Fliegendes Gehirn: Eine Reise durch Science-Fiction, Realität und Comic-Adaptionen

Die Faszination für Science-Fiction-Konzepte, insbesondere solche, die sich mit künstlicher Intelligenz und futuristischen Technologien auseinandersetzen, ist ungebrochen. Von den Pulp-Magazinen der 1930er und 40er Jahre bis hin zu modernen Netflix-Serien und realen Anwendungen in der Raumfahrt hat das "fliegende Gehirn" einen festen Platz in unserer Vorstellungskraft gefunden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten dieses Konzepts, von seinen Ursprüngen in der Literatur und Animation bis hin zu seiner Verkörperung in aktuellen technologischen Entwicklungen.

Captain Future: Ein Held der Kindheit und seine Comic-Renaissance

Für viele, die in den 1980er Jahren aufgewachsen sind, ist "Captain Future" mehr als nur eine Zeichentrickserie. Die futuristische Titelmelodie und die abenteuerlichen Geschichten um Curtis Newton, besser bekannt als Captain Future, und seine Crew - bestehend aus dem Gehirn in einem fliegenden Behälter, Professor Simon Wright, dem Roboter Grag und dem Androiden Otto - sind unvergesslich. Die Serie, die ursprünglich im japanischen Fernsehen für ein jugendliches und erwachsenes Publikum konzipiert war, eroberte auch die Herzen der deutschen Zuschauer, obwohl das ZDF die Serie für die Ausstrahlung am Samstagnachmittag bearbeitete und vermeintlich jugendgefährdende Szenen entfernte.

Die Popularität von "Captain Future" hat nun zu einer Comic-Adaption geführt, die den Stil der Zeichentrickserie mit einem frischen Abenteuer verbindet. Autor Sylvain Runberg und Zeichner Alexis Tallone, die selbst in ihrer Kindheit von der Serie begeistert waren, haben sich zum Ziel gesetzt, eine neue Version der Geschichte zu erschaffen, die sowohl neuartig als auch respektvoll gegenüber dem Original ist. In Zusammenarbeit mit Toei Animation, dem Studio hinter der Zeichentrickserie, und den Erben von Edmond Hamilton, dem Schöpfer von Captain Future, ist ein Comic entstanden, der nicht nur Retro-Fans begeistern soll.

Die Comic-Adaption von "Captain Future" zeichnet sich durch einen gelungenen Mix aus altem und neuem Zeichenstil aus. Die Bilder sind detaillierter als in der Zeichentrickserie und die Actionszenen fallen wuchtiger aus. Allerdings gibt es auch einige Designentscheidungen, die diskutiert werden können, wie das jugendlichere Aussehen des Captains und die Darstellung von Otto. Besonders kritisiert wird die Neugestaltung von Joan Landor, die in der Comic-Version als schroffe und maulige Figur dargestellt wird.

Cimon: Ein "fliegendes Gehirn" im Dienste der Raumfahrt

Die Idee eines "fliegenden Gehirns" hat nicht nur in der Science-Fiction ihren Platz gefunden, sondern auch in der Realität. Mit "Cimon" (Crew Interactive Mobile Companion) hat Airbus im Auftrag des DLR Raumfahrtmanagements und in Kooperation mit IBM einen auf künstlicher Intelligenz basierenden Assistenten für Astronauten entwickelt. Der medizinball-große und rund fünf Kilogramm schwere Technologie-Demonstrator wurde während der Forschungsmission „Horizons“ der Europäischen Weltraumorganisation ESA auf der Internationalen Raumstation ISS von Alexander Gerst erprobt.

Lesen Sie auch: Captain Future: Eine Legende kehrt zurück

Cimon soll Astronauten bei Routinearbeiten unterstützen, indem er beispielsweise Prozeduren anzeigt oder Problemlösungen anbietet, die er aufgrund seiner "neuronalen" Vernetzung als "künstliche Intelligenz" bereitstellen soll. Das Know-How dafür stammt von IBM, Stimme und die KI machen Cimon laut Airbus zu einem echten „Kollegen“ der Crewmitglieder. Die Astronauten sollen mit Cimon in einen echten Dialog treten können, was die Effizienz steigern, den Missionserfolg unterstützen und für mehr Sicherheit sorgen soll.

Das Vorbild für Cimon stammt aus der Zeichentrickserie "Captain Future", in der das "fliegende Gehirn" Professor Simon Wright den Helden auf seinen Missionen unterstützt. Laut Till Eisenberg, Projektleiter von Airbus in Immenstaad, hat man sich bei Cimon durchaus am Vorbild aus "Captain Future" orientiert.

Science-Fiction auf Netflix: Eine Reise durch die besten Serien

Science-Fiction-Serien auf Netflix bieten eine breite Palette an Genres und Themen. Von dystopischen Zukunftsvisionen bis hin zu Geschichten über Freundschaft, Liebe und Loyalität ist für jeden Geschmack etwas dabei. Einige der besten Science-Fiction-Serien auf Netflix sind:

  • Sense 8 (2015): Acht Fremde aus verschiedenen Kulturen und Teilen der Welt entwickeln eine parapsychische Verbindung, durch die sie ihr Wissen, ihre Sprache und ihre Fähigkeiten teilen können.
  • 1899 (2022): Die Handlung dieser Mystery-Serie spielt auf einem Dampfschiff, das im Jahr 1899 von London nach New York City übersetzt.
  • Black Mirror (2011): Jede Folge der Anthology-Serie "Black Mirror" ist eine Gratwanderung zwischen Dystopie und Utopie.
  • Tribes of Europa (2021): In einer postapokalyptischen Zukunft, im Jahr 2074, ist Europa nach einem mysteriösen globalen Blackout in rivalisierende Mikrostaaten zerfallen.
  • 3% (2016): Die dystopische Welt von "3%" erinnert stark an YA-Romane wie "Die Tribute von Panem", "Divergent" oder "Die Auserwählten".
  • Altered Carbon (2018): Takeshi Kovacs, ein politischer Agent mit Söldnerfähigkeiten, wird in einen neuen Körper implantiert, um den Mord an einem Superreichen aufzuklären.
  • Manifest (2018): Die 191 Passagiere des Montego Air Fluges 828 werden für tot gehalten, tauchen aber plötzlich wieder auf.
  • Dark (2017): Das mysteriöse Verschwinden zweier Kinder sorgt für Aufsehen in der Kleinstadt Winden.
  • The Silent Sea (2021): Im Jahr 2075 ist die Erde zu einem unfruchtbaren Ödland geworden, und die einzige Hoffnung ist eine Probe eines Experiments, das auf einer verlassenen Mondbasis durchgeführt wurde.
  • Stranger Things (2016): In der Kleinstadt Hawkins, Indiana gehen seltsame Dinge vor sich.
  • Snowpiercer (2020): Nachdem die Erde eingefroren ist, müssen sich die letzten überlebenden Menschen in einem riesigen Zug, der den Globus umrundet, durchschlagen.
  • Biohackers (2020): Mia will Rache an der Professorin Tanja Lorenz nehmen, die Gen-Experimente an menschlichen Embryonen durchführt.
  • The OA (2016): Prairie Johnson taucht nach sieben Jahren wieder auf und kann auf einmal wieder sehen.
  • Living with Yourself (2019): Miles Elliot bekommt einen Klon, der weitaus optimistischer eingestellt ist.
  • Matrjoschka (2019): Software-Entwicklerin Nadia stirbt auf einer Party und gerät in eine Zeitschleife.
  • Gyeongseong Creature (2023): Im Frühjahr 1945 werden Jang Tae-sang und Yoon Chae-ok auf ein mysteriöses Krankenhaus in der Stadt Gyeongseong aufmerksam.
  • 3 Body Problem (2024): Eine junge Frau trifft eine schicksalhafte Entscheidung, die durch Raum und Zeit bis in die Gegenwart nachhallt.
  • Bodies (2023): Dieselbe Leiche taucht in den Jahren 1890, 1941, 2023 und 2053 in derselben Straße im Osten Londons auf.
  • Love, Death + Robots (2019): Diese Animations­anthologie bietet eine vielfältige Sammlung von Kurzgeschichten in unterschiedlichen Animationen.
  • Osmosis (2019): Im Paris der nahen Zukunft entwickeln zwei Geschwister eine revolutionäre Dating-Technologie.
  • Cassandra (2025): Ein Smart-Home-System entpuppt sich als Tyrannin.
  • Travelers: Die Reisenden (2016): Wissenschaftler schicken das Bewusstsein ausgewählter Menschen zurück ins 21. Jahrhundert, um den Lauf der Geschichte zu ändern.
  • Arcane (2021): Die Animationsserie erzählt die brutale Herkunftsgeschichte einiger der bekanntesten Charaktere aus dem Videospiel "League of Legends".

Pluribus: Individualismus versus Gemeinsinn in einer KI-Zukunft

Die Serie "Pluribus" wirft interessante Fragen über Individualismus und Gemeinsinn in einer möglichen KI-Zukunft auf. In der Serie sind alle Menschen durch einen Virus eins geworden, wodurch Individualität und Dissidenz in Frage gestellt werden. Die Serie, die von Vince Gilligan, dem Schöpfer von "Breaking Bad", entwickelt wurde, ist eine Parabel auf die KI-Zukunft der Menschheit und stellt die Frage, ob es ein Recht auf Dissidenz gibt.

Die Serie zitiert auch klassische Science-Fiction-Filme wie "Die Körperfresser kommen" und "Soylent Green" und greift das lateinische Motto "E pluribus unum - aus vielen eins" auf, das auf den meisten US-Münzen zu finden ist. "Pluribus" leuchtet als Science-Fiction, Komödie und Liebesgeschichte hinein und zeigt, dass eine wütende Beleidigung im Universum der ewigen Freundlichkeit ein Nachweis echter Menschlichkeit sein kann.

Lesen Sie auch: Faszination Nesseltiere: Wie sie ohne Gehirn leben

Flugfieber: Ein verschollener Kinder-Science-Fiction-Film

Neben den bekannten Science-Fiction-Serien und -Filmen gibt es auch weniger bekannte Werke, die in Vergessenheit geraten sind. Ein Beispiel dafür ist der Kinder-Science-Fiction-Film "Flugfieber", zu dem im Deutschen Science Fiction Forum seit Jahren Informationen und eine Bezugsquelle gesucht werden. Die deutsche Erstausstrahlung fand vermutlich 1988 beim WDF statt, kurz danach gab es wohl noch eine Ausstrahlung beim ARD Fernsehen. Eine erneute Ausstrahlung ist derzeit nicht geplant.

Edmond Hamilton: Der Vater von Captain Future und die Space Opera

Edmond Hamilton (1904-1977), der Schöpfer von Captain Future, war ein äußerst produktiver Schriftsteller und Comicautor, der als Mitbegründer des Science-Fiction-Subgenres Space Opera gilt. Hamiltons Schriftstellerkarriere begann eher zufällig, nachdem er seinen Job bei der Eisenbahngesellschaft Pennsylvania Road verloren hatte. Er veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten und Romane in verschiedenen Pulp-Magazinen und prägte das Science-Fiction-Genre.

Hamilton selbst soll kurz vor seinem Tod gesagt haben, dass er glücklicherweise zu einem Zeitpunkt im Science-Fiction-Bereich startete, als sich noch niemand groß Gedanken um Qualität machte. Was im Umkehrschluss jetzt aber niemanden davon abhalten soll, sich näher mit seinem Werk zu beschäftigen.

Lesen Sie auch: Lesen Sie mehr über die neuesten Fortschritte in der Neurowissenschaft.

tags: #fliegendes #gehirn #serie