Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle sind vorübergehende Störungen der elektrochemischen Signalübertragung im Gehirn, die durch eine plötzliche, abnormale elektrische Aktivität verursacht werden. Umgangssprachlich wird Epilepsie auch als "Fallsucht" oder "Krampfleiden" bezeichnet. Die Diagnose wird in der Regel gestellt, wenn mindestens zwei unprovozierte Anfälle aufgetreten sind.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist ein Oberbegriff für zerebrale Funktionsausfälle, die auf einer neuronalen Netzstörung beruhen. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten und äußert sich durch Anfälle, die unterschiedliche Formen annehmen können. Manche Menschen erleben nur kurze Bewusstseinsaussetzer (Absencen), während andere fokale Anfälle mit Missempfindungen, Sprachstörungen oder Zuckungen haben. In schweren Fällen kann es zu Krampfanfällen mit Sturz kommen.
Definition des epileptischen Anfalls
Ein epileptischer Anfall ist ein vorübergehendes Auftreten von subjektiven Zeichen und/oder objektivierbaren Symptomen aufgrund einer pathologisch exzessiven und/oder synchronisierten neuronalen Aktivität im Gehirn. Die Phänomenologie der Anfälle variiert beträchtlich, abhängig von Ort und Ausprägung der Anfälle.
Epilepsie-Syndrome
Neben den verschiedenen Anfallsformen gibt es auch sogenannte Epilepsie-Syndrome, wie beispielsweise das Lennox-Gastaut-Syndrom und das Dravet-Syndrom. Ein Epilepsie-Syndrom ist eine Krankheit mit dafür typischen epileptischen Anfällen und anderen typischen Merkmalen.
Ursachen von Epilepsie
Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig und nicht immer eindeutig feststellbar. In vielen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache finden. Allerdings gibt es einige mögliche Auslöser, die im Folgenden näher erläutert werden.
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Genetische Ursachen
Epilepsie kann genetisch bedingt sein. In den letzten Jahren wurden mehrere hundert Gene und Genveränderungen identifiziert, die vermutlich oder sicher eine Epilepsie (mit)verursachen. Die Mehrzahl der Fälle der idiopathischen generalisierten Epilepsien (IGE) sind polygenetische Erkrankungen, bei denen das Erkrankungsrisiko von verschiedenen genetischen Suszeptibilitätsfaktoren und Umwelteinflüssen abhängt.
Strukturelle Ursachen
Eine strukturelle Epilepsie ist mit umschriebenen pathologischen Hirnveränderungen assoziiert. Diese können erworben oder genetisch bedingt sein. Epileptogene Läsionen sind beispielsweise Hirntumore, Hirninfarkte, Kontusionsdefekte, vaskuläre Malformationen, Enzephalozelen, fokale kortikale Dysplasien, Polymikrogyrie der kortikalen Neurone, hypothalamische Hamartome oder eine Hippocampussklerose. Auch eine perinatale Hirnschädigung, oft infolge von Sauerstoffmangel während des Geburtsvorgangs, kann eine Epilepsie verursachen.
Infektiöse Ursachen
Infektionen sind weltweit eine häufige Ursache von Epilepsie. Eine infektiöse Ätiologie bezieht sich auf Patienten mit Epilepsie und nicht auf Patienten, die Anfälle im Verlauf einer akuten Infektion erleiden. Typische Beispiele sind Neurozystizerkose, Tuberkulose, HIV, zerebrale Malaria, subakute sklerosierende Panenzephalitis, zerebrale Toxoplasmose und kongenitale Infektionen. Zudem sind post-infektiöse Entwicklungen einer Epilepsie möglich, beispielsweise nach einer viralen Enzephalitis.
Metabolische Ursachen
Eine metabolisch verursachte Epilepsie ist die direkte Folge einer Stoffwechselstörung, die epileptische Anfälle als Kernsymptomatik aufweist. Es wird angenommen, dass die meisten metabolisch bedingten Epilepsien einen genetischen Hintergrund haben und nur selten erworben sind.
Immunologische Ursachen
Eine immunologische Epilepsie ist auf eine autoimmun vermittelte Entzündung des ZNS zurückzuführen. Hierzu gehören vor allem die Kalium-Kanal-Antikörper (LGI1)-bedingte limbische Enzephalitis und die NMDA-Rezeptor-Antikörper assoziierte Enzephalitis.
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Weitere mögliche Ursachen
Weitere mögliche Ursachen für Epilepsie sind:
- Schädel-Hirn-Trauma
- Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt
- Durchblutungsstörungen
- Akute Krankheiten
- Hirnhautentzündungen und Gehirnentzündungen
Unbekannte Ursachen
Neben den genannten Ursachen gibt es auch Fälle, in denen die Ursache der Epilepsie unbekannt bleibt.
Symptome von Epilepsie
Epileptische Anfälle können sich auf verschiedene Arten äußern. Die Symptome hängen von der Art des Anfalls und dem betroffenen Hirnbereich ab.
Anfallstypen
Die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) unterscheidet grundsätzlich zwischen Anfällen mit fokaler, generalisierter oder unbekannter Ausbreitung. Darüber hinaus werden diese in Formen mit motorischen und nicht-motorischen Bewegungsstörungen eingeteilt. Bei fokal beginnenden Anfällen wird zusätzlich unterschieden, ob der Patient bei Bewusstsein ist oder nicht.
Generalisierte Anfälle
Generalisierte Anfälle betreffen von Beginn an beide Gehirnhälften. Es gibt verschiedene Arten von generalisierten Anfällen:
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- Tonisch-klonische Anfälle (Grand-mal-Anfälle): Bei diesen Anfällen kommt es zu einem Sturz, Bewusstlosigkeit, Versteifung des Körpers (tonische Phase) und anschließenden Zuckungen (klonische Phase). Weitere typische Symptome sind bläuliche Hautverfärbungen, Einnässen, Speichelaustritt und Bissverletzungen an der Zunge.
- Absencen: Eine sehr milde Form des generalisierten Anfalls ist die Absence, die oft als "Verträumtheit" oder "Aussetzer" verkannt wird. Dabei setzt das Bewusstsein kurz aus und die Betroffenen halten in ihrer momentanen Tätigkeit inne. Manchmal zucken die Augenlider leicht.
- Myoklonische Anfälle: Kurze, unwillkürliche Muskelzuckungen.
- Atonische Anfälle: Plötzlicher Verlust des Muskeltonus, der zu Stürzen führen kann.
Fokale Anfälle
Fokale Anfälle beginnen in einem begrenzten Bereich des Gehirns. Die Symptome hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.
- Fokale Anfälle mit motorischen Symptomen: Diese Anfälle können sich durch Zuckungen, Verkrampfungen oder Automatismen äußern.
- Fokale Anfälle ohne motorische Symptome: Diese Anfälle können sich durch Missempfindungen, Halluzinationen, Angstgefühle oder kognitive Störungen äußern.
- Fokale Anfälle mit Bewusstseinsstörung: Bei diesen Anfällen ist das Bewusstsein beeinträchtigt. Die Betroffenen können verwirrt sein oder die Umgebung nicht mehr wahrnehmen.
Nicht-epileptische Anfälle (PNEA)
Psychogene nichtepileptische Anfälle (PNEA) sind Anfälle, die epileptischen Anfällen ähneln, aber psychische Ursachen haben. Mögliche Ursachen sind traumatische Erlebnisse oder belastende Lebensumstände. Gegen PNEA helfen Psychoedukation und Psychotherapie, während Antiepileptika wirkungslos sind.
Prodromi und Auren
Ähnlich wie bei einer Migräne können bestimmte Symptome einen Anfall ankündigen. Prodromi sind Vorboten eines Anfalls, wie z.B. Reizbarkeit, Appetitlosigkeit oder Niedergeschlagenheit. Auren sind bewusst erlebte nicht motorische fokale Anfälle, z.B. mit verzerrter Wahrnehmung, Angstgefühlen, depressiver Stimmung oder unangenehmen körperlichen Gefühlen.
Status epilepticus
Ein Status epilepticus ist einNotfall, bei dem ein epileptischer Anfall länger als fünf Minuten andauert oder mehrere Anfälle kurz hintereinander auftreten, ohne dass der Betroffene zwischen den Anfällen das Bewusstsein wiedererlangt. Er kann lebensbedrohlich sein und muss so schnell wie möglich medikamentös behandelt werden.
Diagnose von Epilepsie
Die Diagnose von Epilepsie basiert auf der Anamnese, der Beobachtung der Anfälle und verschiedenen diagnostischen Verfahren.
Anamnese und Beobachtung
Für die Diagnose ist vor allem die Vorgeschichte der Betroffenen wichtig: Wann und in welcher Situation ist der Anfall aufgetreten? Wie ist er verlaufen? Oft können sich Betroffene selbst nicht gut an den Anfall erinnern. Dann ist es hilfreich, wenn jemand, der den Anfall miterlebt hat, den Betroffenen zur Untersuchung begleitet. Die Begleitperson kann beschreiben, wie und mit welchen Symptomen der Anfall aufgetreten ist.
Elektroenzephalographie (EEG)
Das Elektroenzephalogramm (EEG) ist eine wichtige Untersuchung zur Diagnose von Epilepsie. Dabei werden die Hirnströme gemessen. Bestimmte Muster deuten auf ein erhöhtes Anfallsrisiko hin.
Magnetresonanztomographie (MRT)
Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann helfen herauszufinden, ob sich im Gehirn Veränderungen zeigen, die die Anfälle auslösen könnten.
Weitere Untersuchungen
Je nach Bedarf können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, wie z.B. eine Blutuntersuchung oder eine Lumbalpunktion (Entnahme von Hirnwasser).
Behandlung von Epilepsie
Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie mit Antiepileptika ist die häufigste Behandlungsform bei Epilepsie. Es gibt verschiedene Antiepileptika mit unterschiedlichen Wirkmechanismen. Die Wahl des Medikaments hängt von der Art der Epilepsie, dem Alter des Patienten und anderen Faktoren ab.
Chirurgische Therapie
Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Es gibt verschiedene operative Verfahren, die je nach Ursache und Lokalisation der Epilepsie eingesetzt werden können.
- Resektive Chirurgie: Entfernung des epileptogenen Fokus (des Bereichs im Gehirn, der die Anfälle auslöst).
- Funktionelle Chirurgie: Unterbrechung der Ausbreitung der Anfälle durchtrennen.
- Vagusnervstimulation: Stimulation des Vagusnervs durch einen implantierten Generator.
Ketogene Diät
Die ketogene Diät ist eine spezielle Form der Ernährung, die reich an Fett und arm an Kohlenhydraten ist. Sie kann bei manchen Formen von Epilepsie, insbesondere bei Kindern, die Anfallshäufigkeit reduzieren.
Psychotherapie
Eine begleitende Psychotherapie kann sinnvoll sein, um mit der Erkrankung zurechtzukommen und die Lebensqualität zu verbessern.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Bei einem epileptischen Anfall ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und den Betroffenen vor Verletzungen zu schützen.
Was tun?
- Betroffene Person auf den Boden legen, um einem Sturz vorzubeugen.
- Gegenstände entfernen, die zu Verletzungen oder Gefahren führen könnten.
- Seltsame Körperhaltungen und freie Zuckungen ermöglichen und möglichst Platz dafür schaffen.
- Nicht versuchen, den Anfall zu beeinflussen oder zu beenden.
- Auf die Uhr schauen und Notfallmedikamente erst nach der ärztlich angegebenen Zeit geben.
- Dauer und Begleiterscheinungen des Anfalls beobachten.
- Auf die Augen achten: Sind sie geschlossen, offen, starr oder verdreht?
- Nach dem Anfall unbedingt dabeibleiben, bis die betroffene Person wieder vollständig orientiert ist.
Wann den Notruf wählen?
- Wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert.
- Wenn mehrere Anfälle kurz hintereinander auftreten.
- Wenn der Mensch vorher noch nie einen epileptischen Anfall hatte.
- Nach dem 3. Anfall einer Anfallsserie.
- Bei Verletzungen bzw. Komplikationen.
Leben mit Epilepsie
Epilepsie kann den Alltag der Betroffenen beeinflussen. Es ist wichtig, Auslöser zu kennen und zu meiden. Fahreignung und Arbeitssicherheit müssen ärztlich geprüft werden.
Risiken und Vorsichtsmaßnahmen
Epileptische Anfälle können zu Verletzungen und sogar zum Tod führen. Außerdem besteht ein gewisses Risiko, bei einem Status epilepticus oder durch SUDEP (sudden unexpected death in epilepsy) zu versterben oder Langzeitschäden davon zu tragen.
Hilfsmittel und Unterstützung
Es gibt verschiedene Hilfsmittel und Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Epilepsie, wie z.B.:
- Epilepsie-Überwachungsgeräte
- Sturzmelder
- Epilepsie-Hunde
- Selbsthilfegruppen
- Epilepsie-Beratungsstellen
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