxis. Unter Umständen werden Betroffene an eine urologische Praxis überwiesen.

Die medizinische Abklärung läuft meist folgendermaßen ab:

  1. Anamnese: In einem Gespräch erfragen die behandelnden Ärzt*innen zunächst, welche Beschwerden oder eventuelle Veränderungen am Hodensack die betroffenen Männer bemerkt haben.

  2. Körperliche Untersuchung: Anschließend werden die Hoden inspiziert und abgetastet. Dabei lässt sich feststellen, ob Venen am Hoden erweitert sind. Oft reicht eine äußerliche Untersuchung bereits aus, um die Diagnose zu stellen. Die Hoden des Patienten werden im Liegen und Stehen untersucht. Die Erkrankung wird anhand der körperlichen Untersuchung nach der WHO (World Health Organisation) folgendermaßen eingeteilt:

    • Grad 0: noch nicht sichtbar und nicht palpabel
    • Grad 1: nur durch Pressversuch im Stehen (sog. Valsalva-Manöver) tastbar, aber nicht sichtbar
    • Grad 2: tastbar, aber bei aufrecht stehendem Patienten bei Raumtemperatur nicht sichtbar
    • Grad 3: bei aufrecht stehendem Patienten bei Raumtemperatur sichtbar.

    Beim Valsalva-Pressversuch wird tief Luft geholt, dann die Luft angehalten und die Bauchpresse aktiviert, sodass sich die Venen des Körpers füllen und im Bereich des Hodens bei Vorliegen einer höhergradigen Varikozele sichtbar hervortreten.

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  3. Ultraschall: In manchen Fällen ist zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung des Hodens notwendig. Dadurch lassen sich die Venen und eventuelle andere Veränderungen besser beurteilen. Bei Unsicherheiten der Diagnosestellung kann eine urologische Ultraschallmessung sinnvoll sein.

  4. Spermiogramm: Besteht der Verdacht, dass die Fruchtbarkeit des Mannes aufgrund einer Varikozele beeinträchtigt sein könnte, wird unter Umständen zudem ein Spermiogramm durchgeführt. Bei diesem wird eine Samenprobe des Mannes im Labor untersucht, um so die Qualität der Spermien zu überprüfen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlungsempfehlungen richten sich nach dem Schweregrad der Varikozele. Häufig ist bei einer Varikozele keine Behandlung notwendig, vor allem wenn die betroffenen Männer beschwerdefrei sind. Eine Therapie kann jedoch ratsam sein, wenn Schmerzen die Lebensqualität beeinflussen oder die Fruchtbarkeit verringert ist. Bei Männern mit unbeeinträchtigter Fertilität und moderaten Beschwerden kann ein Beobachten der Symptome ausreichend sein.

Nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten:

  • Anheben und Stützen des Hodensacks (Suspensorium)
  • Beckenbodenübungen
  • Ggf. Schmerzmittel

Operative Behandlungsmöglichkeiten:

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Zur Behandlung einer Varikozele wird die betroffene Vene stillgelegt, damit das Blut über benachbarte, gesunde Venen abfließen kann. Um dies zu erreichen, kommen ein Verschluss, eine Verödung oder eine Operation der Krampfader infrage.

  • Embolisierung: Über einen dünnen Schlauch (Katheter) werden entweder spezielle Medikamente oder kleine Metallspiralen in die Hodenvene eingebracht, um ein Blutgerinnsel zu erzeugen und die Vene zu verschließen. Um die Vene zu verschließen, werden Medikamente oder beispielsweise spezielle kleine Metallspiralen über einen Katheter in die Vene gegeben. Sie sorgen dafür, dass sich in der Krampfader ein Blutgerinnsel bildet und die Vene verschließt. Fachleute nennen das Verfahren „Embolisierung“.
  • Sklerosierung/Verödung: Dabei wird ein Medikament in die Vene injiziert, wodurch die Gefäßwand verklebt und die Vene verschlossen wird. Das Veröden funktioniert ähnlich: Dabei greift das Medikament die Blutgefäßwand an, sodass die Vene verklebt. Dies wird auch „Sklerosierung“ genannt.
  • Varikozelen-OP: Während einer Operation wird die Krampfader im Hoden sowie angrenzende kleinere Venen abgebunden oder abgetrennt. Eine Varikozelen-OP kann sowohl als "offener" chirurgischer Eingriff als auch minimalinvasiv - über kleine Einschnitte in der Leiste oder im Hoden - durchgeführt werden. Bei einer Operation werden die angeschwollene Vene und die benachbarten kleineren Venen entweder abgetrennt oder abgebunden. Der Eingriff ist als „offene“ Operation über einen größeren Schnitt beispielsweise in den Hodensack oder in der Leiste möglich. Er kann auch per Schlüsselloch-Chirurgie (minimalinvasiv) vorgenommen werden. Durchtrennung oder Abbinden der Hodenvene mikrochirurgisch oder durch einen offenen Leistenschnitt

Alle Verfahren bewirken, dass das Blut über andere, gesunde Venen abfließt und die Varikozele "stillgelegt" wird.

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