Nackenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft und den Alltag erheblich beeinträchtigen kann. Oftmals sind Nackenverspannungen die Ursache für Kopfschmerzen, Schwindel und sogar Schlafprobleme. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Maßnahmen, um Nackenverspannungen zu lösen und vorzubeugen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über effektive Übungen, präventive Maßnahmen und hilfreiche Tipps, um einen entspannten Nacken zu fördern.
Ursachen und Auswirkungen von Nackenverspannungen
Nackenverspannungen sind Verhärtungen oder Verkrampfungen der Muskulatur im Nacken- und Schulterbereich. Normalerweise arbeitet die Nackenmuskulatur dynamisch, indem sich verschiedene Muskelgruppen beim An- und Entspannen abwechseln. Dadurch wird das Gewebe gut durchblutet und bleibt beweglich. Der Nacken ist jedoch besonders anfällig für ein muskuläres Ungleichgewicht aufgrund von Fehl- oder Überbelastungen.
Der Nacken besteht aus mehreren Muskelschichten, Nervenbahnen, Bändern und sieben Halswirbeln. Diese Elemente arbeiten eng zusammen, um den Kopf stabil und gleichzeitig beweglich zu halten. Bei stark verhärteter Muskulatur können umliegende Strukturen wie Nerven eingeengt werden, was zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann.
Sofortmaßnahmen bei akuten Nackenschmerzen
Bei akuten Nackenschmerzen ist es wichtig, frühzeitig gegenzusteuern. Sanfte Bewegungen im schmerzarmen Bereich, wie z. B. leichtes Nackenkreisen oder seitliches Dehnen, können helfen, die Muskulatur zu lockern. Vermeiden Sie schweres Heben und Tragen, um die gereizten Strukturen zu entlasten. Bei stärkeren Beschwerden können Schmerzsalben oder vorübergehend Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen in Betracht gezogen werden, um im Alltag beweglich zu bleiben und Schonhaltungen zu vermeiden. Schmerzmittel sollten jedoch nur kurzfristig und gemäß Packungsbeilage eingesetzt werden.
Achten Sie darauf, Auskühlung zu vermeiden, da Zugluft die Durchblutung der Muskulatur mindern und Verspannungen verstärken kann.
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Übungen zur Mobilisierung und Lockerung der Nackenmuskulatur
Die folgenden Übungen ermöglichen eine sanfte Mobilisierung der Halswirbelsäule und eine Lockerung der umgebenden Muskulatur, ohne die Halswirbelsäule zu belasten. Seien Sie aufmerksam bei der Durchführung der Übungen: Beginnen Sie langsam und mit kleinem Bewegungsradius. Verringern sich Ihre Beschwerden, können Sie den Bewegungsradius erweitern. Verstärken sich während einer Übung die Schmerzen, beenden Sie die Übung sofort und konsultieren Sie einen Facharzt.
Der Kopf beschreibt eine Acht
- Ausgangsstellung: Rückenlage, die Beine sind angewinkelt und der Kopf liegt auf einem festen Kissen.
- Durchführung: Versuchen Sie zuerst, Ihren Nacken etwas in die Länge zu ziehen. Dies erreichen Sie, indem Sie die vorderen Halsmuskeln aktivieren und den Kopf ein wenig nach vorne einrollen. Die Position sollte sich angenehm anfühlen und die vorderen Halsmuskeln sollten nur ganz leicht angespannt sein. Stellen Sie sich nun Ihre Nase als Pinsel vor. Zeichnen Sie mit diesem Pinsel eine liegende Acht in den Raum.
- Wiederholung: Wiederholen Sie diese Übung 10- bis 15-mal. Dies entspricht einem Satz.
Schulterkreisen
- Ausgangsstellung: Die Arme hängen locker neben dem Körper.
- Durchführung: Führen Sie mit den Schultern leichte Kreisbewegungen durch. Die Richtung des Kreises verläuft dabei mit der Betonung nach hinten und unten.
- Übungsziel: Die gezielte Bewegung der Schulter-Nacken-Muskulatur regt deren Durchblutung an und vermindert die Spannung.
- Wiederholung: Wiederholen Sie diese Übung 10- bis 15-mal. Dies entspricht einem Satz.
Schultern zu den Ohren ziehen
- Ausgangsstellung: Die Arme hängen locker neben dem Körper.
- Durchführung: Ziehen Sie die Schultern Richtung Ohren und senken Sie sie anschließend langsam wieder ab. Auch bei dieser Übung starten Sie mit kleinen Bewegungen, die Sie zunehmend steigern. Kombinieren Sie diese Übung mit Ihrer Atmung.
- Wiederholung: Wiederholen Sie diese Übung 10- bis 15-mal. Dies entspricht einem Satz.
Schultern und Arme nach vorne unten strecken
- Ausgangsstellung: Sitz oder Stand.
- Durchführung: Strecken Sie nun die Schultern und die Arme nach vorne unten. Machen Sie dabei den Nacken lang, indem Sie das Kinn leicht Richtung Kehlkopf ziehen.
- Variante: Nehmen Sie jeweils eine Hantel oder Wasserflasche in eine Hand und führen Sie die Übung wie in der Variante ohne Gewichte durch.
Dehnung der Atemhilfsmuskulatur
- Ausgangsstellung: Sitz auf einem Stuhl. Die Unterarme sind auf den Oberschenkeln oder den Armlehnen des Stuhls locker abgelegt.
- Durchführung: Atmen Sie langsam durch nur leicht geöffnete Lippen aus. Am Ende der Ausatmung drücken Sie die Unterarme gegen die Oberschenkel bzw. die Armlehnen nach unten in Richtung Boden, sodass sich Ihr Schultergürtel nach unten senkt. Atmen Sie in dieser Position tief durch die Nase ein. Achten Sie darauf, dass sich der Schultergürtel nicht hebt.
- Übungsziel: Die Kombination aus Anspannung und Atmung dehnt die Atemhilfsmuskulatur sanft, wodurch der Muskeltonus sinkt.
Brustmuskulatur dehnen
- Ausgangsstellung: Stellen Sie sich neben einen Türrahmen oder eine Wandecke. Legen Sie Ihren Unterarm am Türrahmen bzw. an der Wandecke an.
- Durchführung: Drehen Sie den Körper von der Tür weg.
- Übungsziel: Eine unflexible Brustmuskulatur wirkt sich über biomechanische Zugkräfte negativ auf Ihre Halswirbelsäule aus.
Dehnübungen für den Nacken
Dehnungen der Halswirbelsäulenmuskulatur sollten immer auch unter neurophysiologischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Eine starke Muskeldehnung bis an die Schmerzgrenze kann verschiedene unerwünschte Reaktionen wie Übelkeit und Schwindel hervorrufen. Treten während der Durchführung einer Übung Schmerzen auf, sollten diese sofort nach Beendigung der Übung wieder nachlassen.
Seitliche Nackendehnung
- Ausgangsstellung: Aufrechter Sitz, der Arm der zu dehnenden Seite ist nach unten gestreckt.
- Durchführung: Drücken Sie die Schulter auf der zu dehnenden Seite nach unten Richtung Boden. Neigen Sie Ihren Kopf zu der Seite, die Sie nicht dehnen möchten, bis eine leichte Vorspannung im Muskel vorhanden ist. Beugen Sie nun Ihren Kopf leicht nach vorne, bis Sie eine Dehnung im Schulter-Nacken-Bereich verspüren.
- Variante mit Augenbewegung: Richten Sie nun den Blick (nur die Augen bewegen sich, nicht der Kopf) auf der zu dehnenden Seite nach oben und atmen Sie langsam und gleichmäßig ein. Halten Sie am Ende der Einatmung den Atem kurz an. Bei der anschließenden langsamen Ausatmung richten Sie den Blick nach unten zur Gegenseite und entspannen Sie. Versuchen Sie, in dieser Entspannungsphase den Kopf evtl. noch etwas weiter zu neigen.
- Wiederholung: Führen Sie 2 bis 3 Wiederholungen mit jeweils 10 Atemzügen durch. Machen Sie dazwischen ca. 30 Sekunden Pause.
Dehnung der seitlichen Nackenmuskulatur mit Arm an der Wand
- Ausgangsstellung: Stehen Sie aufrecht vor einer Wand mit Blickrichtung zur Wand. Legen Sie die Finger des Armes der zu dehnenden Seite auf den oberen Wirbeln der Brustwirbelsäule ab. Heben Sie dabei den Ellenbogen ungefähr auf die Höhe des Kopfes.
- Durchführung: Drücken Sie den Ellenbogen leicht gegen die Wand. Sie spüren, wie sich dabei die Schulter absenkt. Richten Sie den Blick (nur die Augen bewegen sich, nicht der Kopf) auf der zu dehnenden Seite nach oben. Atmen Sie langsam und gleichmäßig ein. Halten Sie am Ende der Einatmung den Atem kurz an. Bei der anschließenden langsamen Ausatmung richten Sie den Blick nach unten zur Gegenseite und entspannen Sie. Versuchen Sie, in dieser Entspannungsphase den Kopf evtl. noch etwas weiter zu neigen.
- Wiederholung: Führen Sie 2 bis 3 Wiederholungen mit jeweils 10 Atemzügen durch. Machen Sie dazwischen ca. 30 Sekunden Pause.
Nickbewegung im Sitzen
- Ausgangsstellung: Angelehnter Sitz auf einem Stuhl mit niedriger Rückenlehne. Stützen Sie mit den Fingern beider Hände den Hinterkopf von unten und mit den Daumen das Jochbein von oben ab.
- Durchführung: Richten Sie den Blick (nur die Augen bewegen sich, nicht der Kopf) nach oben und atmen Sie langsam und gleichmäßig ein. Halten Sie am Ende der Einatmung den Atem kurz an. Führen Sie eine sanfte Nickbewegung nach unten durch.
- Wiederholung: Führen Sie 2-3 Wiederholungen mit jeweils 10 Atemzügen durch. Machen Sie dazwischen ca. 30 Sekunden Pause.
Kinn zurückziehen
- Ausgangsstellung: Sitz oder Stand.
- Durchführung: Schieben Sie das Kinn waagerecht nach vorne. Ziehen Sie es dann wieder zurück und richten Sie die Halswirbelsäule bewusst auf. Stellen Sie sich vor, Sie machen ein Doppelkinn. Halten Sie die Position einen kleinen Moment. Der Blick bleibt stets nach vorne gerichtet.
Nickbewegung in Rückenlage
- Ausgangsstellung: Rückenlage, der Hinterkopf ist leicht unterlagert, sodass sich Ohren und Schultern auf gleicher Höhe befinden.
- Durchführung: Atmen Sie entspannt ein und aus. Richten Sie den Blick (nur die Augen bewegen sich, nicht der Kopf) Richtung Füße. Führen Sie eine sanfte und kleine Nickbewegung des Kopfes aus, indem Sie Ihr Kinn Richtung Kehlkopf ziehen. Der Kopf wird dabei nicht von der Unterlage abgehoben oder hineingedrückt. Die Finger am Hals sollten möglichst keine Anspannung der oberflächlichen Halsmuskeln (Musculus sternocleidomastoideus und Musculus scalenus) spüren. Halten Sie diese Position ca. 5 Sekunden.
- Übungsziel: Diese Übung zielt weniger auf Kraft, als vielmehr auf Kontrolle und Koordination ab.
- Wiederholung: Führen Sie diese Übung 10-mal mit jeweils ca. 5 Sekunden Haltezeit durch.
Stabilisierungsübungen für die Halswirbelsäule
Um die Halswirbelsäule zu schützen und in ihrer Funktion zu unterstützen, ist die regelmäßige Durchführung von stabilisierenden Übungen wichtig und sinnvoll. Die folgenden Übungen setzen außerdem voraus, dass Ihnen vom Arzt keine Bewegungs- oder Belastungseinschränkungen vorliegen.
Statische Stabilisation mit der Hand
- Durchführung: Drücken Sie mit dem Kopf leicht gegen den Widerstand der Hand und halten Sie die Spannung für ca. 5 Sekunden.
- Varianten:
- Drücken Sie mit dem Kopf nach vorne gegen den Widerstand der Hand.
- Drücken Sie mit dem Kopf seitlich gegen den Widerstand der Hand.
- Übungsziel: Die statische Stabilisation bietet sich an, wenn die Muskeln der HWS langsam an das Training herangeführt werden sollen.
Dynamische Stabilisation mit dem Theraband
- Ausgangsstellung: Umwickeln Sie den Kopf seitlich mit dem Band und umfassen Sie die Enden des Bandes mit den Händen.
- Durchführung: Neigen Sie behutsam den Kopf gegen den Widerstand des Bandes zur Seite.
- Varianten:
- Greifen Sie das Theraband von hinten und neigen Sie den Kopf gegen den Widerstand nach vorne.
- Drehen Sie den Kopf gegen den Widerstand zur Seite.
- Übungsziel: Die dynamische Stabilisation bietet ein funktionelles Training.
Übung zur Stabilisation der HWS-Rotatoren
- Durchführung: Drehen Sie nun behutsam mit Ihren Händen den Kopf minimal in eine Richtung und halten Sie leicht für ca. 5 Sekunden.
- Übungsziel: Die dynamische Stabilisation bietet ein funktionelles Training.
Übungen zur Kräftigung der Schulter- und Nackenmuskulatur
Rudern mit dem Gymnastikband
- Ausgangsstellung: Ein Gymnastikband ist sicher und fest in höherer Position vor Ihnen befestigt (z. B. in einem Türspalt). Die Enden des leicht gespannten Gymnastikbandes halten Sie in den Händen.
- Durchführung: Ziehen Sie Ihre gestreckten Arme gegen den Widerstand des Bandes nach unten, bis sich Ihre Hände auf Höhe Ihrer Hüfte befinden. Achten Sie darauf, dass Ihre Arme während des gesamten Bewegungsweges gestreckt bleiben und kein Hohlkreuz im Rücken entsteht. Kehren Sie anschließend in die Ausgangsposition zurück. Geben Sie dabei kontrolliert dem Zug des Bandes nach. Achten Sie darauf, dass die Arme während der gesamten Bewegung gestreckt bleiben.
- Wiederholung: Wiederholen Sie diese Übung 15-mal.
Schulterblätter zusammenziehen in Bauchlage
- Ausgangsstellung: Bauchlage, der Kopf ist abgestützt, z. B. auf einem Handtuch. Haben Sie ganz leicht die Arme an.
- Durchführung: Ziehen Sie die Schulterblätter zur Mitte Richtung Wirbelsäule und nach unten Richtung Gesäß. Heben Sie nun ganz leicht die Arme an und halten diese Spannung für 5 Sekunden.
- Wiederholung: Wiederholen Sie diese Übung 15-mal.
Weitere Tipps zur Vorbeugung und Linderung von Nackenverspannungen
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz, um Fehlhaltungen zu vermeiden. Stellen Sie sicher, dass Ihr Monitor auf Augenhöhe ist und Ihr Stuhl eine gute Unterstützung für den Rücken bietet.
- Regelmäßige Bewegungspausen: Stehen Sie regelmäßig auf, bewegen Sie sich und dehnen Sie Ihre Nacken- und Schultermuskulatur.
- Richtige Schlafposition: Schlafen Sie in Rückenlage mit einem flachen Kissen, um den Nacken zu entlasten.
- Stressmanagement: Bauen Sie Stress ab, da dieser zu Muskelverspannungen führen kann. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen.
- Wärmeanwendungen: Wärmen Sie Ihren Nacken mit einem warmen Bad, einem Kirschkernkissen oder einer Wärmesalbe, um die Durchblutung zu fördern und die Muskeln zu entspannen.
- Massagen: Lassen Sie sich regelmäßig massieren, um Verspannungen zu lösen und die Durchblutung zu fördern.
- Aktiv bleiben: Vermeiden Sie langes Sitzen oder Liegen in einer Position. Bleiben Sie aktiv und bewegen Sie sich regelmäßig, um die Muskulatur zu stärken und die Durchblutung zu fördern.
- Smartphone-Nutzung: Bringen Sie das mobile Gerät näher an das Gesicht und senken Sie nur die Augen anstelle des Nackens, um Verspannungen durch eine ungünstige Kopfhaltung zu vermeiden.
- Reflexzonenmassage: Massieren Sie die Reflexzonen an Händen und Füßen, die mit dem Nacken verbunden sind, um die Durchblutung im Nackenbereich zu erhöhen und Verspannungen zu lösen.
- Professionelle Hilfe: Bei anhaltenden oder starken Nackenschmerzen sollten Sie einen Arzt oder Physiotherapeuten aufsuchen, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung zu erhalten.
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