Metoprolol ist ein weit verbreiteter Betablocker, der zur Behandlung verschiedener Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt wird. Dazu gehören Bluthochdruck (arterielle Hypertonie), koronare Herzkrankheit (KHK), Herzrhythmusstörungen und die Akut- sowie Langzeitbehandlung nach einem Herzinfarkt. Zusätzlich findet Metoprolol Anwendung in der Migräneprophylaxe. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Anwendungsgebiete, Dosierungen und Wirkungsweisen von Metoprolol, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne und hohem Blutdruck.
Was ist Metoprolol?
Metoprolol gehört zur Gruppe der Betablocker. Betablocker senken den Blutdruck und verlangsamen den Herzschlag. Sie wirken, indem sie die Wirkung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin blockieren. Metoprolol ist ein Beta-1-selektiver Betablocker, was bedeutet, dass es hauptsächlich die Beta-1-Rezeptoren im Herzen blockiert. Dies führt zu einer Verringerung der Herzfrequenz, des Blutdrucks und der Kontraktionskraft des Herzens.
Metoprolol ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Tabletten und Retardtabletten. Retardtabletten geben den Wirkstoff verzögert frei, was eine längere Wirkdauer ermöglicht. Metoprolol wird üblicherweise in Salzform als Metoprololtartrat oder Metoprololsuccinat angewendet. Dabei entsprechen 100 mg Metoprololtartrat 95 mg Metoprololsuccinat.
Anwendungsgebiete von Metoprolol
Metoprolol hat mehrere gesicherte Indikationsgebiete bei Erwachsenen:
- Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck): Metoprolol senkt den Blutdruck und entlastet das Herz.
- Koronare Herzkrankheit (KHK): Metoprolol reduziert die Häufigkeit von Angina-pectoris-Anfällen.
- Hyperkinetisches Herzsyndrom: Metoprolol beruhigt das Herz und senkt die Herzfrequenz.
- Tachykarde Herzrhythmusstörungen: Metoprolol verlangsamt die Herzfrequenz und normalisiert den Herzrhythmus.
- Akutbehandlung des Herzinfarkts und Reinfarktprophylaxe: Metoprolol schützt das Herz nach einem Infarkt und beugt weiteren Infarkten vor.
- Stabile chronische Herzinsuffizienz: Metoprolol unterstützt die Herzfunktion bei Patienten mit Herzschwäche.
- Migräneprophylaxe: Metoprolol reduziert die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen.
Bei Kindern und Jugendlichen ab 6 Jahren wird Metoprolol zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt.
Lesen Sie auch: Blutdruckkontrolle mit Metoprolol
Metoprolol bei Migräne
Metoprolol wird zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt. Die genauen Mechanismen, wie Metoprolol Migräneanfälle reduziert, sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass Metoprolol durch die Blockade der Beta-1-Adrenozeptoren den sympathischen Tonus reduziert und so die zerebralen Gefäße stabilisiert. Migräne wird teilweise durch eine abnormale Regulation der zerebralen Gefäße und eine erhöhte neuronale Erregbarkeit ausgelöst. Durch die Hemmung der Beta-1-Rezeptoren verringert Metoprolol die sympathische Aktivität, was zu einer Stabilisierung des Gefäßtonus und einer Verringerung von Schwankungen in der Gefäßweite führt. Diese Effekte tragen zur Reduktion der Häufigkeit und Schwere von Migräneanfällen bei.
Die Indikation für eine Migräneprophylaxe besteht bei mindestens drei Migräneattacken pro Monat oder bei Attacken, die auf eine Akuttherapie nicht ausreichend ansprechen oder bei nichttolerablen Nebenwirkungen der Akuttherapie.
Leichte Migräneattacken sollten mit Antiemetika und Analgetika behandelt werden. Mittelschwere bis schwere Attacken werden mit einem Antiemetikum und Ergotamintartrat therapiert oder mit einem spezifischen Migränemittel wie Sumatriptan behandelt.
Dosierung von Metoprolol
Die Dosierung von Metoprolol variiert je nach Anwendungsgebiet und individuellem Bedarf. Es ist wichtig, die Anweisungen des Arztes genau zu befolgen.
- Bluthochdruck und koronare Herzkrankheit: Die übliche Dosis beträgt 50 bis 100 mg Metoprololtartrat ein- bis zweimal täglich oder 50 bis 100 mg Metoprololsuccinat einmal täglich. Die Dosis kann bei Bedarf auf bis zu 200 mg täglich erhöht werden.
- Tachykarde Herzrhythmusstörungen: Die empfohlene Dosis beträgt 100 mg Metoprololtartrat ein- bis zweimal täglich.
- Migräneprophylaxe: Die übliche Dosis beträgt 100 bis 200 mg Metoprololtartrat oder 95 bis 190 mg Metoprololsuccinat einmal täglich.
- Akuter Herzinfarkt: Die Behandlung beginnt in der Regel mit einer intravenösen Injektion von Metoprolol, gefolgt von einer oralen Erhaltungsdosis.
- Hyperkinetisches Herzsyndrom: Die übliche Dosis beträgt 50 mg Metoprololtartrat ein- bis zweimal täglich oder 50 bis 100 mg Metoprololsuccinat einmal täglich.
Bei stark eingeschränkter Leberfunktion muss unter Umständen die Dosis reduziert werden. Generell ist bei älteren Patienten keine Dosisanpassung erforderlich, jedoch sollte Metoprolol bei Senioren vorsichtig dosiert werden, insbesondere jenseits des 80. Lebensjahres.
Lesen Sie auch: Erfahrungen mit Metoprolol gegen Migräne
Art der Anwendung
Metoprolol-Tabletten sind unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einzunehmen. Retardtabletten dürfen nicht zerkaut oder zerteilt werden, da dies die verzögerte Freisetzung des Wirkstoffs beeinträchtigen kann. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.
Gegenanzeigen
Metoprolol darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Betablocker
- Herzblock 2. oder 3. Grades
- Herzmuskelschwäche, die nicht unter Kontrolle ist
- Sehr langsamer Herzschlag (Puls unter 50 Schläge/Minute)
- Unregelmäßiger Herzschlag (Sick-Sinus-Syndrom)
- Herzinfarkt mit Schock
- Schlechter Durchblutung in den Extremitäten
- Niedriger Blutdruck
- Erhöhter Säurespiegel im Blut (metabolische Azidose)
- Schwere Form von Bronchialasthma
- Gleichzeitige Einnahme von Monoaminoxidase (MAO)-Inhibitoren
- Unbehandelter Tumor im Nebennierenmark (Phäochromozytom)
- Gleichzeitige intravenöse Gabe von Calciumantagonisten vom Verapamil- oder Diltiazem-Typ oder anderen Antiarrhythmika
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Besondere Vorsicht ist geboten bei:
- Asthma: Beta-Rezeptorenblocker müssen mit Vorsicht angewendet werden.
- Diabetes mellitus: Metoprolol kann die Symptome eines erniedrigten Blutzuckers maskieren.
- Erregungsleitungsstörungen von den Herzvorhöfen auf die -kammern (AV-Block 1. Grades): Während einer Metoprolol-Behandlung können diese gelegentlich verschlechtert werden.
- Periphere Durchblutungsstörungen: Metoprolol kann die Beschwerden verstärken.
- Hormonproduzierender Tumor des Nebennierenmarks (Phäochromozytom): Vorher und gleichzeitig sollte ein Alpha-Rezeptorblocker angewendet werden.
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Die Symptome können verschleiert werden.
- Operationen: Vor einer Operation sollte der Narkosearzt über die Einnahme von Metoprolol informiert werden.
- Schuppenflechte (Psoriasis): Bitte informieren Sie Ihren Arzt, bevor Sie Metoprolol einnehmen.
Die Behandlung mit Beta-Rezeptorenblockern sollte nicht abrupt abgesetzt werden. Wenn die Behandlung beendet werden soll, so sollte dies, wann immer möglich, über einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen ausschleichend erfolgen, indem die Dosis schrittweise um die Hälfte reduziert wird, bis die niedrigste Dosis erreicht worden ist.
Wie andere Beta-Rezeptorenblocker kann auch Metoprolol sowohl die Empfindlichkeit gegenüber allergieauslösenden Stoffen (Allergenen) als auch die Schwere anaphylaktischer Reaktionen erhöhen.
Lesen Sie auch: Die Rolle von Metoprolol
Nebenwirkungen
Wie alle Arzneimittel kann auch Metoprolol Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.
Sehr häufige Nebenwirkungen (können mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen):
- Müdigkeit
Häufige Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen):
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)
- Orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen)
- Atemnot bei Belastung
- Übelkeit
- Erbrechen
- Bauchschmerzen
Gelegentliche Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen):
- Schlafstörungen
- Depressionen
- Konzentrationsstörungen
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen
- Herzinsuffizienz
- Herzrhythmusstörungen
- Bronchospasmus (Verkrampfung der Bronchien)
- Verstopfung
- Durchfall
- Hautreaktionen
Seltene Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen):
- Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen)
- Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen)
- Verwirrtheit
- Halluzinationen
- Mundtrockenheit
- Haarausfall
- Impotenz
Sehr seltene Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen):
- Hepatitis
- Gelenkschmerzen
- Muskelschwäche
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Metoprolol kann Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln eingehen. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden bzw. vor Kurzem eingenommen/angewendet haben, auch wenn es sich um nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel handelt.
Wechselwirkungen können auftreten mit:
- Katecholamin-abbauende Arzneimittel
- Ganglien-Blocker
- Andere Beta-Rezeptorenblocker (auch in Form von Timolol-haltigen Augentropfen)
- Monoaminoxidase (MAO)-Inhibitoren
- Clonidin
- Calciumantagonisten vom Verapamil- oder Diltiazem-Typ
- Arzneimittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika)
- Narkosemittel zur Inhalation
- Blutdrucksenkende Arzneimittel
- Entzündungshemmende Arzneimittel (z.B. Indometacin)
- Adrenalin, Noradrenalin oder andere Sympathomimetika
- CYP2D6-Inhibitoren (z.B. Antiarrhythmika, Antihistaminika, Antidepressiva, Neuroleptika)
- Alkohol
- Hydralazin
- Leberenzyminduktoren (z.B. Rifampicin)
- Nitroglyzerin
- Prazosin
- Digitalis-Glykoside
- Insulin und orale Antidiabetika
Metoprolol in Schwangerschaft und Stillzeit
Metoprolol darf in der Schwangerschaft nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden. Es gibt Hinweise darauf, dass Metoprolol die Durchblutung der Nachgeburt (Plazenta) vermindert und so zu Wachstumsstörungen des Fetus führen kann. Die Therapie mit Metoprolol sollte 48 bis 72 Stunden vor dem errechneten Geburtstermin beendet werden.
Metoprolol wird in der Muttermilch angereichert. Obwohl nach therapeutischen Dosierungen nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen ist, sollten gestillte Säuglinge auf Anzeichen einer Arzneimittelwirkung überwacht werden.
Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen
Während der Behandlung mit Metoprolol können Schwindel und Müdigkeit auftreten. Dadurch kann das Reaktionsvermögen so weit verändert sein, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme im Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt wird.
tags: #einsteigdosis #metoprolol #migrane #und #hoher #blutdruck