Verwirrtheit als Symptom: Ursachen und Zusammenhang mit Hirntumoren

Einleitung:Verwirrtheit ist ein unspezifisches Symptom, das viele Ursachen haben kann. In diesem Artikel werden wir uns auf die möglichen Ursachen von Verwirrtheit konzentrieren, insbesondere im Zusammenhang mit Hirntumoren. Obwohl Verwirrtheit ein beunruhigendes Symptom sein kann, ist es wichtig zu verstehen, dass es viele behandelbare Ursachen gibt.

Unspezifische Symptome und ihre Bedeutung

Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit sind unspezifische Krankheitszeichen, die bei schweren Erkrankungen auftreten können. Auch wenn Kopfschmerzen eines der häufigsten Frühsymptome bei Gehirntumoren sind, ist ein Hirntumor in den seltensten Fällen die Ursache für Kopfschmerzen. Es ist wichtig, diese Symptome im Kontext anderer Beschwerden und Risikofaktoren zu betrachten.

Kopfschmerzen als Hinweis auf einen Hirntumor

Kopfschmerzen, die durch Hirntumoren verursacht werden, treten typischerweise nachts oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich im Laufe des Tages. Sie können in kurzer Zeit an Stärke zunehmen und sind oft mit Übelkeit und Erbrechen verbunden. Für die meisten Patienten sind diese Beschwerden neu und anders als die bisher erlebten Kopfschmerzen. Starke (v. a.) nächtliche oder morgendliche Kopfschmerzen sind typisch für erhöhten Hirndruck.

Sehstörungen und Hirndruck

Sehstörungen können ein Anzeichen für einen erhöhten Hirndruck sein oder durch die Lokalisation des Tumors selbst ausgelöst werden. Symptome sind Flimmern vor den Augen, Gesichtsfeldausfälle oder die Wahrnehmung von Doppelbildern. Ein Papillenödem (Stauungspapille), oft beidseitig, entsteht durch den erhöhten Druck im Schädel, der zu einer Schwellung des Sehnervenkopfes führt.

Epileptische Anfälle als Erstsymptom

Bei einigen Patienten treten epileptische Anfälle als erste Symptome eines Tumors auf. Der Anfall kann aus völligem Wohlbefinden heraus auftreten. Manchmal geht eine so genannte „Aura“ voraus, bei der der Betroffene ungewohnte, besondere Wahrnehmungen hat. Es kann auch zu Empfindungsstörungen oder Zuckungen einer Extremität oder Körperseite kommen („fokale Anfälle“).

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Einfach-fokale Anfälle sind z.B. motorische Zuckungen oder Kribbeln einer Extremität, Geschmacks- oder Geruchswahrnehmungen oder ein merkwürdiges Gefühl in der Magengrube. Kurze Episoden geistiger Abwesenheit können auftreten, in denen die Patienten immer wieder die gleichen Bewegungen durchführen („komplex-fokale Anfälle“). Komplex-fokale Anfälle kommen überwiegend bei einer Lokalisation des Tumors im Schläfenlappen vor. Diese Anfälle haben häufig ein typisches klinisches Erscheinungsbild: Betroffene Patienten können zunächst ein merkwürdiges Gefühl in der Bauchregion empfinden (epigastrische Aura), eine Geruchswahrnehmung haben (olfaktorische Aura) oder vegetative Symptome (z.B. Herzrasen) spüren. Mitunter führen Betroffene stereotype, wiederkehrende, unsinnige Handlungen durch und zeigen dabei unzureichende oder fehlende Reaktionsfähigkeit auf Umgebungsreize. Für diese komplex-fokalen Anfälle besteht dann häufig eine zumindest partielle Gedächtnislücke, während des Anfalls wird die Umgebung als merkwürdig fremd oder vertraut erlebt, das Zeitempfinden kann verändert sein. Diese Zeichen sind Ausdruck einer Bewusstseinsstörung.

Wenn sich die hirnelektrische Aktivität eines fokalen Anfalls auf das gesamte Gehirn ausbreitet, kann dies zu einen sogenannten sekundären generalisierten Anfall (Grand mal) führen. Dieser zeigt sich häufig durch rhythmische Zuckungen der Arme und Beine. Der Patient ist während des Anfalls bewusstlos und nimmt den großen Anfall an sich daher weder wahr, noch kann er sich in der Regel später daran erinnern. Ein Anfall dauert meist nur wenige Minuten, danach erlangt der Patient langsam das Bewusstsein wieder, oft in einem vorerst verwirrten Zustand. Dauern die Krampfanfälle deutlich länger an, ohne dass der Patient zwischendurch das Bewusstsein erlangt, könnte ein Grand-mal-Status vorliegen, also eine Serie der generalisierten Anfälle.

Motorische und sensorische Störungen

Störungen der Bewegungsfähigkeit oder der Empfindungsfähigkeit allein sind bei Hirntumoren, insbesondere im Frühstadium, eher selten, können aber vorkommen und je nach Lokalisation eine Extremität oder eine Körperseite betreffen. Bei Tumoren im Bereich des Rückenmarks kann es zu einer Querschnittssymptomatik kommen, bei der in Abhängigkeit von der Höhe des Prozesses eine Atemstörung, eine Lähmung aller Extremitäten oder eine Lähmung der Beine auftreten kann.

Psychische und Wesensveränderungen

Psychische Veränderungen und Wesensveränderungen können eine direkte Folge des Tumorleidens sein. Plötzlich leicht reizbar, schnell abgelenkt oder in sich gekehrt: Ein Hirntumor kann zu Persönlichkeitsveränderungen der betroffenen Person führen. Verhaltensänderungen ohne erkennbaren Auslöser können auf eine solche Krebserkrankung hindeuten. Ein Hirntumor kann nicht nur zu einer Wesensveränderung führen, sondern auch die psychische Gesundheit der Betroffenen beeinträchtigen. So entwickeln einige Erkrankte etwa Depressionen.

Bewusstseinsstörungen und Sprachstörungen

Veränderungen des Bewusstseins und Sprachstörungen können ebenfalls auf einen Hirntumor hinweisen. Bei einem Hirntumorpatienten können auch episodisch Zustände auftreten, die mit einer Verwirrtheit, mit inadäquaten Reaktionen auf die Umgebung, verlangsamten Denk- und Handlungsabläufen und offensichtlich unsinnigen Handlungen einhergehen können. Bei solchen episodischen „Dämmerzuständen“ ist immer an einen Status komplex-fokaler Anfälle zu denken. Ein solcher nicht-konvulsiver (nicht krampfartiger) Status, bzw. geordneter Dämmerzustand, wird häufig durch einen Tumor im Schläfenlappen ausgelöst. Die einzige Möglichkeit, einen solchen Status komplex-fokaler Anfälle zu diagnostizieren, ist das EEG.

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Das Delir: Ein Verwirrtheitszustand

Das Delir ist ein Verwirrtheitszustand, der bei kranken Menschen auftreten kann, insbesondere bei älteren Menschen mit einem geschwächten Allgemeinzustand, die zusätzlich an einer schweren Krankheit (z. B. Lungenentzündung) leiden. Bei einem Delir kommt es zu Verwirrtheit, die akut einsetzt und sich durch Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit sowie Gedächtnis- und Wahrnehmungsstörungen kennzeichnet. Die Symptome haben körperliche Ursachen oder Auslöser. Ein Delir tritt häufig bei älteren Menschen mit einem geschwächten Allgemeinzustand auf, die plötzlich unter einer akuten Erkrankung leiden. Auch Patient*innen mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium leiden häufig unter einem Delir.

Die Symptome eines Delirs setzen plötzlich ein und können im Lauf des Tages schwanken. Bei manchen Betroffenen ist ein Delir von Angst und Unruhe begleitet, bei anderen kommt es zu Apathie und verminderter Aktivität. Oft führt ein Delir zu Wahrnehmungsstörungen, Gedächtnisverlust, verminderter Aufmerksamkeit und Orientierungslosigkeit. Ebenso können fehlerhafte Sinneswahrnehmungen und Sinnestäuschungen vorkommen, die zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen von Situationen führen. Manchmal treten starke Stimmungsschwankungen auf, sodass ein Delir mit einer Depression verwechselt werden kann. Typisch sind auch Schlafstörungen und ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus.

Ein Delir kann von einer Reihe organischer Ursachen ausgelöst werden. Medikamente sind eine häufige Ursache, insbesondere die Anwendung von Schmerzmitteln (z. B. Opioiden), Beruhigungsmitteln, Narkosemitteln und Psychopharmaka. Bei einem plötzlichen Absetzen von Beruhigungsmitteln, Opioiden und Alkohol kann es ebenfalls zu einem Delir kommen. Grunderkrankungen des Gehirns (Demenz, Schlaganfall), Herzinfarkt oder Infektionen (z. B. Lungenentzündung oder Harnwegsinfekt) können ein Delir auslösen. Auch Stoffwechselstörungen, z. B. Austrocknung oder niedriger Blutzucker, können Symptome eines Delirs verursachen.

Risikofaktoren für ein Delir sind: Tumoren oder Metastasen im Gehirn, hohes Alter, schwere körperliche Erkrankungen, reduzierter Allgemeinzustand, Unterernährung, Gebrechlichkeit, Suchterkrankungen, Hör- oder Sehstörungen, veränderte Umgebung, neue Kontaktpersonen, ungewohnte Eingriffe und Behandlungsmaßnahmen sowie vorausgehende Operationen. Bis zu 90 % aller Patient*innen mit einer zum Tode führenden Krankheit zeigen in den letzten Lebenswochen Anzeichen eines Delirs.

Die Diagnose eines Delirs kann meist aufgrund der Symptome gestellt werden. Diese sollten so früh wie möglich erkannt werden. Zunächst erfolgt eine allgemeine körperliche Untersuchung. Verschiedene weitere Untersuchungen können durchgeführt werden, um die zugrunde liegende Ursache zu klären. Die wichtigste Maßnahme besteht darin, die auslösenden Faktoren zu ermitteln und zu behandeln. Allgemeine Maßnahmen sind ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Nährstoffen, Kontrolle der Blasen- und Darmfunktion, Mobilisierung, Schmerztherapie, Versorgung mit Sehhilfen und Hörgeräten, Kommunikation sowie die Integration bekannter Gegenstände in die Umgebung der Patient*innen. Bei starken Unruhezuständen und Agitation kann eine medikamentöse Behandlung mit Neuroleptika (z. B. Haloperidol) eingesetzt werden.

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Hirntumoren: Definition und Arten

Als Hirntumore werden Tumore (Raumforderungen) im Gehirn bezeichnet. Darunter fallen sowohl gutartige als auch bösartige Tumore. Ärzt:innen bezeichnen als Hirntumore im engeren Sinne nur diejenigen Tumore, die im Gehirn entstehen. Gehirntumore entstehen entweder im Gehirngewebe oder den Gehirnhäuten, dann spricht man von einem primären Hirntumor. Sitzt der ursprüngliche Tumor in einer anderen Körperregion und hat im Gehirn Metastasen gebildet, handelt es sich um einen sekundären Hirntumor. Die meisten Hirntumore sind gutartig. Zwei Drittel aller Tumore im Gehirn sind gutartig. Bösartige Tumore kommen eher selten vor. Bei Erwachsenen machen sie ein Prozent aller Krebserkrankungen aus, bei Kindern 20 Prozent. Auch gutartige Gehirntumore können lebensbedrohlich sein, da sie Gehirnmasse verdrängen, wegen der festen Schädeldecke aber keine Möglichkeit der Ausdehnung besteht.

Man unterscheidet bei Tumoren im Gehirn je nach Art der Zellen, aus denen die Tumore entstehen. Am häufigsten gehen Gehirntumore von den verschiedenen Gliazellen, das sind Stützzellen im Gehirn, aus. Das Glioblastom zählt z.B. zu den bösartigen Tumoren, während das Hypophysenadenom ein typischer gutartiger Gehirntumor ist.

Symptome von Hirntumoren

Die Symptome von Tumoren im Gehirn hängen von der Größe, Art und Lage des Tumors ab. Folgende Symptome können auf einen Tumor im Gehirn hinweisen, aber auch Symptome anderer Erkrankungen sein: starke Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Sprach-, Seh- und Bewegungsstörungen, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche und epileptische Anfälle. Ein wichtiger Hinweis: Die genannten Symptome sind unspezifisch. Das bedeutet, sie können nicht nur bei Hirntumoren, sondern auch bei anderen, weniger schwerwiegenden Erkrankungen auftreten.

Diagnose von Hirntumoren

Um einen Hirntumor oder gegebenenfalls eine andere Ursache für vorliegende Beschwerden nachzuweisen, beginnen Ärzt:innen in der Regel mit der Anamnese (dem ausführlichen Gespräch mit der Patientin oder dem Patienten) und einer neurologischen Untersuchung. Ergibt sich daraus ein Verdacht auf einen Hirntumor, kommen in der weiteren Diagnostik bildgebende Verfahren zum Einsatz, die Tumore mit ihrer Lage im Gehirn darstellen können. Die MRT ist das wichtigste bildgebende Verfahren in der Diagnostik von Hirntumoren und kann detaillierte Bilder des Gehirns liefern, wodurch Ärzt:innen auch kleinste Tumore erkennen können. Die CT ist ein fortgeschrittenes Röntgenverfahren, das 3D-Bilder liefert und damit ebenfalls zur Diagnose von Hirntumoren verwendet werden kann. Unter bestimmten Voraussetzungen können Ärzt:innen eine Biopsie vornehmen, um aus dem betroffenen Gehirnbereich eine Gewebeprobe zu entnehmen und so die Art des Tumors zu bestimmen. Als Liquor bezeichnen Ärzt:innen die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit. Ist mittels der genannten Diagnostikverfahren ein Hirntumor nachgewiesen worden, wird dieser anhand des Klassifikationssystems der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingestuft.

Es ist wichtig, dass Diagnose, detaillierte Beurteilung und Behandlung von Hirntumoren in spezialisierten Zentren erfolgen. In diesen Zentren arbeiten erfahrene Neurolog:innen, Neurochirurg:innen und Onkolog:innen (Fachärzt:innen für Krebserkrankungen) eng zusammen, um die beste Patientenversorgung zu gewährleisten.

Therapiemöglichkeiten bei Hirntumoren

Die individuell beste Therapie basiert unter anderem auf der Art des Tumors, seiner Lage, Größe und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand. Zu den Therapiemöglichkeiten gehören die mikrochirurgische Resektion, bei der die Chirurg:innen das Ziel verfolgen, mithilfe feinster Instrumente so viel wie möglich vom Tumor zu entfernen, ohne dass dabei wichtige Gehirnfunktionen beeinträchtigt werden. Die Bestrahlung ist eine Standardtherapie in der Behandlung von Hirntumoren, bei der hochenergetische Strahlen eingesetzt werden, um Tumorzellen gezielt zu zerstören oder ihr Wachstum zu verlangsamen. Die Chemotherapie ist eine systemische Therapie, die auf den ganzen Körper wirkt. Die eingesetzten Medikamente (Chemotherapeutika) haben das Ziel, Krebszellen im gesamten Körper zu bekämpfen.

Jede der beschriebenen Therapien kann Nebenwirkungen haben, die von leichten Beschwerden bis hin zu Komplikationen reichen können. Unsere Fachkräfte arbeiten eng mit ihren Patient:innen zusammen, um die bestmögliche individuelle Behandlung zu erreichen und Nebenwirkungen so weit wie möglich zu reduzieren.

Begleiterkrankungen bei Hirntumoren

Hirntumore können mit verschiedenen Begleiterkrankungen einhergehen, die entweder als direkte Folge des Tumors auftreten oder eigenständige Erkrankungen sind. Solche Begleiterkrankungen können die Symptome eines Hirntumors verstärken und die Behandlung des Hirntumors erschweren. Epileptische Anfälle sind eine häufige Begleiterkrankung bei Hirntumoren, insbesondere wenn der Tumor in der Nähe von Regionen liegt, die für die Steuerung der elektrischen Aktivität im Gehirn verantwortlich sind. Ein Hydrozephalus, in der Allgemeinsprache auch „Wasserkopf“ genannt, entsteht, wenn die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) durch den Tumor blockiert wird und nicht mehr normal abfließen kann. Hirntumore können die kognitiven Funktionen - die geistigen Fähigkeiten - beeinträchtigen, was zu Gedächtnisproblemen, Schwierigkeiten bei der Problemlösung und zu Veränderungen in der Persönlichkeit und im Verhalten führen kann. Solche Veränderungen treten oft bei Tumoren im Frontal- oder Temporallappen auf. Die Diagnose und Behandlung eines Hirntumors kann für die Betroffenen eine erhebliche psychische Belastung darstellen und zu Depressionen, Angstzuständen oder Stressreaktionen führen. Patient:innen mit Hirntumoren haben ein erhöhtes Risiko für Venenthrombosen, insbesondere wenn sie längere Zeit bettlägerig sind oder bestimmte Krebstherapien erhalten.

Die Behandlung dieser Begleiterkrankungen erfordert oft einen multidisziplinären Ansatz, also eine engmaschige Zusammenarbeit verschiedener fachärztlicher Kompetenzen.

Vorbeugung und Früherkennung

Weil die genauen Ursachen von Hirntumoren noch nicht vollständig verstanden sind, gibt es auch keine vorbeugenden Maßnahmen, die die Entstehung eines Hirntumors sicher verhindern. Allerdings gibt es allgemeine Empfehlungen für eine gesunde Lebensführung, die dazu beitragen können, das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen zu reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern. Anders als beispielsweise bei Krebsarten wie Darm- oder Brustkrebs gibt es für Hirntumore kein standardisiertes Krebsfrüherkennungsprogramm. Umso wichtiger ist es, bei anhaltenden oder ungewöhnlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Sehstörungen oder neurologischen Ausfällen wie Lähmungserscheinungen eine Arztpraxis aufzusuchen.

Hirnmetastasen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Bei etwa 30 Prozent der Tumoren im Gehirn handelt es sich um Hirnmetastasen. Damit sind sie die häufigsten Neubildungen im zentralen Nervensystem. Hirnmetastasen sind Tochtergeschwulste eines bereits bestehenden Krebstumors im Körper. Diesen nennt man Primärtumor oder Primarius. Mehr als ein Viertel der Patienten mit einem bösartigen Tumor im Körper entwickeln Tochtergeschwulste im Gehirn. Meistens zeigen Hirnmetastasen das Endstadium oder zumindest ein weit fortgeschrittenes Stadium der ursächlichen Krebserkrankung an.

Das Risiko für Hirnmetastasen besteht bei folgenden Tumorerkrankungen in absteigender Häufigkeit: Lungenkrebs (Bronchialkarzinom), Brustkrebs (Mammakarzinom), Schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom), Nierenzellkarzinom (Nierenkrebs), bösartige Tumoren im Verdauungstrakt und bösartige Tumoren im Harntrakt. Manchmal bestehen Hirnmetastasen auch, ohne dass der Primärtumor auffindbar ist. Dann spricht man von einem Primarius unklarer Herkunft (Cancer of Unknown Primary, CUP-Syndrom).

Da verschleppte Tumorzellen oft an unterschiedlichen Stellen im Gehirn anwachsen, unterscheiden sich auch die Hirnmetastasen-Symptome. Meist sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder ein epileptischer Anfall die ersten Anzeichen. Prinzipiell sind aber alle Symptome möglich, die auch bei einem primärer Hirntumor vorkommen. Bei einer Meningeosis carcinomatosa verstopfen häufig die Liquorwege. Das verschärft die Gefahr, dass der Hirndruck ansteigt.

Hirnmetastasen behandeln Mediziner prinzipiell ähnlich wie primäre Hirntumoren. Bei einem großen Durchmesser von mehreren Zentimetern entfernt der Arzt sie in der Regel operativ. Liegen mehr als drei Hirnmetastasen vor, ist eine zusätzliche Bestrahlungstherapie notwendig. Bei Betroffenen mit fortgeschrittenem Krankheitsbild und einem reduzierten Gesundheitszustand stellt die Ganzhirnbestrahlung eine wichtige Therapieform dar. Außerdem kommt eine Chemotherapie infrage.

Prognose bei Hirnmetastasen

Meistens entwickeln sich erst in einem späten Krebsstadium Hirnmetastasen. Lebenserwartung und Krankheitsverlauf hängen daher auch von der Grunderkrankung des Betroffenen ab. Ist das ursächliche Krebsleiden gut behandelbar, überleben die Betroffenen meistens länger. Außerdem gilt es als gutes Zeichen, wenn Hirnmetastasen erst lange Zeit nach der Krebsdiagnose auftreten. Jüngere Erkrankte und solche mit einem relativ guten Gesamtzustand haben meistens eine höhere Lebenserwartung. Bei multiplen Hirnmetastasen ist die Prognose in der Regel schlechter als bei einer einzelnen Tochtergeschwulst. Insgesamt beträgt die Lebenserwartung bei Patienten mit Hirnmetastasen nur drei bis sechs Monate. Etwa zehn Prozent der Betroffenen überleben die ersten zwölf Monate nach der Diagnose, nur einzelne Patienten leben noch mehrere Jahre mit ihrer Erkrankung. Bei einer Meningeosis carcinomatosa ist die Prognose noch schlechter. Etwa die Hälfte aller Betroffenen verstirbt an ihrer primären Tumorerkrankung und nicht unbedingt an den Hirnmetastasen.

Glioblastom: Eine besonders aggressive Form des Hirntumors

Das Glioblastom, lateinisch Glioblastoma multiforme, ist ein sehr aggressiver Tumor des Gehirns. Dieser Hirntumor wuchert schnell in das gesunde Gewebe hinein und infiltriert es, so dass eine vollständige Entfernung des Tumors quasi nicht möglich ist. Die Prognosen bei einem Glioblastom sind daher sehr schlecht. Meist beträgt die Überlebenszeit nach der Diagnose nur wenige Monate. Weniger als drei Prozent der Glioblastom Patienten überleben die folgenden fünf Jahre. Auf Grund des aggressiven Wachstums zeigen sich die ersten Symptome beim Glioblastom-Patienten oft frühzeitig. Heftige Kopfschmerzen stehen häufig am Anfang. Epileptische Anfälle, Lähmungen und Sprach- und Sehstörungen kommen als Symptome bei diesem Hirntumor hinzu. Typischerweise bilden sich Hirnödeme. Der wachsende Druck im Gehirn aufgrund des Hirntumors kann schließlich zum Koma führen. Die entarteten Zellen des Glioblastoms ähneln den Stützzellen des Gehirns, den so genannten Gliazellen. Bei Kindern sind Glioblastome sehr selten. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt über 60 Jahren. Dabei sind mehr Männer als Frauen von einem Glioblastom betroffen.

Die Diagnose auf einen Tumor erfolgt mit Hilfe bildgebender Verfahren. Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) zeigen dem Arzt den Glioblastom. Nach der Diagnose folgt eine Operation. Der Neurochirurg verringert zunächst die Tumormasse. Anschließend folgen Chemotherapie und Bestrahlung als Behandlung. Eine vollständige Heilung und Therapie ist bei diesem Hirntumor bisher nicht möglich.

Differenzialdiagnose: Andere Ursachen für Demenzsymptome

Gedächtnisstörungen oder Sprachprobleme lassen bei Betroffenen und Angehörigen die Alarmglocken läuten, denn es könnte sich um eine Demenzerkrankung wie Alzheimer handeln. Was viele nicht wissen: Viele typische Symptome einer Demenz können Ursachen haben, die behandelbar und oft sogar vollständig heilbar („reversibel“) sind. Typisch für Menschen mit Altershirndruck sind Gedächtnisprobleme, Blasenschwäche sowie Unsicherheit beim Gehen. Auslöser für ein Delir können körperliche Stressfaktoren, falsche Medikamente, Dehydrierung, Infektionen, Schlaganfall, Herzinfarkt oder emotionale Stressfaktoren sein. Auch Vitaminmangelkrankheiten, insbesondere ein Mangel an Vitamin B-12, Depressionen, Medikamente, Dehydrierung, Erkrankungen der Schilddrüse, Nieren oder Leber sowie Hirnschädigungen durch Vergiftungen können demenzähnliche Symptome hervorrufen. Wichtig ist bei jeglichem Verdacht auf eine Demenzerkrankung, immer die Symptome abklären zu lassen.

Das Gehirn: Zentrum des Nervensystems

Das menschliche Gehirn ist ein hochkomplexes Organ und Zentrum des Nervensystems. Es steuert und koordiniert nicht nur alle körperlichen Funktionen, es ist auch Sitz des Bewusstseins, der Gedanken und der Persönlichkeit. Das Gehirn besteht aus etwa 86 Milliarden Nervenzellen, die durch Synapsen (Kommunikationsverbindungen) miteinander verbunden sind und so ein weit verzweigtes Netzwerk bilden. Die durchschnittliche Masse des Gehirns eines erwachsenen Menschen beträgt etwa 1,3 bis 1,4 Kilogramm. Es ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die bestimmte Aufgaben erfüllen. Das Großhirn ist für komplexe kognitive Prozesse wie Denken, Erinnern und Planen zuständig. Das Kleinhirn koordiniert Bewegungen. Das Gehirn ist von einer Flüssigkeit umgeben, dem Liquor cerebrospinalis, der sowohl Schutz bietet als auch für die Nährstoffversorgung zuständig ist. Das Gehirn ist durch die Blut-Hirn-Schranke vom restlichen Blutkreislauf abgegrenzt. Hirntumore können in jedem dieser Bereiche entstehen und sich abhängig von der Lage und Größe unterschiedlich auf die Gehirnfunktion auswirken.

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