Parkinson: Ursachen und Umgang mit starker Müdigkeit (Fatigue)

Viele Menschen mit Parkinson erleben neben den typischen motorischen Symptomen wie Zittern, Steifheit und verlangsamter Bewegung auch eine ausgeprägte Müdigkeit, die als Fatigue bezeichnet wird. Fatigue ist ein Zustand anhaltender geistiger und körperlicher Erschöpfung, der sich durch Ruhe oder Schlaf nicht wesentlich bessert und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Etwa ein Drittel der Parkinson-Patienten leidet unter Fatigue.

Definition der Fatigue

Der Begriff "Fatigue" stammt aus dem Französischen und bedeutet Müdigkeit. In der Medizin wird damit ein krankhafter und anhaltender Zustand geistiger und körperlicher Ermüdung und Erschöpfung bezeichnet, der nicht allein durch Anstrengung oder Schlafmangel erklärt werden kann. Betroffene haben oft Schwierigkeiten, ihren Alltag zu bewältigen, und selbst einfache Tätigkeiten können zu einem Gefühl der Erschöpfung führen. Typisch für Fatigue ist, dass sich die Symptome durch Ruhephasen oder Schlaf nicht deutlich bessern.

Ursachen und Entstehung der Fatigue bei Parkinson

Die genauen Ursachen und die Entstehung von Fatigue bei Parkinson sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass verschiedene Faktoren zusammenwirken, darunter:

  • Neurologische Ursachen: Fatigue gehört zu den neurologischen Krankheiten. Die Ursachen und die Entstehung sind noch nicht geklärt.
  • Veränderungen im Gehirn: Parkinson führt zu einem Ungleichgewicht der Neurotransmitter im Gehirn, insbesondere von Dopamin. Auch andere Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin und Acetylcholin können betroffen sein.
  • Entzündungsprozesse: Entzündungsprozesse im Körper und im Nervensystem können zur Entstehung von Fatigue beitragen.
  • Energiemangel: Starker Gewichtsverlust (Kachexie) kann zu Energiemangel und Fatigue führen.
  • Blutarmut und Elektrolytstörungen: Blutarmut oder Schwankungen des Elektrolythaushalts können ebenfalls Fatigue verursachen.
  • Chronische Schmerzen: Chronische Schmerzen sind eine häufige Begleiterscheinung von Parkinson und können Fatigue verstärken.
  • Kräfteverlust: Der Kräfteverlust infolge der Grunderkrankung Parkinson kann zu Fatigue führen.
  • Nebenwirkungen der Medikamente: Die medikamentöse Behandlung von Morbus Parkinson zielt darauf ab, das Gleichgewicht der Neurotransmitter wiederherzustellen, vor allem mithilfe von Levodopa und Dopaminagonisten. Sie greifen in den Dopaminstoffwechsel ein. Diese führen jedoch zu einigen Nebenwirkungen und langfristig zu Wirkungsschwankungen.
  • Infektionen: Abwehrschwäche und Infektionen können Fatigue begünstigen.
  • Psychische Faktoren: Depressive Verstimmungen, Ängste und Stress können ebenfalls eine Rolle spielen. Ähnlich wie bei anderen chronischen Erkrankungen kann es zu Belastungsreaktionen, Depression, Angststörungen und weiteren psychischen Beschwerden kommen. Das Risiko hierfür ist individuell sehr unterschiedlich.

Symptome der Fatigue

Das Hauptsymptom der Fatigue ist eine über Wochen und Monate andauernde Erschöpfung und Müdigkeit, die sich durch Erholung oder Schlaf nicht relevant bessert. Darüber hinaus berichten Betroffene von folgenden Symptomen:

  • Energiemangel, Schwächegefühl, Schweregefühl in den Gliedmaßen
  • Antriebslosigkeit, es kostet viel Kraft aktiv zu werden
  • Unverhältnismäßig starke Erschöpfung nach Anstrengung
  • Hoher Ruhebedarf, der nicht durch Anstrengung erklärt werden kann
  • Schlaflosigkeit oder vermehrte Schläfrigkeit/Schlafsucht
  • Schlaf erfrischt nicht und bringt kaum Erholung
  • Traurigkeit, Frustration, Gereiztheit
  • Der Alltag kann kaum bewältigt werden
  • Vergesslichkeit: Kurzzeitgedächtnis ist beeinträchtigt
  • Wortfindungsstörungen
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Sich nach Anstrengungen über Stunden unwohl fühlen

Diagnose der Fatigue

Um die Diagnose Fatigue als Begleiterkrankung von Parkinson zu stellen, muss zunächst die Grunderkrankung Parkinson bekannt sein. Unerklärliche Müdigkeit und Erschöpfung können auch Vorboten einer schweren Erkrankung wie Krebs oder Multiple Sklerose sein. Wenn keine Grunderkrankung bekannt ist, wird sich die Diagnostik auch darauf konzentrieren, eine solche zu finden.

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Die Fatigue ist eine Ausschlussdiagnose, das heißt, andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen, müssen ausgeschlossen werden. Mögliche Differenzialdiagnosen zur Fatigue sind:

  • Psychische Erkrankungen, insbesondere Depressionen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe-Syndrom)
  • Schlafstörungen
  • Mangelernährung
  • Chronische Schmerzen
  • Schilddrüsenerkrankungen

Je nach Vorgeschichte und Einzelfall werden folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Fragebogen zur Erfassung der Symptome
  • Tests zur Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Belastbarkeitsuntersuchungen
  • Ganganalysen
  • Bewegungstracker zur Erfassung der Aktivität im Tagesverlauf
  • Laboruntersuchungen des Bluts

Behandlung der Fatigue

Ein zentrales Ziel der Therapie bei Fatigue ist es, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt kein Medikament gegen Fatigue und keine Behandlung, die allein zur Verbesserung des Erschöpfungszustandes führt. Vielmehr muss für jeden Patienten und jede Patientin ein individuelles Paket unterschiedlicher Behandlungen geschnürt werden. Dabei muss die Grunderkrankung Parkinson immer mit beachtet werden. Das gilt auch für die Therapie der Grunderkrankung, denn bestimmte Medikamente können eine Fatigue hervorrufen.

Aufgrund dieser komplexen Situation sind an der Behandlung einer Fatigue verschiedene Fachleute beteiligt, z. B. Neurologinnen, Expertinnen für Psychosomatik, Neuropsychologinnen, Psychotherapeutinnen, Physiotherapeutinnen und Ergotherapeutinnen. Je nach Schwere der Krankheit und der Einschränkungen im Alltag kann die Fatigue ambulant oder im Rahmen einer stationären Rehabilitation behandelt werden.

Zur Therapie der Fatigue gehören:

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  • Das Krankheitsbild der Fatigue in Schulungen kennenlernen
  • Die medikamentöse Behandlung von Begleitsymptomen der Fatigue, z. B. Schmerzen, Schlafstörungen oder depressiven Verstimmungen
  • Lernen, den Tagesablauf zu strukturieren, um Zeitdruck und Stress zu vermeiden: z.B. Aufgaben nach Wichtigkeit einteilen (priorisieren), Ruhepausen einplanen
  • Sport treiben, angepasstes Ausdauertraining, Muskelkräftigung
  • Kognitives Training („Gehirnjogging“), wie z. B. Gedächtnisübungen, Konzentrationstraining
  • Mit psychologischer Unterstützung lernen, von sich nicht mehr zu verlangen, als man derzeit leisten kann
  • Ergotherapie, z. B. Kunsttherapie oder Musiktherapie
  • Balance zwischen Aktivität und Entspannung finden, z. B. mithilfe von Yoga, Qi Gong oder ähnlichem
  • Lichttherapie mit Lampen, die ein sehr helles, weißes Tageslicht ausstrahlen und so die Zirbeldrüse, die im Gehirn den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert, aktivieren

Um Fatigue-Symptome bei Parkinson-Patient*innen zu lindern, sollte die medikamentöse Behandlung der Grunderkrankung optimiert werden.

Medikamentöse Therapie

Bei exzessiver Tagesmüdigkeit kommt nach Auffassung des Parkinsonexperten eine Dosisreduktion der dopaminergen Arzneien infrage, sollte die Medikation die Ursache für die Müdigkeit sein. Haben die Patienten Schlafstörungen, kann die Wahl eines langwirksamen oder retardierten Dopaminagonisten von Vorteil sein. Viele Patienten wachen aber dennoch mitten in der Nacht auf und können dann nicht mehr einschlafen. Hier seien kurzwirksame Hypnotika eine Option.

Lichttherapie

Verschiedene nicht-medikamentöse Ansätze stehen zur Verbesserung der Fatigue zur Verfügung. Bei der Lichttherapie soll durch künstliches helles Licht, mit einem ähnlichen Farbspektrum wie natürliches Sonnenlicht, die Ausschüttung körpereigener Botenstoffe aus der Zirbeldrüse stimuliert werden. Hierdurch sollen die „innere Uhr“ des Schlaf-Wach-Rhythmus wieder justiert, Schlafstörungen dadurch bekämpft und depressive Begleitsymptome gelindert werden.

Was Sie selbst tun können

Als Patient*in können Sie die Therapie bei Fatigue aktiv unterstützen:

  • Ernähren Sie sich gesund.
  • Achten Sie auf genügend Schlaf. Bei allen nächtlichen Ein- und Durchschlafproblemen sollten regelmäßige Zeiten für das Zubettgehen eingehalten und tagsüber Mittagsschlaf und Nickerchen vermieden werden.
  • Reduzieren Sie konsequent Stressfaktoren in Ihrem Alltag. Ein angepasster Tagesablauf, der Sie weder über- noch unterfordert, trägt dazu bei, die Fatigue allmählich zu bessern.
  • Falls bei Ihnen ein Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen oder essenziellen Fettsäuren festgestellt wurde, sollten Sie auf ärztlichen Rat ihre Ernährung umstellen und/oder entsprechende Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.
  • Sprechen Sie mit Ihrer Familie, Freunden und Berufskolleg*innen über das Fatigue-Syndrom. Erklären Sie, warum Sie manche Dinge langsamer angehen oder warum Sie mehr Pausen brauchen. Wenn Ihr Umfeld Sie versteht und Sie unterstützt, kann Ihnen das sehr helfen.

Schlafstörungen bei Parkinson

Die neurologische Erkrankung Parkinson-Syndrom geht oftmals mit Schlafstörungen Hand in Hand. Schlafstörungen sind bei Menschen mit der neurodegenerativen Erkrankungen Parkinson-Syndrom sehr häufig. Sie tragen neben den typischen Symptomen wie Bewegungsstörungen, Muskelzittern und Gleichgewichtsstörungen, die mit der Erkrankung verbunden sind, zu einer weiteren Einschränkung der Lebensqualität bei. Daher ist es wichtig, neben der Therapie der Grunderkrankung, auch die Schlafstörungen mitbehandeln zu lassen.

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„Typische Probleme bei Parkinson-Patienten sind Ein- und Durchschlafstörungen, eine erhöhte Tagesschläfrigkeit sowie Traum-Schlaf-Verhaltensstörungen, die mit lebhaften Bewegungen von Armen und Beinen meist in der zweiten Nachthälfte einhergehen. Dabei sollte man die Wirkung des Nachtschlafes auf die Symptomatik der Krankheit nicht unterschätzen. Denn die Schlafprobleme können eine Verschlechterung der körperlichen Symptomatik verursachen und auch die Tagesmüdigkeit kann sehr belastend sein“, berichtet Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) mit Sitz in Krefeld. „Schlafstörungen treten bei Parkinson unter anderem als Folge der Erkrankung selbst, durch Nebenwirkungen der Medikamente oder aufgrund psychischer Begleiterkrankungen auf und sollten in der Therapie unbedingt berücksichtigt werden.“ Zudem leiden auch Parkinson-Patienten unter primären Schlafstörungen wie schlafbezogenen Atmungsstörungen und dem Restless-Legs-Syndrom, die nicht auf die Parkinson-Erkrankung zurückgehen. Etwa 60 bis 90 Prozent der Patienten mit idiopathischem bzw. primärem Parkinson-Syndrom sind im Verlauf der Erkrankung von Schlafstörungen betroffen.

Psychische Veränderungen bei Parkinson

Im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit kommt es bei vielen Betroffenen zu trauriger und niedergeschlagener Stimmung.2 Dieser Zustand kann mit einem Verlust von Interesse an der Umgebung, Antriebsmangel und Freudlosigkeit verbunden sein (sogenannte Apathie). Hält ein Stimmungstief über einen Zeitraum von mehreren Wochen an, spricht man von einer Depression. Diese ist ein mögliches frühes Anzeichen für eine beginnende Parkinson-Erkrankung, kann aber auch erst im späteren Verlauf der Krankheit, oder als eine seelische Reaktion auf die Diagnose oder anderweitige Folgen der Krankheit auftreten. Als Parkinson-Symptom entsteht sie als direkte Reaktion auf krankheitsbedingte Veränderungen der Botenstoffe im Gehirn, also die Neurodegeneration. Diese Degeneration führt nämlich nicht nur zu einem Dopaminmangel, sondern auch zu einem Mangel an Serotonin, dem „Glückshormon“. Diese Veränderungen können schon Jahre vor den ersten deutlich sichtbaren motorischen Symptomen wie der Bradykinese oder dem Tremor auftreten. Depressive Verstimmungen, Reizbarkeit oder Angststörungen, sowie der allgemeine soziale Rückzug gelten deshalb als Frühwarnzeichen von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson. Jedoch sind diese Symptome sehr allgemein und nicht jede Depression ist ein Frühsymptom der Parkinson-Erkrankung.

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