Ibuprofen: Wirkung auf das Gehirn – Mehr als nur Schmerzlinderung?

Ibuprofen ist ein weit verbreitetes, rezeptfreies Medikament, das in vielen Haushalten zur Schmerzlinderung, Fiebersenkung und Entzündungshemmung eingesetzt wird. Es wird vor allem bei Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Rückenschmerzen und Erkältungssymptomen verwendet. Doch die Wirkung von Ibuprofen beschränkt sich möglicherweise nicht nur auf die genannten Anwendungsgebiete. Aktuelle Forschungen deuten darauf hin, dass Ibuprofen auch Auswirkungen auf das Gehirn haben kann, die sowohl positive als auch negative Aspekte umfassen.

Wie wirkt Ibuprofen?

Ibuprofen gehört zur Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Es hemmt die Produktion von Prostaglandinen, Botenstoffe, die eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Schmerzen, Entzündungen und Fieber spielen.

Wenn wir uns verletzen oder sich unser Gewebe entzündet, produziert unser Körper mehr Prostaglandine. Diese machen die Schmerzrezeptoren empfindlicher, sodass sie aktiviert werden und Signale ans Gehirn senden. Um Prostaglandine herzustellen, benötigt der Körper ein spezielles Enzym, das COX-Enzym (Cyclooxygenase). Ibuprofen blockiert die Wirkungsweise dieses Enzyms, wodurch weniger Prostaglandine produziert werden und die Schmerzrezeptoren weniger erregt werden. Dadurch verschwindet der Schmerz.

Der Wirkstoff gelangt nach der Einnahme über den Magen und Darm in den Blutkreislauf und verteilt sich im ganzen Körper. Dort blockiert er die COX-Enzyme, wodurch die Prostaglandin-Bildung gestoppt wird.

Unerwartete Wirkungen auf den Geschmackssinn

Eine Studie der Rutgers University hat eine überraschende Entdeckung gemacht: Ibuprofen kann auch die Wahrnehmung von süßem Geschmack beeinflussen. Es hemmt offenbar Rezeptoren für süßen Geschmack und könnte damit Auswirkungen auf den Glukose-Stoffwechsel haben.

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Unser Geschmackssinn ermöglicht uns die Unterscheidung zwischen süß, sauer, salzig, bitter und umami. Die Forschungsgruppe fand heraus, dass Ibuprofen ebenso wie Naproxen die menschliche Wahrnehmung von Süße verändern kann. Dies könnte erklären, warum Forscher bereits länger einen Zusammenhang zwischen der langfristigen Einnahme von Ibuprofen und einem verringerten Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Alzheimer und Darmkrebs beobachten. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Forscher nicht empfehlen, Ibuprofen bei allen Patienten zur Regulierung des Blutzuckerspiegels einzusetzen, da es sich um Grundlagenforschung handelt.

Ibuprofen und das Parkinson-Risiko

Eine weitere Studie deutet darauf hin, dass Ibuprofen möglicherweise neuroprotektive Effekte haben könnte. Die Auswertung ergab, dass Personen, die Ibuprofen regelmäßig einnahmen, ein um 38 Prozent niedrigeres Risiko hatten, an Parkinson zu erkranken, als Personen, die andere oder keine Schmerzmittel nutzten. Insgesamt lag das Parkinson-Risiko um 27 Prozent niedriger.

Ein möglicher Mechanismus könnte darin bestehen, dass Ibuprofen einen bestimmten Rezeptor im Gehirn beeinflusst, den sogenannten Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptor (PPARy). Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Langzeit-Einnahme von Ibuprofen auch Risiken birgt und weitere Forschung erforderlich ist, um diese potenziellen neuroprotektiven Effekte zu bestätigen.

Ibuprofen und Alzheimer: Freund oder Feind?

Die Forschung untersucht seit Längerem, ob Ibuprofen das Alzheimer-Risiko beeinflussen kann. Eine Studie der SRH University und der Universität des Saarlandes hat nun erstmals systematisch untersucht, welchen Einfluss Ibuprofen auf verschiedene Lipidklassen im Gehirn hat, die in der Alzheimer-Forschung als relevant bekannt sind.

Die Ergebnisse zeigen, dass Ibuprofen einerseits die Konzentration bestimmter Lipide erhöht, die entscheidend für die Gesundheit von Hirnzellen sind, wie Phosphatidylcholin und Sphingomyelin. Diese Membranlipide sind im Gehirn von Alzheimer-Patienten typischerweise verringert, was mit einer gestörten Kommunikation zwischen den Neuronen und Zellschäden einhergeht.

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Andererseits deckte die Forschungsgruppe auch potenziell nachteilige Effekte des Wirkstoffs auf. Ibuprofen ließ die Menge an Triacylglyceriden ansteigen, die sich in Form von Fetttropfen in Zellen ablagern können. Zudem führte der Wirkstoff zur Abnahme der sogenannten Plasmalogene, also von schützenden Lipiden, die Zellen vor oxidativem Stress bewahren. Bei Alzheimer-Erkrankten sind die Plasmalogen-Spiegel bereits deutlich reduziert.

Diese Ergebnisse deuten auf eine zweischneidige Wirkung von Ibuprofen hin. Ob die Einnahme von Ibuprofen tatsächlich als Alzheimer-Schutz dienen kann, ist daher noch unklar. Es ist möglich, dass das Gesamtbild in einem lebenden Organismus vom Feinabgleich dieser gegenläufigigen Wirkungen abhängt.

Ibuprofen und kognitive Fähigkeiten

Eine aktuelle Studie des University College London zeigt, dass Ibuprofen nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch die Reaktionszeit steigern und das Gedächtnis verbessern kann. Die Forscher untersuchten die kognitiven Auswirkungen gängiger Medikamente bei etwa einer halben Million Menschen in Großbritannien.

Das Ergebnis: Menschen, die Ibuprofen einnahmen, erzielten in den Tests bessere Ergebnisse als diejenigen, die dies nicht taten. Allerdings zeigte die Studie auch, dass Paracetamol den gegenteiligen Effekt haben und das Gedächtnis tatsächlich verschlechtern kann. Es ist wichtig zu beachten, dass die Ergebnisse zwar einen Zusammenhang zwischen den Medikamenten und den Wirkungen nahelegen, aber kein Beweis dafür sind, dass sie diese direkt verursachen. Weitere Untersuchungen sind nötig, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Therapieerwartungen beeinflussen die Wirkung von Ibuprofen

Eine Studie des Sonderforschungsbereichs "Treatment Expectation" an den Universitäten Duisburg-Essen, Marburg und Hamburg zeigt, dass Therapieerwartungen die Wirkung von Ibuprofen verstärken können. Die Probanden erhielten eine niedrig dosierte immunaktivierende Substanz (LPS), die Immun-vermittelte Symptome während einer akuten Entzündungsreaktion hervorruft. Kombiniert wurde die LPS-Gabe entweder mit der Einnahme von Ibuprofen oder eines Placebos. Hinzu kamen positive oder neutrale Informationen über die Behandlung.

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Das Ergebnis: Positive Informationen minderten die Krankheitssymptome effektiv zusätzlich zum Ibuprofen. Interessanterweise besserten sich die Entzündungssymptome bei positiver Information bereits, wenn faktisch kein wirksames Medikament gegeben wurde. Dies zeigt, dass die Wirksamkeit einer Behandlung nicht nur von dem Wirkstoff abhängt, sondern auch von der Erwartungshaltung des Patienten.

Risiken und Nebenwirkungen von Ibuprofen

Wie alle Medikamente kann auch Ibuprofen Nebenwirkungen haben. Häufige Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung. In seltenen Fällen kann es zu Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren oder Entzündungen der Magenschleimhaut kommen.

Ibuprofen kann auch im Bereich des Zentralnervensystems unerwünschte Effekte haben: Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafprobleme, Erregungszustände, Reizbarkeit oder Müdigkeit können auftreten. Studien weisen zudem darauf hin, dass Entzündungshemmer wie Ibuprofen mit einem geringfügig erhöhten Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall einhergehen können.

Es ist wichtig, Ibuprofen nicht übermäßig oft einzunehmen, da dies zu Kopfschmerzen führen kann. Alkohol kann die unerwünschten Wirkungen von Ibuprofen verstärken. Ibuprofen sollte nicht eingenommen werden, wenn eine Allergie gegen den Wirkstoff besteht, schwere Leber- oder Nierenkrankheiten vorliegen, eine schwere Herzmuskelschwäche oder ungeklärte Blutbildungsstörung vorliegt oder ein Geschwür im Magen-Darm-Trakt vorhanden ist. Im letzten Drittel der Schwangerschaft darf Ibuprofen nicht angewendet werden.

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