Die Ausbildung zum Erzieher ist ein anspruchsvoller, aber lohnender Beruf, der die Betreuung, Förderung und Erziehung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit und ohne Behinderung umfasst. Gerade im Bereich der Behindertenhilfe sind Erzieherinnen und Erzieher sehr gefragt. Doch welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um diesen Beruf zu ergreifen, insbesondere wenn man selbst von einer Spastik betroffen ist? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Wege und Möglichkeiten der Erzieherausbildung unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse und Herausforderungen.
Der Beruf des Erziehers: Ein Überblick
Erzieherinnen und Erzieher haben einen pädagogischen Auftrag und begleiten Menschen jeden Alters mit und ohne Behinderung. Dabei ist es wichtig, dass sie die Methoden stets abstimmen und anpassen, insbesondere wenn Kinder und Jugendliche einen individuellen Unterstützungsbedarf haben. Das Aufgabenspektrum ist vielfältig und umfasst:
- Gestaltung von Spiel- und Bewegungszeiten
- Einbinden von Musik, Basteln und Werken
- Planung und Durchführung von Ausflügen
- Unterstützung von Erwachsenen beim Wohnen (in der Behindertenhilfe)
Wer den direkten Kontakt zu Menschen sucht, Geduld mitbringt und Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat, für den ist der Beruf des Erziehers eine gute Wahl.
Voraussetzungen für die Erzieherausbildung
Die formalen Voraussetzungen für die Erzieherausbildung variieren je nach Bundesland und Ausbildungsform. In der Regel wird jedoch ein mittlerer Bildungsabschluss (Realschulabschluss) oder ein gleichwertiger Schulabschluss vorausgesetzt. Darüber hinaus können je nach Ausbildungsstätte weitere Anforderungen hinzukommen, wie zum Beispiel ein Vorpraktikum oder ein Eignungstest.
Wege in die Erzieherausbildung
Es gibt verschiedene Wege, um die Erzieherausbildung zu absolvieren:
Lesen Sie auch: Spastiker: Die richtige Maus finden
- Duale Ausbildung: Diese Form der Ausbildung findet parallel in einer Berufsschule und in einer sozialpädagogischen Einrichtung (z.B. Kindergarten, Heim) statt.
- Schulische Ausbildung: Hierbei handelt es sich um eine vollzeitschulische Ausbildung an einer Fachschule für Sozialpädagogik.
- Berufsbegleitende Ausbildung: Diese Ausbildungsform ermöglicht es, die Ausbildung neben einer Berufstätigkeit zu absolvieren. Sie findet in der Regel an Abenden und Wochenenden statt und dauert entsprechend länger.
- Quereinstieg mit Qualifikation (Schulfremdenprüfung): In einigen Bundesländern besteht die Möglichkeit, als Quereinsteiger ohne vorherige schulische Ausbildung die Prüfung zur staatlich anerkannten Erzieherin abzulegen. Dies erfordert jedoch eine intensive Vorbereitung im Selbststudium und den Nachweis entsprechender praktischer Erfahrungen.
Besondere Herausforderungen und Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Spastik
Für Menschen mit Spastik kann die Erzieherausbildung mit besonderen Herausforderungen verbunden sein. Diese können motorische Einschränkungen, Kommunikationsschwierigkeiten oder auch spezifische Lernbedürfnisse umfassen. Es gibt jedoch verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten, die in Anspruch genommen werden können:
- Außerbetriebliche Ausbildung (BaE): Wenn eine betriebliche Ausbildung nicht möglich ist, bietet die BaE eine Alternative. Hierbei erfolgt der praktische Teil der Ausbildung in einer speziellen Bildungseinrichtung, die oft mit einem Kooperationsbetrieb zusammenarbeitet. Zusätzlich gibt es Förderunterricht und persönliche Unterstützung, die individuell auf die Bedürfnisse des Auszubildenden zugeschnitten sind.
- Reha-Ausbildung in Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation: Wenn eine Ausbildung in einem Betrieb oder bei einem Träger nicht möglich ist, kann eine Reha-Ausbildung in einer Einrichtung speziell für Menschen mit Behinderungen absolviert werden.
- Integrationsfachdienste: Diese Dienste unterstützen Menschen mit Behinderungen bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz und bieten Beratung und Begleitung während der Ausbildung.
- Nachteilsausgleiche: Menschen mit Behinderungen haben unter Umständen Anspruch auf Nachteilsausgleiche, die ihnen die Ausbildung erleichtern sollen. Dies können zum Beispiel verlängerte Bearbeitungszeiten bei Prüfungen oder die Bereitstellung von Hilfsmitteln sein.
Die Rolle der professionellen pädagogischen Haltung
Unabhängig von den individuellen Voraussetzungen spielt die professionelle pädagogische Haltung eine entscheidende Rolle für den Erfolg in der Erzieherausbildung und im späteren Berufsleben. Dazu gehören:
- Reflexion der eigenen Biografie: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte und den eigenen Erfahrungen hilft, das eigene Handeln zu überdenken und eine professionelle Grundhaltung zu entwickeln.
- Ressourcenorientierung: Statt defizitär auf Kinder und Jugendliche zu blicken, sollten Erzieherinnen und Erzieher ihre Stärken und Ressourcen in den Blick nehmen und diese fördern.
- Vorurteilsarme pädagogische Arbeit: Fachwissen ist notwendig, um Vorurteile abzubauen und eine vielfältige und inklusive Pädagogik zu praktizieren.
- Empathie und Wertschätzung: Ein respektvoller und wertschätzender Umgang mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien ist unerlässlich.
Inklusion in der Erzieherausbildung und im Berufsalltag
Inklusion bedeutet, dass alle Menschen, unabhängig von ihren individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen, gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können. In der Erzieherausbildung und im Berufsalltag bedeutet dies, dass Menschen mit Behinderungen die gleichen Chancen erhalten, sich zu qualifizieren und ihren Beruf auszuüben. Es ist wichtig, dass Ausbildungsstätten und Arbeitgeber Barrieren abbauen und eine inklusive Umgebung schaffen, in der sich alle wohlfühlen und entfalten können.
Die Lebenshilfe als Arbeitgeber und Ausbildungsträger
Die Lebenshilfe ist eine gemeinnützige Organisation, die Menschen mit verschiedenen Behinderungen sowie ihre Familien in ganz Deutschland unterstützt. Sie ist eine der großen Arbeitgeberinnen im sozialen Sektor und bietet viele Jobs und Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich der Behindertenhilfe an. Bei der Lebenshilfe kann man zum Beispiel direkt eine Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher oder zur Heilerziehungspflegerin bzw. zum Heilerziehungspfleger beginnen oder über ein Freiwilliges Soziales Jahr erste Erfahrungen sammeln.
Lesen Sie auch: Exoskelett-Therapie bei Spastik
Lesen Sie auch: Therapeutisches Reiten bei Spastik
tags: #erzieherausbildung #in #der #spastiker