"Er fickt mein Gehirn raus": Eine Auseinandersetzung mit Beziehungsstreits und ihren Grenzen

Beziehungsstreits sind ein unvermeidlicher Bestandteil des Zusammenlebens. Sie können sich wie das Ausbürsten einer verknoteten Mähne anfühlen, schmerzhaft und kompliziert. Doch wie weit dürfen wir in einem Streit gehen? Gibt es Grenzen, die niemals überschritten werden sollten? Dieser Artikel beleuchtet die Dynamik von Beziehungsstreits, ihre Ursachen und Konsequenzen, und gibt Anregungen für einen konstruktiven Umgang mit Konflikten.

Streit als notwendiges Übel

Die Psychotherapeutin Esther Perel betont, dass Streiten innerhalb einer Partnerschaft ein "Muss" ist. Expert:innen sind sich einig, dass ein gewisses Maß an Konfrontation im Umgang mit ungelösten Problemen ein gesunder, unvermeidlicher und entscheidender Bestandteil jeder Beziehung ist. Beziehungen, in denen Konflikte vermieden werden, können langfristig Schaden nehmen.

Die rote Linie: Wann Streit schädlich wird

Gleichzeitig sind sich Expert:innen aber auch darin einig, dass zu häufiges Streiten auch nicht gesund ist. Wo ist also Schluss? Und wie weit können (oder sollten) wir in einem Streit gehen? Gibt es eine Grenze, die einfach niemals überschritten werden sollte? Worte, die nicht ausgesprochen werden sollten? Emotionale Granaten, die nicht abgeworfen werden sollten? Für manche Paare ist aber genau das der Sinn eines solchen Streits: einfach mal alles rauslassen.

Einige Menschen neigen dazu, im Streit verletzende Worte zu wählen. Nadine, 31, gesteht: „Ich werde total gemein. Ich greife ihn gezielt an. Ich kenne ihn so gut, dass ich weiß, wie ich ihm am meisten wehtue - indem ich ihn mit seinem Vater vergleiche. Ich weiß dabei genau, was ich tue. Es ist schlimm.“ Rachel, 27, knallt mit Türen, um ihren Partner zu verärgern. Solche Verhaltensweisen können der Beziehung und der geistigen Gesundheit schaden.

Dr. Katherine Hertlein, Paartherapeutin, warnt: „Bloß, weil solche Ausrutscher impulsiv passieren, macht sie das nicht in Ordnung. So etwas kann eurer Beziehung und geistigen Gesundheit enorm schaden.“ Die Drohung, abzuhauen oder Schluss zu machen, sollte tabu sein, da dies die Möglichkeit nimmt, in einem sicheren Umfeld alles zu sagen, was gesagt werden muss. Wenn Eskalation zur Norm wird, kann dies sogar als emotionaler Missbrauch kategorisiert werden.

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Ursachen für eskalierende Streits

Häufige und heftige Streits können ein Symptom für tieferliegende Probleme sein. Peter Saddington, Sex- und Beziehungstherapeut, erwähnt Alkohol und eine schlechte geistige Verfassung als mögliche Auslöser. Auch das erlernte Streitverhalten der Eltern kann eine Rolle spielen.

Manchmal überschreiten Menschen Grenzen, weil sie gefühlt keine andere Möglichkeit sehen. Streits sind, wie Beziehungen, eine sehr persönliche Sache. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, welche Rolle diese Auseinandersetzungen im Leben als Ganzes und in der Beziehung im Speziellen einnehmen.

Heilung nach dem Streit

Esther Perel betont, dass Beziehungen ein Kreislauf aus Harmonie, Disharmonie und Wiederherstellung sind. Es geht nicht nur ums Streiten selbst, sondern um die Heilung danach.

Peter Saddington rät, sich zunächst einzugestehen, dass man zu weit gegangen ist. „Schmerzhaftes wird nicht schnell vergessen; das müssen wir einsehen.“ Insbesondere dann, wenn das Gesagte einen Funken Wahrheit enthält. Gib deinem Gegenüber die Zeit und den Raum, den er:sie braucht. Daraufhin solltest du dir eine einfühlsame und ernst gemeinte Entschuldigung überlegen.

Streit vermeiden: Geplante Gespräche

Um Eskalationen zu vermeiden, können Paare ihre Streits vorausplanen. Anstatt zu streiten, wenn Auseinandersetzungen auf „natürliche Art“ entstehen, sammeln sie ihre Streitpunkte und sprechen zu regelmäßigen Terminen darüber. Dadurch vergeht zwischen Streitauslöser und Gespräch genug Zeit, um ruhig darüber reden zu können, Lösungen zu entwickeln und die Beziehungen so zu stärken.

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Die Rolle von Schuldgefühlen beim Fremdgehen

Ein weiterer Aspekt, der Beziehungen belasten kann, ist das Fremdgehen. Oftmals werden Affären von Schuldgefühlen begleitet, die den Ausweg aus der Situation versperren. Es ist wichtig, zwischen der Reue, den Partner verletzt zu haben, und der Bereuung des Fremdgehens an sich zu unterscheiden.

Manche Menschen bereuen das Fremdgehen nicht, sondern erinnern sich an die positiven Gefühle, die damit verbunden waren. Diese Differenzierung kann für den betrogenen Partner schwer zu akzeptieren sein.

Fremdgehen ohne Schuldgefühle?

Einige Expert:innen plädieren dafür, Schuldgefühle beim Fremdgehen loszulassen. Dies bedeutet nicht, einen Freibrief für Untreue zu erteilen, sondern die Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und ehrlich zu sich selbst zu sein.

Schuldgefühle können zu Zerrissenheit und Unaufrichtigkeit führen, während Ehrlichkeit und Offenheit die Basis für eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Situation bilden.

Die Phasen einer Affäre

Affären durchlaufen in der Regel fünf Phasen:

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  1. Das Verheimlichen eines „harmlosen Kontakts“: Der Beginn einer Affäre wird oft als harmloser Kontakt gerechtfertigt, der jedoch vor dem Partner verheimlicht wird.
  2. Die Vertiefung und Annäherung: Die Aufmerksamkeit richtet sich immer mehr auf die Affäre, während der Partner vernachlässigt wird.
  3. Die rote Linie wird überschritten: Aus einer emotionalen Affäre wird eine körperliche.
  4. Das Auffliegen der anderen Beziehung: Die Affäre kommt ans Licht, was zu Schuldgefühlen, Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten führen kann.
  5. Die Entscheidung, wie das Paar nun weiter macht: Das Paar muss entscheiden, ob es sich trennt, einen Neuanfang wagt oder die Affäre beendet.

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