Parkinson, auch bekannt als Morbus Parkinson, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die die Beweglichkeit und Stabilität der Betroffenen beeinträchtigt. Die Krankheit ist nicht heilbar, aber ihre Symptome können behandelt werden. Da Parkinson sich bei Menschen verschieden ausprägt, ist es wichtig, Hilfsmittel genau an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Eine besondere Herausforderung für Parkinson-Patienten ist das Aufstehen und Hinsetzen, was oft langsam und mühsam vonstattengeht. Hier können Aufstehhilfen eine wertvolle Unterstützung bieten, um die Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten.
Was ist Parkinson?
Parkinson ist eine Nervenkrankheit, bei der immer mehr Nervenzellen im Gehirn absterben. Im gesunden Nervensystem leitet der Botenstoff Dopamin bestimmte Signale von Nervenzelle zu Nervenzelle weiter und steuert somit besonders die Bewegung und ihre genauen Abläufe. Bei Parkinson sterben jedoch die Nervenzellen ab, die Dopamin produzieren. Dadurch entsteht ein Dopaminmangel, der zu typischen Symptomen wie verlangsamten Bewegungen, Muskelsteifigkeit, Zittern und Gleichgewichtsstörungen führt. Die Erkrankung beginnt schleichend mit unspezifischen Symptomen und schreitet zeitlebens fort.
Weltweit leidet etwa 1 % der Menschen über 60 Jahren an Morbus Parkinson. In Deutschland werden etwa 300.000 bis 400.000 Erkrankte vermutet. Die Erkrankung beginnt meist zwischen 50 und 79 Jahren, selten jedoch vor dem Alter von 40.
Symptome von Parkinson
Die Symptome von Parkinson sind vielfältig und können sich von Mensch zu Mensch unterschiedlich äußern. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese): Bewegungen werden langsamer und mühsamer.
- Muskelsteifigkeit (Rigor): Die Muskeln sind angespannt und steif, was zu ruckartigen Bewegungen führen kann.
- Zittern (Tremor): Unwillkürliches Zittern, besonders in Ruhe, betrifft häufig Arme und Beine.
- Gleichgewichtsstörungen: Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten, führen zu erhöhter Sturzgefahr.
- Feinmotorische Störungen: Schwierigkeiten bei präzisen Bewegungen, wie z.B. Schreiben oder Knöpfe schließen.
- Mimikverlust (Maskengesicht): Die Mimik ist reduziert, wodurch das Gesicht ausdruckslos wirkt.
- Körperliche Instabilität: Schwierigkeiten, sich aufrecht zu halten.
- Schwierigkeiten beim Gehen: Schnelles Losgehen und Anhalten ist schwierig.
Warum Aufstehhilfen bei Parkinson sinnvoll sind
Parkinson-Patienten haben oft Schwierigkeiten, sich selbstständig hinzusetzen und wieder aufzustehen. Dies kann zu einem Verlust an Selbstständigkeit und Lebensqualität führen. Aufstehhilfen können hier eine wertvolle Unterstützung bieten, indem sie den Betroffenen das Aufrichten, Aufstehen und Hinsetzen erleichtern.
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Das Ziel einer jeden Aufstehhilfe ist, dass sie die Betroffenen sicher in den stabilen Stand und zurück in die Sitz- oder Liegeposition hilft. Sie helfen bewegungseingeschränkten Personen dabei, sich selbstständig zu erheben oder sicher wieder hinzusetzen. Besonders Senioren verlieren mit zunehmendem Alter immer mehr an Kraft und Beweglichkeit. Hinzu kommen manchmal eine oder mehrere Erkrankungen. Da bleibt manch einer lieber sitzen, als sich der Kraftanstrengung zu stellen. Die Folge ist, dass sie immer mehr von ihrer Selbstständigkeit einbüßen.
Arten von Aufstehhilfen
Es gibt verschiedene Arten von Aufstehhilfen, die sich für unterschiedliche Bedürfnisse und Situationen eignen:
Aufstehhilfen für das Bett
- Beinanheber: Er kann Ihre Beine ins Bett heben oder auf den Boden setzen.
- Pflege- oder Aufstehbett: Ein Aufstehbett ermöglicht Aufstehen, Hinlegen und Beine ins Bett heben ohne weitere Hilfe. Das Aufstehbett INDREA ist hier ein Beispiel.
- Haltegriffe: Haltegriffe helfen sowohl beim Aufstehen und Umdrehen als auch beim Hinsetzen im Bett. Die Konstruktion ist sehr einfach: Sie platzieren den unteren Teil unter der Matratze, wo Sie ihn am Lattenrost verankern.
- Seitengitter: Größer als ein einfacher Haltegriff ist das Seitengitter, das sich an viele Betten montieren lässt.
- Boden-Decken-Stange: Wenn ein Griff am Bett zu unbequem scheint oder sich nicht montieren lässt, kann eine Boden-Decken-Stange zum Einsatz kommen. Diese Teleskopstange lässt sich zwischen Boden und Decke des Zimmers einspannen. Solche Boden-Decken-Stangen lassen sich mit Haltegriffen ausstatten, sodass Sie sich daran hochziehen können.
- Bettleiter oder Trapezgriff: Die Bettleiter oder der Trapezgriff sind fest am Fußende des Bettes verankert.
- Bettgalgen: Bettgalgen gibt es in verschiedenen Ausführungen. Namensgebend ist die Metallstange mit Griff. Andere Modelle lassen sich an der Wand oder Decke montieren. Bei allen hilft der herabhängende Griff, sich im Bett hochziehen und wieder herunterlassen.
Aufstehhilfen für Stühle, Sessel und Sofas
- Katapultsitz: Die Sitzauflagen lassen sich gut transportieren und eignen sich als Aufstehhilfe für verschiedene Sessel oder Stühle. Die Sitzgelegenheit sollte allerdings Armlehnen haben, sodass Sie oder Ihr Angehöriger sich festhalten können und nicht das Gleichgewicht verlieren. Personen werden sanft angehoben, sodass sie mit wenig Kraft in einen stabilen Stand kommen.
- Sitzkissen: Es gibt extra hohe Sitzkissen mit einer festen Füllung. So sitzen Sie stabil und einfach etwas höher.
- Pflegesessel: Es gibt heute sehr komfortable Pflegesessel, die mit vielen Funktionen ausgestattet sind. Einige haben Rollen, so dass die Pflegepersonen den Sessel samt Insassen leicht von Zimmer zu Zimmer rollen können.
- Sessel mit Unterkonstruktion: Ein kleiner Motor bewegt dann Ihren Sessel sanft und langsam nach vorn, sodass Sie wie von selbst zum Stehen kommen.
- Untergestell für Sofas: Dabei wird ein Untergestell unter dem Sitzmöbel eingeklemmt und ein Griff sorgt für den sicheren Halt beim Aufstehen. Einige Modelle bieten sogar ein Tablett als Ablagemöglichkeiten für ein Glas oder Snacks.
- Dreh-/ Sitz- und Aufstehbett Rotadorm: Behindertengerechte Betten mit Sitz- und Aufrichtfunktion sind stufenlos motorisch verstellbar. Die Ausstattung umfasst eine mehrfach verstellbare Liegefläche mit Einstellmöglichkeiten von Kopf- und Fußteil.
Aufstehhilfen für Bad und Toilette
- Haltegriffe: Viele Haltegriffe lassen sich mittlerweile ganz ohne Bohren und Dübeln anbringen. Neben der Badewanne angebracht, kann sie auch hier eine sinnvolle Hilfe sein.
- Badewannenlifter: Weitere Hilfen für die Badewanne sind Badewannenlifter. Manchmal lohnt es sich auch, gleich sein ganzes Badezimmer barrierefrei umbauen zu lassen.
- Sitzerhöhung für das WC: Eine einfache Lösung für Menschen, die noch einigermaßen mobil sind, ist die Sitzerhöhung für das WC. Dafür wird einfach die vorhandene Klobrille erhöht.
- Drehsitz für die Badewanne: Der Betroffene setzt sich auf den Drehsitz und schwenkt ihn dann um 90° in die Badewanne.
Weitere Hilfsmittel
- Hebekissen: Wer sich allerdings weh getan hat, dem können Hebekissen als Aufstehhilfe vom Boden dienen.
- VELA-Stuhl: Der VELA-Stuhl erlaubt es parkinsonkranke Personen, einfacher durch das Haus zu bewegen. Im Stuhl sitzen Sie ergonomisch und können die Funktionen leicht bedienen. Für optimale Selbsthilfe in den eigenen vier Wänden.
Vorteile von Aufstehhilfen
Der Einsatz von Aufstehhilfen bietet zahlreiche Vorteile für Parkinson-Patienten und ihre Angehörigen:
- Mehr Selbstständigkeit: Betroffene können sich selbstständiger bewegen und Aktivitäten ausführen.
- Erhöhte Sicherheit: Aufstehhilfen reduzieren das Sturzrisiko und geben Sicherheit beim Aufstehen und Hinsetzen.
- Entlastung der Pflegepersonen: Aufstehhilfen erleichtern die Pflege und reduzieren die körperliche Belastung der Pflegepersonen.
- Verbesserte Lebensqualität: Mehr Selbstständigkeit und Sicherheit tragen zu einer höheren Lebensqualität bei.
- Eigenmobilisierung schafft gesundheitliche Erleichterung: Ständig bettlägerige Menschen profitieren davon, dass sie sich selbst regelmäßig neu positionieren und mobilisieren können. Veränderte Sitz- und Liegepositionen stärken das Herz-/Kreislaufsystem, entlasten die Lunge und lassen freier atmen und können die Dekubitusgefahr reduzieren.
- Mehr Unabhängigkeit: Mehr Unabhängigkeit bekommen z.B. auch Betroffene die noch selbstständig mit einer Gehilfe zur Toilette gehen, oder sich ein Glas Wasser aus der Küchen holen können, aber nicht mehr alleine aus dem Bett kommen. Er kann für sich entscheiden, wann er sich in der Nacht ein Glas Wasser holt. Beim nächtlichen Gang auf die Toilette müssen die Angehörigen nicht geweckt werden, und man muss nicht warten, bis jemand aus dem Bett hilft.
- Freie Entscheidung: Der Betroffene kann frei entscheiden, wann er aufsteht oder zu Bett geht. Er ist somit nicht mehr auf den Zeitplan des Pflegedienstes oder der Angehörigen angewiesen.
- Geringere Pflegekosten: Je weniger Pflegezeit notwendig, umso geringer die Pflegekosten.
- Länger selbstständig und unabhängig in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben.
Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Aufstehhilfen sind im Hilfsmittelverzeichnis gelistet, sodass in der Regel die Kranken- oder Pflegeversicherung für die Kosten aufkommt. Durch Hilfsmittelnummern werden verordnungsfähige und zuschussfähige Hilfsmittel mit einer zehnstelligen Positionsnummer definiert. Die Grundlage bildet das Hilfsmittelverzeichnis der GKV (Spitzenverband Bund der Krankenkassen). Durch die Hilfsmittelnummer wird das eingetragene Produkt eindeutig zugeordnet, um Verwechslungen auszuschließen.
Doch auch wenn ein bestimmtes Modell nicht im Verzeichnis auftaucht, haben Sie Chancen auf Kostenübernahme - soweit sie nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens angesehen werden. In manchen Fällen bewilligt die Krankenkasse zwar eine Aufstehhilfe, womöglich sogar den begehrten Sessel mit Fernbedienung, doch das kooperierende Sanitätshaus hält nur Standardware bereit. Sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse. Manchmal zahlen Krankenkassen bis zu 50 Prozent dazu, wenn Sie auf eigene Kosten Ihr Wunschprodukt ordern.
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Für Pflegehilfsmittel benötigen Sie kein ärztliches Rezept, aber einen Pflegegrad. Sie erhalten mit dem Kauf einer Aufstehhilfe meist auch einen Wartungsplan vom Hersteller. Die Kosten für die Reparatur und Wartung trägt die Krankenkasse. Es sei denn, Sie haben Ihre Aufstehhilfe komplett selbst bezahlt.
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