Warum Mütter mit Kindern anstrengend sind: Eine vielschichtige Betrachtung

Das Muttersein, oft romantisiert und idealisiert, ist in der Realität ein komplexes und anstrengendes Unterfangen. Während Zeitschriften und Werbung ein Bild von Glück und Dauerlachen zeichnen, wird die tatsächliche Arbeit von Müttern gesellschaftlich kaum gewürdigt. Von Müttern wird erwartet, dass sie in Beruf, Partnerschaft und Mutterschaft perfekt funktionieren, was zu einem enormen Druck führt. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Gründe, warum Mütter mit Kindern anstrengend sind, und bietet Lösungsansätze zur Bewältigung dieser Herausforderungen.

Der gesellschaftliche Druck und unrealistische Erwartungen

Einer der Hauptfaktoren für die Anstrengung von Müttern ist der immense gesellschaftliche Druck. Es beginnt oft mit einer ungeplanten Schwangerschaft, gefolgt von einer Phase der Ambivalenz, insbesondere wenn der Vater der Vaterschaft neutral oder ablehnend gegenübersteht. Im Gegensatz zu Kulturen, in denen Schwangere im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, wird in Deutschland dieser Zustand oft als selbstverständlich betrachtet, ohne Anerkennung oder Sonderbehandlung. Mütter mit mehr als zwei Kindern werden sogar belächelt oder diffamiert. Kinder großzuziehen gilt nicht als "in", und Deutschland steht im Vergleich zu anderen europäischen Ländern schlecht da, was die Familienförderung betrifft.

Dieser Druck führt dazu, dass Mütter ständig beobachtet und kritisiert werden. Sie sollen sich aufopfern, aber gleichzeitig schick aussehen und auf sich achten. Kinder sollen keinen Lärm machen, aber vielfältige Bewegungsangebote erhalten. Sie sollen gefördert werden, aber möglichst nichts kosten, und in einer ungesunden Umgebung mit belasteten Nahrungsmitteln aufwachsen.

Innere Konflikte und Perfektionismus

Viele Mütter setzen sich selbst zusätzlich unter Druck, indem sie versuchen, alles "richtig" zu machen. Dieser Perfektionismus führt zu inneren Konflikten und einem Gefühl der Überlastung. Es beginnt mit kleinen Dingen, wie dem Schuheanziehen des Kindes, bei dem die Mutter zwischen der Förderung der Selbstständigkeit des Kindes und dem Einhalten von Terminen hin- und hergerissen ist. Sie macht sich Gedanken darüber, was andere denken könnten, wenn sie zu spät kommt, und fühlt sich schuldig, wenn sie ihrem Kind nicht genug Grenzen setzt.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist es wichtig, die Situation zu akzeptieren und sich einzugestehen, dass man im Stress ist und es zurzeit nicht ändern kann. Es ist auch wichtig zu erkennen, dass man als Mensch und als Mutter immer in Ordnung ist, auch wenn man Fehler macht. Jesper Juul unterscheidet zwischen Schuldgefühl und Schuldbewusstsein. Schuldgefühle sind diffus und bringen uns nicht weiter, während Schuldbewusstsein uns sagt, dass wir etwas falsch gemacht haben, und uns ermöglicht, uns zu entschuldigen.

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Die Bedürfnisse des Kindes und die eigenen Bedürfnisse

Kinder können Mütter leicht zur Weißglut bringen, aber sie tun dies in den meisten Fällen nicht, um zu ärgern, sondern um zu helfen oder auf etwas aufmerksam zu machen. Aus der Sicht des Kindes handelt es in bester Absicht. Wenn dieses Verhalten die Nerven strapaziert, liegt das meistens daran, dass die Mutter andere Bedürfnisse hat als das Kind. Da ein kleines Kind voll und ganz auf die Mutter angewiesen ist, kommen seine Bedürfnisse oft an erster Stelle.

Es ist wichtig zu verstehen, dass jedes Verhalten positiv oder negativ gesehen werden kann. Ein Kind, das trödelt, ist vielleicht sehr phantasievoll oder gründlich, ein unruhiges Kind ist sehr lebendig und einfallsreich, ein Kind, das schreit, hat Durchsetzungsvermögen, und ein Kind, das alles wissen will, wird mit Sicherheit besonders intelligent.

Strategien zur Stressbewältigung

Um mit dem Stress und der Überlastung umzugehen, gibt es verschiedene Strategien, die Mütter anwenden können:

  1. Pausen einlegen: Jeder Säugling schläft irgendwann - und gerade wenn man im Stress ist, sollte man diese Pause für sich nutzen. Man kann sich hinlegen oder einer ruhigen Beschäftigung nachgehen, die man mag, wie Lesen, ein Bad nehmen oder einer handwerklichen oder künstlerischen Tätigkeit nachgehen. Wenn das Kind älter wird, kann man eine "stille Stunde" einführen, in der man nicht gestört werden möchte.
  2. Einen Entspannungsort schaffen: Es gibt Situationen und Phasen, die man einfach nur überleben kann. Deshalb sollte man sich in der Wohnung einen Ort schaffen, an dem man kurz innehalten und entspannen kann.
  3. Körperlicher Ausgleich: Gerade energiegeladene Mütter benötigen einen körperlichen Ausgleich wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen, um Stress abzubauen und den Körper zu harmonisieren.
  4. Humor: Humor entschärft jede Situation. Deshalb kann man sich ein Humorregal mit komischen Gegenständen wie Pappnasen oder Cartoons einrichten.
  5. Schreiben: Papier ist geduldig und hilft uns, Ärger, Sorgen, Gedanken und Gefühle von der Seele zu schreiben.
  6. Musik: Musik hat einen positiven Einfluss auf das menschliche Gehirn, verändert unsere Gefühle und kann uns entspannen oder aufmuntern.
  7. Hilfe suchen: Ein afrikanisches Sprichwort sagt: "Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen." Man kann sich "Paten" für sein Kind suchen und diese auch ganz konkret um Hilfe bitten.
  8. Dankbarkeit: Die Kraft der Dankbarkeit ist eine Quelle der Entspannung und des Glücks. Man sollte sich einmal die Mühe machen, aufzuzählen, was bei einem gerade alles in Ordnung ist und wofür man dankbar sein kann.
  9. Achtsamkeit: Man sollte mehrmals am Tag innehalten und beobachten, wie es einem geht, was man denkt und welche Gefühle man bemerkt.
  10. Selbstakzeptanz: Man sollte ja zu sich selbst sagen, zu allen Fehlern und Schwächen. Man ist ein Mensch und man ist in Ordnung - so, wie man ist. Man muss nicht perfekt sein!

Die Rolle des Partners und der Familie

Ein wichtiger Faktor für die Entlastung von Müttern ist die Unterstützung durch den Partner und die Familie. Es ist wichtig, dass sich beide Elternteile die Verantwortung für die Kinder und den Haushalt teilen. Der Väter-Report des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend zeigt, dass Paare, die die Betreuung gleichwertig aufteilen, zufriedener sind und die Scheidungsrate niedriger ist.

Auch die Unterstützung durch die Familie, insbesondere die Großeltern, kann eine große Hilfe sein. Sie können bei der Kinderbetreuung einspringen und den Müttern eine Auszeit ermöglichen.

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Die Bedeutung von Netzwerken und Freundschaften

Neben der Unterstützung durch den Partner und die Familie sind auch Netzwerke und Freundschaften wichtig. Der Austausch mit anderen Müttern kann helfen, sich nicht allein zu fühlen und von den Erfahrungen anderer zu profitieren. Es ist wichtig, sich mit Müttern zu umgeben, die ähnliche Werte und Interessen haben, und mit denen man offen über die Herausforderungen des Mutterseins sprechen kann.

Regretting Motherhood: Ein Tabuthema

Ein Tabuthema, das in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit erregt, ist "Regretting Motherhood", also das Bereuen der Mutterrolle. Dies bedeutet nicht, dass die Mütter ihre Kinder nicht lieben, sondern dass sie die Entscheidung, Mutter zu werden, bereuen. Dies kann verschiedene Gründe haben, wie z.B. Überforderung, fehlende Unterstützung oder unrealistische Erwartungen.

Es ist wichtig, dieses Thema zu enttabuisieren und den betroffenen Müttern die Möglichkeit zu geben, offen darüber zu sprechen. Sie sollten sich nicht schuldig fühlen, sondern sich Unterstützung suchen und Wege finden, mit ihren Gefühlen umzugehen.

Die Rolle der Gesellschaft und der Politik

Um die Situation von Müttern zu verbessern, ist es wichtig, dass sich auch die Gesellschaft und die Politik engagieren. Es braucht eine bessere Familienförderung, eine bessere Kinderbetreuung und eine größere Wertschätzung der Arbeit von Müttern. Es ist auch wichtig, unrealistische Erwartungen abzubauen und ein realistisches Bild des Mutterseins zu vermitteln.

Island hat ein Modell, das fünf Monate Elternzeit für Mütter und fünf Monate Elternzeit für Väter vorsieht sowie drei Monate, die der oder die andere zusätzlich nehmen kann. 96 Prozent aller Väter nehmen fünf Monate Elternzeit. Es ist also völlig normal, dass die Väter ganz am Anfang eine lange Zeit mit den Kindern allein sind. Ein solches Modell wäre auch für Deutschland wünschenswert.

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