Ursachen für Taubheitsgefühle nach einem Schnitt in den Finger

Ein Schnitt in den Finger ist eine häufige Verletzung, die im Alltag schnell passiert. Ob beim Kochen, Rasieren oder bei der Gartenarbeit, ein unachtsamer Moment genügt, und schon ist es passiert. Während kleinere Schnittwunden meist harmlos sind und von selbst verheilen, können tiefere Schnitte zu Komplikationen führen, darunter auch Taubheitsgefühle. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für Taubheitsgefühle nach einem Schnitt in den Finger und gibt Hinweise zur Behandlung und Vorbeugung.

Wie entstehen Schnittwunden?

Schnittwunden entstehen, wenn die Haut und das darunterliegende Gewebe durch einen scharfen Gegenstand wie ein Messer, eine Schere, Glasscherben oder sogar ein Blatt Papier getrennt werden. Je schärfer der Gegenstand, desto glatter sind die Wundränder. Schnittwunden bluten oft stark, da bei dieser Art der Verletzung meist viele Blutgefäße unterschiedlicher Größe verletzt werden.

Ursachen für Taubheitsgefühle nach einem Schnitt

Taubheitsgefühle nach einem Schnitt in den Finger können verschiedene Ursachen haben:

  • Schädigung von Nervenfasern: Die Durchtrennung von Nervenfasern durch den Schnitt kann zu einer verminderten oder vollständig unterbrochenen Reizweiterleitung führen, was sich als Taubheitsgefühl äußert. Unsere Hände und Finger sind sehr gut mit Nerven durchzogen, die bis kurz unter die Hautoberfläche reichen. Daher können selbst kleine Schnitte diese Nervenenden verletzen.
  • Schwellung des Gewebes: Eine weitere Ursache für Taubheitsgefühle kann eine Schwellung des Gewebes um die Wunde herum sein. Die Schwellung kann Druck auf die Nerven ausüben und so die Nervenfunktion beeinträchtigen.
  • Karpaltunnelsyndrom: In manchen Fällen kann ein bereits bestehendes Karpaltunnelsyndrom durch die Verletzung verschlimmert werden. Beim Karpaltunnelsyndrom ist der Nervus medianus, der durch den Karpaltunnel im Handgelenk verläuft, eingeengt. Dies kann zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen und Kribbeln in Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger führen. Wiederholtes Beugen des Handgelenks kann das Karpaltunnelsyndrom fördern.

Symptome von Schnittwunden

Je schärfer der Gegenstand war, desto glatter präsentieren sich die Wundränder. Schnittwunden sind häufig tief und bluten stark, da bei dieser Art der Verletzung meist viele Gefäße unterschiedlicher Größe verletzt werden. Die Durchtrennung von Nervenfasern und Blutgefäßen führt dazu, dass Schnittwunden meist mit Schmerzen verbunden sind. Schädigungen der Nerven können durch eine verminderte oder vollständig unterbrochene Reizweiterleitung Taubheitsgefühle auslösen. Eine weitere Ursache für ein Taubheitsgefühl kann eine Schwellung des Gewebes sein.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn:

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  • Die Blutung der Wunde trotz Anlegen eines Druckverbands nicht aufhört.
  • Es sich um eine tiefe Wunde handelt, bei der gelbes Fettgewebe oder andere Strukturen wie Knochen und Sehnen freiliegen.
  • Die Wundränder auseinanderklaffen.
  • Starke Schmerzen auftreten.
  • Die Wunde verschmutzt ist.
  • Die letzte Impfung gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) mehr als 10 Jahre zurückliegt.
  • Sich der Finger taub anfühlt oder schlechter bewegt werden kann.
  • Die Wunde stark gerötet ist, eitert oder anschwillt.

Behandlung von Schnittwunden

Die Behandlung von Schnittwunden hängt von der Schwere der Verletzung ab. Kleine, oberflächliche Schnittwunden können in der Regel selbst versorgt werden. Tiefe oder stark blutende Wunden sollten von einem Arzt behandelt werden.

Erste Hilfe bei Schnittwunden

Bei kleineren Schnittwunden sollte man wie folgt vorgehen:

  1. Wunde reinigen: Die Wunde vorsichtig mit klarem, lauwarmem Wasser ausspülen, um Schmutz und Keime zu entfernen.
  2. Blutung stillen: Die Blutung stillen, indem man einen sterilen Verband oder eine saubere Kompresse auf die Wunde drückt.
  3. Wunde desinfizieren: Die Wunde mit einem Desinfektionsmittel desinfizieren, um das Risiko einer Infektion zu verringern.
  4. Wunde abdecken: Die Wunde mit einem Pflaster oder einem sterilen Verband abdecken, um sie vor Schmutz und Keimen zu schützen.

Ärztliche Behandlung

Bei tieferen Schnittwunden kann eine ärztliche Behandlung erforderlich sein. Der Arzt kann die Wunde nähen, kleben oder klammern, um die Wundränder zu verschließen und die Heilung zu fördern. In manchen Fällen kann auch eine Tetanus-Impfung notwendig sein.

Behandlung von Nervenverletzungen

Wenn Nerven durchtrennt wurden, kann eine Operation erforderlich sein, um die Nerven zu rekonstruieren. Die Heilung nach einer Nervenrekonstruktion kann jedoch lange dauern und erfordert oft eine intensive Physiotherapie. Konservative Behandlungsmöglichkeiten spielen eine entscheidende Rolle bei der Genesung nach einer durchtrennten Finger-Nerv Verletzung. Nach einer durchtrennten Finger-Nerv Verletzung ist es wichtig, dem betroffenen Finger ausreichend Ruhe zu gönnen. Physiotherapie spielt eine essentielle Rolle im Prozess der Heilung nach einer Finger-Nerv Verletzung. Durch gezielte Übungen und Techniken werden die Muskeln gestärkt, die Beweglichkeit verbessert und die sensorische Wahrnehmung im betroffenen Bereich wiederhergestellt.

Vorbeugung von Schnittwunden

Um Schnittwunden vorzubeugen, sollte man folgende Maßnahmen beachten:

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  • Scharfe Gegenstände sicher verwenden: Beim Umgang mit Messern, Scheren und anderen scharfen Gegenständen immer konzentriert und vorsichtig sein.
  • Schutzkleidung tragen: Beim Arbeiten mit scharfen Gegenständen, z. B. beim Schneiden von Gemüse oder beim Heimwerken, Schutzhandschuhe tragen.
  • Sicherheitsmaßnahmen beachten: Bei der Verwendung von Küchen- oder Gartengeräten immer die Sicherheitsmaßnahmen beachten und den Klingenschutz verwenden.
  • Barfußlaufen vermeiden: Barfußlaufen, besonders in der Nähe von Altglascontainern oder Scherben, vermeiden.
  • Zerbrochenes Glas sicher aufsammeln: Zerbrochenes Glas oder Porzellan nicht mit der bloßen Hand aufsammeln, sondern Schutzhandschuhe tragen und eine Kehrschaufel verwenden.
  • Werkzeuge in der richtigen Größe verwenden: Bei der Arbeit auf Werkzeuge in der richtigen Größe achten, um eine Überlastung der Handgelenke zu vermeiden.

Karpaltunnelsyndrom und Schnittwunden

Es ist wichtig zu beachten, dass ein beidseitiges Karpaltunnelsyndrom ein sehr frühes Symptom einer sogenannten ATTR-Amyloidose sein kann. Das ist eine seltene unheilbare und fortschreitende Erkrankung. Nach der Operation sollte eine Gewebeprobe in der Pathologie angefärbt und feingeweblich untersucht werden.

Das Karpaltunnelsyndrom

Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch eine Einengung des Nervus medianus im Karpaltunnel, einer knöchernen Rinne an der Innenseite des Handgelenks. Der Nervus medianus ist für das Gefühl in Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger zuständig und steuert auch einige Muskeln in der Hand.

Ursachen des Karpaltunnelsyndroms

Die Ursache der Beschwerden liegt in einer Verengung des Karpaltunnels. Verdicken sich im Laufe des Lebens die Sehnenscheiden der im Karpaltunnel verlaufenden Beugesehnen oder das Karpalband (Ligamentum carpi transversum), drücken diese Strukturen auf den darunter liegenden Mittelarmnerv (Nervus medianus). Am häufigsten ist eine verschleiß-, stoffwechsel- oder entzündungsbedingte Verdickung der Sehnenscheiden der Fingerbeugesehnen die Ursache für die relative Enge im Karpalkanal. Gehäuft findet sich dies bei Patient:innen mit hormonellen Umstellungen (Schwangerschaft), Diabetes mellitus, chronischer Polyarthritis (Gelenkerkrankung) oder Nierendialyse.

Symptome des Karpaltunnelsyndroms

Typische Symptome des Karpaltunnelsyndroms sind:

  • Schmerzen und Missempfindungen, die sich wie schwache elektrische Schläge anfühlen und bis in den Arm ausstrahlen können, vor allem am Daumen, Zeige- und Mittelfinger.
  • Taubheitsgefühle in den Fingern, besonders nachts oder morgens.
  • Kribbeln in den Fingern.
  • Kraftverlust in der Hand.
  • Atrophie (Abbau) der Muskulatur des Daumenballens in fortgeschrittenen Stadien.

Diagnose des Karpaltunnelsyndroms

Wer ein Karpaltunnelsyndrom bei sich vermutet, dem kann ein Selbsttest einen ersten Hinweis geben. Beim sogenannten Hoffmann-Tinel-Test klopft man bei ausgestreckter Hand auf die Innenseite des Handgelenks. Schmerzen oder Kribbeln sind ein Anzeichen, das man ärztlich abklären lassen sollte. Zur Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms misst der Arzt die Leitfähigkeit der Nerven und untersucht den Bereich per Ultraschall. Zur Messung der Nervenleitfähigkeit (Elektroneurografie) schickt ein Neurologe über Elektroden schwache Stromimpulse durch den Arm. Ein Impuls auf der einen Seite des Karpaltunnels muss zu einer Muskelreaktion auf der anderen Seite führen. Ist die Leitfähigkeit gestört, spricht das für ein Karpaltunnelsyndrom.

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Behandlung des Karpaltunnelsyndroms

Zu Beginn des Karpaltunnelsyndroms lassen sich die Beschwerden in der Regel konservativ behandeln - mit Vitamin B6, Kortison-Spritzen, manueller Therapie und einer speziell angepassten, nur nachts getragenen Armschiene. Wichtig: Schlägt die Behandlung nicht an, muss operiert werden. Vorher sollte allerdings die elektrophysiologische Diagnostik ein Karpaltunnelsyndrom eindeutig bestätigt haben. Beim klassischen offenen Verfahren durchtrennt der Chirurg das Karpalband am Handgelenk und das einengende Bindegewebe, um den Nerv zu befreien. Der Eingriff dauert 10 bis 15 Minuten. Probleme durch das fehlende Karpalband sind nicht zu erwarten. Im Anschluss an die Operation muss die Hand kurzfristig ruhiggestellt werden. Beim minimalinvasiven Verfahren wird ein Endoskop durch einen kleinen Schnitt am Ende des Unterarms eingeführt und in den Karpaltunnel vorgeschoben.

Konservative Behandlung

  • Handgelenksschienen: Das Tragen einer Handgelenksschiene, vor allem nachts, kann helfen, das Handgelenk in einer neutralen Position zu halten und den Druck auf den Nerv zu verringern.
  • Medikamente: Entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Kortison können helfen, die Schwellung und den Druck im Karpaltunnel zu reduzieren.
  • Injektionen: Kortison-Injektionen in den Karpaltunnel können ebenfalls helfen, die Entzündung zu reduzieren und die Symptome zu lindern.
  • Physiotherapie: Spezielle Übungen und Dehnungen können helfen, die Beweglichkeit des Handgelenks zu verbessern und den Druck auf den Nerv zu verringern.

Operative Behandlung

Wenn die konservativen Behandlungen nicht helfen, kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu entlasten. Bei der Operation wird das Karpalband durchtrennt, um mehr Platz für den Nerv zu schaffen.

Vorbeugung des Karpaltunnelsyndroms

Um einem Karpaltunnelsyndrom vorzubeugen, sollte man folgende Maßnahmen beachten:

  • Neutrale Handposition: Wiederholtes Beugen des Handgelenks vermeiden und auf eine neutrale Handstellung achten.
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Den Schreibtischstuhl so einstellen, dass beim Sitzen die Unterarme auf einer Linie mit der Tastatur liegen und Hände und Handgelenke eine Linie mit den Unterarmen bilden.
  • Pausen machen: Bei Tätigkeiten wie Schreiben auf einer Tastatur oder Gemüseschneiden alle 10 bis 15 Minuten eine kurze Pause einlegen, die Handgelenke dehnen und ausschütteln.
  • Monotone Tätigkeiten vermeiden: Bei der Arbeit nicht zu lange die gleiche Position einnehmen und, wenn möglich, alle 20 bis 40 Minuten die Tätigkeit wechseln.
  • Kraft sparen: Mit möglichst wenig Kraftaufwand arbeiten, um eine Überlastung der Handgelenke zu vermeiden.
  • Werkzeuge in der richtigen Größe verwenden: Auf Werkzeuge in der richtigen Größe achten, um eine Überlastung der Handgelenke zu vermeiden.
  • Hände warmhalten: Bei Arbeiten in einer kalten Umgebung die Hände warmhalten, da kalte Hände eher steif werden und schmerzen.

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