Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr intensive Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. Viele Betroffene suchen neben medikamentösen Therapien auch alternative Behandlungsmöglichkeiten, um ihre Lebensqualität langfristig zu verbessern. Eine Option ist die Chiropraktik, die sich auf die Diagnose und Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates konzentriert, insbesondere der Wirbelsäule.
Was ist Chiropraktik?
Chiropraktik ist eine Form der manuellen Therapie, bei der Chiropraktiker ihre Hände benutzen, um die Beweglichkeit der Gelenke wiederherzustellen und sogenannte Blockaden zu lösen. Die Behandlung umfasst oft gezielte Impulse, die umgangssprachlich als "Einrenken" bezeichnet werden. In Deutschland darf Chiropraktik von Heilpraktikern oder Medizinern mit Zusatzausbildung angewendet werden. Allerdings ist die Ausbildung hierzulande gesetzlich nicht geregelt. Ärzte mit Zusatzausbildung in manueller Therapie können sich Chirotherapeuten nennen.
Erfahrungen mit Chiropraktik bei Migräne
Einige Migränepatienten berichten von positiven Erfahrungen mit chiropraktischen Behandlungen. So schilderte ein Nutzer in einem Online-Forum, dass er aufgrund seiner Migräne einen Chiropraktiker aufgesucht hatte, nachdem andere Behandlungen erfolglos geblieben waren. Nach der Behandlung fühlte er sich besonders im Bereich der Brustwirbelsäule entspannter und aufgerichteter.
Es gibt auch Fallberichte, wonach Chiropraktik bei 22 Prozent der untersuchten Migränepatienten Dauer und Schwere der Attacken über 90 Prozent linderte. Bei der Hälfte der Versuchsteilnehmer besserten sich die Beschwerden deutlich.
Wie Chiropraktik bei Migräne helfen kann
Chiropraktiker betrachten den Patienten in seiner Komplexität und konzentrieren sich auf orthopädische und physiologische Aspekte, insbesondere die Funktion des Bewegungsapparates. Sie gehen davon aus, dass Wirbelfehlstellungen und Beckenschiefstände eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen, da sie das autonome Nervensystem beeinträchtigen und somit den gesamten Körper beeinflussen können.
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Die chiropraktische Behandlung zielt darauf ab, diese Fehlstellungen zu korrigieren und die Gelenkbeweglichkeit wiederherzustellen. Durch die Lösung von Blockaden und die Entlastung der Nerven kann sich die Muskulatur entspannen, was zur Linderung von Kopfschmerzen beitragen kann.
Einige Studien legen nahe, dass chiropraktische Eingriffe zentrale Schmerzverarbeitungsprozesse modulieren. So wurde in einer Studie festgestellt, dass Patienten, die eine evidenzbasierte Chiropraktik erhielten, ihre Migränetage um bis zu 50 % reduzieren konnten.
Ablauf einer chiropraktischen Behandlung
Vor der Behandlung führt der Chiropraktiker eine ausführliche Anamnese durch, um die Ursache des Schmerzes zu ermitteln. Dazu gehören Fragen zur Schmerzlokalisation, Beginn, Intensität, Fortschritt und möglichen Auslösern. Es gibt Warnzeichen, bei denen der Chiropraktiker sofort medizinische Hilfe empfehlen würde.
Wenn diese ausgeschlossen werden, führt der Chiropraktiker eine gründliche körperliche Untersuchung durch, um die Kopfschmerzart festzustellen. Er entwickelt auf dieser Basis einen individuellen Behandlungsplan.
Die eigentliche chiropraktische Behandlung erfolgt dann durch präzise manuelle Techniken, mit dem Ziel, muskuläre Verspannungen zu lösen und Fehlstellungen zu korrigieren. Regelmäßige Nachkontrollen und das Führen eines Kopfschmerztagebuchs ermöglichen es, den Therapieerfolg kontinuierlich zu überwachen und den Behandlungsplan bei Bedarf anzupassen.
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Evidenzbasierte Studien zur Chiropraktik bei Migräne
Die Forschung zur Wirkung chiropraktischer Maßnahmen bei Migräne hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Mehrere randomisierte kontrollierte Studien, die in PubMed veröffentlicht wurden, bestätigen, dass regelmäßige chiropraktische Eingriffe zu einer signifikanten Reduktion der Migränetage und -intensität führen können.
Eine Übersichtsarbeit, veröffentlicht 2017 im Amerikanischen Ärzteblatt, kommt zu dem Schluss, dass gezielte chiropraktische Eingriffe bei Schmerzen im unteren Rücken immerhin eine „mäßige Wirkung“ haben. Zumindest kurzfristig zeige sich bei Betroffenen demnach eine Schmerzlinderung. Allerdings berichteten Behandelte den Untersuchungen nach immer wieder auch von Nebenwirkungen wie Schmerzen, Benommenheit oder Schwindel. Ernsthafte Folgen der Eingriffe fand die Meta-Analyse aber in keiner der untersuchten Studien.
Risiken und Kontraindikationen
Obwohl Chiropraktik im Allgemeinen als sicher gilt, gibt es auch Risiken und Kontraindikationen zu beachten. In seltenen Fällen kann es beim Einrenken der Halswirbelsäule zu Verletzungen der zum Kopf führenden Schlagadern kommen, was im schlimmsten Fall einen Schlaganfall auslösen kann.
Es gibt auch klare Kontraindikationen oder Umstände, unter denen Chiropraktik gar nicht durchgeführt werden sollte. Dazu gehören beispielsweise Bandscheibenvorfälle, frische Verletzungen, Brüche und Osteoporose. Aber auch Entzündungen an den Gelenken, Tumore oder Nervenreizungen sind Risikofaktoren.
Kritik an der Chiropraktik
Trotz der positiven Erfahrungen und Studienergebnisse gibt es auch Kritik an der Chiropraktik. So zählt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie Chiropraktik gegen Migräne zu den unwirksamen Therapien.
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Einige Experten bemängeln die uneinheitliche Studienlage und den möglichen Placebo-Effekt. Aussagekräftige Kontrollstudien sind schwierig durchzuführen, da eine Verblindung der Testpersonen kaum möglich ist.
Worauf man bei der Wahl eines Chiropraktikers achten sollte
Da die Berufsbezeichnung in Deutschland gesetzlich nicht geschützt ist, ist es wichtig, auf die Qualifikation und Ausbildung des Chiropraktikers zu achten. Eine entsprechende Nachfrage kann helfen, den fachlichen Hintergrund besser einzuschätzen.
Es ist ratsam, einen Chiropraktiker zu wählen, der nach den WHO-Richtlinien (Weltgesundheitsorganisation) arbeitet und über eine hohe Qualifikation, langjährige Erfahrung und einen entsprechenden Qualitätsstandard verfügt.
Vor einer Behandlung sollte der Chiropraktiker eine ausführliche Anamnese durchführen, um Kontraindikationen auszuschließen. Im Zweifelsfall lohnt es sich, im Vorfeld den Hausarzt oder einen Orthopäden zu konsultieren, um entsprechende Erkrankungen auszuschließen.
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