Regelmäßige körperliche Betätigung ist für die Gesundheit unerlässlich, insbesondere für das Herz-Kreislauf-System. Sport hat aber auch einen positiven Einfluss auf die Gesundheit des Gehirns. Fahrradfahren ist eine hervorragende Möglichkeit, diese Vorteile zu nutzen, ohne sich in einem Fitnessstudio anmelden oder für einen Marathon trainieren zu müssen.
Die Vorteile des Radfahrens für das Gehirn
Die gesundheitlichen Vorteile von Sport auf das Gehirn lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Neurogenese: Entgegen früheren Annahmen ist das erwachsene Gehirn in der Lage, neue Nervenzellen zu bilden, wenn auch in begrenztem Umfang. Dieser Prozess, die Neurogenese, wird durch den Botenstoff BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) gefördert. Körperliche Betätigung steigert die BDNF-Produktion und unterstützt so die Entstehung neuer Nervenzellen.
- Herz-Kreislauf-System: Schlaganfälle stellen eine erhebliche Bedrohung für die geistige Leistungsfähigkeit dar. Sport wirkt sich positiv auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit aus und trägt somit zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei, was wiederum dem Gehirn zugute kommt.
- Verbesserte Durchblutung: Radfahren erhöht die Herzfrequenz und fördert die Durchblutung im gesamten Körper, einschließlich des Gehirns. Eine gesteigerte Durchblutung versorgt die Nervenzellen mit mehr Sauerstoff und Nährstoffen, was die kognitive Leistung und Konzentration verbessert.
- Stressabbau: Radfahren senkt die Konzentration von Stresshormonen wie Cortisol und steigert gleichzeitig die Produktion von Endorphinen und Serotonin. Diese Neurotransmitter heben die Stimmung und bauen Stress ab, wodurch langfristig das Risiko für Angstzustände und Depressionen verringert werden kann.
- Schutz vor neurodegenerativen Erkrankungen: Die Kombination aus verbesserter Durchblutung, Neurogenese und Stressreduktion durch Radfahren kann dazu beitragen, das Gehirn gesund zu halten und das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson zu senken.
Studien belegen die positiven Effekte
Zwei Studien untersuchten die Art und Dauer der körperlichen Aktivität, die für positive Auswirkungen auf das Gehirn erforderlich sind.
Eine niederländische Studie untersuchte die Auswirkungen von regelmäßigem Radfahren auf stationären Fahrrädern auf die Gehirnstruktur. Die Teilnehmer trainierten über einen Zeitraum von sechs Monaten wöchentlich eine Stunde lang. Vor und nach den sechs Monaten untersuchten die Wissenschaftler die Gehirne der Studienteilnehmer mittels DTI (Diffusion Tensor Imaging), einem neuartigen bildgebenden Verfahren. Die Ergebnisse zeigten, dass regelmäßiges Radfahren zu einer Stärkung der Verbindungen der Nervenzellen im Gehirn führt. Diese Veränderungen waren insbesondere in den Regionen zu beobachten, in denen Bewegungen koordiniert werden.
Um die Auswirkungen auf die BDNF-Konzentration zu untersuchen, führten taiwanesische Wissenschaftler ein Experiment durch, in dem wiederum Fahrräder zum Einsatz kamen. In der Studie erhielten Studienteilnehmer ein zwölfwöchiges Fitnesstraining, das aus Radfahren auf einem stationären Fahrrad bestand. Nach den zwölf Wochen wurde sowohl die Muskelmasse als auch die BDNF-Konzentration gemessen. Die Ergebnisse zeigen, dass das Training sowohl die Muskelmasse als auch die BDNF-Konzentration (verglichen mit der Konzentration vor Trainingsbeginn) steigern konnte. Das regelmäßige Radfahren reichte folglich aus, um die Konzentration des für die Produktion neuer Nervenzellen verantwortlichen Botenstoffs BDNF bedeutsam zu steigern.
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Radfahren im Alltag integrieren
Radfahren lässt sich leicht in den Alltag integrieren, indem man Besorgungen oder den Weg zur Arbeit mit dem Rad erledigt.
- Kurze Strecken: Auch kurze Einheiten fördern die Gesundheit - jede Bewegung zählt. Wer anfangs noch keine halbe Stunde schafft, kann sich langsam steigern.
- Arbeitsweg: Menschen, die ihren Alltag aktiv gestalten und zum Beispiel für den Arbeitsweg das Rad nutzen, senken laut WHO das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (um 10 Prozent) und für Diabetes-Typ-2 (um 30 Prozent).
- Moderate Intensität: Sie sollten die Belastung der individuellen Leistungsfähigkeit anpassen und sich langsam steigern. Wie bei allen Ausdauersportarten gilt: Während der Fahrt sollten Sie sich noch unterhalten können, ohne dabei aus der Puste zu kommen.
Radfahren für verschiedene Zielgruppen
- Junge Menschen: Wenn man bereits im Kindesalter anfängt, regelmäßig Rad zu fahren, macht man das auch als Erwachsener und trainiert dadurch seinen Geist. Für Kinder bedeutet die Bewegung an der frischen Luft zusätzlich eine Stärkung des Selbstbewusstseins und der Unabhängigkeit. Außerdem können sie ihre Grenzen ausprobieren. Als Nebeneffekt trainieren sie ihr Gehirn und werden aufnahmebereiter.
- Ältere Menschen: Eine britische Studie zeigt: Wer im Alter regelmäßig draußen Rad fährt, kann seine kognitiven Fähigkeiten verbessern - egal ob mit Muskelkraft oder E-Antrieb. Gerade für ältere Menschen, die lange nicht mehr oder noch nie Fahrrad gefahren sind, scheint das E-Bike ein echter Türöffner zu sein - für Bewegung, Natur und geistige Frische.
- Schwangere: Während der Schwangerschaft spricht nichts gegen Radfahren. Achten Sie auf ein moderates Fahrtempo. Dem Ungeborenen schadet Radfahren nicht. Schwangere empfinden die Bewegung meist als angenehm, unter anderem da sie die Gelenke schont.
Zusätzliche Vorteile des Radfahrens
Neben den positiven Auswirkungen auf die Gehirndurchblutung und die kognitiven Fähigkeiten bietet Radfahren zahlreiche weitere Vorteile:
- Herz-Kreislauf-System: Durch das regelmäßige Treten wird der Kreislauf angeregt und die Durchblutung gesteigert. Sowohl der Herzmuskel als auch das Gehirn werden besser mit Sauerstoff versorgt und die elastische Funktion der Blutgefäße gefördert. Langfristig wird das Herz gestärkt und das Herz-Kreislauf-System kann sich leichter an unterschiedliche Anforderungen anpassen. Dadurch sinkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie zum Beispiel Bluthochdruck.
- Lunge: Gleichzeitig wirkt sich regelmäßiges Fahrradfahren positiv auf die Leistung der Lunge aus. Die Atemmuskulatur wird gekräftigt, die Lungenflügel werden besser belüftet. Durch regelmäßiges Training kommt man nicht mehr so schnell aus der Puste. Insbesondere Menschen mit Asthma oder einer chronischen Bronchitis können von der verbesserten Lungenfunktion profitieren.
- Gelenke: Da 70 bis 80 Prozent des Körpergewichts auf dem Fahrradsattel liegen, werden vor allem die Hüft- und Kniegelenke beim Radfahren geschont. Die rhythmischen Kreisbewegungen sind für die Produktion von Gelenkflüssigkeit und damit für den Gelenkknorpel ideal. Durch die Bewegung wird die Durchblutung verbessert, wodurch die Gelenkflüssigkeit mit Nährstoffen versorgt wird. Regelmäßiges Radeln fördert deshalb einen gesunden Knorpelstoffwechsel. Gerade bei Arthrose ist Fahrradfahren neben Schwimmen oder Aquagymnastik ideal.
- Muskulatur: Fahrradfahren beansprucht vor allem die Bein-, Rücken- und Gesäßmuskulatur. Aber auch verschiedene Muskelgruppen des Oberkörpers werden aktiviert und sorgen so für Stabilisierung und die richtige Haltung.
- Psyche: Wer regelmäßig Sport treibt, ist auch mental ausgeglichener und weniger stressanfällig. Durch die rhythmische Bewegung beim Fahrradfahren fällt der Körper in einen Entspannungsmodus. Nach etwa 30 bis 40 Minuten werden Glückshormone ausgeschüttet, die nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Gesundheit fördern.
- Gewichtskontrolle: Wer regelmäßig radelt, kann auch durchs Fahrradfahren abnehmen. Es kurbelt nämlich den Fettstoffwechsel an und fördert die Kalorienverbrennung.
- Umwelt: Sie sparen Spritkosten und schonen damit nicht nur ihren Geldbeutel, sondern auch die Umwelt.
Tipps für den Einstieg
- Ärztlicher Check-up: Ein ärztlicher Check-up ist ratsam für alle, die schon länger keinen Sport gemacht haben oder unter einer Vorerkrankung leiden.
- Fahrradeinstellung: Wer bei oder nach dem Radfahren Rücken- oder Knieschmerzen hat, sollte prüfen, ob das Fahrrad richtig eingestellt ist. Bleiben die Beschwerden bestehen, können Fehl- oder Überbelastungen vorliegen, die am besten ärztlich abgeklärt werden sollten.
- Fahrradcheck: Checke dein Rad durch, bevor du losfährst! Oder bringe es zu einem Fachgeschäft, wenn du sicher gehen möchtest, dass dein Rad voll funktionsfähig und straßenverkehrstauglich ist. Denn gerade, wenn es ein paar Jahre ungenutzt in der Garage stand, solltest du alle sicherheitsrelevanten Teile überprüfen (lassen).
- Kleine Ziele: Stecke dir kleine, erreichbare Ziele! Deine Arbeitsstelle ist zehn Kilometer weit weg? Dann starte lieber mit dem kürzeren Weg zur Bäckerei oder zum Supermarkt.
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