Das erste sensorische Neuron: Definition, Aufbau und Funktion

Das Nervensystem steuert das komplizierte Zusammenspiel von Organen, Muskeln und Sinneswahrnehmungen unseres Körpers. Das zentrale Nervensystem (ZNS) besteht aus Gehirn und Rückenmark und stellt die Kommandozentrale dar, die die ankommenden Sinnesempfindungen (sensorische Informationen) interpretiert. Sobald ein Mensch einen Gegenstand wie beispielsweise ein Buch in die Hand nimmt und anfängt zu lesen, übernimmt das ZNS mehrere Aufgaben. Es sendet z.B. spezifische Befehlssignale aus, die bestimmen, wie die Arme das Buch halten. Das periphere Nervensystem (PNS) besteht aus sensorischen und motorischen Nerven: Sensorische Nerven leiten Informationen, die man durch Sehen, Hören, Schmecken, Fühlen und Tasten aufnehmen kann, zum ZNS. Bei Schäden des ZNS durch Krankheiten oder Verletzungen bestimmt der Ort der Schädigung die Art der daraus entstehenden Symptome. Schäden im Rückenmark können z.B. zu Taubheitsgefühl und Schwäche in den Gliedmaßen oder zu Blasenstörungen führen. Ein einfacher Weg zur Überprüfung der Funktion des Nervensystems ist es, den Rückenmarksreflexbogen zu testen. So lässt sich feststellen, ob der Patient an einer Erkrankung des Nervensystems leidet. Geprüft werden automatische Reaktionen, die keine Gehirnleistungen und kein Denken erfordern. Reflexfunktionen können z.B.

Einführung in das Neuron

Nervenzellen, auch Neuronen genannt, sind die grundlegenden Bausteine des Nervensystems. Sie sind hochspezialisierte Zellen, die für die Aufnahme, Weiterleitung und Verarbeitung von Nervenimpulsen zuständig sind. Damit die Nervenzellen ihre Funktion als Kommunikationsspezialisten gut erfüllen können, sind sie zu einem großen Netzwerk, dem Nervensystem, zusammengeschaltet. Allein im menschlichen Gehirn, dem Schalt- und Kontrollzentrum des Nervensystems, sind rund 100 Milliarden Nervenzellen im Einsatz.

Aufbau einer Nervenzelle

Der Aufbau einer Nervenzelle ist komplex und faszinierend zugleich. Der Zellkörper der Nervenzelle, auch Soma genannt, enthält den Zellkern sowie alle Zellorganellen, die für die Funktionsfähigkeit der Zelle wichtig sind, darunter Nissl-Schollen, Golgi-Apparat und Mitochondrien. Von letzteren ist das Neuron aufgrund seines hohen Energiebedarfs in besonderem Maße abhängig. Dendriten sind feine Verästelungen des Zellkörpers (sog. Zellfortsätze), die über Synapsen mit anderen Nervenzellen in Kontakt stehen. Sie empfangen deren Signale und leiten sie anschließend an den Zellkörper weiter. Dendriten stellen also gewissermaßen die Antennenregion der Nervenzelle dar. Als Axon bzw. Neurit wird der Neuron Fortsatz bezeichnet, der aus dem Axonhügel hervorgeht und die elektrischen Impulse vom Zellkörper zum Ende der Nervenzelle leitet. Im Gegensatz zu den kürzeren Dendriten kann die Länge des Axons je nach Funktion und Lokalisation der Nervenzelle bis zu einem Meter und mehr betragen. Der Axonhügel bildet den Ursprung des Axons am Zellkörper der Nervenzelle. Hier werden die einkommenden elektrischen Impulse gesammelt und verrechnet, bis sie eine bestimmte Schwelle überschreiten. Haben sie das sogenannte Schwellenpotenzial erreicht, wird der Reiz (Aktionspotenzial) über das Axon zur nächsten Zelle weitergeschickt. Schwannsche Zellen sind Stütz- und Hüllzellen der Neuronen im peripheren Nervensystem. Sie sind nicht direkt an der Reizweiterleitung beteiligt, sondern haben die Aufgabe, die Nervenzelle zu stabilisieren und zu ernähren. Als Myelinscheide oder Markscheide wird die von Schwannschen Zellen gebildete elektrische Isolationsschicht bezeichnet. Wie ein Verband legt sie sich um das Axon der Neuronen des peripheren Nervensystems herum und sorgt so nicht nur für deren Schutz, sondern auch für die Beschleunigung der Erregungsleitung. Im zentralen Nervensystem (ZNS), also dem Gehirn und Rückenmark, werden die Nervenzellen ebenfalls von einer Myelinscheide umgeben. Entlang des Axons ist die Myelinscheide immer wieder durch freiliegende Axonbereiche, die sogenannten Ranvierschen Schnürringe, unterbrochen. Diese Unterbrechungen ermöglichen es dem elektrischen Impuls, über längere umhüllte Bereiche zu springen und so eine höhere Geschwindigkeit zu erlangen. Synaptische Endknöpfchen bilden das Ende der Nervenzelle, an dem mithilfe von Synapsen ankommende elektrische Signale zur nächsten Nervenzelle oder einer anderen Zelle (z. B. Meist wird das elektrische Potenzial dazu in sogenannten Neurotransmitter (Nervenbotenstoffe) „umgewandelt“. Zu den Neurotransmittern gehören eine Reihe chemischer Botenstoffe wie z. B. Acetylcholin, Noradrenalin, Dopamin oder Glutamat. Diese werden in chemischen Synapsen in kleinen Bläschen, den synaptischen Vesikeln, gelagert. In seltenen Fällen (z. B. Zahlreiche Antennen und ein leistungsstarkes Datenkabel machen es möglich, dass Nervenzellen in Windeseile untereinander und mit anderen Körperzellen kommunizieren. Wichtige Schaltstellen bilden hierbei die Synapsen, deren Anzahl je nach Zelltyp zwischen genau einer und über 100.000 variieren. Trifft nun ein elektrisches Signal über das Axon am Nervenende ein, erhöht sich die elektrische Spannung an der präsynaptischen Membran, d. h. In der Folge bewegen sich mit Neurotransmittern gefüllte synaptische Vesikel in Richtung der Membran und verschmelzen mit ihr. Dabei werden die Botenstoffe in den synaptischen Spalt abgegeben und „wandern“ zur Empfängerzelle. Elektrisch geladene Teilchen strömen in die Zelle ein und verändern die Spannung der Empfänger Zelle (postsynaptisches Potenzial). Der entstehende Reiz wird anschließend über die Dendriten und dem Zellkörper zum Axonhügel weitergeleitet, wo bei einem ausreichend starken elektrischen Impuls ein Aktionspotenzial ausgelöst wird. Anschließend schließen sich die Natriumkanäle wieder. Die Spannung sinkt zurück auf das Ruhepotenzial (sogenannte Repolarisation). Nach dem Alles-oder-nichts-Gesetz lässt eine Erregung bei Überschreitung des Schwellenpotenzials immer ein Aktionspotenzial in gleicher Form, Größe und Dauer entstehen. Daher ist nicht die Größe des Aktionspotenzials für die Kommunikation der Nervenzellen entscheidend, sondern die Anzahl der Impulse pro Zeiteinheit (Frequenz). Dabei ist es wichtig, dass nach jeder Depolarisation mithilfe der Natrium-Kalium-Pumpe das Ruhepotenzial wieder hergestellt wird.

Klassifizierung von Neuronen

In der Neurobiologie können Nervenzellen nach verschiedenen Charakteristika eingeteilt werden.

  • Unipolare Nervenzelle: Neuron mit einem Fortsatz (Axon); lange wurden die Sinneszellen der Augen dazu gezählt.
  • Bipolare Nervenzelle: Neuron mit zwei separaten Fortsätzen (Axon und Dendrit); dient der Vermittlung bestimmter Sinne (z. B. Sehen, Riechen).
  • Pseudounipolare Nervenzelle: Neuron, bei dem Dendrit und Axon aus einem gemeinsamen Fortsatz in der Nähe des Zellkörpers entspringen (z. B. in Spinalganglien).
  • Multipolare Nervenzelle: Neuron mit vielen Dendriten und einem Axon; multipolare Nervenzellen gehören zu den am häufigsten vorkommenden Nervenzellen (z. B. Motoneurone).

Sensorische Neuronen im Detail

Sensorische Neuronen sind spezialisierte Nervenzellen, die sensorische Informationen, wie Licht, Geräusche und Berührungen, von den Sinnesorganen an das zentrale Nervensystem leiten. Diese Nervenzellen spielen eine entscheidende Rolle bei der Wahrnehmung der Umgebung und der Koordination von Reaktionen darauf.

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Definition

Sensorische Neuronen (auch bekannt als afferente Neuronen) sind ein zentraler Bestandteil des Nervensystems und spielen eine entscheidende Rolle im täglichen Leben. Diese spezialisierten Nervenzellen sind dafür verantwortlich, sensorische Informationen aus der Umwelt zu empfangen und an das Gehirn weiterzuleiten, damit der Körper auf sie reagieren kann. Sie wandeln Umwelteinflüsse in elektrische Signale um und leiten diese an das zentrale Nervensystem weiter.

Funktion

Die Hauptfunktion von sensorischen Neuronen ist die Reizwahrnehmung und Weiterleitung dieser Reize an das zentrale Nervensystem. Sobald ein sensorisches Neuron aktiviert wird, überträgt es die Information als elektrisches Signal. Diese Signale werden zum Gehirn oder Rückenmark geleitet, wo sie verarbeitet und interpretiert werden, damit man bewusst auf die Reize reagieren kann.

Reizwahrnehmung und -weiterleitung

Stell Dir vor, Du berührst eine heiße Herdplatte. Die sensorischen Neuronen in der Hand nehmen den Wärmereiz wahr und senden einen Impuls an Dein Gehirn. Das Gehirn interpretiert den Reiz als 'heiß' und setzt eine Reaktion in Gang, um die Hand schnell zurückzuziehen. Oder wenn man sich in einem lauten Raum befindet, nehmen sensorische Neuronen in den Ohren die Schallwellen wahr. Diese werden als elektrische Impulse an das Gehirn gesendet, welches die Informationen als 'Lärm' identifiziert.

Klassifikation nach Reiztyp

Sensorische Neuronen sind oft spezialisiert auf verschiedene Arten von Reizen. Sie lassen sich nach ihrer spezifischen Funktion und dem Reiztyp klassifizieren:

  • Mechanorezeptoren: Diese reagieren auf mechanische Reize wie Druck oder Vibration.
  • Thermorezeptoren: Diese sind für die Wahrnehmung von Temperaturunterschieden zuständig.
  • Nozizeptoren: Diese erkennen gewebeschädigende Reize und sind entscheidend für die Schmerzempfindung.
  • Photorezeptoren: In der Netzhaut des Auges angesiedelt, sind sie für die Wahrnehmung von Licht verantwortlich.

Diese Spezialisierung ermöglicht es dem Körper, präzise und differenzierte sensorische Erfahrungen zu machen. Die Unterscheidung der Reize erfolgt durch spezialisierte Neuronen, was die sensorische Vielfalt und Genauigkeit erhöht.

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Neuronale Plastizität

Ein faszinierender Aspekt der sensorischen Neuronen ist die neuronale Plastizität. Dies ist die Fähigkeit der neuronalen Netze, sich an vorübergehende oder dauerhafte Veränderungen anzupassen. Bei kontinuierlicher Stimulation können sensorische Neuronen ihre Sensitivität anpassen. Zum Beispiel kann das wiederholte Training motorischer Fähigkeiten wie beim Klavierspielen die sensorische Plastizität fördern, was zu einer verbesserten motorischen Kontrolle und feineren Reaktionsfähigkeiten führt. Diese Anpassung ist nicht nur für Lernprozesse wichtig, sondern auch für die Regeneration und Anpassungsfähigkeit nach Nervenschäden.

Sensorische Neuronen und Technologie

Sensorische Neuronen spielen nicht nur im biologischen Bereich eine wichtige Rolle, sondern auch in den Ingenieurwissenschaften. Ihre Konzepte und Funktionen dienen häufig als Quelle der Inspiration für Technologien und Systeme, die in der Technik zum Einsatz kommen.

Anwendungen in der Robotik

In der Robotik wird das Konzept der sensorischen Neuronen verwendet, um autonome Systeme zu entwickeln, die auf Umgebungsreize reagieren können. Diese Systeme nutzen Sensoren, die ähnlich wie sensorische Neuronen funktionieren, um eine Umgebung wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Einige Anwendungen in der Robotik umfassen:

  • Tastsensoren: Ermöglichen Robotern, Oberflächen und Texturen zu erkennen. Diese Tastsensoren arbeiten ähnlich wie Mechanorezeptoren in der menschlichen Haut.
  • Lichtsensoren: Diese helfen Robotern, ihre Position relativ zu Lichtquellen zu bestimmen und sind vergleichbar mit Photorezeptoren.
  • Temperatursensoren: Diese Sensoren lassen Roboter Temperaturunterschiede spüren und darauf reagieren.

Ein interessanter Aspekt ist der Einsatz von künstlichen neuronalen Netzwerken (KNN) in der Robotik, die auf dem biologischen Neuronenmodell basieren. KNNs nutzen die Prinzipien der sensorischen Neuronen, um maschinelles Lernen zu ermöglichen. Ein KNN besteht aus einer Schicht von Neuronen, die Informationen analog zu biologischen Neuronen verarbeiten. Bei entsprechender Ausbildung können KNNs Muster erkennen und Entscheidungen treffen, ähnlich wie das menschliche Gehirn.

Ein praktisches Beispiel sind smarte Prothesen. Diese integrieren Sensoren, welche die Funktionen von sensorischen Neuronen nachahmen. Dadurch können die Prothesen, ähnlich einem natürlichen Körperglied, Informationen über Druck, Temperatur und Position weitergeben, was die Bewegungssteuerung erleichtert.

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Datenverarbeitung und -analyse

Auch bei der Datenverarbeitung und Analyse sind sensorische Neuronen leitend. Ingenieure nutzen ihre Prinzipien, um Datenströmungsmodelle zu entwickeln, die effizient und präzise Informationen verarbeiten. Dies ist besonders nützlich in Bereichen wie:

  • Bildgebungsanalyse: Gleichsam wie Menschen mit Hilfe von Photorezeptoren visuelle Daten verarbeiten, nutzen Computersysteme Modelle von sensorischen Neuronen, um Bilder zu analysieren.
  • Signalverarbeitung: Systeme, die Audiosignale filtern, nutzen die Struktur von Neuronen zur effektiveren Analyse von Datenströmen.

In der Signalverarbeitung basieren fortgeschrittene Filteralgorithmen auf der Funktionsweise interner neuronaler Netzwerke, um Störgeräusche effizienter zu eliminieren.

Ein Beispiel für Datenanwendungen ist die Echtzeit-Überwachung von Verkehrssystemen. Sensoren in den Straßen sammeln kontinuierlich Daten über Fahrzeuge, die dann analysiert werden, um Verkehrsflüsse zu optimieren.

Innovationen durch sensorische Neuronen in der Technologie

Die Prinzipien der sensorischen Neuronen fördern Innovationen in verschiedenen technologischen Bereichen. Wichtige Fortschritte umfassen:

  • Künstliche Intelligenz: Algorithmen nutzen das neuronale Modell, um maschinelles Lernen zu verbessern und autonomes Verhalten zu steuern.
  • Wearable Technology: Integriert sensorische Funktionen, um biosensorische Daten für Gesundheit und Fitness zu erfassen.
  • Automatisierte Überwachungssysteme: Verwenden Sensoren, um Echtzeitinformationen über Umweltveränderungen zu sammeln.

Ein Beispiel sind smarte Textilien, die mit Sensorik ausgestattet sind, um Bewegungen zu überwachen und Gesundheitsdaten in Echtzeit bereitzustellen.

Herausforderungen in der Anwendung sensorischer Neuronen

Obwohl sensorische Neuronen vielversprechend sind, stehen technologische Anwendungen vor einigen Herausforderungen:

  • Genauigkeit und Zuverlässigkeit: Sensoren müssen präzise sein, um verlässliche Daten zu liefern.
  • Integration und Komplexität: Die umfassende Integration in bestehende Systeme kann komplex sein und erfordert umfangreiche Anpassungen.
  • Kosten: Die Entwicklung und Implementierung hochentwickelter Systeme kann kostspielig sein.

Ein besonderes Problem ist die Kalibrierung der Sensoren. Ungenaue Sensoren können zu falschen Daten führen, die die Ergebnisse der Prozesse beeinflussen können.

Sensorische Neuronen in der Informatik

In der Informatik übernehmen sensorische Neuronen eine modellhafte Rolle, um neuronale Netzwerke zu simulieren und maschinelles Lernen anzuleiten. In der Mustererkennung werden sensorische Neuronen genutzt, um Eingangssignale zu empfangen und zu interpretieren. Das Verständnis von sensorischen Neuronen kann zur Entwicklung künstlicher Intelligenz beitragen, indem es Modelle inspiriert, die die Verarbeitung und Interpretation von sensorischen Daten nachahmen.

Sensorische Neuronen ermöglichen es, sensorische Eingaben von Computern zu verarbeiten und in intuitive Reaktionen umzusetzen. Sie verbessern die menschliche-Computer-Interaktion, indem sie natürliche und effiziente Kommunikationswege schaffen, die auf taktile, visuelle oder auditive Signale reagieren. Aktuelle Forschungsgebiete in der Informatik, die sich mit der Simulation von sensorischen Neuronen beschäftigen, umfassen neuronale Netze, kognitive Robotik, neuromorphe Systeme und Computer-Gehirn-Schnittstellen.

Das Zusammenspiel der Neuronen: Synaptische Übertragung

Nervenzellen sind miteinander durch Synapsen verbunden, an denen Signale in Form von Botenstoffen übertragen werden. Das Nervensystem besteht aus etwa 100 Milliarden Nervenzellen, die untereinander vernetzt sind und dadurch zu komplexen Rechenleistungen in der Lage sind. Die Nervenzellen besitzen eine Antennenregion, die durch den Zellkörper und deren Fortsätze (Dendriten) gebildet wird. Die Signale werden dann verrechnet und durch ein „Kabel“, das Axon, in Form von elektrischen Impulsen weitergeleitet. In der Senderregion verzweigt sich das Axon und bildet Kontaktstellen aus, die Synapsen, an denen die Signale auf andere Nervenzellen übertragen werden. Dort werden die aus dem Axon eintreffenden elektrischen Impulse in chemische Signale umgewandelt. Die Information fließt dabei nur in einer Richtung: Eine Zelle redet, die andere hört zu. Die präsynaptischen Nervenenden enthalten die als Neurotransmitter bezeichneten Signalmoleküle, die in kleinen membranumschlossenen Vesikeln gespeichert sind. Jedes Nervenende im zentralen Nervensystem enthält durchschnittlich mehrere 100 synaptische Vesikel. Dennoch gibt es hier große Unterschiede: So gibt es beispielsweise Spezialisten unter den Synapsen, die mehr als 100.000 Vesikel enthalten. Dazu zählen die Synapsen, die unsere Muskeln steuern. Wenn ein elektrisches Signal im Nervenende eintrifft, werden Calcium-Kanäle in der Plasmamembran aktiviert, durch die Calcium-Ionen vom Außenraum in das Innere der Synapse strömen. Sie treffen auf eine molekulare Maschine, die sich zwischen der Membran der Vesikel und der Plasmamembran befindet und die durch die hereinströmenden Calcium-Ionen aktiviert wird. Diese Maschine bewirkt, dass die Membran der Vesikel, die sich in der Startposition befinden, mit der Plasmamembran verschmilzt. Auf der anderen Seite des synaptischen Spaltes treffen die Botenstoffe auf Andockstellen in der Membran des Empfänger-Neurons, die die elektrischen Eigenschaften dieser Membran regulieren. Dadurch ändert sich der Membranwiderstand. Die Empfängerzelle kann die Spannungsänderung, die dadurch entsteht, in einem rasanten Tempo verarbeiten Zwischen dem Eintreffen des Impulses bis zur Spannungsänderung auf der anderen Seite des synaptischen Spalts vergeht nur etwa eine tausendstel Sekunde. Damit stellt die synaptische Übertragung einen der schnellsten biologischen Vorgänge dar. Die synaptischen Vesikel sind keineswegs nur eine Art membranumhüllte „Konservendose“ zur Speicherung der Botenstoffe. In ihrer Membran befindet sich eine ganze Reihe von Proteinen, die sich seit Millionen von Jahren durch die Evolution kaum verändert haben. Eine Gruppe dieser Proteine, die Neurotransmitter-Transporter, ist dafür verantwortlich, die Botenstoffe aus dem Zellplasma in die Vesikel hineinzupumpen und dort anzureichern. Dazu ist viel Energie erforderlich. Diese wird von einem weiteren Proteinmolekül bereitgestellt, einer Protonen-ATPase (V-ATPase), die unter Verbrauch von Adenosintriphosphat (ATP) Protonen in die Vesikel hineinpumpt. Neben diesen für das „Auftanken“ erforderlichen Proteinen enthalten die Membranen synaptischer Vesikel weitere Komponenten, die dafür sorgen, dass die Vesikel mit der Plasmamembran verschmelzen können (darunter das SNARE-Protein Synaptobrevin und den Calcium-Sensor Synaptotagmin) und nach der Membranfusion wieder in das Nervenende zurücktransportiert werden. Die synaptische Vesikel werden anschließend im Nervenende über einige Zwischenschritte wieder recycelt und neu mit Botenstoffen befüllt. Die Funktionsweise der synaptischen Vesikel auf molekularer Ebene zu verstehen, ist eine aufwendige Arbeit. Wir haben dazu vor einigen Jahren ein umfassendes Inventar aller Vesikelbestandteile erstellt. Dabei mussten Probleme gelöst werden, die keineswegs so einfach waren, wie man annehmen möchte, z. B. das Auszählen der Vesikel in einer Lösung oder die quantitative Bestimmung des Gehaltes von Proteinen und Membranlipiden. Die Ergebnisse waren auch für Experten überraschend. So stellte sich heraus, dass ein biologisches Transportvesikel in seiner Struktur viel stärker durch Proteine bestimmt wird als zuvor angenommen: Wenn man von außen auf das Vesikelmodell schaut, kann man die Lipidmembran (gelb) vor lauter Proteinen kaum erkennen, und dabei sind im Modell nur ca. Diese Arbeiten bildeten die Grundlage zu weiterführenden Untersuchungen. So ist es gelungen, Vesikel, die unterschiedliche Botenstoffe transportieren, voneinander zu trennen und miteinander zu vergleichen. Anders als vorher vermutet, unterscheiden sie sich nur geringfügig in ihrer Zusammensetzung. Ein zweiter Schwerpunkt der Forschung besteht darin, die Proteinmaschine, die die Membranfusion bewerkstelligt, in ihren funktionellen Details zu verstehen. Für die Fusion selber sind SNARE-Proteine verantwortlich - kleine Proteinmoleküle, die in der Plasmamembran wie in der Vesikelmembran sitzen. Kommen die Membranen nahe aneinander, lagern sich die dieser Proteine aneinander, wobei sie sich in Richtung der Membran wie Taue miteinander verdrillen (Abb. Bei dieser Zusammenlagerung wird Energie freigesetzt, die für das Verschmelzen der Membranen benutzt wird. Um zu verstehen, wie diese Zusammenlagerung die Verschmelzung der Membranen bewirkt, wurden die SNARE-Proteine in künstliche Membranen eingebaut, an denen man die Fusion mit hochauflösenden Methoden, darunter der Kryo-Elektronenmikroskopie, untersuchen konnte. Dabei wurden erstmalig Zwischenstufen der Fusionsreaktion identifiziert. Fortschritte sind ebenfalls bei der Frage erzielt worden, wie die einströmenden Calcium-Ionen die Fusionsmaschine aktivieren. Trotz großer Fortschritte sind die komplexen molekularen Prozesse immer noch nicht vollständig verstanden: Umso erstaunlicher ist es, wie reibungslos Nervenzellen miteinander kommunizieren, wie effektiv die Fusionsmaschinerie in der Synapse funktioniert, bei jeder unserer Bewegungen, in unserem Fühlen und Denken. Deshalb forschen Wissenschaftler auf der ganzen Welt weiterhin daran, diese Prozesse noch besser zu verstehen.

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