Eppendorfer Parkinson Tag: Aktuelle Einblicke und Fortschritte in der Parkinson-Forschung und -Behandlung

Parkinson, mit bis zu 400.000 Betroffenen allein in Deutschland eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems, steht im Fokus des jährlichen Welt-Parkinson-Tages am 11. April. Dieser Artikel fasst aktuelle Informationen und Entwicklungen zusammen, die im Zusammenhang mit Veranstaltungen wie dem "Eppendorfer Parkinson Tag" und ähnlichen Initiativen relevant sind.

Parkinson: Eine weit verbreitete neurodegenerative Erkrankung

Parkinson ist nach Alzheimer die weltweit zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Im Kern der Erkrankung sterben spezielle Nervenzellen im Gehirn ab, was zu einem Mangel an Dopamin führt. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der zusammen mit anderen Botenstoffen die Bewegungssteuerung beeinflusst. Der Dopaminmangel stört das Zusammenspiel dieser Botenstoffe und führt zu einer Reihe von Symptomen.

Symptome von Parkinson

Die Symptome von Parkinson lassen sich in motorische und nicht-motorische Symptome unterteilen.

  • Motorische Symptome: Steifigkeit, Bewegungsverlangsamung (Bradykinese), Zittern (Tremor) und Gleichgewichtsstörungen.
  • Nicht-motorische Symptome: Depressionen, Gedächtnisstörungen, Schmerzen, Blasenstörungen und Schwindel.

Es ist wichtig zu beachten, dass bereits bis zu zehn Jahre vor dem Auftreten der ersten motorischen Probleme Frühzeichen auftreten können. Dazu gehören eine Geruchsminderung (Hyposmie), Verstopfung oder eine nächtliche Schlafverhaltensstörung mit Treten und Schreien (REM-Schlaf-Verhaltensstörung).

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen von Parkinson sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass sowohl Umwelteinflüsse als auch genetische Faktoren eine Rolle spielen können. Ein erhöhtes genetisches Risiko ist wahrscheinlich, wenn viele Familienmitglieder betroffen sind und die Erkrankung bereits vor dem 50. Lebensjahr auftritt. Wenn jedoch beispielsweise nur ein Großelternteil betroffen ist, lässt dies keinen Rückschluss auf ein erhöhtes eigenes Risiko zu.

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Moderne Behandlungsmethoden

Die moderne Behandlung der Parkinson-Erkrankung ist multimodal und umfasst medikamentöse, interventionelle und bewegungstherapeutische Ansätze wie Physiotherapie. Die Therapie wird individuell an das jeweilige Krankheitsstadium angepasst. Patient:innen mit fortgeschrittener Erkrankung benötigen in der Regel eine intensivere Therapie als Patient:innen im frühen Stadium.

Medikamentöse Therapie

Die zentrale Säule der medikamentösen Therapie ist die dopaminerge Therapie. Ziel ist es, den gestörten Dopaminstoffwechsel im Gehirn wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreicht, um eine gleichmäßige Beweglichkeit über den Tag zu gewährleisten, ein Zittern zu behandeln oder wenn bestimmte medikamentöse Nebenwirkungen auftreten, kann ein neurochirurgischer Eingriff mittels der sogenannten Tiefen Hirnstimulation (THS) helfen. Bei diesem Eingriff werden zwei hauchdünne Elektroden in bestimmte, tiefliegende Hirnareale eingesetzt, die hochfrequent kurze elektrische Impulse abgeben. Diese Impulse führen funktionell zu einer Hemmung der Hirnkerne. Die genauen Wirkmechanismen sind jedoch noch nicht vollständig geklärt. Die THS kann im Verlauf stets angepasst und nachjustiert werden.

Tag der offenen Tür in der Parkinson-Tagesklinik des UKE

Die Parkinson-Tagesklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) lädt regelmäßig Interessierte, Patient:innen und Angehörige zu einem Tag der offenen Tür ein. Bei diesen Veranstaltungen stellt sich das interdisziplinäre Tagesklinik-Team vor und gibt Einblicke in das breite Behandlungsangebot der Tagesklinik. Die Tagesklinik bietet Betroffenen ein teilstationäres Behandlungsangebot an, das regelmäßige ärztliche Visiten und Kontakte mit dem speziell ausgebildeten Parkinson-Behandlungsteam sowie Physiotherapie, Logotherapie, Ergotherapie, Ernährungsberatung durch den Sozialdienst sowie Stimm- und Schluckdiagnostik umfasst.

Kickboxen als Therapieergänzung: Das Projekt "Kick-Parkinson"

In den letzten Jahren hat die Bedeutung von Kickboxen für Menschen mit Parkinson zunehmend an Bedeutung gewonnen. Beate Schönwald, die Leiterin des Projekts „Kick-Parkinson“, wurde durch die Erfolge von Box- und Kampfsportprogrammen für Parkinson-Patienten in den USA inspiriert. Die positive Resonanz auf diese Programme motivierte Schönwald, eine ähnliche Initiative in Deutschland zu starten.

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Kickboxen für Menschen mit Parkinson bietet zahlreiche Vorteile. Die koordinierten Bewegungen und die intensive körperliche Betätigung können dazu beitragen, die Symptome der Krankheit zu lindern. Durch das Training werden motorische Fähigkeiten verbessert, die Muskulatur gestärkt und das Gleichgewicht geschult. Die Unterstützung durch das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und die Förderung durch die Hilde-Ulrichs-Stiftung sind wichtige Schritte, um das Projekt „Kick-Parkinson“ voranzutreiben und mehr Menschen mit Parkinson die Möglichkeit zu geben, von den positiven Effekten des Kickboxens zu profitieren.

Weitere vielversprechende Forschungsansätze

Neben den etablierten Behandlungsmethoden gibt es eine Reihe von vielversprechenden Forschungsansätzen, die neue Perspektiven für die Behandlung von Parkinson eröffnen.

Stammzelltherapie

Im Frühjahr 2025 wurden bahnbrechende Studien zur Stammzelltherapie bei Parkinson veröffentlicht. Implantierte Dopaminzellen aus Stammzellen zeigten erstmals nachhaltige Wirkung - ohne schwere Nebenwirkungen.

Parkinson-Netzwerke

Parkinson-Netzwerke vernetzen Ärztinnen, Therapeutinnen, Pflegekräfte und Selbsthilfe über alle Grenzen hinweg. Sie sorgen für bessere Versorgung, schnelleren Informationsaustausch und mehr Lebensqualität für Betroffene.

Kupfer-Ausgleich

Australische Forschende haben gezeigt, dass ein gezielter Kupfer-Ausgleich bei Mäusen die SOD1-Fehlfunktion korrigieren und Beweglichkeit zurückbringen kann.

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Nieren als Auslöser?

Auch die Frage, ob die Nieren Auslöser von Parkinson sein könnten, wird derzeit erforscht.

Veranstaltungen und Selbsthilfe

Neben den medizinischen und therapeutischen Angeboten spielen Veranstaltungen und Selbsthilfegruppen eine wichtige Rolle für Menschen mit Parkinson und ihre Angehörigen.

JuPa-Gruppe Niedersachsen-Mitte

Die JuPa-Gruppe Niedersachsen-Mitte der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V. bietet regelmäßige Treffen und Workshops an. Zu den Themen gehören unter anderem:

  • Kickboxen mit Beate Schönwald
  • Vorträge über die Umkehrung von Parkinson-Symptomen ohne L-Dopa
  • Ernährung bei Parkinson
  • Life Kinetik - Fitness fürs Gehirn
  • Merkfähigkeit steigern
  • Stress und Kommunikation in der Partnerschaft
  • Bewegungslabor
  • Lesungen
  • Neuropsychiatrische Symptome bei Parkinson
  • Neue Medikamentenpumpen für die Parkinsonerkrankung
  • Neue Behandlungsmethoden bei Parkinson: Stammzellentherapie

Bewegte Angelegenheiten - Der Podcast der Parkinson Stiftung

Der Podcast "Bewegte Angelegenheiten" der Parkinson Stiftung informiert regelmäßig über neue Aspekte von Therapie, Forschung und Erkrankungsalltag. Moderatorin Claudia Eyd, selbst an Parkinson erkrankt, hat ein besonderes Gespür für relevante Fragen und hilfreiche Tipps zum besseren Umgang mit der Erkrankung im Alltag.

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