Die Telemedizin revolutioniert die neurologische Versorgung, insbesondere in ländlichen Regionen und bei seltenen Erkrankungen. Durch digitale Vernetzung von Experten und Kliniken wird eine flächendeckende, hochspezialisierte und niederschwellige Versorgung ermöglicht. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Initiativen und Plattformen, die Telemedizin in der Neurologie vorantreiben, wobei der Fokus auf der Schlaganfallversorgung und der Behandlung seltener Erkrankungen liegt. PD Dr. Dr. Bastian Volbers, ehemals in der Uniklinik Erlangen tätig und heute Oberarzt in der Klinik für Neurologie des Inselspitals Bern, gibt Einblicke in die Chancen und Erfahrungen des Projektes "SchlaganfallNetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern - (STENO)".
Schlaganfallversorgung durch Telemedizin
Das Schlaganfallnetzwerk STENO
Das Projekt "SchlaganfallNetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern - (STENO)" unter der Leitung von PD Dr. Dr. Bastian Volbers ist ein Beispiel für die erfolgreiche Anwendung von Telemedizin in der Schlaganfallversorgung. Das Netzwerk besteht aus mehreren Kliniken in der Region Nordbayern, die sich per Telekonsil zur Akutversorgung von Schlaganfällen austauschen. Ziel ist es, die Versorgung von Schlaganfallpatienten in ländlichen Regionen zu verbessern, wo der Weg zur nächsten Stroke Unit oft weit ist.
Telekonsile und ihre Bedeutung
Telekonsile ermöglichen es Ärzten in kleineren Kliniken, die Expertise von Spezialisten in größeren Zentren einzuholen. Dies ist besonders wichtig bei der Akutversorgung von Schlaganfällen, wo schnelle Entscheidungen über die geeignete Therapie getroffen werden müssen. Durch die telemedizinische Vernetzung können auch Kliniken ohne eigene Stroke Unit eine hochwertige Versorgung anbieten.
Virtuelles Krankenhaus NRW
Ein weiteres Beispiel für die telemedizinische Vernetzung ist das Virtuelle Krankenhaus NRW. Ziel ist es, hochspezialisierte, fachmedizinische Expertise sektorenübergreifend, flächendeckend und niederschwellig verfügbar zu machen. Für den ärztlichen kollegialen Austausch mittels Telekonsil wird dazu eine unabhängige digitale - und in der Pilotphase kostenfreie - Vermittlungs- und Serviceplattform angeboten.
Zertifizierte Stroke Units und regionale Unterschiede
Aktuell gibt es ca. 333 zertifizierte Stroke Units in Deutschland. Doch in den ländlichen Regionen ist der Weg zur nächsten Stroke Unit häufig immer noch sehr weit. Die Telemedizin kann dazu beitragen, diese regionalen Unterschiede in der Versorgung auszugleichen.
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Telemedizin bei seltenen Erkrankungen
BASE-Netz: Bayerische Arbeitsgemeinschaft für Seltene Erkrankungen
Im Rahmen einer Förderung durch das Bayerische Staatsministerium arbeiten alle Zentren für seltene Erkrankungen digital vernetzt in der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft für Seltene Erkrankungen (BASE-Netz) zusammen. Für die konsiliarische Beratung zu komplexen Patientenfällen durch Experten anderer Zentren und die Durchführung von Fallkonferenzen wird ein digitales Tool gebraucht.
CPMS: grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa
This is an overview of a CPMS system which enables collaboration across EU experts centres to aide the diagnosis and treatment of rare disease patients. CPMS ermöglicht die Zusammenarbeit von Expertenzentren in der gesamten EU, um die Diagnose und Behandlung von Patienten mit seltenen Erkrankungen zu unterstützen. Dies ist besonders wichtig, da seltene Erkrankungen oft schwer zu diagnostizieren und zu behandeln sind und die Expertise von Spezialisten aus verschiedenen Ländern erforderlich ist.
Weitere Anwendungsbereiche der Telemedizin in der Neurologie
Teledermatologie
Für Kliniken, die nicht über eine eigene Hautklinik verfügen, bietet die Teledermatologie die Möglichkeit zur Vernetzung bei dermatologischen Fragestellungen an. Dies ist ein Beispiel dafür, wie Telemedizin die interdisziplinäre Zusammenarbeit verbessern kann.
Internationale Telekonsile
Über ein internationales Telekonsil wird das Universitätsklinikum Würzburg mit dem Guangxi International Zhuang Medicine Hospital in China vernetzt. Dies zeigt, dass die Telemedizin nicht auf nationale Grenzen beschränkt ist, sondern auch die internationale Zusammenarbeit fördern kann.
Consi: Plattform für digitale Konsildienste
Consi ist eine Plattform für digitale Konsildienste. Über Consi vernetzen wir Expertinnen und Experten in verschiedenen Fachbereichen - von der Dermatologie bis zur Neurologie.
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Die National Institute of Health Stroke Scale (NIHSS)
Schulungsplattform der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Eine deutschsprachige Schulungsplattform zur Anwendung der National Institute of Health Stroke Scale (NIHSS) wird seit Monatsanfang von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) betrieben. Diese ist gleichermaßen für Ärzte wie auch Pflegekräfte konzipiert und kostenfrei unter www.dsg-nihss.de erreichbar. Auch vergibt die DSG für jeden angemeldete Teilnehmer am Ende der Schulung ein eigenes Zertifikat. Die Erfassung neurologischer Defizite von Patienten mit akutem Schlaganfall sowie die regelmäßige Dokumentation ihrer Fortschritte soll damit zukünftig von jedem Mitarbeitenden der Stroke-Unit verlässlich und sicher beherrscht werden.
Entwicklung und Umsetzung der NIHSS-Plattform
Mehr als zwei Jahre hat Prof. Nabavi, 2. Vorsitzender der DSG und Chefarzt der Neurologie im Vivantes Klinikum Neukölln, gemeinsam mit vier Kolleginnen und Kollegen aus Tübingen und Erlangen an der Übersetzung sowie Umsetzung der NIHSS-Plattform gearbeitet. „Das war ein ordentliches Stück Arbeit, vom Datenschutz angefangen“, so Nabavi. Da die NIH-Schlaganfall-Skala aber bereits seit Jahrzehnten Standard bei der Erfassung neurologischer Defizite nach akutem Schlaganfall sei, würde die DSG damit vor allem ein langjähriges Versprechen einlösen.
Nutzung und Zertifizierung der NIHSS-Plattform
Zur Nutzung der NIHSS-Plattform der DSG ist einzig eine Registrierung des Nutzers erforderlich, um einen Abschluss in einem medizinischen Beruf nachzuweisen. Danach erfolgt die Freischaltung der Schulungsvideos für alle 13 Kategorien, in die die NIH-Schlaganfall-Skala unterteilt ist. „Ein Sprecher führt durch die verschiedenen Kategorien“, erklärt PD Dr. Bastian Volbers, ehemals in der Uniklinik Erlangen tätig und heute Oberarzt in der Klinik für Neurologie des Inselspitals Bern. „Insgesamt haben wir derzeit 15 Videos auf der Plattform hinterlegt. Diese wurden mithilfe von Probanden, Schauspielern wie auch tatsächlichen Patienten gedreht“, ergänzt sein Kollege Mario Lorenz. „Tatsächlich haben wir schließlich für alle Szenen richtige Drehbücher geschrieben“, erzählen PD Dr. Annerose Mengel und PD Dr. Katharina Feil, beide leitende Oberärztinnen der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Tübingen. „Für uns Mediziner eine vollkommen neue Erfahrung. Aber wirklich spannend“, sagt Annerose Mengel. Und nach dem Dreh haben die Schlaganfall-Experten viel Zeit in die Nachbearbeitung der Videos investiert. „Kann man die Veränderung der Armkraft wirklich sehen? Ist die Mimik des Patienten textbuchmäßig? In Tübingen wie in Erlangen werden zudem jetzt im Sommer weitere Schulungsvideos gedreht, um die Schulungsplattform stetig zu erweitern. „Wir haben aus den ersten Drehs einiges gelernt, was wir noch verbessern können“, erzählt Katharina Feil. Für die Zertifizierung nach erfolgter Schulung hat die Gruppe schließlich eine Vielzahl von Multiple-Choice-Fragen ausgearbeitet: Verständnisfragen zu jedem Item sowie Allgemeinfragen zu Möglichkeiten und Grenzen der Skala. Drei Fälle werden dem Prüfling nach dem Zufallsprinzip zur praktischen Bewertung vorgestellt, wie auch zusätzlich 16 eingestreute MC-Fragen zur NIHSS. „Wir haben derzeit insgesamt zehn verschiedene Prüfungs-Kombinationen und werden diese mit den neuen Videos dann im Herbst noch erweitern können“, so Nabavi. „Die bisherige Zertifizierung aus den USA umfasste keine Wissensabfrage“, erklärt der 2. DSG-Vorsitzende, „was uns bei der Erarbeitung unserer Schulungsplattform aber wirklich wichtig war, um ein handfestes Konzept präsentieren zu können.“ Das DSG-Zertifikat ist fünf Jahre gültig. Spätestens danach soll jeder Kollege sein Wissen auffrischen und die Prüfung erneut ablegen.
Die Rolle der m&i-Fachklinik Herzogenaurach
Die m&i-Fachklinik Herzogenaurach ist eine moderne Klinik für spezialisierte Akutmedizin und medizinische Rehabilitation inmitten der Metropolregion Nürnberg. Seit 1996 behandelt sie Patienten in der konservativen Akutmedizin sowie in der stationären und ambulanten medizinischen Rehabilitation und hilft ihnen auf dem Weg zu mehr Gesundheit. Mit ihrer interdisziplinären Kernkompetenz in einem vernetzten Rehabilitationsspektrum hat sich die Fachklinik als unverzichtbarer Baustein in der Gesundheitsversorgung Mittelfrankens etabliert. Im Mittelpunkt des Handelns und Denkens stehen stets die Patienten. Diese genießen eine persönliche, ganzheitliche Betreuung durch alle Mitarbeitenden der Klinik.
Reha-Bereiche und akutmedizinisch-therapeutisches Behandlungsspektrum
Im Reha-Bereich behandelt die m&i-Fachklinik Herzogenaurach Patienten in den Fachabteilungen Neurologie/Neuropsychologie, Orthopädie/Unfallchirurgie und Geriatrie. Das akutmedizinisch-therapeutische Behandlungsspektrum umfasst die Fachbereiche Neurologie (Frührehabilitation Phase B) und Orthopädie, welches sich bei akuten und chronischen spezifischen Rückenschmerzen vielfach als schonende Alternative zu schweren Operationen am Bewegungsapparat bewährt hat.
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Mitarbeiter der Neurologischen Klinik Erlangen (Auswahl)
Die folgende Auflistung enthält Kontaktdaten von Mitarbeitern der Neurologischen Klinik Erlangen (Hinweis: Die Daten können veraltet sein):
- Klinikdirektor: Rothhammer, Veit
- Fachbereichskoordination Lehre: Kallmünzer, Bernd
- Patientenmanagement: Völklein, Sabine
- Notfallambulanz und Abrechnung: Haner, Alexandra
- Personal: Stefan, Hermann
- MEG - MTA: Rzonsa, Martina
- Physiotherapie: Kinscher, Kathrin, Gareiß, Carolin, Hergenröder, Nina, Uhlich, Bernd
- Muskelkranke (DGM): Berger, Sabine
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