Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, von der Menschen jeden Alters betroffen sein können. Kinder und Jugendliche mit Epilepsie benötigen eine umfassende Unterstützung durch Familie und Freunde. Während leichtere Formen der Epilepsie das Leben kaum beeinträchtigen, können häufige Anfälle Kinder und ihre Familien stark belasten. Die Angst vor Anfällen kann allgegenwärtig sein und Fragen aufwerfen: Ist Sport noch möglich? Wie soll die Schule mit der Erkrankung umgehen? Dieser Artikel beleuchtet die Risiken und gibt Empfehlungen für den Umgang mit Epilepsie im Zusammenhang mit Sport, insbesondere Fußball, sowie weitere wichtige Aspekte des Lebens mit dieser Erkrankung.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen. Das Hauptsymptom ist der epileptische Anfall, der unterschiedliche Formen annehmen kann. Etwa zehn Prozent der Menschen erleben im Laufe ihres Lebens einen epileptischen Anfall, wobei etwa fünf Prozent an Epilepsie erkranken. Bei diesen Personen treten wiederholt Anfälle auf, wenn die Erkrankung nicht behandelt wird.
Ursachen und Auslöser
Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig. Es gibt einen Häufigkeitsgipfel im Kleinkindalter und im höheren Alter (ab 60 Jahren). Nicht jeder Anfall bedeutet jedoch gleich Epilepsie. Faktoren wie Schlafmangel, Alkoholkonsum oder andere akute Erkrankungen können Anfälle auslösen.
Epileptische Anfälle entstehen durch eine plötzliche Entladung von Gehirnzellen. Das Gehirn besteht aus etwa 80 Milliarden Zellen, die miteinander in Verbindung stehen. Ein "Kurzschluss" in diesen Zellen kann zu einem Anfall führen. Grundsätzlich können alle Bereiche des Gehirns epileptische Anfälle auslösen, was zu unterschiedlichen Symptomen wie Geruchs-, Geschmacks- oder Sehstörungen führen kann.
Formen von Anfällen
Man unterscheidet fokale (herdförmige) und generalisierte Anfälle. Fokale Anfälle gehen von einer bestimmten Region im Gehirn aus, während generalisierte Anfälle das gesamte Gehirn betreffen. Einige Anfälle kündigen sich durch eine Aura an, ein Vorgefühl oder eine schwer beschreibbare Sensation.
Lesen Sie auch: Kann ein Anfall tödlich sein?
Genetische Veranlagung
Epilepsie selbst ist nicht direkt vererbbar, aber die Neigung zu Anfällen kann genetisch bedingt sein. Es gibt auch genetische Erkrankungen, die mit Epilepsie einhergehen können, wie das Landau-Kleffner-Syndrom oder Trisomie 21.
Weitere Risikofaktoren
Verletzungen des Gehirns, wie Schlaganfälle, Tumore oder Schädel-Hirn-Traumata, können ebenfalls Epilepsie verursachen. Ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus und Alkoholkonsum können Anfälle begünstigen.
Erste Hilfe bei einem Anfall
Die meisten epileptischen Anfälle sind nach kurzer Zeit vorüber und ungefährlich. Dennoch ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und folgende Maßnahmen zu ergreifen:
- Auf die Uhr schauen und die Dauer des Anfalls notieren.
- Das Kind vor Verletzungen schützen.
- Das Kind nicht festhalten und nichts in den Mund stecken.
- Das Kind nicht allein lassen und ihm nach dem Anfall beistehen.
- Bei Bedarf Hilfe holen und die 112 wählen.
Es ist ratsam, dass das Kind einen Epilepsie-Notfallausweis mitführt, der Informationen zu Medikamenten und Notfallkontakten enthält. Bei den ersten Anfällen sollte der Anfall möglichst genau beobachtet werden, um ihn dem Arzt beschreiben zu können.
Sport und Epilepsie: Eine Gratwanderung
Was Kinder oder Jugendliche mit Epilepsie unternehmen können, ist sehr individuell. Die meisten Sportarten sind möglich, solange keine anderen gesundheitlichen Einschränkungen vorliegen. Einschränkungen sind nur bei hohem Verletzungsrisiko unvermeidlich. Übervorsichtigkeit kann das Selbstwertgefühl schwächen. Es ist ratsam, sich ärztlich beraten zu lassen, welche Aktivitäten geeignet sind.
Lesen Sie auch: Cortison-Therapie bei Epilepsie im Detail
Risikobewertung verschiedener Sportarten
Einige Sportarten sind aufgrund der Unfallgefahr während eines Anfalls weniger geeignet, wie Schwimmen oder Klettern. Beim Schwimmen sollte das Kind gut beaufsichtigt werden und Schwimmhilfen tragen. Tauchsport ist erst nach mehrjähriger Anfallsfreiheit möglich. Bei regelmäßigen Anfällen ist ein Kopfschutz beim Sport wichtig.
Fußball: Risiken und Vorsichtsmaßnahmen
Fußball ist grundsätzlich eine Sportart, die für Menschen mit Epilepsie in Betracht gezogen werden kann. Allerdings sollten einige Aspekte beachtet werden:
- Kopfballspiel: Wiederholter Kopfkontakt kann ein Risikofaktor sein. Hier sollte individuell entschieden werden, ob das Kopfballspiel eingeschränkt werden sollte.
- Erschöpfung: Überanstrengung kann Anfälle begünstigen. Auf ausreichend Pausen und Flüssigkeitszufuhr achten.
- Medikation: Bei Medikamentenumstellung oder Absetzen der Medikamente ist Vorsicht geboten.
Empfehlungen für sportliche Betätigung
- Ärztliche Beratung: Vor Aufnahme einer sportlichen Aktivität sollte immer ein Arzt konsultiert werden.
- Individuelle Risikobewertung: Sportart, Anfallstyp und -häufigkeit sowie Medikation müssen berücksichtigt werden.
- Aufsicht: Bei risikoreichen Sportarten ist eine Aufsichtsperson wichtig.
- Vermeidung von Auslösern: Unterzuckerung, Überhitzung, Flüssigkeitsmangel und Lichteinwirkung vermeiden.
Positive Effekte von Sport
Regelmäßige sportliche Betätigung kann sich positiv auf die Anfallsfrequenz und die Lebensqualität auswirken. Eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining ist sinnvoll. Sport kann auch das Selbstbewusstsein stärken, die soziale Einbindung verbessern und die allgemeine körperliche Gesundheit fördern. Zudem wirkt sich Sport positiv auf psychiatrische Komorbiditäten wie Depressionen und Angststörungen aus.
Schule und Epilepsie
Es ist wichtig, dass Erzieher und Lehrer über die Epilepsie informiert sind und wissen, was bei einem Anfall zu tun ist. Je besser sie sich auskennen, desto gelassener können sie mit dem Kind umgehen. Dies gilt auch für weniger auffällige Anfallsformen (Absencen), die sonst als "Träumerei" missdeutet werden könnten.
Häufige Anfälle oder Medikamente können die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und unkonzentriert, müde oder nervös machen. Manche Kinder haben Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Kindern oder Lehrkräften. Um Ausgrenzung zu vermeiden, ist eine gute Unterstützung in der Schule wichtig.
Lesen Sie auch: Ein umfassender Leitfaden zur idiopathischen generalisierten Epilepsie
Schulische Unterstützung
Die meisten Kinder mit Epilepsie können eine Regelschule besuchen und haben keinen besonderen Förderbedarf. Andere benötigen Unterstützung, z. B. beim Lernen. Neben persönlicher Betreuung in der Regelschule gibt es Förderschulen für Kinder mit besonderen Beeinträchtigungen. Es ist sinnvoll, in Schule oder Kindergarten eine schriftliche Vereinbarung zu hinterlegen.
Aufklärung der Mitschüler
Ob Mitschüler informiert werden sollten, hängt von der Situation ab. Wenn die Erkrankung gut behandelt ist und kaum Anfälle zu erwarten sind, ist es nicht unbedingt nötig. Wenn sich das Kind schämt, kann es die Krankheit für sich behalten oder nur engen Freunden erzählen. Bei regelmäßigen Anfällen ist es jedoch besser, die anderen Kinder aufzuklären.
Berufswahl und Epilepsie
Es gibt nur wenige Berufe, die Menschen mit Epilepsie grundsätzlich nicht ausüben können, wie Pilot oder Busfahrer. Berufe, bei denen man sich oder andere gefährden könnte, sollten vermieden werden. Nähere Informationen hierzu geben die Richtlinien der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.
Wenn jemand längere Zeit anfallsfrei ist, kommen die meisten Berufe infrage. Dies kann die regelmäßige Einnahme von Medikamenten voraussetzen. Auch bei Anfällen nur im Schlaf oder leichten Anfällen, die die Tätigkeit nicht beeinflussen, sind die meisten Berufe möglich.
Beratung und Unterstützung
Es ist wichtig, sich rechtzeitig vor Schulabschluss mit der Berufswahl zu beschäftigen. Ärztliche Beratung oder eine Epilepsie-Beratungsstelle können helfen. Auch die Bundesagentur für Arbeit kann beraten und Unterstützungsleistungen anbieten.
Studium und Ausbildung
Viele Menschen mit Epilepsie studieren. Sie können Unterstützungsmöglichkeiten wie Härtefallanträge und Nachteilsausgleiche in Anspruch nehmen.
Offenlegung der Epilepsie am Arbeitsplatz
Ob man den Arbeitgeber über die Epilepsie informieren muss, hängt von den Tätigkeiten ab. Wenn bestimmte Tätigkeiten wegen der Erkrankung nicht ausgeübt werden können, ist eine Information nötig. Ansonsten hat der Arbeitgeber kein Recht, über die Epilepsie informiert zu werden. Es besteht die Möglichkeit, mit dem betriebsärztlichen Dienst zu sprechen, der der Schweigepflicht unterliegt.
Es wird empfohlen, die Epilepsie nicht in Bewerbungsunterlagen zu erwähnen, sondern im persönlichen Gespräch zu erklären. Wer unsicher ist, kann sich vor einer Bewerbung beraten lassen.
Führerschein und Epilepsie
Ob man mit Epilepsie den Führerschein machen kann, muss ein Arzt beurteilen. Eine Fahrerlaubnis kann nur erhalten, wer längere Zeit anfallsfrei geblieben ist und voraussichtlich keinen Anfall während des Autofahrens bekommt. Die Wartezeit hängt von der Epilepsieform und dem Krankheitsverlauf ab. Oft genügt ein Jahr Anfallsfreiheit.
Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahreignung
Die Beurteilung der Fahrtauglichkeit erfolgt in Deutschland anhand der Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahreignung. Diese unterscheiden zwischen den Gruppen 1 (z. B. PKW für den Privatgebrauch) und 2 (z. B. LKW, Bus). Die Anforderungen an die Anfallsfreiheit sind in Gruppe 2 höher.
Anfallsfreiheit und Fahrtauglichkeit
Nach einem unprovozierten ersten Anfall kann die Kraftfahreignung in Gruppe 1 nach einer anfallsfreien Zeit von 6 Monaten wieder gegeben sein. Bei einem provozierten Anfall (z. B. durch Schlafmangel) beträgt die anfallsfreie Zeit 3 Monate. Bei der Diagnose Epilepsie ist eine mindestens einjährige Anfallsfreiheit Voraussetzung für die Fahrtauglichkeit.
Weitere Unterstützungsmöglichkeiten
Neben der medizinischen Behandlung ist die Unterstützung in der Schule oder zu Hause wichtig. Es gibt verschiedene Angebote:
- Frühförderstellen: Unterstützen Familien medizinisch, psychologisch, bei der Erziehung und im Alltag.
- Sozialpädiatrische Zentren (SPZ): Bieten medizinische und therapeutische Unterstützung bei chronischen Erkrankungen, Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsstörungen.
- Selbsthilfegruppen: Bieten Austausch mit anderen Betroffenen und Informationen über den Umgang mit der Erkrankung.
- Epilepsie-Beratungsstellen: Beraten, informieren und unterstützen Betroffene und ihre Familien.
- Pflegedienste: Bieten dauerhafte oder kurzfristige pflegerische Unterstützung.
- Familienentlastende Dienste (FED): Betreuen und begleiten erkrankte und hilfebedürftige Kinder im Alltag.
- Integrationshilfe: Begleitet und unterstützt das Kind im Kindergarten oder in der Schule.
- Lerntherapie: Bei Lernschwierigkeiten möglich.
- Antrag auf Schwerbehinderung: Kann zusätzliche Unterstützungsleistungen ermöglichen.
Epilepsie und Schwangerschaft
Etwa 1 % aller Schwangeren leiden an Epilepsie. Die Mehrzahl dieser Schwangerschaften verläuft komplikationslos und es werden gesunde Kinder geboren. Eine Epilepsie stellt also in der Regel keinen Grund dar, auf Kinder zu verzichten.
Vererbungsrisiko
Das durchschnittliche Risiko einer Vererbung bei einem betroffenen Elternteil liegt bei ca. 3 %, wobei Kinder epilepsiekranker Frauen ein etwas höheres Risiko haben.
Anfallsfrequenz während der Schwangerschaft
In den meisten Schwangerschaften bleibt die Anfallsfrequenz unverändert. Bei einigen Frauen kommt es zu einer Abnahme, bei anderen zu einer Zunahme der Anfälle. Letzteres kann durch eine Medikamentenreduktion bedingt sein.
Risiken für das Kind
Fokal zu bilateral tonisch-klonische Anfälle während der Schwangerschaft können sich wegen des damit verbundenen Sauerstoffmangels für das ungeborene Kind nachteilig auswirken. Häufige generalisiert tonisch-klonische Anfälle gehen mit einem verminderten kindlichen IQ, einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt und vermindertem Geburtsgewicht einher.
Das Risiko für Fehlbildungen bei Kindern epilepsiekranker Mütter ist mit 4-8 % etwa 2- bis 4-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung. Die aktuelle Datenlage lässt darauf schließen, dass diese Risikoerhöhung v. a. durch die antikonvulsive Medikation zustande kommt.
Antikonvulsive Medikation während der Schwangerschaft
Die mit Abstand höchste Fehlbildungsrate findet sich bei einer Medikation mit Valproat. Eine besonders negative Auswirkung hat die Einnahme von Valproat während der Schwangerschaft auf die kognitive Entwicklung der Kinder. Insgesamt ist eine antikonvulsive Polytherapie mit einem höheren Malformationsrisiko verbunden als eine entsprechende Monotherapie.
Beratung und Planung
Frauen mit Epilepsie sollten sich vor einer Schwangerschaft umfassend ärztlich beraten lassen. Es ist wichtig, die Medikation optimal einzustellen und Risiken zu minimieren.