Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Licht- oder Geräuschempfindlichkeit. Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber viele Faktoren können eine Rolle spielen, darunter genetische Veranlagung, hormonelle Veränderungen und Umweltauslöser. Auch die Ernährung kann bei manchen Menschen ein wichtiger Faktor sein.
Migräne verstehen
Typisch für Migräne sind mäßige bis starke Kopfschmerzen, die episodisch, plötzlich und oft nur auf einer Seite des Kopfes auftreten. Bei einem Migräneanfall sind Betroffene meist erheblich in ihrem Alltag eingeschränkt und leiden z. B. unter Übelkeit und Erbrechen oder einer Überempfindlichkeit gegenüber Licht oder lauten Geräuschen. Bei häufigen Migräneattacken bzw. Migräneattacken mit ausgeprägten Beschwerden werden zur Vorbeugung von Migräneanfällen neben Verfahren wie der kognitiven Verhaltenstherapie oder Entspannungs- und Achtsamkeitstechniken auch Medikamente eingesetzt.
Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Gehirn von Migräne-Patienten aufgrund ihrer Veranlagung empfindlicher reagiert als das Gehirn gesunder Menschen. Darum können plötzliche Veränderungen im Körper, beispielsweise hormonelle Schwankungen im Verlauf des weiblichen Monatszyklus oder Veränderungen äußerer Einflüsse eine Attacke auslösen. Diese inneren und äußeren Einflüsse, die einen Migräne-Anfall provozieren können, werden Triggerfaktoren genannt. Sie sind nicht die eigentliche Ursache, aber der Auslöser von Schmerzattacken.
Die Frage, welche Triggerfaktoren bei einem Migräne-Kranken eine Attacke auslösen können, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich. Bei dem einen spielt der abrupte Wechsel zwischen Ruhe und Stress eine Rolle, bei dem anderen ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, beispielsweise am Wochenende. Bei manchen Patienten können auch bestimmte Nahrungs- und Genussmittel die Attacke auslösen. Darum ist es auf jeden Fall wichtig, zusammen mit dem Arzt nach diesen persönlichen Triggerfaktoren zu suchen, damit sie nach Möglichkeit vermieden werden können.
Die Rolle der Ernährung bei Migräne
Die Bedeutung der Ernährung in der Entstehung und Behandlung von Migräne und Kopfschmerzerkrankungen ist umstritten. Nach derzeitigem Wissensstand lassen sich jedoch keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten begründen. Die aktuelle Studienlage hat eine Reihe von möglichen Mechanismen identifiziert, die die kopfschmerzauslösende Wirkung der Ernährung erklären könnten. Diese beziehen sich insbesondere auf die Auswirkung bestimmter Nahrungsbestandteile und Substanzen, auf Neuropeptide, Ionenkanäle und Rezeptoren sowie der Freisetzung von Stickstoffmonoxid, der Aktivierung des sympathischen Nervensystems, Gefäßerweiterungen und Veränderungen im zerebralen Glukosestoffwechsel. Der direkte Einfluss von Nahrungskomponenten lässt sich jedoch nur schwer abgrenzen.
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Kopfschmerztagebuch
Dabei hilft ein Kopfschmerztagebuch. Erhältlich sind solche Tagebücher etwa beim Hausarzt oder bei Kopfschmerz-Spezialisten, beispielsweise bei Neurologen, Schmerz-Psychotherapeuten, Anästhesisten. Ebenfalls vermerken kann man darin auch Ernährungsweise oder andere Faktoren, die als Auslöser verdächtigt werden.
Es ist nicht sinnvoll, wenn Migräne-Kranke generell Nahrungsmittel meiden, von denen bekannt ist, dass sie Anfälle provozieren. Denn Nahrungsmittel spielen nicht bei allen Patienten eine Rolle.
Darum gibt es auch keine besondere Ernährung bei Migräne oder gar eine „Migräne-Diät“. Wichtig ist es, die ganz persönlichen ernährungsbedingten Einflüsse mit Hilfe des Kopfschmerz-Tagebuchs herauszufinden, um sie gezielt vom Speiseplan zu streichen. Bei dieser „Detektivarbeit“ muss man bedenken, dass zwischen der Aufnahme eines Nahrungsmittels und einer Attacke zumeist mehrere Stunden liegen, mitunter sogar ein ganzer Tag. Selbst wenn Migräniker herausgefunden haben, dass bestimmte Nahrungsmittel bei ihnen eine Attacke auslösen können, kommt es immer wieder vor, dass sie diese Nahrungsmittel trotzdem vertragen, wenn keine weiteren Störfaktoren hinzukommen. Erst wenn weitere Trigger „das Fass zum Überlaufen bringen“, kann es sein, dass die Nahrungsmittel einen Anfall provozieren.
Häufige Ernährungsauslöser
Einige Migräne-Patienten berichten, dass Käse oder Rotwein ihre Attacken auslösen können. Andere reagieren, wenn auch sehr selten, empfindlich auf bestimmte Eiweißstoffe in Joghurt und Milchprodukten oder auf die Inhaltsstoffe bestimmter Früchte, etwa Bananen. Auch das Koffein in Kaffee und koffeinhaltigen Limonaden, etwa Cola-Getränken, kann eine Attacke verursachen. Manche Patienten reagieren aber auch auf den Koffein-Entzug am bürostressfreien Wochenende mit einem Anfall. Ebenso können Konservierungsstoffe in Fertiggerichten eine Attacke provozieren. Dazu gehören beispielsweise Nitrate, die häufig in Würstchen oder in konservierten Fleisch- und Wurstwaren enthalten sind. Bekannt als Triggerfaktor ist auch der Geschmacksverstärker Glutamat, mit dem häufig chinesische oder andere asiatische Gerichte gewürzt werden. Glutamat kann auch in Fertiggerichten und Tütensuppen sowie in Brühwürfeln enthalten sein. Selbst Speiseeis kann eine Migräne auslösen - wegen des Kälteschocks, der den Trigeminus-Nerv in Aufruhr versetzt.
Mitunter können Attacken auch auftreten, wenn Migräne-Kranke Mahlzeiten auslassen. Darum ist es wichtig, regelmäßig zu essen. Früher wurde auch Schokolade als Migräne-Auslöser verdächtigt. Inzwischen gibt es jedoch Hinweise, dass Veränderungen im Hirnstoffwechsel, die einer Attacke vorausgehen, einen Heißhunger auf Süßigkeiten auslösen können. Dann wäre die Lust auf Schokolade ein Signal für einen bevorstehenden Schmerzanfall.
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Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Manche Mediziner fassen die durch Nahrungsmittel ausgelöste Migräne-Attacke nicht als das Resultat einer biochemischen Wirkung, sondern als eine Art allergischer Reaktion auf. Tatsächlich konnten 43 Prozent der Teilnehmer in einer britischen Studie durch eine Auslassdiät, bei der bestimmte Nahrungsmittel gemieden werden, die Attacken auslösen können, die Häufigkeit ihrer Migräne-Attacken um die Hälfte senken. Darüber hinaus haben mehrere Forschergruppen festgestellt, dass sich bei nahrungsmittel-induzierten Migräne-Attacken im Blut unter anderem der für Allergien typische Botenstoff Histamin nachweisen lässt. Allerdings ließen sich die fraglichen „Migräne-Allergene“ nie mit allergologischen Methoden, etwa durch einen klassischen Hauttest, dingfest machen. Darüber hinaus kann keine Diät Patienten von ihrer Migräne völlig befreien.
Wie Experten vermuten, werden Nahrungsmittel insgesamt als Auslöser wohl eher über- als unterschätzt. Ein bestimmtes Essverhalten vor einer Migräne-Attacke könnte nämlich auch bereits ein Symptom der Anfangsphase einer Attacke sein. Gleichwohl raten Kopfschmerz-Experten: Migräne-Patienten sollten wissen, dass Nahrungsmittel im Einzelfall ein Co-Faktor für die Auslösung einer Attacke sein können. Eine Auslassdiät ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn sich ein Nahrungsmittel eindeutig als Triggerfaktor identifizieren lässt.
Praktische Tipps für die Ernährung
- Regelmäßigkeit: In Ruhe essen, drei Mahlzeiten pro Tag (Regelmäßigkeit beachten), davon eine warm.
- Flüssigkeitszufuhr: Ausreichend und regelmäßig trinken: mindestens 1,5 Liter pro Tag.
- Histamine: Histamine stehen im Verdacht, als "Trigger" für Kopfschmerz-Attacken zu wirken. Wer unter Migräne leidet, sollte Fertigprodukte meiden und vorsichtig sein mit Histaminen.
- Vorsicht bei Fertigprodukten: Wer unter Migräne leidet, sollte Fertigprodukte meiden und vorsichtig sein mit Histaminen.
- Ernährungstagebuch: Ein Ernährungs- und Schmerztagebuch hilft, die sogenannten "Trigger" zu identifizieren. Darin werden alle Genussmittel, Stressfaktoren und Schmerzereignisse über mindestens vier Wochen protokolliert (Uhrzeit, Essen, Getränk, Besonderheiten, Beschwerden).
- Keine Mahlzeiten auslassen: Mitunter können Attacken auch auftreten, wenn Migräne-Kranke Mahlzeiten auslassen. Darum ist es wichtig, regelmäßig zu essen.
Fette und Migräne
Die Auswahl der Fette, die Migränepatienten zu sich nehmen, könnte erheblichen Einfluss auf die Kopfschmerzattacken haben. Mehr Fisch-, weniger Sonnenblumenöl lautet die Devise.
Omega-3-Fettsäuren
Forscher vom National Institute on Aging in Baltimore haben herausgefunden, dass eine Ernährungsumstellung einiges bewirken könnte: In einer Studie konnten sie zeigen, dass die Anzahl und Schwere der Attacken bei vielen der teilnehmenden Migränikern erheblich nachließen, wenn sie Pflanzenöle mit Linolsäure vermieden und darüber hinaus mehr Fischöl zu sich nahmen.
Im Zentrum des Interesses stehen dabei zwei Omega-3-Fettsäuren, die wichtige Bestandteile von Fischöl sind: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). „Wer mehr EPA und DHA über die Nahrung zu sich nimmt, hatte auch entsprechend höhere Werte im Blut. Zudem steigen die Spiegel von schmerzlindernden Oxylipinen, die aus DHA gebildet werden“, erklärt Daisy Zamora auf Nachfrage von netDoktor.
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Die Forscher gehen davon aus, dass solche Oxylipin-Abkömmlinge schmerzlindernde Eigenschaften entfalten können, wenn die Konzentration von EPA und DHA in Geweben steigt, die eine Rolle bei der Entstehung von Kopfschmerzen spielen. „Oxylipin-Abkömmlinge von EPA und DHA sind auch Vorläufer weiterer Stoffe mit entzündungshemmenden Eigenschaften“, sagt die Forscherin.
Linolsäure
Einen negativen, Migräne verstärkenden Effekt scheint die Linolsäure (nicht zu verwechseln mit Linolensäure) zu haben. Dabei handelt es sich um eine zweifach gesättigte Omega-6-Fettsäure. Frühere Studien haben Hinweise darauf gefunden, dass sie Entzündungen befeuern kann, beispielsweise über die verstärkte Produktion entzündungsförderlicher Stoffe (u.a. Eicosanoide) und die Blockierung antientzündlicher körpereigener Stoffe.
Linolsäure ist in wechselnden, aber hohen Anteilen beispielsweise in Traubenkern- und Distelöl enthalten. Aber auch häufig verwendete Öle wie Weizenkeim-, Maiskeim- und Sonnenblumenöl enthalten hohe Anteile dieser Fettsäure. „Wir haben linolsäurereiche Öle in der Ernährung unserer Probanden durch linolsäurearme pflanzliche Öle ersetzt“, erklärt Zamora gegenüber netDoktor. Dazu gehörten Öle mit vielen gesättigten Fettsäuren wie Butter und Kokosnussöl, die in der Ernährung oft skeptisch betrachtet werden, aber auch Olivenöl mit dem hohen Qualitätsmerkmal „extra vergine“ und Macadamianussöl.
Studienergebnisse
Für die Studie rekrutierten die Forscher 182 Teilnehmer, die an 5 bis 20 Tagen im Monat unter Migräneattacken litten. Sie wurden in drei etwa gleichgroße Gruppen eingeteilt: Eine erhielt eine erhöhte Menge an in Fischöl enthaltenen Fettsäuren (Eicosapentaensäure + Docosahexaensäure) - nämlich mehr als 1,5 g - sowie Linolsäure in einer Menge, die maximal 7 Prozent des täglichen Energiebedarfs abdeckt. Die zweite Gruppe erhielt täglich 1,5 Gramm Fischölfettsäuren in Form von Wildlachs oder Thunfischmahlzeiten (ca. 100 g Fisch) sowie eine reduzierte Menge an Linolsäure von maximal 1,8 Prozent des Energiebedarfs. Die dritte Gruppe fungierte als Kontrollgruppe. Sie erhielt weniger als 150 mg Fischölfettsäuren am Tag, aber rund 7 Prozent ihres Energiebedarfs in Form von Linolsäure.
Nach 16 Wochen waren die Kopfschmerzen in den beiden Gruppen mit reduzierter Linolsäure-Zufuhr deutlich seltener geworden - sowohl die Anzahl der Kopfschmerzstunden pro Tag (von maximal 2,5 bis 1,3 auf 0,5 Tage) als auch die Migränetage pro Monat verringerten sich.
Mehr Fischöl und weniger Linolsäure zu konsumieren könnte für Menschen mit schwerer Migräne demnach ein lohnender Versuch sein.
Bedeutung von Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren
Die Bedeutung von Omega-3-Fettsäuren bei Migräne hängt vor allem mit dem Verhältnis von Omega-6-zu Omega-3-Fettsäuren im Körper zusammen. Omega-6 ist neben Omega-3 auch eine wichtige, lebensnotwendige Fettsäure für den menschlichen Organismus. Allerdings wirken die beiden nicht gleich - ganz im Gegenteil: Sie verhalten sich wie Gegenspieler. Omega-3 und Omega-6 sind beide in der Lage, Lipidmediatoren zu bilden. Lipidmediatoren sind Substanzen, die unter anderem an der Schmerzregulation beteiligt sind. Die Lipidmediatoren, die von Omega-3 gebildet werden, wirken schmerzlindernd.
Da Omega-3-Fettsäuren essenzielle Fettsäuren sind und über die Nahrung aufgenommen werden müssen, hat die Nahrungszufuhr von Omega-3 einen direkten Einfluss darauf, wieviel Omega-3 in unserem Blut und Gewebe zu finden ist. Die Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA, die über die Nahrung aufgenommen werden, gelangen über die Blutbahn in die Region im Gehirn, in der der Migräne-Schmerz ausgelöst wird, und zwar ins sogenannte trigeminovaskulären System. Dort sollen sie dann in der Lage sein, die Lipidmediatoren auszuschütten, die den Schmerz regulieren.
Omega-3-Quellen
Die pflanzliche Omega-3-Fettsäure ALA (Alpha-Linolensäure) findet man vor allem in Walnüssen, Chiasamen und Leinsamen. Omega-3-Fettsäuren sind essenzielle Fettsäuren, die über die Nahrung aufgenommen werden müssen, da der Körper sie nicht selbst herstellen kann. Zu den wichtigsten Omega-3-Fettsäuren für unsere Gesundheit zählen die beiden langkettigen Fettsäure EPA und DHA. Zahlreiche Studien untersuchen insbesondere die Wirkung der marinen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA auf die Gesundheit - mit vielversprechenden Ergebnissen.
Um auf die empfohlene Tagesdosis von 2.000 mg Omega-3 pro Tag zu kommen, müsste man jedoch täglich bis zu 250 g Fisch bzw. 50 Fischstäbchen verzehren. Davon abgesehen, dass diese Verzehrsmenge den meisten Menschen schwer fallen würde, empfiehlt es sich aufgrund der zunehmenden Schadstoffbelastung von Meeresfischen nicht, die Tagesdosis über Meeresfisch zu decken.
Leinöl kann wegen seines hohen Anteils an Omega-3-Fettsäuren (ca. 60 % ALA) als gutes Omega-3-Öl eingeordnet werden. Der Körper kann die pflanzliche Fettsäure ALA allerdings nur zu einem äußerst geringen Prozentsatz in die wirksamen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA umwandeln. Bisher konnte ich bei keinem meiner Patienten, der täglich 2 Esslöffel Leinöl oder mehr einnahm, einen zufriedenstellenden Omega-3-Index oder AA/EPA-Quotienten feststellen. Daher sollte Leinöl lediglich zusätzlich zu Fisch- oder Algenöl, nicht jedoch alternativ anwendet werden.
Fischöl ist im Gegensatz zu Leinöl reich an den lebensnotwendigen Fettsäuren EPA und DHA. Und ich möchte Sie gleich zu Beginn beruhigen: Ein gutes Fischöl schmeckt - entgegen der Erwartung vieler - nahezu gar nicht nach Fisch. Erst wenn ein Öl bereits verdorben ist, beginnt es unangenehm zu riechen bzw. tranig zu schmecken. Bei einem flüssigen Öl kann die Qualität des Produktes daher auf einfachem Wege beurteilt werden. Bei Fischöl-Kapseln empfiehlt es sich, nach Erwerb einmalig auf eine Kapsel zu beißen, um beurteilen zu können, ob dieses ranzig ist. Kommt es nach der Kapseleinnahme zu einem unangenehmen, fischigen Aufstoßen, kann ebenfalls davon ausgegangen werden, dass das darin enthaltene Fischöl bereits verdorben ist. In diesem Fall sollte das Produkt besser entsorgt werden.
Krillöl verfügt über ebenso positive Eigenschaften wie Fischöl. Um auf die zumeist empfohlene Mindestmenge von 2 g EPA/DHA pro Tag zu kommen, fallen im Hinblick auf die handelsüblichen Krillöl-Preise jedoch Kosten in Höhe von 10-20 Euro an - und das jeden einzelnen Tag! Somit ist eine Therapie mit Krillöl in etwa 10-mal teurer als eine Fischöltherapie mit gleicher EPA/DHA-Dosierung.
Dosierung von Omega-3-Fettsäuren
Jeder Therapie sollte zunächst eine Diagnostik - in diesem Fall eine Fettsäureanalyse - zugrunde liegen. Liegt der dabei ermittelte AA/EPA-Quotient bei ungefähr 10, ist eine tägliche Einnahme von 2 g Omega-3 empfehlenswert. Das entspricht 1 EL natürlichem Fisch- oder 1 TL Algenöl oder 15 handelsüblichen Kapseln mit je 500 mg Fischöl. Bei einem Quotienten von 15 benötigt der Körper bereits 3 g Omega-3, also 1 ½ EL Fischöl oder 1 ½ TL Algenöl oder 20 Fischölkapseln. Liegt der Wert über 20, rate ich zu 4 g Omega-3, was 2 EL Fischöl oder 1 EL Algenöl oder 30 Fischölkapseln entspricht.
Da meine Patienten Kapseln oftmals nicht in dieser Fülle zu sich nehmen möchten, fällt die Wahl häufig auf das Öl. Selbst aufkonzentrierte Kapseln in größerem Format, bei denen lediglich ein Drittel bis die Hälfte der Menge einzunehmen ist, werden oft als kaum tragbar eingestuft.
Das Körpergewicht spielt ebenfalls eine Rolle bei der Dosierung. Wiegt ein Kind beispielsweise zwischen 30 und 40 kg, bedarf es in etwa der Hälfte der beschriebenen Dosierung. Bei einem Gewicht von über 100 kg erhöht sich die empfohlene Dosis dementsprechend um 50 %. Ein gesteigerter Bedarf an Omega-3-Fettsäuren entsteht des Weiteren auch bei einem hohen Verzehr von tierischen Fetten. Steht dagegen besonders häufig Fisch auf dem Speiseplan, kann die benötigte Dosis auch etwas geringer ausfallen.
Eine optimale Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren im Körper wird am besten gewährleistet, wenn diese direkt vor, während oder im Anschluss an eine Mahlzeit eingenommen werden. Da die Resorption von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist, sollte die Fettsäureanalyse nach 3 bis 4 Monaten ein weiteres Mal durchgeführt werden. Dabei ist zu beachten, dass sich die Analyse der Erythrozyten als zuverlässiger als eine Untersuchung des Blutserums erwiesen hat, da Letztere leichter von kurzfristigen Änderungen beeinflusst wird. Basierend auf der zweiten Fettsäureanalyse wird die Therapie individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt und - falls erforderlich - die Dosierung angepasst.
Omega-3-Fettsäuren bei Migräne: Forschungsergebnisse
In einer aktuellen Metaanalyse wurden 40 Studien zu Omega-3 und Migräne inkludiert. Unter einer hohen Dosis kam es zu einer Verminderung der Migränefrequenz mit einer Effektstärke von -1,36 und zu einer Reduktion der Anfallsintensität von -2,23, was ziemlich hoch ist. Als eine hohe Dosis wurde dabei eine Menge von > 1500 mg EPA/DHA definiert. Ich setze bei Erwachsenen nicht unter 2000 mg ein bzw. bediene mich einer Fettsäureanalyse, wobei ich einen optimalen Index von 8-11 % bzw. einen AA/EPA-Quotienten von ca. 2,5 (unter Fischöl) bzw. 4 (unter Algenöl) anstrebe.
In einer Einzelstudie - allerdings in einer Kombination mit Curcumin - wurden noch überzeugendere Effekte erzielt. In dieser 4-armigen Studie erhielten die Teilnehmer Placebo, 1800 mg EPA/DHA, Nano-Curcumin oder beides. Der Entzündungsbotenstoff TNF-α sank unter Placebo um 9 %, unter Curcumin um 11 %, unter Omega-3 um 14 % und unter der Kombination um 47 %, was synergistische Effekte beider antiinflammatorischer Agenzien belegt. Auch die klinische Wirksamkeit war beeindruckend: Die Anzahl der Migräneattacken in den 4 Gruppen sanken von durchschnittlich 2,7-2,8 pro Woche unter Placebo um etwa einen halben, unter Curcumin um knapp einen, unter Omega-3 um etwas mehr als einen und unter der Kombination um mehr als 2 Tage .
Weitere wichtige Nährstoffe
Neben den Fetten spielen auch andere Nährstoffe eine Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung von Migräne:
- Magnesium: In Studien wurde gezeigt, dass Migränepatienten verminderte Konzentrationen der Mikronährstoffe Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10 aufweisen.
- Riboflavin (Vitamin B2): In Studien wurde gezeigt, dass Migränepatienten verminderte Konzentrationen der Mikronährstoffe Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10 aufweisen.
- Coenzym Q10: In Studien wurde gezeigt, dass Migränepatienten verminderte Konzentrationen der Mikronährstoffe Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10 aufweisen.
- Vitamine B6, B12 und Folsäure: Studien zeigen, dass eine Supplementierung von 25 mg Vitamin B6 und 400 μg Vitamin B12 sowie 2 mg Folsäure die Schwere der Kopfschmerzen bei Personen mit Migräne mit Aura deutlich verringern kann. Die beobachteten Effekte waren am stärksten ausgeprägt bei Personen mit bestimmten Mutationen im MTHFR-Gen.
- Vitamin D: In einer Übersichtsarbeit wird beschrieben, dass Vitamin D die Serotoninproduktion im präsynaptischen Neuron erhöht.
Weitere Faktoren, die bei Migräne eine Rolle spielen
- Stress: Neben anderen Einflussfaktoren wie Stress oder Schlaf können deine Blutzuckerschwankungen zu den Triggern für deine Migräne zählen.
- Blutzuckerspiegel: Starke Blutzuckerschwankungen nach einer Mahlzeit steigern das Risiko für eine Migräneattacke, ein stabiler Blutzuckerspiegel senkt das Risiko.
- Schlaf: Neben anderen Einflussfaktoren wie Stress oder Schlaf können deine Blutzuckerschwankungen zu den Triggern für deine Migräne zählen.
- Regelmäßige Entspannungsübungen: Insbesondere wichtig: die sinnvolle Medikamenten-Einnahme, die bei einer möglichst langfristig ausgerichteten Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt so reduziert werden kann, dass keine schmerzmittelabhängigen Nebenwirkungen zu befürchten sind. Durch ein sinnvolles Prophylaxe-Programm ist es durchaus möglich, dass der nächste Migräne-Anfall entweder gar nicht erst auftritt oder sich die Intervalle zwischen den Attacken vergrößern.
Fazit
Die Ernährung spielt eine komplexe Rolle bei Migräne. Während es keine allgemeingültige "Migräne-Diät" gibt, können bestimmte Ernährungsstrategien und Nährstoffe dazu beitragen, die Häufigkeit und Schwere von Migräneattacken zu reduzieren.
- Identifizieren Sie Ihre Trigger: Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um individuelle Auslöser zu erkennen.
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung: Konzentrieren Sie sich auf frische, vollwertige Lebensmittel und vermeiden Sie stark verarbeitete Produkte.
- Berücksichtigen Sie Fette: Erwägen Sie, mehr Omega-3-Fettsäuren aus Fisch und weniger Linolsäure aus Pflanzenölen zu konsumieren.
- Achten Sie auf andere Nährstoffe: Stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend Magnesium, Riboflavin, Coenzym Q10, Vitamine B6, B12, Folsäure und Vitamin D zu sich nehmen.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt: Besprechen Sie Ihre Ernährung und mögliche Nahrungsergänzungen mit Ihrem Arzt, um einen individuellen Behandlungsplan zu entwickeln.
Denken Sie daran, dass jeder Mensch anders ist und was für den einen funktioniert, muss nicht unbedingt für den anderen gelten. Eine sorgfältige Beobachtung Ihrer eigenen Reaktionen auf verschiedene Lebensmittel und Ernährungsweisen ist der Schlüssel zur effektiven Migräneprävention.