Metoprolol bei Migräne: Erfahrungen, Wirkung und Anwendung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein können. Leichte Migräneattacken sollten mit Antiemetika und Analgetika behandelt werden. Mittelschwere bis schwere Attacken werden mit einem Antiemetikum und Ergotamintartrat therapiert oder mit einem spezifischen Migränemittel wie Sumatriptan behandelt. Die Indikation für eine Migräneprophylaxe besteht bei mindestens drei Migräneattacken pro Monat - Attacken, die auf Akuttherapie nicht ausreichend ansprechen - oder bei nichttolerablen Nebenwirkungen der Akuttherapie.

Was ist Metoprolol?

Metoprolol gehört zur Wirkstoffgruppe der Betablocker und wird bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Hypertonie (Bluthochdruck), Herzrhythmusstörungen und koronarer Herzkrankheit (KHK) eingesetzt. Es ist ein selektiver Beta-1-Adrenozeptorantagonist, der hauptsächlich auf die Beta-1-Rezeptoren im Herzen wirkt. Durch die Blockade dieser Rezeptoren hemmt Metoprolol die Bindung von Noradrenalin und Adrenalin, was zu einer Verringerung der cAMP-Synthese durch die Hemmung der Adenylatcyclase führt. Dies reduziert die Aktivität der Proteinkinase A (PKA), die normalerweise die Calciumkanäle in den Herzmuskelzellen phosphoryliert und den Calcium-Einstrom stimuliert. Weniger intrazelluläres Calcium verringert die Kontraktionskraft (negative Inotropie) und die Herzfrequenz (negative Chronotropie). Zusätzlich wird die Überleitung im atrioventrikulären Knoten verlangsamt (negative Dromotropie), was die Herzarbeit und den Sauerstoffverbrauch senkt. Diese Effekte tragen dazu bei, den Blutdruck zu senken und die Belastung des Herzens bei Patienten mit Hypertonie oder koronarer Herzkrankheit zu vermindern.

Anwendung von Metoprolol

Metoprolol ist ein Betablocker, der bei folgenden Erkrankungen angewendet wird:

  • Arterielle Hypertonie
  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Hyperkinetisches Herzsyndrom
  • Tachykarde Herzrhythmusstörungen
  • Akutbehandlung des Herzinfarktes und Reinfarktprophylaxe
  • Migräneprophylaxe

Zur antihypertensiven Therapie wird Metoprolol in retardierter Form als Tartrat bzw. Succinat eingesetzt, um eine gleichmäßige und langdauernde Wirkung zu gewährleisten.

Metoprolol zur Migräneprophylaxe

Substanzen mit gesicherter Wirkung sind die BetaRezeptorenblocker Metoprolol und Propanolol sowie Flunarizin. Die Betablocker Propranolol und Metoprolol haben eine hohe Evidenz für ihre Wirksamkeit in der Migräneprophylaxe. In einer Metaanalyse reduzierte Propranolol die Kopfschmerztage bei episodischer Migräne um durchschnittlich 1,5 Tage pro Monat.

Lesen Sie auch: Blutdruckkontrolle mit Metoprolol

Wirkmechanismus bei Migräneprophylaxe

Die Wirkung von Metoprolol in der Migräneprophylaxe beruht auf seiner Fähigkeit, Beta-1-Adrenozeptoren zu blockieren und dadurch den sympathischen Tonus zu reduzieren. Migräne wird teilweise durch eine abnormale Regulation der zerebralen Gefäße und eine erhöhte neuronale Erregbarkeit ausgelöst. Durch die Hemmung der Beta-1-Rezeptoren verringert Metoprolol die sympathische Aktivität, was zu einer Stabilisierung des Gefäßtonus und einer Verringerung von Schwankungen in der Gefäßweite führt. Diese Effekte tragen zur Reduktion der Häufigkeit und Schwere von Migräneanfällen bei. Obwohl die genauen Mechanismen der Migräneprophylaxe durch Betablocker noch nicht vollständig verstanden sind, wird vermutet, dass sowohl die Stabilisierung der Gefäße als auch die Reduktion der adrenergen Stimulation eine Rolle spielen.

Dosierung von Metoprolol bei Migräne

Die Dosierung von Metoprolol richtet sich nach dem individuellen Behandlungserfolg des Patienten und der jeweiligen Indikation. Zur Migräneprophylaxe können Dosierungen zwischen 100 mg bis 200 mg Metoprololtartrat (entsprechend 95 bis 190 mg Metoprololsuccinat) einmal täglich angewendet werden.

Das Maximum der Wirkung wird nach Tagen oder Wochen erreicht, weshalb die Dosis nur langsam gesteigert werden sollte.

Pharmakokinetik von Metoprolol

Metoprolol wird in der Leber über CYP2D6 metabolisiert. Bei langsamen Metabolisierern kann die Plasmakonzentration um ein Vielfaches erhöht sein. Die Eliminationshalbwertszeit von Metoprolol beträgt 3-5 Stunden. Der Wirkstoff wird über die Niere ausgeschieden. Metoprolol wird nach der Einnahme relativ rasch in der Leber abgebaut und über die Nieren ausgeschieden. Deshalb wird der Wirkstoff üblicherweise in Retardform mit verzögerter Freigabe gegeben.

Erfahrungen mit Metoprolol bei Migräne

Viele Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit Metoprolol zur Migräneprophylaxe. Es kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren und somit die Lebensqualität verbessern. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirkung von Metoprolol individuell unterschiedlich sein kann und nicht jeder Patient davon profitiert.

Lesen Sie auch: Anwendung von Metoprolol

Einige Anwender haben jedoch auch von negativen Erfahrungen berichtet. So schrieb ein Anwender: Moin! Betablocker sind mit Vorsicht zu genießen! Ich habe Erfahrungen mit Metoprolol Succinat 27,35 gemacht. Dieses Medikament musste ich aber schnell wieder absetzen, weil ich mehrfach einen Kreislaufkollaps bekommen habe. Bezüglich der Migräne hat es überhaupt nichts gebracht!Bei meiner Freundin hingegen hat dieses Medikament ganz gut geholfen.

Nebenwirkungen von Metoprolol

Wie alle Medikamente kann auch Metoprolol Nebenwirkungen verursachen. Zu den häufig auftretenden Nebenwirkungen zählen:

  • Müdigkeit, Somnolenz, Schwindelgefühl
  • Kopfschmerzen
  • Bradykardie
  • Orthostase-Syndrom, gelegentlich mit Synkopen
  • Belastungsdyspnoe
  • Übelkeit, Erbrechen, Abdominalschmerz

Es ist wichtig, die möglichen Nebenwirkungen von Metoprolol mit dem Arzt zu besprechen und bei Auftreten von unerwünschten Wirkungen umgehend ärztlichen Rat einzuholen.

Wechselwirkungen von Metoprolol

Folgende Verbindungen können zu einer Wirkverstärkung von Metoprolol führen:

  • Inhibitoren des Cytochrom-P450-Isoenzyms 2D6:
    • Antidepressiva wie Fluoxetin, Paroxetin
    • Bupropion
    • Thioridazin
    • Antiarrhythmika wie Chinidin oder Propafenon
    • Virostatika wie Ritonavir
    • Antihistaminika wie Diphenhydramin
    • Antimalariamittel wie Hydroxychloroquin oder Chinin
    • Antimykotika wie Terbinafin
    • Cimetidin

Folgende Verbindungen können zu einer Abschwächung der Metoprolol-Wirkung führen:

Lesen Sie auch: Die Rolle von Metoprolol

  • Nicht steroidale Antirheumatika
  • Induktoren des Cytochrom-P450-Isoenzyms 2D6 z.B. Rifampicin
  • Digitalisglykoside, Reserpin, Methyldopa, Guanfacin oder Clonidin
  • Gleichzeitige Gabe von Betablockern mit Ergotalkaloiden kann deren vasokonstriktiven Eigenschaften verstärken.
  • Metoprolol kann die Wirkung von Lidocain vermindern.

Es ist wichtig, den Arzt über alle eingenommenen Medikamente zu informieren, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Kontraindikationen von Metoprolol

Zu den Gegenanzeigen von Metoprolol zählen:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Betablocker
  • Dekompensierte oder manifeste Herzinsuffizienz
  • Kardiogener Schock
  • AV-Block 2. oder 3. Grades
  • Sinuskopen-Syndrom
  • Sinuatrialer Block
  • Bradykardie
  • Hypotonie
  • Azidose
  • Asthma bronchiale
  • Periphere Durchblutungsstörungen
  • Unbehandeltes Phäochromozytom
  • Gleichzeitige Gabe von MAO-Hemmern
  • Schwangerschaft

Metoprolol darf in der Schwangerschaft nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden. Metoprolol passiert die Plazenta und kann im Feten zu Bradykardie, Hypotonie und Hypoglykämie führen. Aus diesem Grund sollte die Therapie mit Metoprolol 48 bis 72 Stunden vor dem errechneten Geburtstermin beendet werden. Wenn dies nicht möglich ist, müssen Neugeborene 48 bis 72 Stunden nach der Entbindung sorgfältig ärztlich überwacht werden. Im Allgemeinen reduzieren Beta-Blocker die Plazentaperfusion, was zu Wachstumsverzögerung, intrauterinem Tod, Fehlgeburt und frühzeitigen Wehen führen kann. Kardiale und pulmonale Komplikationen sind in der Postpartalphase erhöht.

Metoprolol sollte nicht in der Stillzeit angewendet werden, es sei denn, die Einnahme wird als notwendig erachtet. Metoprolol geht in die Muttermilch über und erreicht etwa das Dreifache der bei der Mutter gemessenen Serumkonzentration. Gestillte Säuglinge sollten auf Anzeichen einer Betablockade wie z. B. Bradykardie überwacht werden. Die durch die Muttermilch aufgenommene Menge an Metoprolol kann verringert werden, wenn erst 3 bis 4 Stunden nach Anwendung der Tabletten gestillt wird

Anwendungshinweise für Metoprolol

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Metoprolol zu beachten:

  • Allergische Reaktionen: Metoprolol kann die Empfindlichkeit gegenüber Allergenen und die Schwere anaphylaktischer Reaktionen erhöhen, insbesondere bei Patienten mit schweren Überempfindlichkeitsreaktionen oder unter Desensibilisierungstherapie.
  • Nierenfunktion: Bei schweren Nierenfunktionsstörungen kann es zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion kommen. Die Nierenfunktion sollte regelmäßig überwacht werden.
  • Absetzen des Medikaments: Betablocker sollten nicht plötzlich abgesetzt werden. Das langsame Ausschleichen sollte unter enger ärztlicher Aufsicht erfolgen, insbesondere bei Patienten mit ischämischer Herzerkrankung.
  • Atemwegserkrankungen: Bei obstruktiven Atemwegserkrankungen sollte Metoprolol nur bei zwingender Notwendigkeit eingesetzt werden. Ein Beta-Bronchodilatator wie Terbutalin kann in einigen Fällen hilfreich sein.
  • Diabetes mellitus: Bei instabilem oder insulinabhängigem Diabetes mellitus kann eine Anpassung der hypoglykämischen Therapie erforderlich sein, da schwerwiegende hypoglykämische Zustände auftreten können.
  • Leberfunktion: Bei eingeschränkter Leberfunktion kann die Bioverfügbarkeit von Metoprolol erhöht sein. Eine ärztliche Überwachung und gegebenenfalls eine Dosisreduktion sind erforderlich.
  • Wechselwirkungen mit Adrenalin: Die gleichzeitige Gabe von Adrenalin und Metoprolol kann zu Blutdruckanstieg und Bradykardie führen.
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit: Metoprolol kann die Symptome dieser Erkrankung verstärken.
  • Besondere Überwachung erforderlich: Eine sorgfältige Überwachung ist notwendig bei AV-Block 1. Grades, stark schwankenden Blutzuckerwerten, längerem Fasten, schwerer körperlicher Belastung, sowie bei Patienten mit Phäochromozytom.
  • Thyreotoxikose: Metoprolol kann die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion maskieren.
  • Psoriasis: Bei Patienten mit Psoriasis in der Eigen- oder Familienanamnese sollte Metoprolol nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung verordnet werden.
  • Anästhesie: Vor einer Allgemeinanästhesie muss der Anästhesist über die Metoprolol-Behandlung informiert werden.

Verkehrstüchtigkeit

Bei der Anwendung von Metoprolol kann es individuell unterschiedlich stark zu Reaktionen wie z. B. Schwindel, Müdigkeit oder Sehverschlechterung kommen, wodurch das Reaktionsvermögen soweit verändert sein kann, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt wird.

Alternative und ergänzende Behandlungen bei Migräne

Die aktuelle „S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ aus dem Jahr 2022 (gültig bis Ende 2026) wird durch die federführenden Fachgesellschaften der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) herausgegeben. Die Prophylaxe der Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit, Intensität und Dauer der Migräneattacken zu reduzieren. Die Indikation für verschreibungsfähige Prophylaxen muss spätestens nach zwei Jahren überprüft werden sowie die Auswahl eines Prophylaktikums in enger Absprache zwischen Betroffenen und behandelndem Fachpersonal erfolgen. Eine medikamentöse Migräneprophylaxe gilt dabei laut Leitlinie als wirksam, wenn bei episodischer Migräne die Anfallshäufigkeit um 50 % oder mehr und bei chronischer Migräne um 30 % oder mehr reduziert wird.

Neben Metoprolol gibt es noch weitere Medikamente und nicht-medikamentöse Behandlungen, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden können:

  • Andere Betablocker: Propranolol, Bisoprolol
  • Kalziumkanalblocker: Flunarizin
  • Antidepressiva: Amitriptylin, Opipramol, Venlaflaxin
  • Antiepileptika: Topiramat, Valproinsäure
  • Botulinumtoxin Typ A (Botox)
  • Monoklonale Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor: Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab, Eptinezumab
  • Nahrungsergänzungsmittel: Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2), Coenzym Q10
  • Entspannungsverfahren: Autogenes Training, Achtsamkeit, Progressive Muskelrelaxation, Hypnose
  • Verhaltenstherapie: Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
  • Akupunktur
  • Regelmäßiger Ausdauersport
  • Ernährungsumstellung: Ketogene oder niedrig-glykämische Ernährung

Es ist wichtig, die verschiedenen Therapieoptionen mit dem Arzt zu besprechen und eine individuelle Behandlungsstrategie zu entwickeln. Eine Möglichkeit, das Ansprechen auf verschiedene Medikationen im Blick zu halten, bietet das Kopfschmerztagebuch.

Einige persönliche Erfahrungen mit Migränebehandlungen umfassen:

  • Magnesium: Einige Anwender berichten von einer Reduktion der Migräneanfälle durch die Einnahme von Magnesium.
  • Rauchen aufhören: Ein Anwender berichtete, dass das Aufhören mit dem Rauchen zu einer deutlichen Reduktion der Migräneanfälle geführt hat.
  • Akupunktur: Einige Anwender empfehlen Akupunktur als alternative Behandlungsmethode.

tags: #metoprolol #migrane #erfahrungen