Ergotherapie bei Hemiparese bei Kindern: Übungen und Innovative Ansätze

Einführung

Die Ergotherapie spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Kindern mit Hemiparese, einer halbseitigen Lähmung, die durch angeborene oder erworbene Hirnschädigungen verursacht wird. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene ergotherapeutische Ansätze, Übungen und innovative Methoden, die darauf abzielen, die motorischen Fähigkeiten betroffener Kinder zu verbessern und ihre Selbstständigkeit im Alltag zu fördern. Dabei werden sowohl traditionelle Therapieansätze als auch neue Konzepte wie das spielerische Zaubertraining im Rahmen von "Magic Moves" vorgestellt.

Grundlagen der Hemiparese bei Kindern

Hemiparese betrifft bis zu zwei von 1000 Kindern in Deutschland. Sie entsteht durch eine Schädigung des Gehirns, die zu einer Schwächung oder Lähmung einer Körperhälfte führt. Die Auswirkungen können vielfältig sein und reichen von leichten motorischen Einschränkungen bis hin zu erheblichen Beeinträchtigungen der Bewegungsfähigkeit, Koordination und sensorischen Wahrnehmung. Eine frühzeitige und umfassende ergotherapeutische Behandlung ist entscheidend, um die Entwicklung der Kinder positiv zu beeinflussen und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Traditionelle ergotherapeutische Ansätze

Befunderhebung und Zielsetzung

Zu Beginn jeder ergotherapeutischen Behandlung steht eine gründliche Befunderhebung. Dabei werden die individuellen Fähigkeiten und Defizite des Kindes analysiert, um spezifische Therapieziele festzulegen. Wichtig ist, dass diese Ziele alltagsrelevant und für das Kind motivierend sind. Eltern spielen eine zentrale Rolle bei der Zielsetzung, da sie die Bedürfnisse und Wünsche ihres Kindes am besten kennen.

Handfunktionstraining

Das Handfunktionstraining ist ein wichtiger Bestandteil der Ergotherapie bei Hemiparese. Es umfasst eine Vielzahl von Übungen und Aktivitäten, die darauf abzielen, die motorischen Fähigkeiten der betroffenen Hand zu verbessern. Dazu gehören:

  • Greif- und Halteübungen: Diese Übungen dienen dazu, die Kraft und Koordination der Handmuskulatur zu stärken. Dabei werden verschiedene Gegenstände unterschiedlicher Größe und Form verwendet.
  • Feinmotorische Übungen: Diese Übungen zielen darauf ab, die Präzision und Geschicklichkeit der Hand zu verbessern. Beispiele hierfür sind das Aufheben kleiner Gegenstände, das Einfädeln von Perlen oder das Malen und Zeichnen.
  • Bimanuelle Übungen: Diese Übungen fördern die Zusammenarbeit beider Hände. Dabei werden Aufgaben geübt, die den Einsatz beider Hände erfordern, wie z.B. das Schneiden mit Messer und Gabel oder das Öffnen und Schließen von Reißverschlüssen.

Sensorische Integration

Sensorische Integration ist ein weiterer wichtiger Aspekt der Ergotherapie bei Hemiparese. Sie zielt darauf ab, die Verarbeitung sensorischer Reize im Gehirn zu verbessern. Durch gezielte Stimulation der verschiedenen Sinne (Tastsinn, Tiefensensibilität, Gleichgewichtssinn) können Wahrnehmungsstörungen reduziert und die motorische Entwicklung gefördert werden.

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Alltagstraining

Das Alltagstraining hat zum Ziel, die Selbstständigkeit des Kindes in alltäglichen Situationen zu verbessern. Dabei werden Aufgaben geübt, die für das Kind und seine Familie von Bedeutung sind, wie z.B. das An- und Ausziehen, das Essen, die Körperpflege oder das Spielen. Durch die Anpassung der Umgebung und den Einsatz von Hilfsmitteln können diese Aufgaben erleichtert und die Selbstständigkeit des Kindes gefördert werden.

Innovative Therapieansätze

Constraint-Induced Movement Therapy (CIMT)

CIMT ist ein evidenzbasiertes Therapieverfahren, das ursprünglich für die Schlaganfalltherapie bei Erwachsenen entwickelt wurde und heute erfolgreich bei Kindern mit unilateraler spastischer Zerebralparese oder erworbener Hemiparese eingesetzt wird. Das Konzept basiert darauf, die Aktivität der betroffenen Hand gezielt herauszufordern, indem der nicht betroffene Arm durch einen Handschuh, eine Schiene oder eine Schlinge eingeschränkt wird. In Kombination mit einem funktionellen und repetitiven Training der betroffenen Hand werden die Anforderungen schrittweise erhöht (Shaping).

Bimanuelles Training

Im Gegensatz zu CIMT, das die Aktivierung der betroffenen Hand in den Vordergrund stellt, fördert das bimanuelle Training die Koordination beider Hände. Das intensive Training erfolgt spielerisch und repetitiv, wobei die tatsächliche Ausführung der Aufgaben im Vordergrund steht.

CO-OP (Cognitive Orientation to daily Occupational Performance)

CO-OP ist eine klientenzentrierte Methode, die darauf abzielt, Kinder mit Hemiparese in die Lage zu versetzen, ihre eigenen Strategien zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben zu entwickeln. Der Fokus liegt auf der Befähigung des Kindes, das zu tun, was es möchte.

Magic Moves: Therapie trifft Zauberkunst

Ein innovatives Therapiekonzept stellt das "Magic Moves"-Camp dar, das in Zusammenarbeit mit den Ehrlich Brothers entwickelt wurde. Dabei studieren Kinder und Jugendliche mit Hemiparese Zaubertricks ein, um den Arm-Hand-Einsatz zu fördern. Das Therapiekonzept kombiniert Ergotherapie, Neurostimulation und Gruppenaktivitäten mit einem maßgeschneiderten Zaubertraining. Die Therapie soll dafür sorgen, dass gesunde Teile des Gehirns die Aufgaben des geschädigten Teils teilweise übernehmen. Es sollen Areale im Hirn aktiviert werden, die sonst nicht für die Motorik zuständig sind. Das kann die Fähigkeiten der Kinder verbessern, sodass sie leichter durch den Alltag kommen.

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Spielerische Übungen für zu Hause

Neben der professionellen ergotherapeutischen Behandlung können Eltern auch zu Hause spielerisch die motorischen Fähigkeiten ihres Kindes fördern. Hier einige Beispiele:

  • Spielen mit beiden Händen: Aktivitäten wie das Klettern an einer Sprossenwand, das Matschen mit Farbe, Rasierschaum oder Knete, das Bauen von Tieren mit Legosteinen oder das Spielen von Würfelspielen fördern den Einsatz beider Hände.
  • Fußtraining: Bei verkürzten Sehnen oder Problemen beim Abrollen des Fußes können Orthesen helfen. Spielerische Wahrnehmungsübungen für die Füße wie Kiesbäder, Fühlpfade oder Fußmassagen können die sensorische Wahrnehmung verbessern.
  • Laufrad fahren: Das Laufradfahren fördert das Gleichgewicht und die Koordination. Bei Gleichgewichtsproblemen kann ein Laufrad mit drei Rädern (Like-a-trike) eine Alternative sein.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Motivation

Eine der größten Herausforderungen in der Ergotherapie mit Kindern ist die Aufrechterhaltung der Motivation. Es ist wichtig, dass die Therapie spielerisch und abwechslungsreich gestaltet wird und dass die Ziele für das Kind erreichbar sind. Belohnungen und positive Verstärkung können ebenfalls helfen, die Motivation zu steigern.

Alltagstransfer

Ein weiteres Problem ist der Transfer der in der Therapie erlernten Fähigkeiten in den Alltag. Um dies zu gewährleisten, sollten die Therapieziele alltagsrelevant sein und die Eltern aktiv in den Therapieprozess einbezogen werden. Es ist wichtig, dass die Eltern die Übungen und Strategien auch zu Hause anwenden und das Kind in alltägliche Aktivitäten einbeziehen.

Kontrakturenprophylaxe

Kinder mit Hemiparese haben ein erhöhtes Risiko, Kontrakturen in den betroffenen Extremitäten zu entwickeln. Daher ist es wichtig, frühzeitig mit präventiven Maßnahmen zu beginnen. Dazu gehören regelmäßige Dehnübungen, Lagerungsschienen und die Vermeidung von Fehlhaltungen.

Fallbeispiel Maria

Maria, 54 Jahre alt, erlitt vor sechs Monaten einen Schlaganfall, der eine Hemiplegie auf ihrer rechten Körperseite verursachte. Nach ihrem Krankenhausaufenthalt begann sie mit der ergotherapeutischen Behandlung in der Praxis.

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Bei ihrer ersten Sitzung führten die Therapeuten eine gründliche Bewertung durch, um Marias spezifische Bedürfnisse und Ziele zu verstehen. Maria hatte Schwierigkeiten beim Greifen und Halten von Gegenständen sowie beim Anziehen und sich Bewegen. Sie war frustriert über die Verluste, die der Schlaganfall mit sich brachte, und war entschlossen, ihre Unabhängigkeit zurückzugewinnen.

Die Therapeuten entwickelten einen individuellen Behandlungsplan für Maria, der Übungen zur Stärkung der betroffenen Muskeln, Techniken zur Verbesserung der Beweglichkeit und Strategien zur Anpassung des Alltags umfasste. Maria besuchte regelmäßig Ergotherapie-Sitzungen und erhielt Übungspläne für zu Hause.

Im Laufe der Behandlung machte Maria stetige Fortschritte. Sie konnte ihre Greif- und Haltefähigkeiten verbessern, was ihr half, alltägliche Aktivitäten wie das Anziehen und Essen eigenständig durchzuführen. Durch den Einsatz spezieller Hilfsmittel und Anpassungen im häuslichen Umfeld konnte sie ihre Selbstständigkeit weiter steigern.

Nach mehreren Monaten intensiver Therapie war Maria in der Lage, viele ihrer vorherigen Aktivitäten wieder aufzunehmen und ein hohes Maß an Unabhängigkeit zurückzugewinnen.

Marias Fall zeigt, wie effektiv Ergotherapie bei Hemiplegie sein kann. Unser erfahrenes Team legt großen Wert auf individuelle Betreuung und entwickelt maßgeschneiderte Therapiepläne, um die Lebensqualität zu verbessern. Wir sind auf Ergotherapie in Leipzig spezialisiert und integrieren innovative Ansätze, um gezielte Fortschritte zu erzielen. Egal, ob für Menschen mit Hemiplegie oder anderen Herausforderungen - wir stehen für engagierte Betreuung, die auf die einzigartigen Bedürfnisse jedes Patienten eingeht.

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