Foramen Ovale und seine Bedeutung für die Gehirnfunktion: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Das Foramen ovale ist eine natürliche Öffnung zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens, die während der fetalen Entwicklung eine wichtige Rolle spielt. Normalerweise schließt sich diese Öffnung nach der Geburt. Bleibt sie jedoch offen, spricht man von einem persistierenden Foramen ovale (PFO). Während ein PFO in den meisten Fällen keine gesundheitlichen Probleme verursacht, kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen wie Schlaganfällen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Funktion des Foramen ovale, die Ursachen und Diagnose eines PFO sowie die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist ein Foramen Ovale?

Das Foramen ovale ist eine segelförmige Öffnung zwischen dem rechten und linken Vorhof des Herzens. Jedes ungeborene Baby hat diese Öffnung, da seine Lunge noch nicht entfaltet ist und sauerstoffreiches Blut von der Mutter durch den Körper des Fötus zirkulieren muss. Die Öffnung ermöglicht es dem Blut, den Lungenkreislauf zu umgehen. Nach der Geburt, wenn das Baby selbstständig atmet, ist diese Umleitung nicht mehr erforderlich. Normalerweise verschließt sich das Foramen ovale innerhalb der ersten ein bis zwei Lebensjahre von selbst.

Persistierendes Foramen Ovale (PFO)

Bei etwa 25 % der Menschen schließt sich das Foramen ovale jedoch nicht vollständig. In diesen Fällen spricht man von einem persistierenden Foramen ovale (PFO), d. h. einem dauerhaft offenen Foramen ovale. Ein PFO hat normalerweise keinen Krankheitswert und verursacht in den meisten Fällen keine Symptome. Viele Menschen leben jahrelang oder sogar ihr ganzes Leben, ohne von ihrem PFO zu wissen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen, warum sich das Foramen ovale bei manchen Menschen nicht schließt, sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten. Es gibt keine spezifischen Risikofaktoren, die die Entstehung eines PFO begünstigen.

Mögliche Komplikationen eines PFO

Obwohl ein PFO in den meisten Fällen harmlos ist, kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen kommen. Eine der schwerwiegendsten Komplikationen ist der Schlaganfall.

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Schlaganfall

Ein PFO kann das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen, insbesondere bei jüngeren Menschen unter 60 Jahren. Der Zusammenhang besteht darin, dass kleine Blutgerinnsel, die sich normalerweise in den Beingefäßen (Venen) bilden, durch das PFO vom rechten in den linken Vorhof gelangen können. Von dort aus können die Gerinnsel in den Körperkreislauf und schließlich ins Gehirn gelangen, wo sie ein Blutgefäß (Arterie) verstopfen und einen Schlaganfall verursachen können.

Die Schlaganfallsymptome sind vielfältig und können sich als kurzzeitige Sprachstörungen, Sehstörungen oder Lähmungen äußern, die sich wieder zurückbilden. Es können aber auch dauerhafte Störungen in Form eines manifesten Schlaganfalls auftreten. Wenn nach einem Schlaganfall keine andere Ursache gefunden wird und ein PFO nachgewiesen wird, spricht man von einem kryptogenen Schlaganfall.

Migräne

Es gibt Hinweise darauf, dass ein PFO mit Migräne, insbesondere mit Aura, in Verbindung stehen könnte. Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig verstanden, aber es wird vermutet, dass kleine Blutgerinnsel oder andere Substanzen, die normalerweise in der Lunge gefiltert würden, durch das PFO ins Gehirn gelangen und Migräneanfälle auslösen können.

Weitere mögliche Komplikationen

In seltenen Fällen kann ein PFO auch zu anderen Komplikationen wie einer Dekompressionskrankheit bei Tauchern oder einer systemischen Embolie (Verschleppung von Blutgerinnseln in andere Organe) führen.

Diagnose eines PFO

Ein PFO wird in der Regel im Rahmen einer Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) diagnostiziert. Es gibt verschiedene Arten der Echokardiographie, die zur Diagnose eines PFO eingesetzt werden können:

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  • Transthorakale Echokardiographie (TTE): Dies ist dieStandardmethode, bei der ein Ultraschallkopf auf die Brustwand aufgesetzt wird, um Bilder des Herzens zu erzeugen.
  • Transösophageale Echokardiographie (TEE): Bei dieser Methode wird eine Ultraschallsonde in die Speiseröhre eingeführt, um detailliertere Bilder des Herzens zu erhalten. Die TEE wird oft eingesetzt, wenn die TTE keine eindeutigen Ergebnisse liefert oder wenn eine genauere Beurteilung des PFO erforderlich ist.
  • Doppler-Echokardiographie: Diese Methode kann den Blutfluss durch das PFO sichtbar machen.
  • Kontrastmittel-Echokardiographie: Bei dieser Methode wird ein Kontrastmittel in eine Vene injiziert, um den Blutfluss durch das PFO besser sichtbar zu machen.

Behandlung eines PFO

Die Behandlung eines PFO hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. dem Vorliegen von Symptomen, dem Alter des Patienten und dem individuellen Risikoprofil. In vielen Fällen ist keine Behandlung erforderlich, insbesondere wenn das PFO keine Symptome verursacht.

Medikamentöse Therapie

Bei Patienten mit einem PFO, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben, kann eine medikamentöse Therapie zur Vorbeugung weiterer Schlaganfälle eingesetzt werden. Dabei kommen entweder Antikoagulanzien (Blutgerinnungshemmer) oder Thrombozytenaggregationshemmer (z. B. Aspirin) zum Einsatz. Diese Medikamente verhindern, dass sich Blutgerinnsel bilden und ins Gehirn gelangen können.

Interventioneller PFO-Verschluss

In bestimmten Fällen kann ein interventioneller PFO-Verschluss in Erwägung gezogen werden. Dies ist ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem das PFO mit einem speziellen Schirmchen (Okkluder) verschlossen wird. Der Eingriff wird in einem Herzkatheterlabor durchgeführt.

Dabei werden Katheter durch ein Blutgefäß (Vene) in der Leistengegend bis zum Herz vorgeschoben. Durch diese Katheter kann dann ein sogenannter Schirm bis zur Öffnung zwischen den Vorhofkammern geschoben und in der Öffnung positioniert werden. In den nächsten Wochen oder Monaten überwächst körpereigenes Gewebe diesen Schirmverschluss und die kleine Öffnung wird somit geschlossen.

Ablauf des Eingriffs

  1. Vorbereitung: Vor dem Eingriff wird der Patient über den Ablauf und die Risiken des Eingriffs aufgeklärt. Es werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um die Größe und Form des PFO zu bestimmen.
  2. Narkose: Der Eingriff kann entweder unter Vollnarkose oder unter Sedierung (Dämmerschlaf) durchgeführt werden.
  3. Katheterisierung: Ein Katheter wird über die Leistenvene zum Herzen vorgeschoben.
  4. PFO-Verschluss: Durch den Katheter wird ein Schirmchen (Okkluder) zum PFO geführt und dort platziert. Das Schirmchen verschließt das PFO dauerhaft.
  5. Kontrolle: Nach dem Einsetzen des Schirmchens wird die korrekte Lage und Funktion des Schirmchens mittels Echokardiographie überprüft.
  6. Nachsorge: Nach dem Eingriff muss der Patient in der Regel für ein bis zwei Tage im Krankenhaus überwacht werden. Es ist wichtig, die Leistenregion zu schonen und auf Anzeichen von Komplikationen zu achten.

Indikationen für einen PFO-Verschluss

Ein PFO-Verschluss wird in der Regel nur bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen in Erwägung gezogen. Die wichtigsten Indikationen für einen PFO-Verschluss sind:

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  • Kryptogener Schlaganfall: Bei Patienten unter 60 Jahren, die einen Schlaganfall ohne erkennbare Ursache (kryptogener Schlaganfall) erlitten haben, kann ein PFO-Verschluss das Risiko eines erneuten Schlaganfalls deutlich reduzieren.
  • Rezidivierende Migräne mit Aura: Bei Patienten mit häufigen und schweren Migräneanfällen mit Aura, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen, kann ein PFO-Verschluss in Erwägung gezogen werden.
  • Systemische Embolien: Bei Patienten mit wiederholten systemischen Embolien unklarer Ursache kann ein PFO-Verschluss das Risiko weiterer Embolien verringern.

Risiken und Komplikationen des PFO-Verschlusses

Wie bei jedem medizinischen Eingriff gibt es auch beim PFO-Verschluss Risiken und mögliche Komplikationen. Zu den häufigsten Komplikationen gehören:

  • Blutungen oder Hämatome an der Punktionsstelle in der Leiste
  • Herzrhythmusstörungen
  • Thrombusbildung am Schirmchen
  • Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel)
  • Luftembolie
  • Infektionen

In seltenen Fällen kann es auch zu schwerwiegenderen Komplikationen wie einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt kommen.

Nachsorge nach einem PFO-Verschluss

Nach einem PFO-Verschluss ist eine regelmäßige Nachsorge wichtig, um die korrekte Lage und Funktion des Schirmchens zu überprüfen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. In der Regel müssen die Patienten für mindestens sechs Monate nach dem Eingriff blutverdünnende Medikamente (Thrombozytenaggregationshemmer) einnehmen, um die Bildung von Blutgerinnseln am Schirmchen zu verhindern.

Operativer PFO-Verschluss

In seltenen Fällen, wenn ein interventioneller PFO-Verschluss nicht möglich ist oder nicht erfolgreich war, kann ein operativer PFO-Verschluss in Erwägung gezogen werden. Dies ist ein offenerherzchirurgischer Eingriff, bei dem das PFO direkt vernäht wird.

PFO und Migräne

Einige Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen PFO und Migräne hin, insbesondere Migräne mit Aura. Es wird vermutet, dass kleine Blutgerinnsel, die normalerweise in der Lunge gefiltert werden, durch das PFO ins Gehirn gelangen und dort Migräneanfälle auslösen können. Ein PFO-Verschluss kann bei Patienten mit therapierefraktärer Migräne mit Aura in Erwägung gezogen werden, wenn andere Behandlungen nicht erfolgreich waren.

Leben mit einem PFO

Die meisten Menschen mit einem PFO führen ein normales und gesundes Leben ohne Einschränkungen. Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, dass ein PFO in seltenen Fällen zu Komplikationen führen kann, und sich bei entsprechenden Symptomen an einen Arzt zu wenden.

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