Behandlung eingeklemmter Nerven in der Klinik

Ein eingeklemmter Nerv kann zu Schmerzen, Missempfindungen und sogar Lähmungen führen. Glücklicherweise gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, einschließlich neurochirurgischer Eingriffe, um die Beschwerden zu lindern und die Nervenfunktion wiederherzustellen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Diagnose und Behandlung von eingeklemmten Nerven in einer Klinik.

Einführung

Ein eingeklemmter Nerv entsteht, wenn Druck auf einen Nerv ausgeübt wird, sei es durch umliegendes Gewebe, Knochen, Knorpel oder Muskeln. Dies kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, abhängig vom betroffenen Nerv und der Stärke der Kompression. Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. betont die Bedeutung einer sorgfältigen Voruntersuchung, um die Ursache des eingeklemmten Nervs zu ermitteln und die geeignete Behandlungsmethode festzulegen.

Ursachen und Diagnose

Eingeklemmte Nerven können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:

  • Anatomische Engstellen: An bestimmten Stellen im Körper verlaufen Nerven durch enge Kanäle oder Tunnel, wo sie anfälliger für Kompression sind. Beispiele hierfür sind der Karpaltunnel am Handgelenk und der Sulcus ulnaris am Ellenbogen.
  • Schwellungen und Entzündungen: Schwellungen durch Verletzungen, Entzündungen oder Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis können Druck auf Nerven ausüben.
  • Bandscheibenvorfälle: Ein Bandscheibenvorfall kann auf Nerven im Wirbelsäulenbereich drücken und zu Schmerzen und neurologischen Ausfällen führen.
  • Tumore: Tumore in der Nähe von Nerven können diese komprimieren und Symptome verursachen.
  • Wiederholte Bewegungen und Fehlhaltungen: Wiederholte Bewegungen, einseitige Belastungen oder langanhaltende Fehlhaltungen können zu Druckschäden an Nerven führen.

Die Diagnose eines eingeklemmten Nervs umfasst in der Regel eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung durch einen Neurologen oder Orthopäden. Zusätzliche diagnostische Verfahren können umfassen:

  • Elektrophysiologische Messungen (Neurographie, Elektromyographie): Diese Messungen helfen, die Leitfähigkeit des betroffenen Nervs zu beurteilen und den Schweregrad der Nervenschädigung zu bestimmen.
  • Bildgebende Verfahren (MRT, CT): Diese Verfahren können verwendet werden, um die Ursache der Nervenkompression zu identifizieren, z. B. Bandscheibenvorfälle, Tumore oder anatomische Engstellen.
  • Ultraschalluntersuchung der Nerven (Neurosonografie): Bietet eine gute und einfache Möglichkeit der bildlichen Darstellung der mechanischen Enge.

Neurochirurgische Behandlungsmethoden

In vielen Fällen können eingeklemmte Nerven erfolgreich mit konservativen Maßnahmen wie Schonung, Schmerztherapie, Physiotherapie und Lagerungsschienen behandelt werden. Wenn diese Maßnahmen jedoch nicht ausreichend sind oder der Nerv stark eingeklemmt ist, kann eine Operation erforderlich sein. Neurochirurgische Verfahren zielen darauf ab, den Druck auf den Nerv zu entlasten und die Nervenfunktion wiederherzustellen.

Lesen Sie auch: Was Sie über eingeklemmte Nerven wissen sollten

Dekompressionsoperationen

Bei Engpass-Syndromen, bei denen ein Nerv in einem engen Kanal eingeklemmt ist, kann eine Dekompressionsoperation durchgeführt werden, um den Druck auf den Nerv zu verringern. Zu den häufigsten Dekompressionsoperationen gehören:

  • Karpaltunnelspaltung: Bei diesem Eingriff wird das Karpalband durchtrennt, um den Druck auf den Mittelnerv im Handgelenk zu entlasten. Die neurochirurgische Freilegung dieses Nervs führt zu einer sehr schnellen Verbesserung der Beschwerden; der Schmerz verschwindet ohne weitere medikamentöse Therapie direkt nach dem Eingriff.
  • Ulnarisnerv-Dekompression: Bei diesem Eingriff wird der Druck auf den Ulnarisnerv am Ellenbogen entlastet, indem das umliegende Gewebe entfernt oder der Nerv in eine neue Position verlagert wird.
  • Tarsaltunnelspaltung: Bei diesem Eingriff wird das Gewebe, das auf den Schienbeinnerv im Tarsaltunnel des Knöchels drückt, entfernt.

Die meisten dieser Operationen können ambulant durchgeführt werden.

Nervenrekonstruktion

Wenn ein Nerv durchtrennt oder stark geschädigt ist, kann eine Nervenrekonstruktion erforderlich sein, um die Kontinuität des Nervs wiederherzustellen und die Nervenfunktion wiederherzustellen. Zu den Nervenrekonstruktionsverfahren gehören:

  • Direkte Nervennaht: Bei diesem Verfahren werden die beiden Enden des durchtrennten Nervs unter mikrochirurgischer Technik wieder vernäht.
  • Nerventransplantation: Wenn ein Nervenstück fehlt oder zu stark geschädigt ist, um direkt vernäht zu werden, kann ein Spendernerv von einer anderen Stelle des Körpers entnommen und zwischen die Nervenenden eingenäht werden. Hierzu wird je nach Länge und Dicke das fehlende Nervenstück durch einen entbehrlichen Hautnerven ersetzt, der vorher an anderer Stelle entnommen wurde, wo der Nerv entbehrlich ist.

Nach derartigen Nervenrekonstruktionen durch direkte Naht oder Nerveninterponat muss für ca. 14 Tage jeglicher Zug auf die Nervenenden vermieden werden. Hierzu werden nach Rekonstruktionen über Gelenke hinweg orthopädietechnische Hilfsmittel, wie z.B. Bandagen, in seltenen Fällen auch Gipsschienen zur Ruhigstellung genutzt. Danach kann das frühfunktionelle Training mit intensiver Physiotherapie begonnen werden.

Schmerzschrittmacher und Medikamentenpumpen

Bei chronischen Schmerzen, die durch einen eingeklemmten Nerv verursacht werden und auf andere Behandlungen nicht ansprechen, können Schmerzschrittmacher oder Medikamentenpumpen implantiert werden.

Lesen Sie auch: Was tun bei einem eingeklemmten Nerv?

  • Schmerzschrittmacher (Spinal Cord Stimulation, SCS): Bei schweren, chronischen Schmerzsyndromen durch Blockade. Durch Anlegen eines elektrischen Feldes wird ein angenehmes Kribbelgefühl erzeugt, das in der Wahrnehmung den Schmerz ersetzt.
  • Medikamentenpumpen: Medikamentenpumpen zur direkten Gabe von Schmerzmedikamenten in den Rückenmarkskanal. Vor allem zur Behandlung von Spastiken, z. B. bei Multipler Sklerose (MS) oder nach Schädel-Hirn-Traumata, aber auch bei chronischen Schmerzen können Medikamentenpumpen zur rückenmarksnahen kontinuierlichen Medikamentengabe implantiert werden.

Ablative Verfahren

Hierbei werden Nerven mittels Medikamenten oder Strahlen durchtrennt oder verödet (”ablativ” lateinisch im Sinne von wegschaffen, abtragen). Dies führt aber meist zu einem nur kurzzeitigen Erfolg. Deswegen wird diese therapeutische Möglichkeit in der letzten Zeit nur in Ausnahmefällen in der Palliativmedizin (Krebsbehandlung) angewendet.

Behandlung von Nerventumoren

Tumoren, die auf Nerven drücken, können operativ entfernt werden. In den meisten Fällen sind die Tumoren für unsere Neurochirurg:innen schonend erreichbar und können so gut operiert werden. Im Mittelpunkt der operativen Behandlung von Hirntumoren steht für uns die Sicherheit der Patient:innen. Demgegenüber steht allerdings auch die möglichst komplette (radikale) Entfernung des Tumors. Periphere Nerventumoren werden mithilfe eines Operationsmikroskopes freigelegt und entfernt. Zudem werden weitere Hilfsmittel wie die intraoperative Sonographie und elektrophysiologische Messungen eingesetzt, um eine möglichst vollständige Tumorentfernung zu ermöglichen, ohne eine Schädigung des betroffenen Nervens zu riskieren. Abhängig von Art und Größe des Tumors kann auch eine Teilentfernung des Nervs und ggf.

Spezielle Operationstechniken

Die Schön Klinik Gruppe setzt verschiedene spezielle Operationstechniken ein, um die Sicherheit und Effektivität neurochirurgischer Eingriffe zu verbessern:

  • Mikrochirurgie: Die Durchführung einer Operation unter optischer Vergrößerung (vier- bis 40-fache Vergrößerung) wird als Mikrochirurgie bezeichnet. Voraussetzung sind eine gute Ausleuchtung und stereoskopische Optik sowie mikrochirurgische Fähigkeiten und Erfahrungen der Operateurin oder des Operateurs.
  • Endoskopische Verfahren: Auch die Hirnkammern lassen sich endoskopisch „spiegeln“: Dazu werden spezielle, starre Endoskope verwendet, mit denen z. B. Tumoren biopsiert und Verwachsungen gelöst werden. Das Verfahren kann über sehr kleine Zugänge durchgeführt werden.
  • Minimalinvasive Verfahren: Über minimalinvasive Zugänge können z. B. an der Wirbelsäule über sehr kleine Hautschnitte mit Röntgenunterstützung Implantate gesetzt werden. Die Wundfläche ist deutlich kleiner, die Patientinnen und Patienten sind früher wieder mobil. Minimalinvasive Verfahren werden in der Schön Klinik Gruppe in der Routine eingesetzt und ggf. auch mit anderen Verfahren kombiniert.
  • Fluoreszenzverfahren: Einige Tumoren „leuchten“ unter speziellen Filtern, wenn zuvor ein Kontrastmittel verabreicht wurde. Das prominenteste Beispiel ist 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) zur Darstellung von Hirntumoren unter einem speziellen Mikroskop-Filter. Auch bei Operationen an Blutgefäßen werden Fluoreszenzverfahren genutzt, hier ermöglichen sie eine intraoperative Blutgefäßdarstellung (ICG-Fluoreszenz-Angiografie).
  • Neuronavigation: Aufnahmen der Magnetresonanz- und/oder Computertomografie werden in ein Computersystem eingespeist und können während der Operation abgerufen werden. Dabei kann die genaue Lokalisation eines Tumors oder einer anderen Struktur im knöchernen Schädel ganz genau angezeigt werden.

Rehabilitation und Nachsorge

Nach einer neurochirurgischen Behandlung eines eingeklemmten Nervs ist eine umfassende Rehabilitation und Nachsorge wichtig, um die bestmögliche Genesung zu gewährleisten. Die Rehabilitation kann Physiotherapie, Ergotherapie und Schmerzmanagement umfassen. Regelmäßige Nachuntersuchungen sind erforderlich, um den Heilungsprozess zu überwachen und Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Wie lange noch eine Ruhigstellung erfolgen muss, kann der Arzt nur im Einzelfall entscheiden. Nach etwa 10 bis 14 Tagen wird der feste Verband entfernt und die Fäden der Hautnaht werden gezogen. Bei Eingriffen im Bereich von Fuß oder Bein bekommen sie in der Regel für einige Zeit eine Thromboseprophylaxe in Form von Spritzen verordnet, die Sie unbedingt nach Vorschrift anwenden sollten. Noch am Tag des Eingriffs wird Ihr Arzt Ihnen mitteilen, wann Sie zur nächsten Kontrolluntersuchung wiederkommen sollen. Bekommen Sie zu Hause Schwellungen, starke Schmerzen oder Fieber oder drückt der Verband, sollten Sie umgehend mit dem Arzt Kontakt aufnehmen.

Lesen Sie auch: Diagnose von Schmerzen an der Außenseite des Knies

Fazit

Eingeklemmte Nerven können erhebliche Beschwerden verursachen und die Lebensqualität beeinträchtigen. Glücklicherweise gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, von konservativen Maßnahmen bis hin zu neurochirurgischen Eingriffen, um die Nervenfunktion wiederherzustellen und die Schmerzen zu lindern. Eine frühzeitige Diagnose und eine individuelle Behandlungsplanung sind entscheidend für eine erfolgreiche Therapie. Die Schön Kliniken bieten eine umfassende Versorgung von Patientinnen und Patienten mit eingeklemmten Nerven, einschließlich modernster diagnostischer Verfahren und innovativer Operationstechniken.

Wichtige Hinweise

  • Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zu Informationszwecken und sollten nicht als Ersatz für eine professionelle medizinische Beratung angesehen werden.
  • Die Wahl der geeigneten Behandlungsmethode hängt von der individuellen Situation des Patienten ab und sollte in Absprache mit einem qualifizierten Arzt getroffen werden.
  • Die Ergebnisse neurochirurgischer Eingriffe können variieren und hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. dem Schweregrad der Nervenschädigung, dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten und der Einhaltung der Nachsorgeempfehlungen.
  • Die Erfolgsaussichten der Engpass-Operationen sind sehr gut. Oft lässt der Schmerz schon direkt nach dem Eingriff nach. Bis der Nerv sich aber wieder vollständig von der Quetschung erholt hat, kann es einige Wochen dauern.
  • Die Ergebnisse von Nervennaht und Nerventransplantation lassen sich erst nach 3-4 Monaten beurteilen.
  • Nehmen Sie wegen anderer Erkrankungen regelmäßig Medikamente, sollten Sie den Arzt bzw. Anästhesisten rechtzeitig vorher darüber informieren.
  • Wird die Operation nicht notfallmäßige durchgeführt, sollten einige Medikamente wie z.B.
  • Auch bei der ambulanten Versorgung von Nervenverletzungen oder Engpasssyndromen bleiben Sie nach dem Eingriff noch für einige Zeit unter Beobachtung - so lange bis Sie sich fitt für den Heimweg fühlen. Die Betäubung des Armes oder Beines kann noch einige Zeit anhalten. Sie sollten am Tag des Eingriffs nicht selbst Auto fahren und sollten sich auch nicht alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg machen.
  • Bei Eingriffen im Bereich von Fuß oder Bein bekommen sie in der Regel für einige Zeit eine Thromboseprophylaxe in Form von Spritzen verordnet, die Sie unbedingt nach Vorschrift anwenden sollten.

tags: #eingeklemmte #nerven #klinikum #im #vest