Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine der häufigsten hormonellen Störungen bei Frauen im gebärfähigen Alter und betrifft Millionen von Frauen weltweit. Es zeigt sich durch eine Vielzahl von Symptomen, die oft tief in den Alltag und das Wohlbefinden eingreifen. Unregelmäßige Zyklen, unerfüllter Kinderwunsch, Akne oder Gewichtszunahme sind nur einige der Symptome, die den Alltag stark belasten können. Das Syndrom bleibt oft lange unerkannt, und die Diagnose wird meist erst dann gestellt, wenn die Regelblutung unregelmäßig kommt oder der Kinderwunsch unerfüllt bleibt.
Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen PCOS, Insulinresistenz und dem zentralen Nervensystem. Dabei werden sowohl konventionelle Therapieansätze als auch alternative Behandlungsmöglichkeiten betrachtet.
Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS)
Das PCO-Syndrom ist eine hormonell bedingte Erkrankung, die europaweit bei etwa 4-12% aller Frauen auftritt. Es kennzeichnet sich durch eine Erhöhung der männlichen Geschlechtshormone, genauer den Androgenen. Diese Erhöhung bewirkt eine stärkere Behaarung, Akne, Haarausfall und auch Übergewicht.
Charakteristische Merkmale des PCOS
Das PCO-Syndrom geht mit einer Reihe charakteristischer hormoneller und stoffwechselbezogener Veränderungen einher. Bei einer gesunden Frau wandern die Eizellen aus dem Follikel in den Eileiter, was auch als Eisprung bezeichnet wird. Der Eisprung bleibt beim PCO-Syndrom aus, und dadurch verbleiben die Eizellen im Follikel, der sich dadurch zystenartig vergrößert. Von diesem Syndrom wird gesprochen, wenn bei der Ultraschalluntersuchung mindestens 10 Eibläschen, meist zwischen einer Größe von 12 und 8 mm, nachgewiesen werden.
Ursachen und Risikofaktoren
Wie es zu dieser Störung im Hormonhaushalt kommt, ist bis dato noch nicht eindeutig geklärt. Weiters nimmt man an, dass auch die genetische Veranlagung sowie Umwelteinflüsse einen starken Einfluss auf die Entstehung haben. Da das gesamte Krankheitsbild des PCOS multifaktoriell ist, zeichnen sich auch die Beschwerden unterschiedlich aus.
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Symptome und Beschwerden
Häufig klagen Betroffene über Zyklusstörungen, geprägt von teilweise sehr starken Menstruationsbeschwerden. Auf Grund der hohen Spiegel an männlichen Geschlechtshormonen kann es zu einer männlichen Behaarung kommen, auch Hirsutismus genannt, sowie einer tiefen männlichen Stimme und Haarausfall. Schlafstörungen, eingeschränkte Fruchtbarkeit bis hin zur Unfruchtbarkeit sind ebenfalls möglich. Die meisten der Betroffenen leiden unter Übergewicht bis hin zur Fettleibigkeit. Es gibt bestimmte Kriterien (Rotterdam-Kriterien), die dabei vorliegen müssen. Die Therapieoptionen richten sich hierbei wieder ganz stark an die zugrunde liegenden Beschwerden. Ziel ist es, die Beschwerden, so gut es geht zu lindern und mögliche Folgeerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes vorzubeugen. Weiters wird unterschieden, ob ein Kinderwunsch vorliegt oder nicht.
Insulinresistenz als zentraler Faktor bei PCOS
Ein zentraler Faktor bei PCOS ist häufig eine Insulinresistenz - also die reduzierte Fähigkeit der Körperzellen, auf das Hormon Insulin zu reagieren. Das PCO-Syndrom stellt ebenso einen Risikofaktor für die Entwicklung von Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus Typ 2 sowie Bluthochdruck und Arteriosklerose dar.
Die Rolle von Insulin
Insulin ist ein Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse produziert wird und eine Schlüsselrolle bei der Regulation des Blutzuckerspiegels spielt. Bei einer Insulinresistenz benötigen die Körperzellen mehr Insulin, um Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Dies führt zu einem erhöhten Insulinspiegel im Blut, was wiederum verschiedene negative Auswirkungen haben kann.
Zusammenhang mit Androgenen
Da diese Prozesse im Körper der Frau hormonell gesteuert werden, spielen auch die Hormone beim polyzystischen Ovar Syndrom eine wesentliche Rolle. Allen voran sind die weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene), die männlichen Geschlechtshormone (Androgene), das luteinisierende Hormon (LH) sowie das Follikel-stimulierende Hormon (FSH) daran beteiligt.
Die erhöhte LH-Konzentration regt im Eierstock die Bildung von männlichen Geschlechtshormonen (Androgenen) an, die zum Teil im Fettgewebe in Östrogene umgewandelt werden. Dadurch erhöht sich die Östrogenkonzentration im Blut. Diese wirkt auf die Hypophyse und verringert die Ausschüttung von FSH und erhöht die Ausschüttung von LH. Da beim PCO-Syndrom die FSH-Konzentration verringert ist, wird weniger Östrogen umgebaut, während sich die Androgenkonzentration erhöht (Hyperandrogenämie). Auf diese Weise entsteht ein Überschuss an Androgenen, der einen normalen Zyklus verhindert.
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Auswirkungen der Insulinresistenz
Die Insulinresistenz kann verschiedene negative Auswirkungen auf den Körper haben:
- Erhöhte Androgenproduktion: Insulin stimuliert die Produktion von Androgenen in den Eierstöcken, was zu einer Verstärkung der Symptome des PCOS führen kann.
- Gewichtszunahme: Insulin fördert die Einlagerung von Fett, insbesondere im Bauchbereich.
- Erhöhtes Risiko für Diabetes: Die ständige Überlastung der Bauchspeicheldrüse kann langfristig zu einer Erschöpfung führen und die Entstehung von Typ-2-Diabetes begünstigen.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Insulinresistenz ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Arteriosklerose.
Die Rolle des zentralen Nervensystems
Die neue Studie "Polycystic Ovary Syndrome Pathophysiology: Integrating Systemic, CNS, and Circadian Processes"unterstreicht die Bedeutung systemischer, zentralnervöser und zirkadianer Prozesse, die alle eine Rolle bei der Entstehung des PCOS spielen können. Die Koordinationszentrale des Hormonsystems ist der Hypothalamus im Gehirn als Teil des zentralen Nervensystems. Er übermittelt mittels regulatorischer Hormone (Botenstoffe) Signale an die nahe gelegene Hypophyse, mit der er über den Hypophysenstiel direkt verbunden ist.
Stress und die HPA-Achse
Eine der am meisten diskutierten Hypothesen in der neueren Forschungsliteratur ist der Zusammenhang zwischen Stress und der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse). Bei Stress wird die HPA-Achse aktiviert, was zu einer erhöhten Ausschüttung von Cortisol und anderen Stresshormonen führt. Diese Hormone können weitreichende Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem und den gesamten Stoffwechsel haben. An dieser Stelle kommt die Frage nach der Rolle von Stress bei der Entstehung des PCOS ins Spiel.
Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) spielt eine zentrale Rolle bei der Stressbewältigung im Körper. Studien zeigen, dass Frauen mit PCOS eine erhöhte Aktivierung der HPA-Achse aufweisen, was zu einer erhöhten Cortisolproduktion führt, insbesondere während der Cortisol-Aufwachreaktion (CAR) am Morgen.
Die HPA-Achse und das Aufwachen mit erhöhten Cortisolspiegeln können verschiedene Körperzellen und Gehirnstrukturen beeinflussen. Diese Stressreaktion kann möglicherweise die Funktion des Hypothalamus verändern, einer Hirnregion, die grundlegende Lebensfunktionen wie Appetit, Durst, Aggression, Sexualtrieb und Hormonproduktion reguliert. Dies könnte erklären, warum Frauen mit PCOS häufig über Stimmungsschwankungen, Depressionen und Angstzustände berichten. Es könnte auch erklären, wie der durch chronischen Stress verursachte Überschuss an Cortisol und anderen Stresshormonen zu einer Überstimulation der Androgenproduktion in den Eierstöcken führt.
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Auswirkungen auf den Stoffwechsel
Die Aktivierung der HPA-Achse und die erhöhte Cortisolproduktion können auch die Insulinsensitivität beeinflussen. Chronischer Stress kann zu einer Insulinresistenz führen, was wiederum die Symptome des PCOS verstärken kann.
Konventionelle Therapieansätze
Viele Betroffene hören von Ärzt:innen früh den Vorschlag: „Probieren Sie es mit Metformin.“Metformin, ein Medikament aus der Diabetesbehandlung, soll dabei helfen, die Insulinresistenz zu verbessern - eine häufige Begleiterscheinung von PCOS.
Metformin
Metformin ist ein sogenanntes Zuckermedikament, das ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt wurde. Denn: Viele Frauen mit PCOS leiden unter einer Insulinresistenz, die den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringt und die Bildung männlicher Hormone begünstigt. Doch auch bei Frauen mit PCOS ohne offiziell diagnostizierte Insulinresistenz wird Metformin häufig eingesetzt. Die Wirkung von Metformin bei PCOS ist vielfältig. Besonders hervorzuheben ist die Wirkung auf den Menstruationszyklus: Viele Frauen berichten, dass sich ihr Zyklus durch Metformin stabilisiert und sie wieder Eisprünge haben.
Die Dosierung von Metformin bei PCOS variiert je nach individueller Situation. Üblich ist ein schrittweiser Einstieg mit 500 mg pro Tag, der bei guter Verträglichkeit gesteigert auf 1.500 bis 2.000 mg werden kann. Die Einnahme erfolgt in der Regel zu den Mahlzeiten, um Magenbeschwerden zu reduzieren.
Die Erfahrungen mit Metformin bei PCOS sind gemischt - und reichen von spürbarer Erleichterung bis hin zu belastenden Nebenwirkungen. Doch nicht alle reagieren gut auf das Medikament. Viele Frauen berichten von starken Magen-Darm-Beschwerden - insbesondere in den ersten Wochen der Einnahme. Die individuelle Reaktion auf Metformin ist sehr unterschiedlich. Wie jedes Medikament kann auch Metformin bei PCOS Nebenwirkungen verursachen - insbesondere zu Beginn der Einnahme. Diese Nebenwirkungen treten vor allem in den ersten Wochen auf und lassen sich häufig durch eine langsame Dosiserhöhung mildern. In sehr seltenen Fällen kann es zu einer Laktatazidose kommen - einer ernstzunehmenden Stoffwechselentgleisung.
Metformin wird über den Urin ausgeschieden und gelangt so in unser Abwasser. Studien haben gezeigt, dass es als sogenannter endokriner Disruptor auf Wasserlebewesen wirkt - insbesondere auf die Fruchtbarkeit von Fischen.
Hormonelle Kontrazeptiva
Bei kosmetischen Problemen wie Hirsutismus oder Haarausfall können Antiandrogene wie Cyproteronacetat in Kombination mit Ethinylestradiol (EE) eingesetzt werden. Damit kann eine Senkung der frei verfügbaren Androgene erreicht werden, wodurch ein bis zu 90-prozentiger Therapieerfolg erzielt werden kann.
Kinderwunschbehandlung
Bei Frauen mit Kinderwunsch kann eine Clomifen-Behandlung durchgeführt werden. Kommt diese Möglichkeit nicht in Betracht, kann eine Low-dose-FSH-Stimulation in Betracht gezogen werden.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten
Metformin ist nicht die einzige Möglichkeit, PCOS - insbesondere in Verbindung mit Insulinresistenz - zu behandeln. Es gibt sanfte, natürliche Alternativen - wie Inositol oder Berberin - sowie kraftvolle Tools, die du selbst in der Hand hast. Und das lohnt sich!
Ernährung und Bewegung
Die Ernährung ist eine der wirksamsten Stellschrauben bei PCOS. Eine kohlenhydratreduzierte, ballaststoffreiche Ernährung hilft, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Insulinspitzen zu vermeiden. Wichtig: Nicht nur was du isst, sondern auch wie und wann. Regelmäßige Bewegung - vor allem moderates Krafttraining - verbessert die Insulinsensitivität nachhaltig.
Schlaf und Stressmanagement
Wusstest du, dass bereits eine Woche mit zu wenig Schlaf (unter 6 Stunden pro Nacht) ausreichen kann, um eine messbare Insulinresistenz auszulösen? Daher sind Schlafhygiene, Nervensystemregulation und Stressmanagement wichtige Faktoren bei der Behandlung von PCOS.
Natürliche Nahrungsergänzungsmittel
Myo-Inositol und D-Chiro-Inositol sind natürliche Substanzen, die der Körper auch selbst produziert. Gerade bei Frauen mit Kinderwunsch oder unerfülltem Eisprung zeigen Inositol-Präparate in Studien sehr gute Ergebnisse. Ein weiteres spannendes Naturheilmittel ist Berberin - ein Pflanzenextrakt, das ähnlich wie Metformin auf den Blutzuckerstoffwechsel wirkt.
Coenzym Q10
Die Ergebnisse deuten an, dass Q10 positive Auswirkungen auf den Zucker- und Fettstoffwechsel bei PCOS-Patientinnen haben und damit den generellen Gesundheitszustand verbessern könnte. Bei Frauen, die Q10 eingenommen hatten, wurde ein niedrigerer Nüchternblutzucker, eine geringere Insulinkonzentration sowie eine verbesserte Insulinsensibilität als zu Beginn der Behandlung festgestellt.
CBD Öl
Zwar steckt die wissenschaftliche Forschung zu CBD und dem PCO-Syndrom (PCOS) noch in den Anfängen, doch viele Frauen berichten bereits heute von positiven Erfahrungen mit CBD Öl als unterstützender Maßnahme.Was sie sagen, ist oft ähnlich: CBD hilft ihnen, Symptome besser zu managen, den Körper besser wahrzunehmen - und das Wohlbefinden im Alltag zu steigern.
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