Die sexuelle Anziehungskraft auf Füße, auch bekannt als Fußfetisch oder Podophilie, ist ein faszinierendes und vielschichtiges Phänomen. Diese Vorliebe, die bei manchen Menschen Ekel auslöst, während andere sie als Quelle sexueller Erregung empfinden, ist keineswegs selten und verdient eine differenzierte Betrachtung.
Ursprünge und Definition
Ein Fetisch ist eine sexuelle Neigung, die von der Norm abweicht. Viele Menschen können ohne die Auslebung ihrer Fantasie beim Sex nicht vollständig befriedigt werden. Die sexuelle Vorliebe für Füße ist keineswegs selten. Im medizinischen Sinne spricht man erst dann von einem Fetisch, wenn unbelebte Objekte als Stimuli für die sexuelle Erregung und zur sexuellen Befriedigung gebraucht werden.
Die neurologische Perspektive
Der indische Neurowissenschaftler Vilayanur Ramachandran vermutet, dass die Ursache für Fußfetischismus auch im Gehirn liegen könnte. Demnach sei der Teil des Gehirns, der das Empfinden der Füße verarbeitet, mit dem Teil benachbart, der die Stimulation der Genitalien wahrnimmt. Das könnte ihm zufolge erklären, dass manche Menschen eine Verbindung zwischen Füßen und sexueller Erregung haben.
Im Hirn liegen die Fußzellen direkt neben den Zellen, die für unsere Geschlechtsorgane zuständig sind. Ramachandran vermutet, dass es zwischen den beiden Hirngebieten Querverbindungen gibt: Wenn man den Fuß berührt, aktiviert das über diese Verbindungen auch Hirnzellen, die uns unsere Genitalien spüren lassen. Im somatosensorischen Cortex, dem Bereich im Gehirn, der Körperwahrnehmung verarbeitet, liegen die Regionen für Füße und Genitalien nah beieinander. Einige Wissenschaftler:innen vermuten entsprechend, dass diese Nähe die Überschneidung von sexueller Erregung und Füßen begünstigen könnte.
Psychologische und kulturelle Einflüsse
Die Psychologie geht bei der Entstehung sexueller Präferenzen vom bio-psycho-sozialen Modell aus - prägende Kindheitserinnerungen können dabei durchaus eine Rolle spielen. Eine Studie zum Thema Fußfetischismus aus dem Jahr 1998 fand zudem einen möglichen Zusammenhang zwischen Fußfetischismus und Epidemien. Demnach gab es im Zuge der Aids-Epidemie eine Zunahme an pornografischen Material, in denen Frauenfüße sexualisiert wurden. Die Forschenden vermuten, dass sexuelle Fußspiele in Zeiten sexuell übertragbarer Krankheiten als sichere Alternative zu penetrativem Sex wahrgenommen wurden - und somit an Beliebtheit gewannen.
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In manchen Gesellschaften werden Füße als Symbol für Unterwerfung, Macht oder sogar Reinheit betrachtet. So wurden Königen früher die Füße geküsst, wenn man Ergebenheit zeigen wollte, Jesus' wusch die Füße der Jünger als Zeichen der Fürsorge und des Respekts - Dominanz und Liebe sind aber auch große Themen der Erotik. Diese Symbolik kann für Menschen mit einem Fußfetisch besonders anziehend sein.
Vielfalt der Vorlieben
Der Fußfetisch kann sich in unterschiedlichen Formen äußern. Manche Menschen bevorzugen gepflegte, saubere Füße, während andere sich von getragenen Socken oder bestimmten Gerüchen angezogen fühlen. Es gibt zum Beispiel Menschen, die nur einen bestimmten Bereich des Fußes sexuell erregend finden, oder sie wollen die Füße in bestimmten Schuhen und Strümpfen sehen. Andere haben wiederum eine sexuelle Vorliebe für die Beschaffenheit der Füße.
Das Internetangebot bietet jedenfalls reichlich Fotos und Videos von nackten Füßen in vielen Varianten: perfekt pedikürt oder mit Schmutz “dekoriert”, in High Heels gesteckt oder barfuß im Bett. Doch vielen Fußfetischisten reicht der Anblick schöner Frauenfüße nicht. Sie möchten Zehen, Sohle und Ferse mit ins Liebesspiel einbeziehen. Entweder lutschen, lecken und massieren sie selbst die Objekte ihrer Begierde, oder sie lassen sich mit einem Footjob stimulieren. Bei den sexuellen Praktiken gehen die Vorlieben natürlich ebenfalls auseinander. Einige möchten mit den Zehen befriedigt werden (“Toe-Job”), andere mögen es, wenn der:die Sexpartner:in sich auf den Körper stellt (“Trampling”). Manche mögen es, die nackten Füße ins Gesicht gehalten zu bekommen oder wollen sich fesseln und an den eigenen Füßen kitzeln lassen, bis sie die “Qual” (oder den “Lustschmerz”) nicht mehr aushalten.
Online-Markt und Kommerzialisierung
Das Internet hat ein Bewusstsein für Kinks geschaffen, also für alternative sexuelle Vorlieben. Auf Reddit zählt die Community r/feetpics aktuell über 400.000 Mitglieder. Eine von ihnen ist Feeterie. Sie wurde 2020 von drei BWL-Studenten aus Österreich gegründet, unter anderem von Tobias M. - der Geschäftsführer des Start-Ups Neolime, zu dem Feeterie gehört. „Freundinnen haben uns in Gesprächen immer wieder erzählt, wie sie online Kleidung verkauften und dabei immer wieder von Männern nach getragenen Socken oder Stiefeln gefragt wurden“, sagt Tobias M., der seinen Nachnamen nicht in diesem Artikel lesen möchte. So entstand die Idee für Feeterie.
Tobias M. zufolge zählt die Plattform aktuell 7500 aktive Verkäuferinnen und zwischen 125.000 und 150.000 Käufer. Coco Mocoe trägt ein Paar Socken meist nur einen Tag, so wie viele andere Menschen auch. Wenn ihr Kunde es will, dann lässt sie sie auch mal drei Tage lang an - mehr aber nicht. „Das wäre mir persönlich schon ein bisschen zu ekelig“, sagt sie und lacht. Coco Mocoe, die eigentlich anders heißt, verkauft online getragene Socken. Wenn sie sie lang genug am Fuß hatte, steckt sie sie in einen Plastikbeutel und entzieht daraus die Luft mit einem Vakuumiergerät. „Damit bleibt der intensive Geruch erhalten“, erzählt sie. So mögen es ihre Kunden. Auf der Plattform Feeterie verkauft sie auch Fußbilder und Videos - wahlweise aufgenommen in der eigenen Wohnung oder auf der Sonnenliege im Urlaub. Ihre Preise dafür variieren zwischen 40 und 65 Euro.
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Gesellschaftliche Wahrnehmung und Stigmatisierung
Die Gesellschaft hat unterschiedliche Ansichten über den Fußfetisch. Diese Perspektiven können die Art und Weise beeinflussen, wie Betroffene ihre Vorliebe wahrnehmen und ausleben. In vielen westlichen Gesellschaften wird der Fußfetisch oft als ungewöhnlich oder bizarr angesehen, was zu Vorurteilen und Stigmatisierung führen kann.
Scham und Stigma rund um Fußfetische kann dazu führen, dass viele Fetischisten ihre Interessen geheim halten. Diese Geheimhaltung kann sie davon abhalten, gesunde sexuelle und romantische Beziehungen zu führen, weil sie ihr wahres Ich verstecken müssen. Medien und Social Media hätten ein Bewusstsein für das weit verbreitete „Kink Shaming“ geschaffen. Dadurch haben Menschen realisiert, dass andere erotische Interessen nicht gleich ungesund oder problematisch sind, nur weil sie sich von ihren unterscheiden.
Fußpflege und Ästhetik
Es gibt zwar Männer, die zum Beispiel auf schmutzige Füße stehen - aber die meisten möchten schöne, weibliche und gepflegte Füße sehen. Frauen widmen ihren Füßen in der Regel viel mehr Pflege und setzen sie mit Nagellack und High Heels hübsch in Szene - wodurch die Lust darauf steigen könnte.
Positive Aspekte und Beziehungsdynamik
Für viele Menschen bietet der Fußfetisch eine Möglichkeit, ihre Sexualität auf eine einzigartige Weise auszudrücken. In Beziehungen kann der Fußfetisch sowohl bereichernd als auch problematisch sein. Wenn die Vorliebe im Einklang mit der Partnerin oder dem Partner ausgelebt wird und keine heimlichen Handlungen stattfinden oder ein Leidensdruck besteht, gibt es keinen Grund zur Sorge.
Es ist ja auch eine schöne Art der Zuneigung, wenn ein Mann zum Beispiel die Füße der Partnerin massiert. Du wirst Dich wahrscheinlich regelmäßig über eine Fußmassage freuen können.
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