Die Psychologie der Emojis: Bedeutung, Interpretation und Auswirkungen auf unser Gehirn

Emojis sind aus unserer digitalen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Sie ermöglichen es uns, Emotionen auszudrücken, Nachrichten zu strukturieren und Beziehungen zu pflegen. Doch was steckt wirklich hinter der Verwendung von Emojis? In diesem Artikel werden wir die Psychologie der Emojis beleuchten, ihre Bedeutung untersuchen und die Auswirkungen auf unser Gehirn analysieren.

Die Definition von Emojis

Emojis sind Ideogramme und Smileys, die in elektronischen Nachrichten und auf Webseiten verwendet werden. Sie sind eine Form der nonverbalen Kommunikation in der Schriftsprache und übernehmen eine ähnliche Funktion wie Intonation, Gestik, Mimik und andere körpersprachlichen Elemente in der herkömmlichen Face-to-Face-Kommunikation.

Die Geschichte der Emojis

Der Ursprung von Emojis geht auf das Jahr 1982 zurück. Eine Gruppe von Informatikern stellte fest, dass sie sich in Online-Diskussionen oft missverstanden. Der US-amerikanische Informatikprofessor Scott E. Fahlman schlug vor, humoristische Aussagen mit der Zeichenkombination ":-)" zu kennzeichnen. Im Jahr 1999 entwarf der Japaner Shigetaka Kurita die ersten Emojis für ein japanisches Telekommunikationsunternehmen.

Die Vorteile von Emojis

Emojis sparen Zeit und sind effizient. Sie helfen, Nachrichten auf spielerische Weise aufmerksamkeitsstärker und unterhaltsamer zu gestalten und den Text zu strukturieren. Emojis sind leichter im Gedächtnis abrufbar als Wörter. Sie verdeutlichen, wie eine Nachricht gemeint ist und transportieren Stimmungen, Gefühle oder Ironie.

Emoji-Nutzung und Persönlichkeit

Studien zeigen, dass die Häufigkeit der Emoji-Nutzung unter anderem vom Geschlecht, der emotionalen Intelligenz und dem Bindungsstil in Beziehungen abhängt. Frauen verwenden im Schnitt mehr Emojis als Männer. Personen mit höherer emotionaler Intelligenz und sicherem Bindungsstil verwenden ebenfalls häufiger Emojis. Eine geringere emotionale Intelligenz und ein ängstlicher beziehungsweise vermeidender Bindungsstil korrelieren hingegen mit seltenerer Emoji-Nutzung.

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Eine Studie des Kinsey Institute an der Indiana University ergab, dass der Gebrauch von Emojis unter anderem mit dem Bindungsstil zusammenhängt. Je weniger Emojis in der Partnerschaft verwendet werden, desto eher neigen die Partner zu einem vermeidenden Bindungsstil und weniger emotionaler Intelligenz.

Emojis und das Alter

Studien zeigen, dass bestimmte Emojis eher von Älteren respektive Jüngeren genutzt werden. Bei der Generation Zoomer (der 16- bis 29-Jährigen) sind derzeit das laut weinende Emojis, das Totenkopf-Emoji und das Feuer-Emoji besonders beliebt, um positiven Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Gleichzeitig scheinen die klassischen Emojis bei Jüngeren weniger beliebt zu sein und somit eher den Älteren zugeschrieben zu werden.

Missverständnisse durch Emojis

Emojis helfen bei der Kommunikation und können gleichzeitig auch Missverständnisse begünstigen. Denn sie werden nicht immer einheitlich interpretiert, sondern rufen unterschiedliche Assoziationen hervor. Eine Umfrage von Bitkom (2022) ergab, dass die Hälfte aller Deutschen angibt, dass Emojis manchmal auch zur Verwirrung beigetragen haben.

Es ist notwendig, die Bedeutung bestimmter Emojis im jeweiligen Kommunikationskontext zu hinterfragen. Emojis sind dann richtig eingesetzt, wenn sie der Nachricht den passenden Klang verleihen und im Rahmen des Kontextes angemessen erscheinen. Es ist ratsam, darauf zu achten, nicht zu viele Emojis in einer Nachricht zu verwenden, da dies schnell kindisch und unprofessionell wirken kann.

Was man beim Einsatz von Emojis beachten sollte

Emojis sind ein Gewinn für die Schriftsprache, weil sie Mimik, Gestik und Tonfall transportieren. Gleichzeitig bergen sie ein nicht unbeträchtliches Potenzial für Fehlinterpretationen. Damit die Kommunikation mit Emojis gelingt, sollte ihr Einsatz mit Bedacht erfolgen: Die ausgewählten Emojis sollten wenig Spielraum für Interpretationen bieten und sich nicht gegenseitig widersprechen. Auch von der Verwendung von Emoji-Ketten ist abzuraten, weil diese oft schwieriger zu entschlüsseln sind als ein einzelnes Bildzeichen.

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Studien zeigen, dass Emojis beeinflussen, wie wir jemand wahrnehmen. Verfasserinnen die in ihrem Text lächelnde Emojis intergieren, werden als deutlich sympathischer und emotional wärmer eingeschätzt, als Verfasserinnen die in demselben Text keine Emojis nutzen. Emojis können daher auch zur strategischen Eindruckssteuerung genutzt werden.

Die Verarbeitung von Emojis im Gehirn

Das Gehirn des Menschen reagiert auf Smileys genauso wie auf lachende Gesichter. Der australische Psychologe Owen Churches von der Flinders University in Adelaide fand heraus, dass das Gehirn auf Smileys genauso reagiert wie auf ein lächelndes Gesicht. Die Areale, die aktiviert wurden, waren tatsächlich exakt die gleichen. Das Gehirn hat also gelernt, auf das Symbol mit dem gleichen Aktivierungsmuster zu reagieren.

Unsere neueste Forschungsarbeit, eine Zusammenarbeit zwischen dem Stanford Vision and Perception Neuroscience Lab und der AE Educational Neuroscience der Philipps-Universität Marburg, die in der Zeitschrift Cerebral Cortex veröffentlicht wurde, bietet neue Einblicke in die Funktion von OTS-words, einer für das Lesen entscheidenden Gehirnregion. Mit Hilfe von fMRI-Experimenten haben wir untersucht, wie verschiedene Teile von OTS-words zusammengesetzte Wörter verarbeiten, wobei wir traditionelle Schrift mit Emojis verglichen haben.

Unsere Forschung ergab überraschenderweise, dass OTS-words, die traditionell mit der Verarbeitung von Text in Verbindung gebracht werden, bei Emojis aktiv mitwirken und ihre Aktivierung durch die kognitive Anstrengung des Lesens beeinflusst wird. Dalski, A., Kular, H., Jorgensen, J. G., Grill-Spector, K., & Grotheer, M. (2024). Both mOTS-words and pOTS-words prefer emoji stimuli over text stimuli during a lexical judgment task.

Emojis in der sexuellen Kommunikation

Emojis können in der sexuellen Kommunikation als subtile oder auch explizite Hinweise auf sexuelle Absichten oder Wünsche dienen. Eine Studie der University of British Columbia Okanagan zeigte, dass von Teilnehmern, die sexuell anzügliche Emojis verwendeten, 51 % angaben, dass der Verwendung der Emojis ein sexuell anzügliches Verhalten folgte. Die Mehrdeutigkeit einiger Emojis, wie der Aubergine (🍆) für männliche Genitalien oder des Pfirsichs (🍑) für den Po, erfordert ein hohes Maß an kontextuellem Verständnis.

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Die rechtliche Bedeutung von Emojis

Emojis können in bestimmten Kontexten rechtlich bindend sein, etwa bei der Zustimmung zu einem Geschäft mit einem Daumen-hoch-Emoji (👍) in Vertragsverhandlungen. Gerichte weltweit müssen zunehmend entscheiden, ob Emojis rechtsverbindlich sind oder eine Beleidigung darstellen.

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