Spielen ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, das weit mehr als nur reiner Zeitvertreib ist. Besonders in der Kindheit spielt es eine entscheidende Rolle für die Entwicklung. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass Spielen die Gehirnentwicklung fördert und die Intelligenz steigern kann. Dieser Artikel beleuchtet die neurologischen Aspekte des Spielens, die Definition neurologischer Spiele, ihre Auswirkungen auf das Gehirn und die Bedeutung des Spielens für verschiedene Altersgruppen.
Die Bedeutung des Spielens
Spielen ist nicht nur für das kindliche Wohlbefinden wichtig, sondern hat auch tiefgreifende Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung. Im Laufe der Zeit wurde das freie Spiel jedoch zunehmend professionalisiert und in einen Leistungstrimm Pfad umgewandelt. Eltern und Erzieher neigen dazu, Spielen als unproduktiven Zeitvertreib zu betrachten und bevorzugen Aktivitäten wie Lernen, Sport oder Musikunterricht.
Reformpädagogische Konzepte wie die Summerhill-, Montessori- oder Waldorfpädagogik haben versucht, den Freiraum der Kinder zu erhalten und zu stärken. Die Naturwissenschaften liefern nun zusätzliche Argumente für die Bedeutung des Spielens, insbesondere die Neurowissenschaften, die zeigen, dass Spielen die Intelligenz fördern kann.
Neurologische Grundlagen des Spielens
Neurologen und Verhaltensbiologen haben herausgefunden, dass Spielen eine wichtige Funktion für die Anregung des Gehirnwachstums hat. Andrew Iwaniuk, ein Neurologe an der Universität Melbourne, entdeckte, dass bei Menschenaffen der Grad des Gehirnwachstums mit der Zeit übereinstimmt, die mit Spielen verbracht wird. Diese Erkenntnis wurde durch eine umfassende Studie zum Spielverhalten von 15 Säugetierarten bestätigt.
Die Ergebnisse zeigten, dass Tiere mit größeren Gehirnen häufiger und variantenreicher spielen. Dies deutet darauf hin, dass Spielen "Grips" voraussetzt und gleichzeitig fördert. Evolutionsbiologe John Byers argumentiert, dass das zeit- und energieaufwändige Spielen einen wichtigeren Sinn haben muss als nur Lustgewinn und Vorbereitung auf das Erwachsenenleben. Studien mit jungen Ratten, Mäusen und Katzen zeigten, dass die Tiere am intensivsten spielen, wenn die Bildung neuer Synapsen im Kleinhirn (Cerebellum) ihren Höhepunkt erreicht.
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Die Rolle des Kleinhirns und der Großhirnrinde
Das Kleinhirn (Cerebellum) ist für die Koordination von Bewegungen, das Gleichgewicht und die räumliche Orientierung verantwortlich. Eine gut funktionierende Verschaltung des Kleinhirns ist entscheidend für die Bewegungsintelligenz. Die Großhirnrinde (Neocortex) ermöglicht komplexes Denken, Kreativität und soziales Verhalten. Sie ist für die Verarbeitung von Informationen und die Erkennung von Mustern zuständig.
Die spielintensive Zeit kann als Zeitfenster für bestimmte Entwicklungen im Gehirn betrachtet werden. Sprachenlernen und das Erlernen des Laufens sind Beispiele für Fähigkeiten, die in den ersten Lebensjahren optimal erlernt werden können. Die Evolution hat die kindliche Spiellust hervorgebracht, um größere und besser funktionierende Gehirne zu schaffen.
Intelligenzforschung und Spielen
Psychologen betrachten das Denken als Prozess, der mit den Abläufen in einem Computer vergleichbar ist. Intelligenz hängt davon ab, wie schnell die Komponenten dieses Prozesses ablaufen und wie funktionell sie miteinander verbunden sind. Spielen optimiert die Prozesse der Informationsverarbeitung, stimuliert das Gehirn, macht es flexibel und ermöglicht kreatives Verhalten in schwierigen Situationen.
Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass ein unbekannter dritter Faktor beteiligt sein könnte und fordern weitere Experimente, um die Hirnregionen zu identifizieren, die beim Spielen tatsächlich aktiv sind.
Gesellschaftliche Fragen und die Bedeutung des Spielens
Die neurologischen Studien werfen wichtige gesellschaftliche Fragen auf. Was passiert, wenn die Stimulation durch Spielen ausbleibt? Könnte ein Mangel an Spielmöglichkeiten die Gehirnentwicklung bremsen? Frühere Studien haben gezeigt, dass die kognitiven Leistungen von Kindern im ersten Schuljahr umso besser waren, je variantenreicher und fantasievoller ihr Spielverhalten war.
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Es ist daher wichtig, Kindern ausreichend Zeit zum Spielen zu geben und sie nicht in einen engen Plan von Schul- und Freizeitaktivitäten zu zwängen. Die Studien der Verhaltensbiologie können dazu beitragen, den Ruf des Spiels als Gripsmotor wieder aufzupolieren.
Definition von neurologischen Spielen
Eine präzise Definition für "neurologische Spiele" existiert nicht. Im Allgemeinen handelt es sich jedoch um Spiele, die durch logisches Denken, Kombinieren und Lösen verschiedener Aufgaben ein gewünschtes Ziel erreichen. Diese Spiele sollen idealerweise einen Lerneffekt erzielen.
Arten von neurologischen Spielen
- Escape- oder Point-and-Click-Spiele: Spieler müssen Gegenstände kombinieren, um Aufgaben zu erfüllen und das Ziel zu erreichen.
- Detektivspiele: Ähnlich wie Escape Games, jedoch mit dem Ziel, einen Kriminalfall durch das Sammeln von Indizien aufzudecken.
- Knobelspiele: Beispiele sind der Zauberwürfel, bei dem durch Drehbewegungen gleichfarbige Seiten entstehen sollen.
- Kognitive Übungen: Logikspiele und IQ-Tests mit hohem wissenschaftlichem Lerneffekt in Bezug auf die mentalen Leistungen des Menschen.
Neurologische Spiele auf NeuroNation
NeuroNation bietet ein personalisiertes und wissenschaftliches Gehirntraining mit über 55 Übungen in den Kategorien Rechnen, Sprache, Gedächtnis, Sensorik und Logik. Die Logikspiele von NeuroNation sind kognitive Übungen, die auf wissenschaftlicher Basis entwickelt wurden und die formale Logik verbessern.
Die Übungen zielen darauf ab, die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern und positive Effekte im Alltag zu erzielen. Sie verbessern Fähigkeiten wie:
- Schnelles Erfassen und Lösen komplexer Probleme
- Schlussfolgern
- Erkennen von Mustern und Zusammenhängen
- Konzentrationsfähigkeit
- Zielgerichtetes und geplantes Handeln
NeuroNation bietet auch Intensivkurse, die in Zusammenarbeit mit neuropsychologischen Professoren entwickelt wurden und deren Wirksamkeit in Studien bestätigt wurde.
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Videospiele und kognitive Leistung
Eine Studie aus dem Jahr 2022 in den USA ergab, dass 71 % aller Kinder zwischen 2 und 17 Jahren Videospiele spielen. Es gibt Hinweise darauf, dass Videospiele die kognitiven Leistungen verbessern können, da sie Fähigkeiten vermitteln, die sich auf verschiedene kognitive Aufgaben des täglichen Lebens übertragen lassen. Sie könnten Reaktionszeit, Kreativität, Problemlösung und Logik verbessern.
Eine Studie mit 2.217 Kindern im Alter von 9 und 10 Jahren untersuchte die Assoziationen zwischen Videospielen und der kognitiven Leistung. Die Ergebnisse zeigten, dass Videospieler bei Aufgaben zur Reaktionshemmung und zum Arbeitsgedächtnis besser abschnitten als Nicht-Videospieler. Zudem wurden veränderte BOLD-Signale in Kortexregionen beobachtet, die für die visuelle, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisverarbeitung zuständig sind.
Spieleempfehlungen zur Förderung von Hirnfunktionen
Neuropsychologin Barbara Ritter empfiehlt Spiele zur Förderung und Erhaltung von Hirnfunktionen. Ihre Empfehlungen umfassen Klassiker und neue Brettspiele, die verschiedene Bereiche des Gehirns trainieren.
- Aufmerksamkeit: Spiele, die eine hohe Konzentration erfordern.
- Impulskontrolle: Spiele, die die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung fördern.
- Arbeitsgedächtnis: Spiele, die das kurzfristige Gedächtnis trainieren.
- Flexibilität: Spiele, die schnelles Umdenken erfordern.
- Logisches Denken: Spiele, die logisches Denken und Problemlösung fördern.
- Motorik: Spiele, die die Feinmotorik und Koordination verbessern.
Wichtig ist, dass das Spielen trotz Förderabsicht eine angenehme und amüsante Aktivität bleibt.
Serious Games in der Therapie
Serious Games sind Computerspiele, die nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern auch als Lern- und Lehrmittel konzipiert sind. Sie werden insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit affektiven und Verhaltensstörungen sowie chronischen Erkrankungen eingesetzt.
Beispiele für Serious Games in der Therapie
- Camp Cope - A - Lot (CCAL): Ein computerbasiertes Interventionsprogramm zur Behandlung von Angststörungen bei Kindern.
- SPARX: Ein 3-D-Fantasyspiel zur Behandlung von Depressionen bei Jugendlichen.
- ETIOBE: Eine Plattform mit verschiedenen Serious Games, auf der sich übergewichtige Kinder ernährungsphysiologisches Wissen aneignen können.
- Glucoboy: Ein Glukosemessgerät, das auf einen Nintendo-Gameboy aufgesteckt wird und Zusatzspiele als Belohnung für gute Messwerte herunterlädt.
Serious Games haben den Vorteil, dass sie auch außerhalb der Therapiezeiten zeitflexibel angewendet werden können und die Behandlungsmotivation erhöhen.
Neurofeedback-Spiele
Neurofeedback-Spiele sind spezielle Videospiele oder Anwendungen, die auf dem Prinzip der operanten Konditionierung basieren und es ermöglichen, unbewusste Prozesse sichtbar zu machen. Sie geben dem Spieler Echtzeit-Feedback über seine Gehirnaktivität und helfen ihm, seine Gehirnaktivität zu regulieren.
Neurofeedback-Spiele werden häufig als Therapiemethode eingesetzt, um beispielsweise bei ADHS oder Angstzuständen zu helfen. Sie können individuell auf die Bedürfnisse und Ziele des Spielers zugeschnitten werden.
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