Entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS), die Gehirn und/oder Rückenmark betreffen, umfassen eine Vielzahl von Erkrankungen, die durch Entzündungsreaktionen im Nervensystem gekennzeichnet sind. Diese Entzündungen können verschiedene Ursachen haben, darunter Infektionen und Autoimmunreaktionen. Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose, Beurteilung des Krankheitsverlaufs und Überwachung der Therapie dieser Erkrankungen.
Bedeutung der MRT in der Diagnostik entzündlicher ZNS-Erkrankungen
Die MRT ist ein bildgebendes Verfahren, das ohne Strahlenbelastung detaillierte und kontrastreiche Bilder des Gehirns, des Rückenmarks und der Wirbelsäule liefert. Sie ermöglicht die Visualisierung von Strukturen und Veränderungen, die anderen bildgebenden Verfahren entgehen können. Die MRT ist besonders wertvoll bei der Erkennung von Entzündungen, frischen oder alten Verletzungen, Durchblutungsstörungen, Tumoren und Veränderungen an Gelenken und Organen.
Bei entzündlichen ZNS-Erkrankungen ermöglicht die MRT die Darstellung von Entzündungsherden, die Beurteilung ihrer Aktivität und die Verfolgung ihres Verlaufs im Laufe der Zeit. Dies ist entscheidend für die Diagnose, die Therapieplanung und die Überwachung des Therapieerfolgs.
MRT-Techniken und ihre Anwendung bei entzündlichen ZNS-Erkrankungen
Verschiedene MRT-Techniken werden bei der Diagnose entzündlicher ZNS-Erkrankungen eingesetzt. Zu den wichtigsten gehören:
Konventionelle MRT-Sequenzen: T1-gewichtete, T2-gewichtete und FLAIR-Sequenzen (Fluid Attenuated Inversion Recovery) ermöglichen die Darstellung von anatomischen Strukturen und pathologischen Veränderungen wie Entzündungsherden und Ödemen.
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Diffusions-MRT (DWI): Diese Technik misst die Bewegung von Wassermolekülen im Gewebe und ist besonders empfindlich für akute Entzündungen und Durchblutungsstörungen.
Perfusions-MRT (PWI): Diese Technik misst die Durchblutung des Gewebes und kann zur Beurteilung der Entzündungsaktivität und zur Unterscheidung zwischen verschiedenen Arten von Läsionen verwendet werden.
MR-Spektroskopie (MRS): Diese Technik ermöglicht die Messung von Stoffwechselprodukten im Gewebe und kann zur Charakterisierung von Entzündungsherden und zur Unterscheidung zwischen verschiedenen Ursachen von Entzündungen verwendet werden. Akute entzündliche Läsionen sind oft durch eine Reduktion des Nervenzellmarkers NAA, eine Erhöhung von Cholin (Cho) sowie durch den Nachweis von Laktat (Lac) als Ausdruck für anaeroben Stoffwechsel gekennzeichnet.
Kontrastmittel-verstärkte MRT: Die intravenöse Verabreichung von Gadolinium-basierten Kontrastmitteln ermöglicht die Darstellung von Entzündungsherden mit gestörter Blut-Hirn-Schranke. Dies hilft bei der Unterscheidung zwischen aktiven und inaktiven Läsionen.
Spezifische entzündliche ZNS-Erkrankungen und ihre MRT-Merkmale
Multiple Sklerose (MS)
Die Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des ZNS, die durch Entzündungsherde (Läsionen) in der weißen Substanz des Gehirns und Rückenmarks gekennzeichnet ist. Die MRT spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose und Verlaufsbeurteilung der MS.
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MRT-Merkmale der MS:
Örtliche Verteilung: Typischerweise zeigen sich die Entzündungsherde in einem bestimmten Verteilungsmuster, das die periventrikuläre weiße Substanz, das Corpus callosum, den Hirnstamm, das Kleinhirn und das Rückenmark betrifft.
Morphologie: Die Läsionen erscheinen in der Regel als ovale oder runde, gut abgegrenzte Flecken in der weißen Substanz. Ein typisches Zeichen ist das "Hahnenkammzeichen" mit FLAIR- und T2-Hyperintensitäten an der Balkenunterkante.
Kontrastmittelaufnahme: Akute Entzündungsherde zeigen eine Kontrastmittelaufnahme, die auf eine aktive Entzündung hinweist.
Hirnatrophie: Im Laufe der Erkrankung kann es zu einem Schwund von Hirngewebe (Hirnatrophie) kommen, der sich in einer Vergrößerung der Hirnkammern und der Furchen an der Gehirnoberfläche zeigt.
Meningitis (Hirnhautentzündung)
Die Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute, die durch Viren, Bakterien oder andere Erreger verursacht werden kann. Die MRT kann bei der Diagnose und Beurteilung der Meningitis hilfreich sein.
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MRT-Merkmale der Meningitis:
Verdickung und Kontrastmittelaufnahme der Hirnhäute: Die Hirnhäute können verdickt und verstärkt durch Kontrastmittel erscheinen.
Entzündliche Veränderungen im Hirnparenchym: In schweren Fällen kann die Entzündung auf das Hirngewebe übergreifen und zu Gewebeuntergang führen.
Neuromyelitis optica Spektrum Erkrankungen (NMOSD)
NMOSD ist eine seltene Autoimmunerkrankung, die vor allem das Rückenmark und die Sehnerven betrifft. Die MRT spielt eine wichtige Rolle bei der Unterscheidung von NMOSD und MS.
MRT-Merkmale der NMOSD:
Längere, zusammenhängende Entzündungsherde: Im Vergleich zur MS sind die Entzündungsherde bei NMOSD oft länger und zusammenhängender, insbesondere im Rückenmark.
Beteiligung der Sehnerven: Die Entzündung der Sehnerven ist ein häufiges Merkmal der NMOSD.
Nachweis von AQP4-Autoantikörpern: Der Nachweis von Autoantikörpern gegen Aquaporin 4 (AQP4) im Blut ist ein wichtiges diagnostisches Kriterium für NMOSD.
Nervenwurzelentzündung (Radikulopathie)
Die Nervenwurzelentzündung ist eine Reizung der Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmarkskanal austreten. Häufige Ursachen sind Bandscheibenvorfälle oder Verschiebungen der Wirbelkörper. Die MRT kann zur Darstellung der betroffenen Nervenwurzel und zur Identifizierung der Ursache der Entzündung eingesetzt werden.
MRT-Merkmale der Nervenwurzelentzündung:
- Darstellung des betroffenen Nervs: Die MRT ermöglicht die Darstellung des gereizten Nervs und die Identifizierung von Ursachen wie Bandscheibenvorfällen oder Wirbelkörperverschiebungen.
Ablauf einer MRT-Untersuchung bei entzündlichen ZNS-Erkrankungen
Die MRT-Untersuchung dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten und umfasst verschiedene hochauflösende Sequenzen. Vor der Untersuchung wird der Patient über den Ablauf informiert und auf mögliche Kontraindikationen (z. B. Herzschrittmacher) hingewiesen.
Um entzündliche Veränderungen besser erkennen zu können, wird häufig ein Kontrastmittel über die Vene verabreicht. Vor der Kontrastmittelgabe werden die Nierenwerte (GFR und Kreatininwert) überprüft.
Während der Untersuchung liegt der Patient in Rückenlage in der MRT-Röhre. Es ist wichtig, während der Untersuchung ruhig zu liegen, um die Bildqualität nicht zu beeinträchtigen.
Nach der Untersuchung werden die Bilder von Radiologen ausgewertet und ein Befund erstellt. Die Auswertung und Nachbearbeitung der Untersuchung kann einige Zeit in Anspruch nehmen.
Vorteile der MRT gegenüber anderen bildgebenden Verfahren
Die MRT bietet gegenüber anderen bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie (CT) mehrere Vorteile:
Keine Strahlenbelastung: Die MRT verwendet keine Röntgenstrahlen und ist daher für den Patienten schonender.
Höherer Weichteilkontrast: Die MRT bietet einen höheren Weichteilkontrast als die CT, wodurch Entzündungen und andere pathologische Veränderungen besser dargestellt werden können.
Multimodale Bildgebung: Die MRT ermöglicht die Anwendung verschiedener Sequenzen und Techniken, die unterschiedliche Informationen über das Gewebe liefern.
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