Etoricoxib 90 mg: Anwendung und Behandlung von Migräne und anderen Schmerzzuständen

Etoricoxib ist ein Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), genauer gesagt aus der Gruppe der selektiven COX-2-Hemmer (Coxibe). Es wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend. Obwohl es hauptsächlich zur Behandlung von Arthrose eingesetzt wird, stellt sich die Frage, ob es auch bei Migräne helfen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Etoricoxib 90 mg im Zusammenhang mit Migräne und anderen Schmerzzuständen.

Was ist Etoricoxib und wie wirkt es?

Etoricoxib ist ein selektiver Cyclooxygenase-2 (COX-2)-Hemmer. COX-2 ist ein Enzym, das im Körper vermehrt bei Entzündungen und Verletzungen gebildet wird. Es fördert die Produktion von Prostaglandinen, die an der Entstehung von Entzündungen, Schmerzen und Fieber beteiligt sind. Durch die Hemmung von COX-2 reduziert Etoricoxib die Prostaglandinbildung und wirkt somit entzündungshemmend und schmerzlindernd.

Im Vergleich zu traditionellen NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen ist Etoricoxib magenverträglicher, da es die COX-1-vermittelte Schutzwirkung auf die Magenschleimhaut weniger beeinträchtigt. Allerdings ist auch Etoricoxib nicht frei von gastrointestinalen Nebenwirkungen.

Anwendungsgebiete von Etoricoxib

Etoricoxib ist in Deutschland und Österreich für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene für folgende Anwendungsgebiete zugelassen:

  • Degenerative und entzündliche Gelenkserkrankungen (Arthrose und rheumatoide Arthritis)
  • Ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew)
  • Akuter Gichtanfall
  • Postoperative Zahnschmerzen

In der Schweiz sind Etoricoxib-Medikamente nur zur Linderung von Entzündungen und Schmerzen bei Arthrose-Patienten ab 16 Jahren zugelassen.

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Etoricoxib bei Migräne: Was sagt die Forschung?

Laut der S1-Leitlinie »Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne« liegen für Parecoxib und Etoricoxib keine randomisierten Studien zur Akuttherapie der Migräne vor.

Es gibt jedoch auch andere selektive COX-2-Hemmer wie Celecoxib, für die es Hinweise auf eine Wirksamkeit bei Migräne gibt. Seit kurzem steht eine Celecoxib-Lösung zum Einnehmen zur Verfügung, die auf der SMEDDS-Technologie (Self-Micro-Emulsifying-Drug-Delivery-System) basiert. Diese Technologie verbessert die Bioverfügbarkeit schlecht wasserlöslicher Verbindungen.

In zwei placebokontrollierten Phase-III-Studien erreichten mit einer Einzeldosis einer 120-mg-Celecoxib-Lösung nach zwei Stunden 35,6 bzw. 32,8 Prozent der Teilnehmer Schmerzfreiheit, verglichen mit 21,7 bzw. 23,5 Prozent unter Placebo. Vom störendsten Begleitsymptom befreit waren nach zwei Stunden 57,8 bzw. 58,1 Prozent der Patienten.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass selektive COX-2-Hemmer wie Celecoxib eine Alternative in der Migräne-Akuttherapie darstellen könnten. Allerdings sind weitere Studien erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Etoricoxib bei Migräne zu untersuchen.

Dosierung und Einnahme von Etoricoxib

Etoricoxib wird in der Regel einmal täglich als Filmtablette mit einem Glas Wasser eingenommen, unabhängig von den Mahlzeiten. Die Dosierung hängt vom Anwendungsgebiet ab:

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  • Arthrose: Anfangsdosis beträgt 30 mg Etoricoxib einmal täglich. Bei Bedarf kann die Dosis auf 60 mg einmal täglich erhöht werden.
  • Rheumatoide Arthritis oder Spondylitis ankylosans: Die empfohlene Dosis beträgt 60 mg einmal täglich. Bei Bedarf kann die Dosis auf 90 mg einmal täglich erhöht werden.
  • Akuter Gichtanfall: Die empfohlene Dosis beträgt 120 mg Etoricoxib einmal täglich für maximal 8 Tage.
  • Postoperative Zahnschmerzen: Die empfohlene Dosis beträgt 90 mg Etoricoxib einmal täglich für maximal 3 Tage.

Patienten mit einer leichten Lebererkrankung sollten nicht mehr als 60 mg Etoricoxib pro Tag einnehmen. Bei einer mäßigen Lebererkrankung sollte die Dosis auf 30 mg einmal täglich reduziert werden.

Etoricoxib sollte in der niedrigsten wirksamen Dosis über einen möglichst kurzen Zeitraum eingenommen werden.

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Etoricoxib darf in folgenden Fällen nicht eingenommen werden:

  • Überempfindlichkeit gegen Etoricoxib oder einen der sonstigen Bestandteile des Medikaments
  • Allergie gegen nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) einschließlich Acetylsalicylsäure und COX-2-Hemmer
  • Aktive Magen-Darm-Geschwüre oder Magen-Darm-Blutungen
  • Schwere Leber- und Nierenfunktionsstörung
  • Entzündliche Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa)
  • Moderate bis fortgeschrittene Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Bluthochdruck über 140/90 mmHg
  • Koronare Herzkrankheit (KHK), periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder zerebrovaskuläre Erkrankungen (z.B. nach einem Schlaganfall)
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren

Besondere Vorsicht ist geboten bei:

  • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts mit Blutungen oder Geschwüren in der Vergangenheit
  • Flüssigkeitsmangel
  • Schwellungen aufgrund von Flüssigkeitseinlagerungen
  • Herzleistungsschwäche oder andere Herzerkrankungen in der Vergangenheit
  • Erhöhtem Blutdruck in der Vergangenheit
  • Leber- oder Nierenerkrankungen in der Vergangenheit
  • Gleichzeitiger Behandlung einer Infektion
  • Zuckerkrankheit, erhöhten Blutfettwerten oder Rauchen
  • Frauen, die eine Schwangerschaft planen
  • Älteren Patienten (über 65 Jahre)

Nebenwirkungen von Etoricoxib

Häufige Nebenwirkungen von Etoricoxib sind:

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  • Schwindelgefühl
  • Kopfschmerzen
  • Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme)
  • Gewichtszunahme
  • Verdauungsbeschwerden (Blähungen, Verstopfung, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen)

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Herzklopfen
  • Bluthochdruck
  • Krämpfe der Bronchialmuskulatur
  • Muskelschmerzen

Schwerwiegende Nebenwirkungen wie Nephrotoxizität, Lebertoxizität und schwere Hautreaktionen können nicht ausgeschlossen werden.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Etoricoxib kann die Wirkung von oralen Gerinnungshemmern (wie Warfarin und Phenprocoumon) verstärken. Bei Beginn einer Etoricoxib-Therapie ist es ratsam, den INR-Gerinnungswert engmaschig zu kontrollieren.

Etoricoxib kann die Ausscheidung von Lithium über die Nieren vermindern. Während der Anwendung sollte der Lithium-Spiegel im Blut regelmäßig kontrolliert werden.

Die gleichzeitige Einnahme mit einem oralen Verhütungsmittel („Pille“) oder einer Hormonersatztherapie kann das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen.

Etoricoxib kann die Wirkung von Blutdruckmedikamenten (ACE-Hemmer, Sartane, Betablocker, Diuretika) verringern.

Enzym-Induktoren (wie Rifampicin) können den Abbau von Etoricoxib fördern und dessen Wirkung verringern.

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