Muskelkrämpfe sind ein weit verbreitetes Phänomen, das fast jeder Mensch schon einmal erlebt hat. Sie äußern sich als plötzliche, unwillkürliche und schmerzhafte Kontraktionen der Skelettmuskulatur, oft begleitet von einer tastbaren Verhärtung des Muskels. Besonders häufig treten sie in der Wadenmuskulatur und den Füßen auf, können aber auch andere Muskelgruppen betreffen. Obwohl Muskelkrämpfe in den meisten Fällen harmlos sind, können sie sehr belastend sein und die Lebensqualität erheblich einschränken.
Was sind Muskelkrämpfe?
Ein Muskelkrampf ist ein plötzliches, schmerzhaftes und unkontrollierbares Zusammenziehen eines Muskels oder einer Muskelgruppe. Die Muskeln spannen sich plötzlich und unwillkürlich an. Dies kann wenige Sekunden, aber auch einige Minuten dauern - und extrem schmerzhaft sein. Davon häufig betroffen sind die Waden, Oberschenkel oder auch Hände und Füße.
Ursachen von Muskelkrämpfen
Die Ursachen für Muskelkrämpfe sind vielfältig und oft nicht eindeutig zu bestimmen. Es gibt extrem viele unterschiedliche Ursachen.
Neurologische Ursachen:
- Nervale Übererregbarkeit: Meist handelt es sich um nervlich bedingte Muskelkrämpfe, durch eine nervale Übererregbarkeit von Nerven, welche die Skelettmuskulatur versorgen und innervieren. Es wird angenommen, dass eine Übererregbarkeit der Nerven von Dehnungsrezeptoren in Sehnen und Muskeln eine Rolle spielt. Des Weiteren wird angenommen, dass eine Überaktivität von Ionenkanälen, die für die Impulsübermittlung im Nerv notwendig sind, zu einer Übererregbarkeit von Nerven führt. Untersuchungen von Forschern haben gezeigt, dass die Muskeln durch elektrische Reizungen schon bei sehr viel niedrigerer Reizintensität auf Impulse reagieren.
- Neurologische Erkrankungen: In seltenen Fällen können neurologische Erkrankungen wie Polyneuropathien, Spinalkanalstenose oder Nervenwurzelschädigungen (z.B. durch Bandscheibenvorfälle) Muskelkrämpfe verursachen. Selten treten Muskelverkrampfungen bei neurologischen Autoimmunerkrankungen oder familiär gehäuft auf und sind genetisch bedingt.
Weitere mögliche Ursachen und Risikofaktoren:
- Elektrolytmangel: Ein Mangel an Elektrolyten wie Magnesium, Kalium und Natrium kann Muskelkrämpfe begünstigen. Dies kann durch starkes Schwitzen, unzureichende Flüssigkeitsaufnahme, Durchfall, Erbrechen oder die Einnahme von entwässernden Medikamenten (Diuretika) verursacht werden.
- Flüssigkeitsmangel: Eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr kann ebenfalls zu Muskelkrämpfen führen, da der Körper Nährstoffe nicht richtig transportieren kann und die Durchblutung verschlechtert wird. Dehydrierung ist insbesondere auch bei Sportlern und bei Hitze ein Risiko.
- Muskuläre Überlastung: Starke körperliche Anstrengung, Überlastung oder ungewohnte Belastung der Muskulatur können Krämpfe auslösen. Auch ein schlechter Trainingsstand und verkürzte Muskeln können zu Krämpfen führen.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, vor allem Arzneimittel mit entwässernder Wirkung (Diuretika), Cholesterinsenker (Statine), bronchienerweiternde Arzneimittel, Chemotherapeutika, hormonelle Verhütungsmittel oder bestimmte Blutdrucksenker können das Risiko von Muskelkrämpfen erhöhen. Auch das Absetzen bestimmter Substanzen kann im Zusammenhang mit Muskelkrämpfen stehen.
- Erkrankungen: Eine unerkannte Schilddrüsenfehlfunktion (Hypothyreose), Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz, Muskelerkrankungen oder Störungen der Kalziumverteilung im Muskel können ebenfalls zu vermehrten Krämpfen führen.
- Durchblutungsstörungen: Bei älteren Menschen kann eine verminderte Durchblutung der Muskeln aufgrund von Gefäßverengungen (Arteriosklerose) zu Sauerstoffmangel und Krämpfen führen.
- Schwangerschaft: In der Schwangerschaft treten Muskelkrämpfe häufiger auf, möglicherweise aufgrund von Mineralstoffmangel (Natrium, Kalzium, Magnesium).
- Weitere Faktoren: Falsche Körperhaltung, Stress, Verletzungen, Bewegungsmangel, unausgewogene Ernährung, Alkohol- und Tabakkonsum können ebenfalls eine Rolle spielen.
Muskelkrämpfe im Alter
Krämpfe im Alter sind weit verbreitet und betreffen besonders nachts die Waden vieler Senioren. Bewegungsmangel, altersbedingter Muskelabbau und Mineralstoffmangel sind häufige Ursachen. Die Verkürzung der Muskeln im Alter ist oft auf mangelnde Bewegung und den altersbedingten Abbau der Muskelmasse zurückzuführen. Falsche Belastungen der Muskeln können dieses Problem weiter verschärfen. Hinzu kommen krankheitsbedingte Gelenkprobleme, die durch Erkrankungen wie Arthrose und Gicht verursacht werden. Ein Mangel an Mineralien und Salzen, der durch eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr entsteht, trägt ebenfalls zu Krämpfen im Alter bei. Häufige Muskelkrämpfe im Alter können auf eine Reihe von Erkrankungen hinweisen, die weiter untersucht werden sollten.
Was hilft bei akuten Muskelkrämpfen?
Die beste Sofortmaßnahme bei einem Muskelkrampf ist:
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- Dehnen: Auch wenn es wehtut, dehne den betroffenen Muskel. Ziehen Sie die Fußspitze Richtung Knie, um die Wade zu dehnen und den Krampf zu lösen.
- Bewegung: Stehe auf und laufe umher. Dadurch wird die Muskulatur automatisch gelockert.
- Entlastung: Tritt der Krampf während des Trainings auf, solltest du den betroffenen Muskel sofort entlasten.
- Massage: Massiere den betroffenen Muskel. Das wirkt durchblutungsfördernd, entspannend und wohltuend. Wenn du zum Massieren eine Massagepistole nutzen willst, starte langsam und vorsichtig.
- Wärme: Wärme, z. B. eine Wärmflasche oder ein heißes Bad, können die Muskulatur zusätzlich entspannen. Wärmebehandlungen wie ein warmes Fußbad vor dem Schlafengehen können ebenfalls hilfreich sein.
Wie beuge ich Muskelkrämpfen vor?
Damit es gar nicht erst zu schmerzhaften Krämpfen kommt, solltest du folgende Tipps befolgen:
- Ausreichend trinken: Trinken wir nicht genug, kann unser Körper Nährstoffe nicht richtig transportieren. Mindestens 1,5 Liter Wasser oder andere kalorienfreie Getränke wie Tee sollte es täglich sein. Bei hohen Belastungen ist Apfelsaftschorle ideal oder auch Wasser, dem etwas Salz zugesetzt ist.
- Elektrolythaushalt ausgleichen: Achte auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Magnesium, Kalium und Natrium. Statt zu Nahrungsergänzungsmitteln zu greifen, solltest du auf natürliche Mineralstofflieferanten wie Vollkornprodukte, Hülsenfürchte, Obst, Gemüse und Fisch setzen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sollten Erwachsene 4000 Milligramm Kalium und 1500 Milligramm Natrium zu sich nehmen. Für Magnesium liegt der Schätzwert für Frauen bei 300, der für Männer bei 350 Milligramm.
- Regelmäßig dehnen: Nimm dir vor dem Schlafengehen ein paar Minuten Zeit, um deine Waden- und Oberschenkelmuskulatur jeweils dreimal für zehn Sekunden zu dehnen, indem du die Fersen kräftig nach unten durchdrücken. Regelmäßiges Dehnen der Muskeln - schon einfache Dehnübungen können helfen, Krämpfen vorzubeugen.
- Bewegung: Achte darauf, dass du dich jeden Tag mindestens 30 Minuten bewegst. Das lockert die Muskeln und fördert die Durchblutung. Gelenkschonende Sportarten wie Gymnastik, Schwimmen oder Radfahren sind besonders empfehlenswert, da sie die Muskeln stärken, ohne die Gelenke zu belasten.
- Überlastung vermeiden: Wenn du viel und gerne trainierst: Übertreibe es nicht und höre auf deinen Körper!
- Balance zwischen Ruhe und Bewegung: Vor allem gezielte Übungen sowie Verhaltensänderungen im Alltag und am Arbeitsplatz, die ein sinnvolles Gleichgewicht zwischen Bewegung und Entspannung fördern, können helfen, einseitige Belastungen zu vermeiden und Muskelkrämpfen vorzubeugen oder sie im Akutfall zu lindern.
- Richtiges Schuhwerk und passende Strümpfe: Drücken tagsüber die Schuhe auf die Gefäße oder schnüren die Strümpfe die Beine ein, wird die Durchblutung gestört, sodass es nachts zu Krämpfen kommen kann. Auch kann falsches Schuhwerk oft zu Fehlbelastungen und somit zu Krämpfen führen. Fußfehlstellungen wie Senk- oder Spreizfuß erhöhen ebenfalls das Risiko für Muskelkrämpfe, da die Fehlstellung die Gefäße und die Durchblutung beeinträchtigt. Das richtige Schuhwerk und die passenden Strümpfe können also helfen, Muskelkrämpfen vorzubeugen. Tragen Sie bei Fußfehlstellungen geeignete Einlagen.
- Vermeiden Sie mechanische Reize: Vermeiden Sie mechanische Reize wie eine zu schwere Decke auf den Füßen, da diese Krämpfe zusätzlich begünstigen können.
- Verzicht auf Alkohol- und Tabakkonsum: Alkohol und Tabak können die Durchblutung beeinträchtigen und das Risiko für Muskelkrämpfe erhöhen.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist entscheidend, um Muskelkrämpfen im Alter vorzubeugen.
- Ausgewogene Ernährung: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung trägt wesentlich zur Mineralstoffversorgung bei. Eine Ernährung, die reich an Gemüse wie Salat, Gurken und Tomaten ist, kann den Körper mit vielen wichtigen Mineralien versorgen. Vollkornprodukte wie Müsli und Nüsse sind ebenfalls wertvolle Quellen für Mineralien und helfen dabei, den Mineralhaushalt im Gleichgewicht zu halten. Es ist wichtig, auf die richtige Trinkmenge und die Wahl der Getränke zu achten: Mineralwasser, ungesüßte Kräutertees und Saftschorlen liefern dem Körper wichtige Mineralien. Im Gegensatz dazu wirkt Kaffee entwässernd und sollte daher nur in Maßen konsumiert werden. Auch das Rauchen sollte dringend vermieden werden, da es die Durchblutung beeinträchtigt und somit das Risiko für Muskelkrämpfe erhöht.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Treten trotz dieser Maßnahmen weiterhin Muskelkrämpfe auf, lasse die Ursache ärztlich abklären. Häufige Muskelkrämpfe können sehr belastend sein. Wenn es immer wieder zu Muskelkrämpfen kommt und/oder diese besonders schmerzhaft sind und sich auch nicht mit Hausmitteln und Bewegung bessern lassen, dann sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. In der Praxis können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden, um die möglichen Ursachen der Muskelkrämpfe herauszufinden und eine wirksame Behandlung zu empfehlen, die langfristig geeignet ist, Krämpfe und Schmerzen zu lindern.
Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere dann erforderlich, wenn:
- die Häufigkeit der Muskelkrämpfe deutlich zunimmt.
- Muskelkrämpfe in ungewöhnlichen Körperregionen außerhalb der Waden und Füße auftreten, z.B. auch am Rumpf oder den oberen Extremitäten.
- Muskelkrämpfe durch körperliche Aktion selbst ausgelöst werden und nicht nur in Ruhe auftreten.
- Muskelkrämpfe zusammen mit Faszikulationen (unwillkürliches Muskelzittern) oder Muskelschwäche auftreten.
- Begleitsymptome wie Fieber, Schwellungen oder Hautveränderungen auftreten.
- Vorerkrankungen wie Diabetes, Niereninsuffizienz oder Schilddrüsenerkrankungen bekannt sind.
Diagnostik
In den allermeisten Fällen sind Muskelkrämpfe harmlos und bedürfen keiner weiteren Diagnostik. Eine Untersuchung der Leber- und Nierenwerte, der Elektrolyte (Natrium, Kalzium, Magnesium) sowie der Schilddrüsenwerte kann durch Ihren Hausarzt erfolgen. Sollte es jedoch zu einer deutlichen Zunahme der Häufigkeit von Muskelkrämpfen führen oder Muskelkrämpfe in ungewöhnlichen Körperregionen außerhalb der Waden und Füße, z.B. auch am Rumpf oder den oberen Extremitäten auftreten oder Muskelkrämpfe durch körperliche Aktion selbst ausgelöst werden und nicht nur in Ruhe auftreten, ist eine weitere Diagnostik durch den Neurologen erforderlich. Dies gilt insbesondere, wenn Muskelkrämpfe zusammen mit Faszikulationen (unwillkürliches Muskelzittern) oder Muskelschwäche auftreten um zugrundeliegende neuromuskuläre Erkrankungen abzugrenzen und zu differenzieren. Für die erweiterte Untersuchung werden oft MRT- oder CT-Untersuchungen durchgeführt. Bluttests helfen dabei, Elektrolytstörungen, Schilddrüsenprobleme oder Entzündungswerte zu erkennen. Besteht der Verdacht auf neurologische Ursachen, kann eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit weitere Aufschlüsse geben.
Behandlung von Muskelkrämpfen
Die Therapie von Muskelkrämpfen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
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Nicht-medikamentöse Therapien:
- Dehnübungen: Regelmäßiges Dehnen der betroffenen Muskeln, z.B. abends vor dem Zubettgehen, kann die Neigung zu Muskelkrämpfen reduzieren.
- Physiotherapie und Massagen: Physiotherapie und Massagen können helfen, Muskelverspannungen zu lösen und die Durchblutung zu fördern.
- Lokale Wärme: Lokale Wärme (Wärmflasche, Wärmepflaster, Wannenbäder) kann die Muskeln entspannen und Schmerzen lindern.
- Ausgewogene Ernährung und Flüssigkeitszufuhr: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Elektrolyten und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind wichtig, um Muskelkrämpfen vorzubeugen.
- Elektrostimulation: Eine spezielle Elektrostimulation der zu Muskelkrämpfen neigenden Muskeln kann zu einer Verminderung von Muskelkrämpfen führen.
Medikamentöse Therapien:
(nur nach vorheriger Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt)
- Schmerzmittel: Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (Ibuprofen, Diclofenac) können bei Bedarf zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Muskelrelaxanzien: Muskelrelaxanzien (Methocarbamol, Pridinol) können bei Muskelverspannungen helfen.
- Magnesium: Die Einnahme von Magnesium kann hilfreich sein, häufig sind allerdings höhere Dosen erforderlich, die dann häufig zu Nebenwirkungen des Magen-Darm-Traktes (Durchfall) führen. Allerdings konnten Studien zeigen, dass Magnesium außerhalb der Schwangerschaft keine sichere Wirkung gegenüber Placebo aufweist, so dass hier im Einzelfall entschieden werden muss, ob Magnesium zur Vorbeugung von Muskelkrämpfen überhaupt geeignet und wirksam ist. Aus unserer Sicht stehen wir deshalb der Therapie mit Magnesium kritisch gegenüber.
- Chinin: Die Anwendung von Chinin Sulfat, das in Deutschland seit 2015 wieder rezeptpflichtig ist wird kontrovers diskutiert. Einerseits ist es bei therapieresistenten Muskelkrämpfen eindeutig wirksam, welches auch in Studien belegt werden konnte (Cochrane Rev 2012). Andererseits bestehen Sicherheitsbedenken, da es insbesondere bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen, zu teilweise allergisch bedingten Blutbildveränderungen sowie Nieren- und Leberschäden kommen kann.
- Weitere Medikamente: Weitere Medikamente zur Therapie von Muskelkrämpfen, z.B. durch so genannte Natrium- und Kalziumkanal blockierende Substanzen (Antiepileptika, Medikamente zur Behandlung neuropathischer Schmerzen), können hilfreich sein, bedürfen aber der regelmäßigen Einnahme und Begleitung durch einen Arzt (Serrao et al. 2000, Liewluck et al.
- Medikamente gegen Nervenschmerzen: Wie schon eingangs dargestellt, ist oftmals eine nervale Übererregbarkeit Ursache der Muskelkrämpfe weshalb wir Medikamente gegen Nervenschmerzen bevorzugen. Diese Medikamente stammen aus der Gruppe der sogenannten Antiepileptika (Medikamente gegen Krampfanfallsleiden, Epilepsie) und sind deswegen auch sinnvoll, weil sie die Ursache und nicht das Symptom behandeln.
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